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kühlten Urwaldbodens, und in mir eine so tiefe Müdigkeit und Schlas- bereitschaff, daß ich noch im Stehen einschlief und auf meine Matratze taumelte und nicht wieder erwachte, bis beim gelben Sonnenaufgang der Wald vom hundertstimmigen Gebrüll der Assen widerhallte.
Oie Wege der Oper.
Jeittheater oder Romantik?
Von Professor Dr. Paul @ r a e n e r.
Was bedeutet überhaupt der Begriff „Oper"? Ich definiere diesen Beariff als das Drama des singenden Menschen. Die Geschichte der Oper ,eiqt uns verschiedene Formen dieser Kunstgattung — die klassische Oper, durch Gluck vertreten, die dann in Mozart ihre Blütezeit erlebt, die romantische Oper, von Karl Maria von Weber ins Leben gerufen, die komisch- Oper, in Deutschland von L o r tz i n g und N i k o l a i, in Italien vonRossini betreut, sowie das Musikdrama Richard Wagners, dem die Gefangsoper Guiseppe Verdis als Glanzpunkt der italienischen Oper ^Dte bisherigen Formen des Opernschaffens finden ihren Höhepunkt im Werke Richard Wagners, dessen grandioses Unterfangen aus den bisher vielfach divergierenden Elementen der Oper das zusammenfaffende Gesamtkunstwerk bildete. Dieses Gesamtkunstwerk ist sowohl formal wie auch inhaltlich als ein Gipfelpunkt des bisherigen Opernfchatzes zu betrachten. Diese Lösung dieses Versuchs war nach meiner Ansicht eine absolut einmalige und 'ihr Gelingen findet seine Begründung in dem überragenden Genie Richard Wagners. Die nachwagnerische Oper litt nun zunächst unter der irrtümlichen Annahme, daß Wagners Schassen, das in sich selbst, wie gesagt, einen Gipfelpunkt bedeutete, nun in ähnlicher, allerdings ost mißverstandener Weise, fortgesetzt werden müfse. Das konnte nur zu epigonalen Leistungen führen. Die übergroße Zahl der nach Wagner komponierten Opernwerke dieser Richtung, die seitdem wohl vollständig von der Bildfläche verschwunden sind, spricht für sich selbst. Als nun die Seit herankam, in der sich die jungen schaffenden Künstler von der erdrückenden Gewalt des Wagnerschen Schaffens befreien zu können glaubten, zerschlug der Krieg und die aus ihn folgende Halt- und Zugellofig- keit ber $eit zunächst jebc 9Jlöc|[id)tcit einer wirklich gründlichen ZDeiter= entmicklung. An Stelle ber gesunden Evolution, aus ber ollein olle wirk- lich großen Kunstwerke hervorgegangen sind, war ein mißverstandenes Nevolutiönchen ausgebrochen, das zwar zerstören konnte, dem aber die wirkliche Kraft des Wiederaufbaues fehlte. Um das einmal Zerschlagene durch gleiche oder höherwertige Werke zu ersetzen., hatte es eines Genies beburft, das aber eine solche Zerstörung erst gar nicht uorgenonunen hätte Schlimmer noch als die immerhin begreifliche Verwirrung in den Köpfen und Herze» der jungen Künstler war eben das Uebergreifen dieses Zustandes auf das Publikum, das nun plötzlich das vermeint ich
Neue" zu einer Modeangelegenheit, zu einer Sache, bei der man „dabei gewesen fein mußte", erhob. Am fchlimmsten jedoch war es daß auch ein Teil der musikalischen Kritik — um dem Schicksal einiger Vorgänger, die sich seinerzeit in der Causa Wagner blamiert hatten, zu entgehen — alles Neue wahllos begrüßte. , . .. ...
Was wurde nun aus der Oper? Zunächst vergaßen die meisten Komponisten, daß der Sänger ja doch der Träger der Handlung in der Oper ist und daß man ihn, wenn auch nicht immer, so doch wenigstens m den wichtigsten Stellen verstehen muß. Man schlug aber den Sanger mit dem Orchester tot, das nun plötzlich zum maßgebenden Teil des Kunstwerkes geworden war. Aber nicht nur der Text für die Sanger wurde stiefmütterlich behandelt, man versuchte den Sanger m die: Reche der Jw strumentalisten einzuordnen, ohne auf dessen menschliche Stimme die gleiche Rücksicht zu nehmen, wie man sie auf Umsang und Gpielbm tut der Instrumente des Orchesters zu nehmen psiegt Sn(,.rf,r.rnni„
Eine andere Gruppe von Komponisten übernahm bie ^f^logte bes Sprechbramas in die Oper, ohne zu bedenken, daß die fl’rf’°Io9'^e Wicklung einer Figur nur im Sprechdrama restlos gelost werden kann. Eine dritte Gruppe — und das ist wohl die verbohr este — wollte die Romantik aus der Oper entfernen und Zeittheater wachen. Die Oper ohne Romantik ist wie ein Zahn ohne Nerv, sie 'st Leben^atemo beraubt. Den» weim man der Gattung Oper überhaupt Dastmsberech- tigung zusprechen will, so nur unter der Voraussetzung, daß WM es mit einem, den Realitäten abgewandten Kunstwerk zutunba e , uns erlaubt, jenseits von Zeit und Raum, in das Land d
3U ^glaube, daß das wahre Kunstwerk zwei Ziele hat: es muß uns erheben' ober es muß uns seinen Humor, seine örcubc (dienten. Cm Kunstwerk muß von solcher Beschaffenheit sein daß es die beideni oben genannten Bedingungen sowohl für den namen 3ul)orer, al ) f künstlerisch tiefer gebildeten Menschen erfüllt Es muß deshalb von großer Einfachheit und Schlichtheit sein, bie rbrerfetts roieberum einem re rf) Geist unb reichem Können entspringen. Das ist das Uni v er s al k f werk ber Over wie ich es mir für unsere Zeit wünsche und benke. Es ist bob»i ganz gleichgültig, ob der dramatische Vorwurf dem Sagem kreis ber Geschichte ober dein modernen Leben entnommen tft ^nimer aber muff die Oper Gestalten auf die Bühne bringen, deren Schicksale unb beren inneres Erleben uns zutiesst berühren, > L
,CtbSieroffieHernenftmirflung ber Oper liegt meines trachtens nicht barm, Probleme auszuklügeln unb darzustellen — niemanb ratr ! neben- los" wie Mozart — sondern in einem ehrlichen und zu H^en gehenden Musizieren, abseits von jeder Mode, abseits von leder Richtung, einem Musizieren, das auch dem Sänger gibt was des Sangers ist
Unsere ganze moderne Musikkunst der letzten 20 b s 309a r Ja das Volk weit öfter aus den Opernhäusern und Konzertsaenhmaus getrieben als hineingezogen. Wir modernen Komponisten müßen wwd einmal lernen, daß eine Kunst nur dann wahrhaftes Kulturwerk wer den kann, wenn das Volk im edelsten «inne mit unseren Werken mm singt, wie es bei Mozart, Weber unb nicht zuletzt bei Richarb Wagne
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Mai.
Von Theobor Storm.
Die Kinber schreien „Vivat hoch!"
In die blaue Luft hinein;
Den Frühling fetzen sie auf den Thron, Der soll ihr König fein.
*
Die Kinder haben die Veilchen gepflückt. All, all, die da blühten am Mühlengraben. Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest In ihren kleinen Fäusten haben.
Oie pariser.
Roman von Alfred Bock.
(Fortsetzung.)
Der Wind hat sich aufgemacht. Die Aeste knarrten und stöhnten. Aus dem Gehölz kam ein angstvolles Rufen. War's ein Mensch ober war s der Walbkauz, der fo schrie? , „ , ,, . .
Eben passierte man den Distrikt Finkelheg, als der Hannvelte rief. „Ich seh' was!" , ..
„Wo?" fragte der Bürgermeister. Der Knecht wies seinem Herrn die Richtung. Vom Stamm einer mächtigen Eiche hob sich etwas Dunkles ab. Der Bürgermeister beschleunigte seine Schritte. Die andern taten s ihm nach. Die Bachschulzmarie befiel ein Zittern, daß ihr die Beine schier den Dienst versagten.
Allo, allo!" drängte ber Rohnspeter vorwärts.
Nun war man zur Stelle. Die Laternen verbreiteten ihr mattes Licht. An ben Stamm ber Eiche gelehnt saß ber Psarrer unb schien zu schlummern. Aus seinem Gesicht lag ber Ausbruck tiefen Friedens, ja ein Lächeln spielte um seinen Mund.
Der Bürgermeister beugte sich vor:
„Herr Parrer, Herr Parrer?" Der rührte sich nicht. Da kniete der Heilmannshenner nieder, ber Barbier unb ein halber Doktor war, legte bas Ohr an des alten Herrn Brust unb ergriff feine Hand.
Alle stellten sich im Halbkreis herum. Jedes Wort erstarb auf de« ^Jetzt erhob sich ber Heilmannshenner roieber und sprach, fein feistes Gesicht in Fallen legend:
„Burgemeifter, he hat's überstanden! Die Manner nahmen die Mützen ab, bie Weiber begannen zu schluchzen.
Sogleich warb ber Tote auf bie Tragbahre gelegt, und der Zug trat seinen Rückmarsch an. Der Bürgermeister aber eilte mit seinem Kn eckst voraus, der Psarrerin die traurige Botschaft zu bringen.---
Es war um bie zweite Morgenstunde. Der Bürgermeister war aus ber Pfarre in seine Behausung zurückgekehrt. Er dachte noch nicht an Schlaf. Ruhelos wanderte er in feiner Amtsstube auf und ab. Er war wahrhaftig nicht fürchterich, allein ber plötzliche Tob des Ortsgeistlichen hatte ihn'doch verschreckt unb bas Gejammer ber Pärnerschen hatte ihm auch zu gesetzt. Auf neununbsechzig hatte es der Pfarrer gebracht, war ihm also um drei Jahre voraus gewesen. Er selbst spurte mchts von Alter lind Schwachheit. Auf dem Feld stellte er noch seinen Mann. Wenn S Klopssische absetzte. Kotz Kränk! nahm er noch manchem den Kitzel. Seine Fäuste waren im Dors bekannt. Freilich, der Tob vergaß keinen. Das war nicht anders in ber Welt. Der Pfarrer hatte bie Zeit her geträufelt. Es war wohl eine Blutstockung, bie ihn so jäh niebermarf. Letzten Sonntag noch hatte er in seiner Prebigt ben Weltsknechten, den Krakehlern unb Sausnasen ihr Fett gegeben. Er hatte auf strenge K.rck-enzuckst gehn - ten Ihm dem Bürgermeister, war bas ganz recht. Kirche unb Obrigkeit mußten Hand in Hand gehen. Unb baß ber Gemeinde nicht zu wohl wurde, bafiir sorgte er als politischer Kopf. Er hatte es immer vermieden, dem Pfarrer in kirchlichen Dingen fein wahres Gesicht zu zeigen. Er glaubte nickst an Hölle unb Teufel, auch über bas ötartebud) (ein in Hessen auf bem Land sehr verbreitetes Gebetbuch) war er hinaus; aber er verschloß seine Gedanken in sich. Einmal zwar war ihm cm bitteres Wort entschlüpft. Das war selbigmal, als sein Aeltester, ber Heinrich, in Darmstadt bei ben Dragonern ben Tobessturz tat. Da war ber Pfarrer gekommen unb wollte ihn tröffen. Und seine Widerrede war gewesen:
Herr Parrer 's heißt, ehre Vater unb Mutter, auf daß dir s wohl gehe unb du lang 'lebst auf Erden. Mein Heinrich war ein guter Sohn hat Vater und Mutter geehrt und hat so sruh fortgemußt. Wo bleibt da droben bie Gerechtigkeit?" Und ber Pfarrer hatte gesprochen: -Burger» meister, Ihr läster! Gott. Euch sehlt die Demut. Gott widersteht den Hoffärtigen aber ben Demütigen gibt er Gnade. Legt den alten Meirichen ab und zieht einen neuen an." Darauf war er grob geworden und ber Pfarrer war ohne Abschiedsgruß gegangen. Auch im -torf hatten sie gepifpert: „Der Heinrich hat für bie Sünden seines Vaters sterben muffen." Wäre jemand vor ihn getreten mit solchem Backhausgesthwatz, er hätte ihn kurzkrümmelklein geschlagen. Den Gottesdienst besuchte er. Das mußte man. Schon ber Leute wegen. Mit bem Pfarrer bahnte sich später wieder ein Halbwegs gutes Verhältnis an. Dieser hatte ben Wipp, seinen Zweitgeborenen, unterrichtet, bis ber in bte Kreisstabt auf bas Gymnasium kam. In ber Familie sollte ein Hochstubierter fein. Wie nun der Heinrich gestorben war, trat ber Philipp an bes Erstgeborenen stelle unb gab Gymnasium unb Studium auf. Jenes Mal Ijatte ber Pfarrer gesprochen: „Bürgermeister, überlegte Euch zweimal, eh Ihr ben Bub auf ben Hof tut. Ich schätz', er taugt zum Lanbwirt nicht Prost emahl- ieit' Das fehlte noch, baß man sich vom Panier ins Werk schwatzen ließ. Rasch gesagt unb schlecht bedacht. Der Pärner behielt recht. Bald würbe bas oanze Dorf es gewahr: Der Vater war ber Schaffer, ber Sokm ber Späterer Das Zockern paßte dem Stubierten nicht. Eine Beschäftigung mußte er haben. Was tat man nicht für fein Kmb! so richtete rt ihm


