mutet aus manchem an, als 'fei das Rad damalsdie moderne Erfindung" gewesen. Wagenabbildungen kehren sehr häufig auf bronzezeitlichen Fels- zeichnungen wieder, auch gibt es viele derartige Skulpturen, und die damals zuerst auftretende Swastika, das Sonnenrad, als hohes religiöses Symbol, deutet auf besondere Wertschätzung des Rades. Vielleicht der merkwürdigste Wagen der ganzen Kulturgeschichte ist das ein drittel Meter lange Bronzewägelchen, das man bei Judenburg in Steiermark gefunden hat. Prachtvoll fkulpiert ist darauf eine ganze Gesellschaft von heimkehrenden Jägern und Kriegern, die dem Beschauer ziemlich zwingend den Eindruck einer Siouxindianerbande ausdrängen. Wenigstens schwingen sie ihre tomahawkähnlichen Beile ebenso blutdurstig wie die Indianer unserer Lederstrumpfphantasien.

In der Stadt des Bronzezeitalters gab es allerlei Gewerbe. Besondere, heimischeBronzegietzer" standen sicher im höchsten Ansehen, und sie waren wohlhabend, da man in ihren heimlich vergrabenen Lagern oft mehrere hundert Bronzsschwerter und sonstige Geräte, ost auch gange Goldschätze findet. Weberei, Töpferei, alle einfachen Gewerbe waren bereits ausgebildet, es fehlte nicht einmal an Musikanten. Und wieder tritt uns darin die Urzeit als lebendig entgegen, denn man kann zu Kopenhagen heute noch einem Konzert von Lurenbläfern beiwohnen, die dasselbe Schallkorn, bas besonderen Wohllaut und Tonfülle in sich einigt, handhaben, das man fast in gleicher Gestalt in nordischen Bronzestationen

findet.

Besonders ausgedehnt muß auch endlich der Handel jener Zeit ge­wesen sein. Bon Ort zu Ort und von Land zu Land zogen wohlgebahnte Straßen; man erkennt sie deutlich daran, daß ihnen entlang allerlei Fundstllcke verstreut liegen. Auch findet man in den bronzezeitlichen Niederlassungen zahlreiche Gegenstände, die nur von weither durch den Handel dorthin gelangt fein können. Es fehlt nicht an Ruderbooten an den Meeresufern, die mit ihren hohen Steven und ihrer zahlreichen Be­satzung auf weite Fahrten schließen lassen. Merkwürdigerweise scheint aber das Segel im altnordischen Kulturkreis unbekannt gewesen zu sein. In den Schweizer Pfahlbauten hat man auch das erste Geld gefunden, dessen sich der Europäer bediente; es hat kennzeichnenderweise die Gestalt von bronzenen Doppelbeilen. Später nahm es die Gestalt van Bronzeringen an, die auf besonderen Schlüjselhaken angreiht wunden. Was wurde mit diesem Gelbe erkauft? Vor allem immer wieder Bronze und fremdlän­disches Zinn, das zur Herstellung des wertvollen Bronzematerials notig war. Noch bis in unsere heutige Sprache reicht diese Wertschätzung der Bronze, die deutsch Erz genannt wurde, indem wir, etwas, was besonders ausgezeichnet, freilich auch, was als uralt hingestellt werden soll, mit dem alten Wort für Bronze bezeichnen. Die Erzväter und Erzengel der biblischen Geschichte, dasErzhaus Oesterreichs" mit seinen Erzherzogen, hat so seine Beziehungen zur Urgeschichte der Menschheit, freilich auch die befremdlichen Bezeichnungen eines Erzlügners und Erzschelms.

Ein wichtiger Handelsgegenstand war auch das Gold und der hoch- geschätzte geheimnisvolle schmuck des Bernsteins und nicht zuletzt das Salz. Und aus dem Salz entstand offenbar der Anreiz zu einem wei­teren Anstieg der Kultur, der die Menschen Europas zu einer bis dahin unbekannten Höhe führte. Um die reichen Salzlagerstätten in den Alpen blüht diese neue Kultur auf, die sich an den Namen einer Großstadt jener Zeit, nämlich das oberösterreichische Hallstatt, knüpft.

Dort wo heute am ernsten, düsteren Hallstätter See sich nur wenige Gassen des kleinen Städtchens drängen, begann vor dreitausend Jahren die Glanzzeit einer gewaltigen, sicher auf das trefflichste verteidigten Sied­lung von der uns nichts erhalten ist als ein stundenweit ausgedehntes Gräberfeld die Stollen eines vorgeschichtlichen Salzbergwerkes und zahl­lose insgesamt gegen 20000 Fundstllcke, die davon erzählen, daß der Mensch schon in der Steinzeit dort nach Salz schürfte, daß er im Bronze- witaiter in jener Stadt, von der uns sogar der Name verlorengegangen ist, ein Leben voll Luxus und Reichtum führte, in dem aber langsam das Eisen an die Stelle' des Erzes trat.

Der Name Hallstattperiode bezeichnet gegenwärtig nieder Wislenschast die Halbeisenzeit, in der sich eiserne Geräte, vor allem Schwerter, immer mehr in die Bronzekultur eindrängen. .

Man darf sich nämlich solche Vorgänge wie den Uebergang von der Steinzeit zur Bronzekultur und von dieser zur Eisenperwde nicht so vor, stellen, als seien von einem bestimmten Zeitraum an Menschen und ihr Handel und Wandel völlig anders geworden. In der Gestalt von An­passungen vollzieht sich auch die Kulturgeschichte, und in dem Wechselspiel von Bedürfnis und seiner Befriedigung, durch Wanderungen und Er, oberungen neuer Lebensbezirke verschieben st-h ganz eise da und dort die Lebensformen und Kulturbetätigungen. Der Orient war durch seine günstigeren Lebensverhältnisse rascher zur Bronzekultur auI9^ blieb aber dann darin stecken, und die Aegypter waren noch Bronzezettler -als die Griechen und Römer bereits im Besitz von fernen Waffen waren. Man hat nicht mit Unrecht deswegen getagt, daß frechen und Römer nur ihrem eisernen Schwert ihre Ausbreitung und 'h» Mitische Macht verdankten. In Süddeutschland, wo am steirischen Erzberg cm offen zutage liegendes, unerschöpfliches Eisenlager vorhanden war be­gann die Herstellung von eisernen Geraten nm das 1000 vor Eh - Fünfhundert Jahre lang brauchte das Elfen hier um sich vollstanMg durchzusetzen. Und diese fünfhundert Jahre sind auch die Blute der10 Rätter Kultur, die sich von den Alpenlandern durch Wanderungen vor­nehmlich nach dem Süden, langsam ausbre-itete. Dse schwerer Hra -losen, Bewohner von England, Norddeutichland und «k°ndm°° en b .eben daher aus Mangel an Eisen zirka zwei- bis drechund r Jahre anger I der Bronzestufe' stehen. Im Osten muß dieBronzezeit noch ^«e | dauert haben, da uns H e r o d o t von den Ma A«ten imsechsten Iayr hundert v. Ehr. erzählt, daß sie noch keine Eilenwaffen bestßen^Ynve^ Hallstatt hat also einen großen Borsprung, f,e=

Griechen, die auch etwa um das Jahr 1000 d. C 1

tonnt wurden, ausgewogen werden konnte . Weltge-

Man muß diese Tatsachen kennen um die lam^orbereitrnde

Ste zu verstehen: auf der einen »eite be st ) f ! h h Kultur

Machtstellung der Griechen und Mazedonier, die ZU hoher Kultr

führt und in Alexander dem Großen auch politisch gipfelt. Anderseits bi? große Blüte der Hallstätter Kultur, die in vielen Beziehungen der griechischen durchaus ebenbürtig ist. Und das mag uns mit besonderem Stolz erfüllen, denn die Hallstätter waren gute richtige Mitteleuropäer. Jedenfalls waren sie Kulturmenschen. Das beweisen die Hallstätter Funde allerorten, die durchaus auf eine gewisse Prachtvorliebe und Neigung zu Luxus hindeuten. Zu Watsch in Krain und an anderen Orten fand man Prunkeimer mit eingravierten Darstellungen' aus dem Hallstatt- leben, die uns häusliche und Straßenszenen vorführen, die ebenso gut in Athen oder zu Sidon, in manchem sogar in einer der Städte 'der Jetzt­zeit abspielen könnten. Da wanderten Krieger mit Helm, Speer und Schild, wie auf einer Illustration zu Homers Gedichten; in zweiräderigen Karren nach Art der ägyptischen Streitwagen kutschierten pausbäckige Herren und lenkten prächtig angeschirrte Pferde.' Der Diener steht auf dem Trittbrett hinten, wie auf einer Prachtkarosse des achtzehnten Jahr­hunderts. Würdige Männer in langem Mantel mit breitkrempigem Hute schreiten dahin wie zu einer Gerichtssitzung, und einer trägt ein mäch­tiges Schwert, einen wahren Doppelhänder nach, als wäre er der Henker. Frauen, deren größte Schönheit allerdings in ihrer ßangnäfigteit besteht, tragen Urnen und Körbe auf dem Kopfe, wie es heute bei Slawen und Südländern üblich ist. In einer drolligen Gruppe wirst ein wie ein Priester gekleideter Mann Räucherwerk in eine mächtige Urne, und einer der Gläubiger hält sich pietätlos davor die Nase zu. In behaglichem Lehn­stuhle überwacht ein Besitzer die Tätigkeit seiner Arbeiter; der Bauer, den Pflug über den Rücken geschultert, treibt das/ Vieh heimwärts, die Jäger, begleitet von gewaltigen Hunden, tragen an langen Stangen die Beute nach Haufe, und so spricht aus hundert Szenen zu uns ein be­häbiges und reiches bürgerliches Leben, dem es besonderes Kolorit ver­leiht, daß seine Träger in namenloser Urzeit ruhen und keine Geschichts­angabe außer ihren eigenen Werken und Gebeinen mehr von ihnen zeugt.

Diese Hallstattmenschen waren unter dem Druck einwandernder Völker oder vielleicht auch aus der uralten Sehnsucht des Nordländers nach dem Süden schon mehrere Jahrhunderte früher nach Italien gewandert; als Veneter, Illyrier und offenbar auch als Etrusker brachten sie ihre Kultur mit, vermischten sich mit der vorgefundenen Urbevölkerung und bildeten mit den nachdrän gen den Kelten, deren Stamm sich Italiker nannte, ein neues Volk, das langsam in Latium, im uralten Pfahlbauernest sein Zen­trum, die ewige Roma, schuf und von da aus, nachdem seit dem fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die volle Eisentechnik gefiegt hatte, die eiserne Hand Roms über die Geschicke der Völker fast für ein ganzes Jahrtausend legte.

So reduziert sich in 'den Augen des Erdgeschichtssorschers die ganze KulturmePschwerdung auf eine sehr einfache Formel. In drei Schritten vollzieht sich der Uebergang. Sie heißen Steinzeit, Bronzezeit und Eisen­zeit. Und in der letzteren stecken wir mitten darin; ja wir sind eigent­lich erst seit einem Jahrhundert in das Stadium getreten, dem in der Steinzeit das Magdalenien, in der Bronzezeit die Frühsiedlung von Hall­statt entspricht.

Unsere Kultur ist also von den großen Gesichtspunkten der Natur­forschung aus betrachtet kein Ende, nicht einmal ein Gipfel, wie es dem Historiker und Philosophen gar ost erscheinen mag. Wenn es keine Stei­gerung und Weiterentfaltung der heute regsamen Kräfte geben würde, so wäre das heute ein jäher Abbruch mitten in einer Entwicklungslinie, eine so unnatürliche Unterbrechung der Gesetzmäßigkeiten, in deren Fluß wir treiben, daß wir für sie kein Gegenstück im westen Naturreich wissen.

So schließt denn die Erdgeschichte für uns heute mit einer tröstlichen und verheißungsvollen Gewißheit: der Mensch ist noch immer entwick­lungsfähig, sein Weg führt noch höher, und wir alle können an einer schöneren Zukunft hoffnungsfroh arbeiten.

Oer Kriegskommissar des Königs.

Roman von Friedrich F r e k s a.

Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin.

(Fortsetzung.)

Diesmal hat der König sein Versprechen getreulich gehalten. Einige Wochen später ist die Stelle des Regimentspredigers im Regiment Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, welches in Halle in Garnison lag, offen geworden. Sie ward mir sogleich vom König verliehen. Im Herbst des Jahres noch sind mein Lenchen und ich in der Garnisonkirche zu Pots­dam getraut worden; und es war eine vergnügte Hochzeit, hatte doch der König in seiner Gnade befohlen, daß solche auf seine Kosten ausgerichtet und nichts gespart werde, was zu einer ordentlichen bürgerlichen Hochzeit mittleren Standes gehöre. Auch mein Herr Hauptmann es war da­mals ein Herr von Jtzenplitz hatte mir die Ehre angetan, mein Braut­führer zu fein, und unter den Hochzeitsgästen befanden sich noch mehrere der Herren Offiziers.

Beim Hochzeitsmahl ist plötzlich Seine Majestät der König m Aller­höchst eigener Person im Saal erschienen, lieber die absonderliche Ehre sind alle so sehr erstaunt gewesen, daß keiner gewußt, was er tun solle. Der König aber ist zu meinem Lenchen herangegangen und hat ihr ge­sagt- .Frauchen, Frauchen, ich sollt' Ihr eigentlich zürnen, daß Sie mir meinen jroeitlängften Grenadier aus dem Regiment entsührt; allein es mag drum fein, und höre Sie, bei dem ersten Jungen, den Sie kriegt, tann Sie mich immerhin als Paten bitten, ich werde Jhr's nicht ab-

lind danach hat der'König geruht, ein Glas Rheinwein auf unsere Gesundheit zu leeren, und hat sich auch sonst noch herablassend und gnädig mit den Gästen unterhalten." M .

lind jetzt ist mein guter Pate, der König, tot! klang des kleinen Friedrich Wilhelm Stimme in die Stille, die danach entstand.

Es war ein guter König, wenn er auch wohl ein wenig wunderlich mar!" meinte die Freifrau.Aber gegen Sie »beide hat er sich gnädig benommen und wie ein echter deutscher Fürst!"

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