.Gartenlaube" gewesen sei. An diesem Tage sanken meine Aktien ins Bodenlase und erholten sich erst nach vierzehn Tagen, als ich Jb,ens

Volksfeind", der uns verdaten» war, in die Schule einschmuggelte. Ein 'anderes Unglück ober, das mich aus diesem Anlaß traf, war nicht wieder autzurnachen: ich habe meinen Dichter niemals wieder gesehenI

Wer kann mir da übel nehmen, wenn ich nichts von- und Trmk- maden hören will? Ich werde kribblig, so oft mich einer fragt:Ehen Sie schon Rohkost?" Oder mir rat:Sie sollten morgens nur Kefir und Orangensaft zu sich nehmen." Oder behauptet: ..Ein Liter heißes Master gleich nach dem Aufstehen ist ein Zaubertrank!" Die Warnung, der Ge­müsenahrung nicht den Vorzug zu geben, da sich die Landwirtschast neuerdings des Kunstdüngers bediene, findet bei mir taube Ohren. Die EmpfehlungEssen Sie Luftbrot, es riecht nach nichts, es schmeckt nach nichts, es ist ganz neutral" werde ich nächstens mit einem tätlichen An­griff beantworten. , , .

Wir haben gelernt: man lebt nicht, um zu essen, sondern man itzt, um 3U leben. Beides ist falsch. Wahr ist vielmehr, daß man lebt und daß es, da man zu diesem Zwecke essen muß, bitter not tut, aus dieser Notwendig­keit ein bißchen Lust herauszuholen. Alle unsere Sinne wünschen sich an der Mahlzeit zu beteiligen, nur unser Verstand mochte dabei nichts. zu tun haben. Er verlangt, daß der Mensch instinktiv alles ihm Schädliche ablehne und nur das verzehre, wobei ihm das Wasser im Munde zusam­menläuft. Jedenfalls will er nicht bei jedem Bissen interviewt werden.

Aber bis es einmal so weit kommt, daß man einen Menschen, der unrichtige Dinge ißt, der sich uberißt, der sich durch Fasten ruiniert, der sich in der Ernährung aus einem Extrem ins andere stürzt, einen Narren nennt, wird es noch lange dauern. Denn die Menschheit kommt in der Frage der Ernährung (wie in allen anderen Dingen) nur in der Art vorwärts, wie die Echternacher Springprozession: drei Schritte vor und zwei zurück.

Fernöstliche Tänze.

Von Niddy Impekoven.

Niddy Impekoven, die geniale Tanzkünstlerin, hat im Herbst 1930 «ine Reise nach dem Fernen Osten gemacht und hat in ihrem Reise- tagebuch ihre Eindrücke von den Tänzen in Java und Ceylon sest- gehalten. In dem demnächst bei Erich Weibezahl in Leipzig erschei­nenden, reich illustrierten BuchWog und Entfaltung Niddy Impekovens" von Hans F r e n tz werden diese Aufzeichnungen mitgeteilt, aus dem hier einiges wiedergegeben ist. Die Künstlerin war auf Java der Einladung des Surften von Solo gefolgt, an dessen Hof die Prinzen und Prinzessinnen die Bewahrer ältester Tanz-Ueberlieferung sind.

.. Das waren also die berühmten Serimpi-Tänze. Fünf kleine eben­mäßige Gestalten bewegten sich äußerst langsam in engen Zirkeln, wobei ihre Hände eine lebhafte, geheimnisvolle Sprache redeten und ihre Zehen sehr eigenwillig den gemessenen Rhythmus parodierten. Nebst den Fingern behegte sich am stärksten die Gewandung. Entweder war es die lange Schleppe, die das nackte Bein plötzlich nach einer Drehung hinter sich warf, oder es waren weiße Bänder, die zwischen den Beinen bis zum Boden hingen und mit der zur Hüfte geführten Hand rasch zur Seite geschleudert wurden, manchmal aber auch ergriffen wurden und in ver­schlungenen Gesten die Tänzerin aneinander banden. Am unverständ­lichsten blieb mir der Teil dieser Tänze, in denen die Prinzessinnen gleichzeitig eine lange Pistole aus ihrem Gürtel zogen und, nachdem sie damit eine Zeitlang' gespielt hatten, wie auf ein Kommando einen furcht­baren Schuß in die Luft abfeuerten. Diese akustisch sehr unangenehme Erscheinung wiederholte sich einige Male und schien mir, vermischt mit den uralten Elementen der übrigen Tanzsymbolik, so widersinnig zu sein wie die bronzenen Landsknechte, die als Leuchter zwischen wertvollen malaischen Kunstgegenständen an den Wänden hingen. Noch eines war störend. Löste sich bei einer der Tänzerinnen eine Spange ober eine Schleife oder halte sich das Kleid ein wenig verschoben, so rutschte sofort eine der Dienerinnen herbei, die mit den tanzenden Prinzessinnen gleich­zeitig die Halle betreten hatten, und begann, indem sie um die sich Be­wegende unaufhörlich herumkroch, an ihr zu nesteln. Uebrigens soll das Ankleiden zu einem Tanz mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Trotz dieser Intermezzi war ich von der Eigenart dieser überfeinerten Bewegungskunst ergriffen. Der Laie hat über die lange Dauer und Ab- wechflungslosigkeit dieser Tänze keine rechte Vorstellung; denn was man z. B. in Berlin an javanischer Tanzkunst kennt, ist sicher stark verwest­licht, und im Film werden immer nur kurzwellige Bruchstücke vorgeführt. Dabei kommt noch in Betracht, daß hauptsächlich die viel urfprünglidjeren Bcllitänze bekannt sind. Der Unterschied zwischen der javanischen und balinesischen Seele scheint mir durch folgendes sichtbar: die Gamelang- flöte der Leute von Solo ist in ihrer Konstruktion schlicht, steif und tra­ditionell. Die Flöte von Bali dagegen sieht fast luftig aus, ist geschmückt und in ihren Linien lebendig.

Es war inzwischen 1 Uhr nachts geworden. Die Müdigkeit und Inter­esselosigkeit aller Gesichter löste sich plötzlich, da als letztes Wireng-Tänzer erschienen. Stark pantomimifch, sind diese Tänze Szenen aus dem Maha- barata, dem großen hindujavanischen Heldengedicht. Sie wechseln jedes­mal bei einer Hoffestlichkeit und werden nur einmal- im Jahr in tage­langem Spiel in ihrer Gesamtheit zur Aufführung gebracht. Was ich an diesem Abend zu sehen bekam, war folgendes: Ein kleiner Prinz, als Affe verkleidet, kämpste mit einem zähnefletsck-enden Riesen in langem, sehr abwechslungsreichen tänzerischen Gefecht. Auch hierbei ist einer per­sönlichen Gestaltung kein Raum gelassen. Der älteste Sohn des Fürsten unterrichtet seine Brüder und Vettern und die große Zahl seiner weib­lichen Verwandten in >en vorgeschriebenen Regeln eines jeden Tanzes.

Uebrigens ist die javanische Bevölkerung auch in ihrem gewöhnlichen stPben von einer so unnachahmlichen Grazie und Harmonie in ihren Bewegungen, selbst der Bauer auf dem Feld und die Frau auf der Strohe, daß es gleichgültig erscheint, ob diese Kunst produktiv oder repro­

duktiv ist. Denn hinter ihren seltsamen Ausdruckssormen steht auch heule noch durch keinen Sport, keine Gymnastik veränderte Natürlichkeit dxr tiernahen und blumenähnlichen Seele dieses sanften Volkes

Hat man in Ceylon nicht das Glück, im August nach Kandy zu kom­men und dort das große alljährliche Fest, das vomTempel des heiligen Zahns Buddhas" seinen Ausgang nimmt, mitzumachen, so bleibt nur übrig, die Gunst eines singhalesischen Großen zu erwerben, der ähnlich wie'in Java, Tänzergruppen unterhält, oder bis zum Dezember z» märten. Mitten in der Stadt bietet sich bei Begräbnissen allerdings öfter Gelegenheit, fo eine Art Tanz zu sehen. Zwei Männer, die den Zug an führ en, machen bizarre Sprünge und Bewegungen und wirken |o grotesk, daß der nachfolgende Sarg erst den traurigen Anlaß erkennen läßt. So etwas taucht plötzlich im Straßengewühl auf und verschwindet wieder es hinterläßt nur den Eindruck der Seltsamkeit und recht sich all den anderen Sonderbarkeiten an, die man im Leben der Eingeborenen tagaus tag ein beobachtet. Es muß also schon ein besonderer festlicher Anlaß sein, um wirklich gute Tänzer zu Gesicht zu bekommen. Und diese Gelegenheit ließ ich nicht an mir vorübergehen.

Anfang Dezember feiern die singhalesischen Frauen IN Colombo den Tag der Prinzessin Sanghamitta von Mahindc. Sie war die erste Buddhistin auf Ceylon, die um die Zeit des Erhabenen als fein Apostel die heute auf der Insel vorherrschende Religion verkündete. Die Singha- lefinnen sind sehr stolz darauf, daß eine Frau das schwierige Werk einer Bekehrung vollführte. So feiern sie denn heute damit stllftchwergend etwas wie ihre Emanzipation. Wenn die Sonne untergegangen ist, sam­meln sie sich auf der großen Wiese in der Nähe des Galle-izace-Hoiels und prozessieren durch die Straßen, die zu dieser Stunde mit Autos und Menschen überfüllt sind. Hat man sich zwischen den halbnackten Zu- schauern hindurchgedrängt, fo sieht man als erstes tänzelnde Fackel- fchwinger. die mit ihren kreisenden Flammen einigermaßen Platz jur die Nachfolgenden schaffen. Denn nicht nur, daß die gaffenden -lanulcn, Afghanen, Malaien und einige besonders kulturbegeisterte Europäer kaum Raum lassen, durchkreuzen mit großer Geschwindigkeit, ohne Rücksicht auf Gläubige und Ungläubige, englische Privatautos und schmutzige Dmntbuffe der Eingeborenen die von den Frauen Buddhas begangenen «trotzen. Man sieht diesen Wirrwarr mit einigem Erstaunen, aber die 'weißgekleu beten Andächtigen scheinen nichts davon zu merken. Sie tragen ihre Lich­ter und ihre Lotosblumen und ihre Fähnchen mit dem großen Svastcka- zeichen und rufen laut: Buddha, Buddha. Plötzlich wird tue Reche unterbrochen, und, von Trommlern und Pfeifern umgeben, wirbeln die schmuckbehangenen Tänzer herbei. Sie bewegen sich sehr rasch, weitaus- greisend springen sie vor und rückwärts oder drehen sich wie eine Bnllcn- teufe bei einer Pirouette, so daß ihre eckigen Gewandkontouren sich in einem funkelnden Kreis auflösen. Zwischendurch haben sie aber immer noch Zeit, dem fanatischen Rhythmus zu entspringen und sich an die zuschauenden Europäer heranzudrängen, um zu betteln. Es fmö weilt schön gewachsene Menschen mit dunkelbraunen, aber anfchen Gesichls- lügen. Knaben, Jünglinge, Manner. Die ganze Prozession macht den Eindruck eines großen Tanzes: hier die in ihrem Gebetrhythmus wan­delnden Frauen, dort hinter den Tänzen die langsam stapfenden haus­hohen Elefanten. Gleichsam kontrapunktieren sic mit der Ruhe ihrer schwerfällig-freundlichen Leiber das Gezappel der menschlichen Tänzer Sie waren ein Eindruck für sich, wie sie da in der engen Straße direk an uns Zwergen vorbeischritten. Der letzte trug auf seinem hohen Buckel einen großen Buddha-Altar, der in überirdischem Glanz erstrahlte ...

Deutsche Stadt vor 2S0V Jahren.

Von R. Francö.

Wenn man von Pfahlbaudörfern hört, glaubt man sich im allerersten Friihdämmern jedes Menschenlebens zu befinden. Man denkt an Halb- menschen, Kannibalen, an ein düsteres, unsäglich primitives Dasein, das von dem unseren entfernt ist wie Nacht vom strahlenden Tag. Aber wenn man solches denkt, dann weiß man von einem wunderbaren Kreis pracht­voller Forschungen nichts, die in den letzten Jahren unser Bild des euro­päischen Vorgeschichtslebens gründlich änderten.

Die Pfahlbaudörfer der Bronzezeit darf man sich zum Beispiel nicht immer primitiv vorstellen. Die Pfahlbauorte in Ungarn und m der sto- Ebene wurden häufig auf trockenem Boden angelegt, zu Städten nut engen Gaffen zusammengeschloffen und mit Wällen umgeben; sie sino also nichts anderes als das Vorbild der mittelalterlichen Stadt. In solchen Siedlungen lebten Menschen, die sich körperlich von dem Deutschen und Italiener des Mittelalters nicht unterscheiden. Nicht einmal in ihrer Klei­dung waren sie wesentlich anders. In dänischen Eichensärgen sind uns die Wollkleider dieser Bevölkerung erhalten geblieben; die Männer trugen Manteljacken, die bis zum Knie reichten und durch einen Gürtel mit Eni>- guasten zusammengehalten wurden. Sie trugen einen mit Framen ver­zierten Schal um den Hals und hatten runde Kappen oder hohe Mutzen. Die Damen des Bronzezeitalters hatten das bewährte kleidsame Kostüm von Rock und Jacke bereits ersunden, die Haare bargen sie in einem zier­lichen Haarnetz, und an Schmuck scheinen die meisten von ihnen reicher gewesen zu [ein, als es gegenwärtig üblich ist. Spiralfingerringe, Arm­bänder, Halsringe, Schmuck als Gürtelbesatz, Diademe, breite Halskragen aus lauterem Gold, Bernsteinketten, genau in der Form, wie sie KB» modern sind, trug eine solche große Dame aus dem zweiten oder dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, und unter ihren «-chmiicksacyen findet sich sehr häufig auch ein Dolch mit Horngrisf, woraus ein Romaw titer gar mancherlei Anregung zu erfindungsreichen Geschichten aus oe urzeitlichen Leben erhalten mag. Auch Glas, namentlich farbige Glas­perlen kannte man schon, und zwar zu manchem philosophischen Gedanren wird man verführt, sieht man unter den erstklassigen Kostbarkeiten ien Bronzezeitmenschen das eine oder andere Eifenringelchen, das W» J um teueres Besitztum als modernsterSchmuck" von einem freinblono - fchen Händler eingetauscht wurde. Eisen hatte wohl damals den -ti von Diamanten... . .,

Der Mensch der Bronzezeit bediente sich bereits der Wagen, uns