Das ist entschieden bedauerliche Das geht doch nicht, daß der General- , anz'e'iger von der ganzen Sache nichts ^erichteib Der Kollege von dn Volks­stimme ist Ihnen sowieso nicht grün, Sie machen sich durch Ihre Tätigkeit vor den Arbeitsgerichten für die Pianosortefabrik nicht immer beliebt er wird jedenfalls die Gelegenheit benutzen, um Ihnen eins auszuwischen. Durch uns könnten Sie gleich den Gegenstoß führen. Aber wie sie wolle , CS ^Können"Sie vielleicht in einer halben Stunde nochmal anrufen, Herr

Spätestens. Aber was soll sich bis dahin groß verändern?

",Jch werde bis dahin einen schriftlichen Bericht

Ms ^eter^'zurück'kommt"fitzt Rosemarie nebenan am Fluge^sie hort seine Schritt?, der Pantherschlag stoßt achtmal m die Tasten,Ju bi late, ubilate", ja, diese himmlische Freude bis ms Innerste. Schonlem wartet, die Hände auf ihren Schultern, und rührt sich nicht. Als.er ficf) über sie beugen will, entschlüpft sie ihm wieder mit einer leichten Be- mcauna.Rusen Sie Herrn Habicht an, Peter, und sagen Sie ihm, seine Gerüchte seien aus der Luft gesogen, in Wirklichkeit sei bas Auto ein­wandfrei und bewiesenermaßen gewonnen worden von Herrn Doktor Anton Wagenschanz, selfmademan, Inhaber der bekannten Kosmetischen Werke und Erfinder der berühmten Schönheitskreme Erotikon. Auf diese Weise kommt der Generalanzeiger außerdem noch zu einem guten Inserat.

Aber der Rechtsstandpunkt" wendet Schönlem ein.

"Ach Gott, der! Meist geht es eben nach dem Rechthaberei-Standpunkt." Das war sehr gut, daß sie das miteinander abmachten, denn sie sind noch mitten in dieser Unterredung, da rasselt der Fernsprecher abermals. Also Herr Habicht, ich kann Ihnen Mitteilen . .

, Gar kein Herr Habicht", tönt es zurück,hier Frau Kommerzienrat Wehrhahn. Ich komme eben von einem Autoausflug zurück, lieber Schon- lein, und erfahre, mein Telephon wird feit Stunden von den Damen des Hausfrauenvereins belagert. Was ist denn das für eine grauenhafte Ge- ichichte? Nur kein Skandal!" _ . ..

Gnädige Frau, es gibt keinen Skandal." Er muß der einflußreichen Dame des Langen und Breiten den Hergang erklären, wie es kam, daß und wieso und weswegen und inwiefern, und das Fraulem Reubold aus freien Stücken auf eine Durchfechtung des Rechtsstandpunktes verzichtet habe, um die Ausstellungsleitung oder vielmehr die Damen des Vereins nicht in eine prekäre Situation zu bringen.Na, Gott fei Dant, lieber Schönlein", hört er es aus breitem Busen seuszen,das ist aber wahr­haftig anständig von ihr. Bloß well sie uns keine Schwierigkeiten machen will? Wissen Sie, ich hätte es ja eigentlich viel schöner gefunden, wenn ein junges Mädchen diesen fabelhaften Wagen"

Ihre Zukunft als Pianistin ist gesichert, Rosemarie", berichtet Peter. Sie haben jetzt bei der Kommerzienrätin einen dicken Stein im «teil. Sie hat sich Ihren Namen ausgeschrieben und mit Vergnügen erfahren, daß es sich um eine sehr begabte Angestellte der Pianosortesabrik handelt. Was sagen Sie, habe ich bas nicht fein gedreht?"

Anderntags verändert Peter feinen Standpunkt em wenig, denn die Bolksstimine erscheint um fünf Uhr früh mit der SchlagzeileSchiebung auf der Ausstellung! Eine gute Freundin des Ausftettungsleiters Rechts- ambalt Schönlein.gewinnt den Haupipreis!"

Anton Wagenschanz kümmert sich weder um das eine noch das an­dere. Um neun Uhr gibt er, von zwei handfesten Mechanikern begleitet, seinest Losbrief im Gewinnbüro ab, und die beiden Leute, Monteure einer Reparaturwerkstatt, schleppen den taubengrauen Zweisitzer mit Hilfe eines uralten Fordwagens ab. Sie steuern ihn, wobei der spiegelnde Lack die erste Schramme abkriegt, Haarschars in den engen Holzverschlag im Hof de/ Witwe Wagenschanz.

Rechtsanwalt Schönlein erstattet unserm peinlich berührten Bürger­meister einen sachlichen Bericht. Es wird allgemein bemerkt, daß die beiden Herren sich bald darauf in offenbar bester Laune aus dem Rathaus zum Wettiner Hof begeben, wo man sie eine Stunde lang beim Frühschoppen beobachten kann. , , .

Am Dienstag bringt dieVolksstimme" den schuldigen Widerruf, der aber nur von den wenigsten Lesern beachtet wird, es handelt sich um drei Zeilen in kleinster Type, die der kluge Umbruch-Redakteur zwischen Notizen über die Großhandelspreise und den Schah von Persien ge­klemmt hat.

Ein Lastwagen hält vor dem Hause Wagenschanz, zwei Männer mit schwerem Lederschurz steigen herunter und erkundigen sich, ob hier das Fräulein Reubold wohne. Die Witwe Wagenschanz wischt sich die Hände an ihrer Schürze ab und bejaht mißtrauisch.Was wollen Sie denn von ihr?"

Hier soll ein Klavier abgeliefert werden.

Ein Klavier? Sie hat doch gar kein Geld.

Davon wisfen wir nichts, jagen die Männer, das geht uns gar nichts an, sie spucken in die Hände und fangen an, das Klavier abzuladen. Elli kommt mit fliegendem Röckchen heruntergelaufen und weiß auch von nichts. Aber das Klavier steht fchon ausgepackt auf der Straße, die polier­ten Flächen spiegeln ein warmes Mahagonibraun. Viele Leute laufen zu­sammen, in dieser Gegend kaust man sich kein Klavier. Auch der Kandidat Kieselbach strömt herbei und streckt seinen Vogelhals über die Köpse. Ein schönes Klavier! Er drängt sich hindurch, klappt kritisch den Deckel aus und greift ein paar Akkorde, die alsbald in einen Choral übergehen. Die Leute lachen und verlangen einen Tanz, aber die beiden Männer mit den Ledcrschurzen haben keine Zeit, schieben Tragbänder unter das Instru­ment und stemmen es mit Uff und Stöhnen die enge Stiege hinauf, bis es glücklich oben in der Mansarde steht. Der eine greift aus feiner Mütze einen Brief, Pianofortefabrik Wehrhahn & Söhne steht auf dem Um­schlag. Nun scheinen sie noch auf etwas zu warten.Verdammt heiß heute, Fräulein!"

.Wissen Sie, bei uns ist nämlich alles arbeitslos", entschuldigt sich (£[[7 scharrt aber doch aus allen möglichen Ecken ein paar Groschen zu­sammen. Die beiden Athleten danken gutmütig und poltern hmab.

Abends kommt Rosemarie aus der Fabrik. Durch das ganze Häuschen schallt Klavierspiel mit gefühlvollem Pedal, Mi schmettert dazu aus voller Kehle das schöne LiedJunger Mann sucht Anschluß an Blondine durch den alten schiefen Fußboden hindurch yört man ihre Uüße im Takt zap­peln und scharren. Sonst niemand zu Haus. Der Flur im oberen Stock- inert steht ganz versperrt mit dem großen Kleiderschrank, dem Waschtisch und der Kommode, die sich bisher in der Mansarde befunden haben, drinnen hockt der Kandidat Kiefelbach auf einem drehbaren Schemelchen, Elli hinter ihm fdjautelt sich in den Hüften, die Stirne traus und die Schultern angezogen und die hübschen Lippen singend gespitzt.

Ein beziehungsreiches Lied singt sie da.Geehrtes Fräulein", heißt es in dem Brief,wir haben von Ihrem bedauerlichen Mißgeschick auf der Ausstellung erfahren. Da es längst unser Wunsch war, Ihr uns wohl­bekanntes Talent durch Uebergabe eines brauchbaren Instruments zu for­dern, so bitten wie Sie, hiermit ein solches von uns anzunehmen. Hoch- achtungsvolle Unterschrift: Wehrhahn.

Wobei von vornherein die Frage offenbleibt, welcher Wehr Hahn für die Stiftung zeichnet. Rosemarie wartet seit Wochen auf ein Lebens­zeichen ihrer hohen Gönnerin, der Kommerzienrätin Wehrhahn. Das ist ausgebtieben. Vielleicht doch eine kleine Mißstimmung gegen Peter Schon- [ein, wer kann es sagen? Man weiß nicht, was da hinter den Kulissen vor- geht Sie kneift die Sippen zusammen, betrachtet das schöne Geschenk von vorn und von hinten, lieft wieder den Brief und findet, daß er einen krampfhaft harmlofen Eindruck zu erwecken versucht, oder bildet sie sich das nur ein? Die große weltbekannte Firma macht ihrer kleinen unbe­kannten Angestellten ein Geschenk. Entwurf: Herbert Wehrhahn? Warum kommt der Brief nicht von der Kommerzienrätin? Rosemarie sieht und hört wie mit eigenen Augen und Ohren ein kleines Zwiegeschräch zwischen dem Alien und dem Jungen.Na, mein Sohn, wenn du sie nicht heiraten willst"Kommt nicht in Frage, Papa."Denn man zu!"

Hochachtungsvoll: Wehrhahn.

Das eine Pedal zeigt schon ein paar Kratzerspuren von den Nagel­schuhen des Kandidaten, glücklicherweise scheint er von der Existenz des andern keine Kenntnis zu haben. Rosemarie bittet ihn höflich, er möge wenigstens Paniossel anziehen, nur auf dem rechten Fuß, er könne rechts aber auch in Strümpfen spielen. Doch sie lächelt, es gibt in der letzten Zeit immer häufiger Gründe, um Peter Schönlein zu besuchen, also macht sie sich auf den Weg.

Das Klavier steht schon in unserer Mansarde, man ka..n sich nicht mehr umdrehen, ohne sich blaue Flecken zu stoßen. Was halten eie von dem Geschenk?"

Es hat ein bißchen lange gedauert", mault er bedenklich,aber doch sehr nett, können Sie gut brauchen. Finden Sie was dabei?"

Nur dies, daß es nicht von der Kommerzienrätin ausgeht. Wenn da irgend etwas nicht stimmt, dann beauftrage ich lieber ein Rollfuhrunter­nehmen, das Klavier wieder in der Fabrik abzuliefern, und Sie werden mir einen höflichen Brief aufsetzen,, daß ich nicht gewohnt fei, Geschenke anzunehmen." ,

Sie sind hochmütiger, Rosemarie, als Ihre Lage es zuläßt."

Das muß man sein, am meisten in dieser Lage."

Es ist nicht Zeit, um stolz zu sein", meint Peter. Das Wort trifft sie tief, sie vergißt es nie wieder.Und so efne Fabrik", fährt er fort,ist immer eine regelrechte Firma und nicht gut zu verwechseln mit dem jungen Wehrhahn. Haben Sie sonst irgendeine Ursache zu der Annahme, daß diese Stiftung einen Pferdefuß hat?"

Es kann [ein. Sie wissen ja, daß Ihr lieber Kamerad nicht locker läßt. Vorgestern kam er wieder in meinen Stimmraum und machte eine Rand­bemerkung, die Firma werde mir demnächst eine Auszeichnung erteilen, und als ich wie immer nicht darauf antwortete, erklärte er geradewegs, er habe Lust, mit mir eine Fahrt über den Harz zu machen. Abe» ich gebe ihm kaum noch eine Antwort. Bitte, raten Sie mir, was ich mit dem Klavier machen [oll."

Kann ich nicht. Sie hängen in mehreren Gesell[chafts[chichten, Rose­marie, und was für die Dame von Welt richtig ist, muh durchaus noch nicht für die arme Klavierstimmerin billig fein."

Dann ist es wohl richtig", entscheidet sie ohne Besinnen,wenn ich das Instrument mit höflichem Dank zurückgebe, da ich mich durch feine An­nahme zu sehr verpflichtet fühlen würde."

Ich weiß nicht, Rosemarie. Das Geschenk kann gut gemeint [ ein. Machen Sie sich unbeliebt, so wählt die Firma unter fünfhundert An­wärtern Ihre Nachfolgerin."

Rosemarie zuckt die Schultern.Ich habe es längst aufgegeben, mich von solchen Widrigkeiten entmutigen zu lassen. Also entwerfen Sie nur einen sehr geschickten Brief an den alten Wehrhahn, so fachlich und un­verbindlich wie nur möglich, und daß ich bemüht fein werde, mir das großmütige Geschenk nicht großmütig, um Himmelswillen, das werl- volle Geschenk auch nicht, sagen wir einfach, daß ich mir das Geschenk im Laufe der Zeit durch besonders sorgfältige Arbeitsleistung abverdien.n werde." ..

Nicht abverdienen, Rosemarie. Eine andere als Sie würde schreiben, sie wolle sich durch ihre Arbeit und so weiter der Spende würdig ermeßen- Nuv, ich werde Ihnen schon einen Wisch aufsetzen, der an jeder denk­baren Klippe vorbeilaviert." Im Arbeitszimmer greift der Anwalt einen Zettel vom Schreibtisch.Ich habe in der Stadt zu tun. Aber nicf)t lang Sie müssen wissen: beim Wiederkommen freut man sich, wenn ein Mensw da ist."

(Fortsetzung folgt.)

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Univers ttäts-Vuch. und Steindruckerei. R. Lange. Giehe