6gr seinen pressen konnte. Worte kamen nicht von ihren Lippen. Das verstanden sie nun einmal nicht. Aber ihre Lippen suchten einander ... und fanden sich. , , , ,

Der Schatten auf dem Schneefeld hatte sich verändert. E» war letzt ein Ungeheuer mit acht Beinen und zwei Köpfen, was dort lief. Aus seinem Rücken saß ein seltsam verschlungenes Menschenpaar ...

Oer Geschichtsschreiber des Großen Kurfürsten.

Zu Samuel Pufendorfs 300. Geburtstag.

Von Dr. Friedrich Spreen.

Drum flieht der wilden Wölfe Stand Und knüpft des Staates dauernd Band. So lehren vom Katheder Herr Pufendorf und Feder.

In diesen lustigen Versen aus Schillers GedichtDie Weltweisen" lebt noch hundert Jahre nach seinem Tode Pufendorf als Staats­rechtslehrer fort, freilich in einem leicht komischen Licht. DerVater des Naturrechts", von dem sein Grabstein kündete:Seine Seele ist in den Himmel ausgenommen, sein Ruhm fliegt über den ganzen Erdkreis", hatte das Schicksal der großen Vorläufer erfahren: eine Zeit, die auf seinen Schultern stand, sah in ihm nur noch den langweiligen Schul­meister, aus dessenEinleitung zur Historie" Generationen Geschichte gelernt hatten. So sank sein Name in Vergessenheit, während seine Ideen mächtig fortlebten. Erst Heinrich von Treitschke hat in seiner prachtvollen Abhandlung diesem Geisteskämpfer des Barocks, dem ersten Künder des Ruhmes des Großen Kurfürsten, den verdienten Platz im Pantheon der Deutschen angewiesen, hat gezeigt, was unsere Kultur ihm verdankt, und seitdem hat man sich immer wieder mit ihm beschäftigt, hat. sein be­kanntestes WerkUeber die Verfassung des Deutschen Reiches" öfters herausgegeben, und es ist Dankespflicht, bei der 300. Wiederkehr seines Geburtstages dieses Mannes zu gedenken, der in einer Notzeit deutscher Geschichte an der Größe und dem Wiederaufstieg seines Vaterlandes nicht verzweifelte und die geistigen Waffen für eine bessere Zukunft schmiedete.

Pufendorfs Kampf galt fein ganzes schaffensreiches Leben hindurch den dunklen Mächten der Verknöcherung und Erschlaffung, des Rück­schrittes und Aberglaubens, die nach dem Dreißigjährigen Kriege die deutsche Wissenschaft und Kultur in ihrem lähmenden Bann hielten. Als der 29jährige Gelehrte 1661 von dem freisinnigen und bildungs­freundlichen Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz als Professor des Völkerrechts nach Heidelberg berufen wurde, da fiel er bald durch feine kühne Kritik, feinen scharfen Spott, feinen ungewohnten Freimut auf. Als ein Feind Oesterreichs, dessen unheilvolle Stellung im Deutschen Reich er früh erkannt hatte, trat er als Mitglied des Spruchkollegiums häufig gegen den Wiener Hof auf, und als Kaiser Leopold bei einem Besuch in Heidelberg die Juristen der Hochschule ärgerlich fragte:Wie kommt es, Ihr Herren, daß ich bei Euch immer Unrecht bekomme?", antwortete Pufendorf schlagfertig:Weil Kaiserliche Majestät immer Unrecht haben!" In dieser Zeit seiner brausenden Jugend und aus diesem Geiste einer scharfen Beobachtung der Wirklichkeit entstand seine be­rühmteste SchriftUeber die Verfassung des Deutschen Reiches", die er natürlich in der lateinischen Gelehrtensprache unter der Marke eines Italieners, Severinus de Monzamdano, veröffentlichte. Der geist­reiche Ausländer betrachtet von feiner höheren Kulturstufe aus mit ironi­scher Verwunderung die Ungeheuerlichkeiten des deutschen Reichsrechtes und sagt, er habe vergeblich versucht, aus gelehrten Büchern die poli­tischen Zustände dieses gewaltigen Volkes zu verstehen, das sich dreißig Jahre lang mit Hilfe der Fremden zerfleischt und selbst so furchtbare Schläge lebenskräftig überdauern konnte. Aber erst durch den Augen­schein habe er sich von dem ganzen Umfang dieses nationalen Unglücks überzeugt und feine tieferen Gründe erfaßt. Nach einem knappen, noch heute sehr lesbaren Abriß der deutschen Geschichte wird die Notwendig­keit einer absoluten Monarchie behauptet, die allein Ordnung in die verrotteten Verhältnisse bringen könne, Oesterreichs selbstsüchtige und schädliche Rolle dargelegt und die staatsrechtliche Unmöglichkeit der Reichs­verfassung nachgewiesen: Monzamdano sagt das Ende der Habsburgi- Ben Dynastie in Deutschland voraus und den Untergang dieser Ver­jüng, die wie ein den Abhang herunterrollender Stein in den Abgrund stürzen müsse. Besonders in dem Kapitel von Deutschlands Kräften und Krankheiten zeigt sich die Vaterlandsliebe unter der italienischen Maske; er beklagt die Zerrissenheit und Zwietracht dieses Volkes und verlangt einen Bundesstaat souveräner Fürsten, wie er dann von Bismarck geschaffen wurde.

Das geistvolle und wuchtige Buch rief einen Aufschrei der Ent­rüstung hervor, aber dieser Sturm war heilsam für die Aufrüttelung der Geister. Pufendorf setzte seinen Kampf von Schweden aus fort, wo er juerft als Professor in Lund und dann als Historiograph des Königs Karl Gustav wirkte. Der staatliche Mann mit den feurigen Augen und dem geistvollen Zug um den vollen Mund zeigte auch als Politiker und Diplomat seine Gaben. Durch seinNatur recht", das er 1672 herans- gob, wurde er der einflußreichste Vertreter dieser Richtung, beherrschte bis auf Kant die deutsche Rechtsphilosophie und war auch für die anderen Länder lange maßgebend. Mit [einen Anschauungen war er feiner Zeit weit voraus. Er lehrte, daß die Staatsgewalt nur den politischen Willen aller Bürger darstellte, daß die Menschen zuerst einen Gesellschaftsvertrag und dann einen Herrschaftsvertrag abgeschlossen hätten, daß auch der Fürst persönlich feine Bürgerpflicht zu erfüllen habe. Vor allem aber stritt er für die Befreiung des Staates aus den Banden der Kirche, gegen die Theologen, die damals noch das öffentliche Leben beherrschten, und erklärte:Ehristus und die Apostel haben kein neues System der Politik gelehrt, sondern die Fortbildung des Rechtes der menschlichen Vernunft überlassen. Das den Menschen von einer höheren Macht ins Herz geschrie­bene Gesetz, wie die menschliche Vernunft es beleuchtet, ist diese natürliche Grundlage. Die Pflicht der Humanität verbindet alle Menschen, und das

Naturrecht Ist Sache der Menschheit." Der dadurch enkfeffelte Streft wurde von Pufendorf in einer Reihe glänzender Schriften ausgefochten, die er unter dem lateinischen TitelEris Scandica sammelte. Es ist dies die erste aufrührende Weltanschauungsfehde der neueren deutschen Kul­tur, das erste reinigende und befreiende Frühlingsgewitter, das von ferne die Hochzeit des deutschen Geistes verkündete. Diese lateinischen Blitze und Donner, die die barocke Scholastik vernichteten, sind heute verschollen und haben nicht die künstlerische Größe, die Lessings Streitvorschriften unsterblich machte; aber sie sind die Vorläufer dieser Taten und haben einen vollständigen Sieg errungen, der die Grundlage für alle weitere Entwicklung legte. DieseApologien" Pufendorfs übten den entscheidend­sten Einfluß aus Christian T h o m a s i u s, der nun in deutscher Sprache und mit seiner journalistischen Feder seines Meisters Ideen zum Allge­meingut der Deutschen machte und z. B. auch Friedrich dem Großen die Gedankenwelt Pufendorfs vermittelte.

Wie wenig der große Schriftsteller selbst imstande war, in die Menge zu bringen, das zeigt der grobe und plumpe Stil seines einzigen deutsch geschriebenen WerkesEinleitung zur Historie der vornehmsten Reiche und Staaten", und doch war gerade dieses Buch besonders wirk­sam, weil es durch ein Jahrhundert als historisches Lehrbuch diente und lange die Anschauungen der Geschichtsschreibung bestimmte. Als Historiker hat Pufendorf in der letzten Zeit seines Lebens unvergänglichen Ruhm gewonnen. Er schrieb die schwedische Geschichte vom Auftreten Gustav Adolfs in Deutschland bis zur Thronentsagung Christines und dann noch die Geschichte Karl Gustavs nach den Alten mit klarer Sachlichkeit und in dem feierlich-pomphaften Stil des Barocks und schuf sein größtes geschichtliches Werk als Historiograph des Großen Kurfürsten, der ihn kurz vor feinem Tode in feine Dienste berief. Die Siebe zu Deutschland, der Haß gegen .Frankreich, die Verehrung der Ideen von Humanität und Duldung verband den Gelehrten mit dem genialen Herrscher, und mit derselben Großzügigkeit und dem stolzen Selbstgefühl, mit dem ihm die uneingeschränkte Benutzung der Archive gestattet wurde, zeichnete Pufen­dorf in feiner Geschichte Friedrich Wilhelms des Großen das Charakter­bild des Herrschers, wie es seitdem in der Geschichte ausgeprägt ist. Mit unbeirrbarem Wahrheitssinn entwarf er ein tongeniales Porträt der Fürsten, das erste Meisterwerk der brandenburgisch-preußischen Geschichts­schreibung.

So ist Pufendorf ein echt deutscher Charakter, eine Kämpfernatur von derber Kraft und überlegener Geistigkeit, ein Verkünder neuer Wahr­heiten, ein Bahnbrecher künftiger Größe.Er steht in der Reihe jener arbeitssrohen Männer, die unsere zum Tode erschöpfte Nation langsam wieder einführten in den Kreis der Kulturvölker", sagt Treitschke.Er war der erste Deutsche, der die rettungslose Fäulnis des alten Reiches klar erkannte; und er zuerst hat uns das Recht erobert, weltlich frei zu denken über die weltliche Natur des Staates." <-

Zukunstsaufgaben der Technik.

Von Karl Ammon.

Immer und immer wieder hört man die Ansicht, die Technik habe uns eigentlich bereits alles gebracht, was das Herz begehrt. Die letzten 50 Jahre hätten uns die Ausnutzung der Elektrizität mit einer Voll­kommenheit beschert, die kaum noch zu übertreffen sei, ja der Jahrtausende alte Traum des Fliegens sei in unseren Tagen Wirklichkeit geworden kurz, es gäbe eigentlich kein Ziel mehr, dem die Technik nachjagen könne. Diese Ansicht ist irrig, wie wir an einigen Beispielen zeigen möchten.

Da ist z. B. die elektrische Glühlampe. Als ich vor nahezu 30 Jahren einen Hausstand gründete, konnten wir uns noch kein elektrisches Licht leisten. Damals gab es nur die Kohlenfadenglühlampe, die einen so hohen Stromverbrauch hatte, daß seine Kosten für einen jungen Haushalt untragbar waren. Da kam bann die Metallfadenlampe, die infolge ihres wesentlich geringeren Strombedarfs den Siegeszug des elektrischen Glüh­lichtes erst möglich machte. Und doch ist auch sie eigentlich nod) der Gipfel der Verschwendung, denn sie erzeugt ja in der Hauptsache Wärme, die wir von ihr gar nicht haben wollen, besonders natürlich im Sommer nicht, und nur nebenbei etwas Licht. Das soll nun in absehbarer Zeit anders werden. Sie alle, meine verehrten Leser, kennen die roten, blauen, gelben und grünen Leuchtröhren der Werbebeleuchtung über Schaufenstern und an Giebeln. Leuchtröhren leuchten nicht so hell, daß man etwas mit ihnen beleuchten könnte; dazu ist, wie der Fachmann sagt, ihre Leuchtdichte viel zu gering. Nun sind aber diese Fachmänner am Werk und streben danach, die Leuchtdichte zu erhöhen und die Gase in den Röhren, die beim Durchfließen des elektrischen Stromes das bunte Licht ergeben, so zu mischen, daß weißes, dem Sonnenlicht vollkommen gleiches Licht ent­steht, also ein Licht, bei dem man alle Farben ebenso sieht wie bei Tage. Die Glühlampe der Zukunft wird also keinen Glühfaden mehr haben, sondern ihr ganzer Gasinhalt wird in weißem Lickst erstrahlen, das nicht blendet und vor dem jetzigen elektrischen Glühlickst den Vorzug einer geradezu märchenhaften Billigkeit haben wird.

Ein anderes Gebiet. Der Mensch ist eine Brennkraftmaschine, also technisch gesprochen ein Dieselmotor, dem der Brennstoff in Gestalt von Fleisch und Gemüse zugeführt wird. Nun hört man immer die Voraus­sage: Unsere Nachfahren würden sich einmal den Brennstoff nicht mehr in der bisherigen rohen sondern in veredelter Form zuführen, also etwa in Gestalt von Tafeln, aus Tuben oder in ähnlicher Weise. Wenn das jemand ausspricht, so antworten die Nichttechniker gewöhnlich ganz ent­rüstet: Das wird nie kommen, und sie würden sich schön dafür bebauten, Gänsebratentabletten statt wirklichen Gänsebratens einzunehmen. Aber es wird doch kommen, ja wir stecken in dieser Entwicklung schon mitten darin, und nur, weil sie verhältnismäßig langsam geht, merken wir das nicht. Schon lange essen wir keine Getreidekörner mehr, wie es die Mäuse und die Vögel noch immer tun. Eine Fabrik, die Mühle, macht Mehl daraus, aber auch das essen wir noch nicht; es kommt vielmehr in eine zweite Fabrik, die Brotfabrik, und erst deren Erzeugnis genießen wir. Wir essen auch keine Zuckerrüben, ja wir verspeisen nicht einmal den daraus gewonnenen Syrup sondern erst die aus ihm herauskristallisierten