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oder auch verbrannt oder ins Wasser geworfen. Der Festtag wird weder durch einen der Kirmesburschen verkörpert, der als Popanz kleidet ist, ober durch eine künstliche Figur, einen Strohmann oder Strohpuppe. Im Kreise Homburg wird ein Bursche mit Erbsenstroh wickelt und muß im Taumeln und Hinstürzen das Krankwerüen

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wird mit Dreschflegeln erschlagen oder auch ausgetanzt. Ist m der Be­vorzugung von Hahn und Hammel, den Tieren der Fruchtbarkeit, be­reits der Erntecharakter der Kirmes betont, so noch mehr in dem Kirmes- baum, der an den Fruchtbarkeitsbrauch des Maibaumes anknüpft. Dieser mit Kränzen, Blumen und Bändern, Eiern und Würsten geschmückte, heimlich aus dem Walde geholte Daum wird umtanzt, und die an seiner Spitze lockenden Gewinne werden im Wett klettern erobert.

Wenn aller Jubel verrauscht ist, wenn das Ende des schönen Festes naht, dann wird die Kirmes in einer symbolischen Handlung begraben

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Kirmes.

Bon Dr. Georg Kuhn.

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Sterben der Kirmes darstellen. Als Abzeichen trägt diese symbolische Figur meistens ein Glas oder eine Flasche mit Wein oder Bier, bis­weilen auch ein Stück Kuchen und bunte Spielsachen, die an die Freude des Festes erinnern. Diese Dinge werden mit begraben oder mit der Strohpuppe verbrannt. Damit aber der traurigen Schlußzeremonie die Hoffnung auf eine fröhliche Wiederkehr des Festes nicht fehle, findet sich vielfach der Brauch, daß dievergrabene Kirmes" zu Beginn der Feier im nächsten Jahr wieder ausgegraben wird, und so knüpft sich bereits an das Ende des Festes der Hinweis auf die Freuden des künftigen.

Phantasien im Bremer Ratskeller.

Bon Wilhelm Hauff.

(Schluß.)

Singen sie das?" rief Bacchus,nun seht, Doktor, das freut mich, und so gar miserabel muß euer Geschlecht doch nicht geworden [ein, wenn sie so klare, schöne Lieder haben und singen."

Ach, Herrl" sprach ich bekümmert,es gibt der Ueberschwenglichen gar viele, das sind die Pietisten in der Poesie, und wollen solch' Lied gar nicht für ein Gedicht gelten lassen, wie manchen Frömmlern das Vater­unser nicht mystisch genug zum Beten ist."

Es hat zu jeder Zeit Narren gegeben, Herrl" erwiderte mir Petrus, und jeder fegt am besten vor seiner eigenen Türe. Aber weil wir gerade bei Seinem Geschlecht sind, erzähl' Er uns doch, wie es auf der Erde ging

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Mitteldeutschland jedoch wird dieKermesse",Kirmes",Kirmse", Kirms" oder, wie der Thüringer sagt, dasPlanfest" noch begangen. Der Franke feiert feineKörbe", der Alemanne feineKilbe", der Bayer und Oest-erreicher dieKirda" oberKirta", der Böhme dieKirwa" und der Schwabe läßt sich seineFreß- ober Allerweltskerbe" nicht nehmen. Mit derKirchweih", deren Feier dem Wort (Kirmes-Kerken-M-isse, b. h. die am Kirchweihtag gelesene Messe) zugrunde liegt, hat aber bas Fest ursprünglich nichts zu tun. Es ist eine uralte germanische Herbst-

wie ich gesagt."

Ei ber tausend!" murmelten sie nachbenkllch,das ist ja ganz sonder- bar'und verkehrt!"Und", sprach Petrus,keinen Krieg gibt es nicht?" Ein klein wenig, wird aber bald vollends zu Ende sein, in Griechen­land gegen die Türkei."

^Hai das ist schön", rief der Paladin und fchlug mit der steinernen Faust aus den Tisch,-hat mich schon vor vielen Jahren geärgert, daß die Christenheit so schnöde zuschaute, wie der Muselmann dies herrliche Volk in Banden hielt; das ist schön, wahrlich! Ihr lebet in einer schönen Zeit und euer Geschlecht ist edler, als ich dachte. Also die Ritter von Deutschland und Frankreich, von Italien, Spanien und England sind ausgewogen, wie einst unter Richard Löwenherz, die Ungläubigen zu bekämpfen? Die Genueser Flotte schifft im Archipel, die Tausende der Streiter überzusetzen, die Oriflamme" naht sich Stambuls Küsten, und Oesterreichs Danner weht im ersten Reihen? Ha! zu solchem Kamps: möchte ich selbst noch einmal mein Roß besteigen, mein gutes Schwert Durande ziehen und in mein Hifthorn stoßen, daß alle Helden, die da schlafen, aufstünden aus den Gräbern und mit mir zögen in die Turken- schlacht." ..... . o .. ..

Ddler Ritter", antwortete ich und errötete vor meiner Zeit,die Seiten haben sich geändert. Ihr würdet wahrscheinlich als Demagoge verhaftet werden bei sotanen Umständen und Verhältnissen, denn weder Habsburgs Banner noch die Oriflamme, weder Englands Harfe, noch Hispaniens Löwen sieht man in jenen Gefechten."

Wer ist es denn, der gegen den Halbmond schlagt, wenn es nicht diese sind?"

» Die Oriflamme, eine 'fünfzipfelige Fahne, von rotem Seidenzeug, bildete im Mittelalter längere Zeit das Heerzeichen Frankreichs.

im letzten Jahr!"

Wenn es die Herren und Damen interessiert" sprach ich zögernd.

Immer zu", rief Roland,wegen meiner könntet Ihr die letzten fünfhundert Jahre erzählen, denn auf meinem Domhofe sehe ich nichts als Zigarrenmacher, Weinbrauer, Pfarrer und alte Weiber." Auch die Übrigen stimmten mit ein, ich Hub also an:

Was zuerst die deutsche Literatur betrifft"

Halt!" rief Paulus;was scheren wir uns um euer miserables Ge­schmier, um eure kleinlichen, ekelhaften Gafsenstreite und Kneipenraufe- reien, um eure Poetafter, Afterpropheten und"

Ich erschrak; wenn diesen Leuten nicht einmal unsere wunderherrliche, magnifike Literatur interessant war, was konnte ich ihnen denn sagen? Ich besann mich und fuhr fort:Offenbar hat im letzten Jahre, was das Theater anbelangt"

Theater? geht mir weg!" unterbrach Andreas,was sollen wir von euren Puppenspielen, Marionettenkomödien und fonftigen Torheiten hören! Meinet Ihr etwa, uns komme viel darauf an, ob einer eurer Lustspieldichter ausgepfiffen wurde oder nicht? Habt Ihr denn dermalen gar nichts Interessantes, nichts Welthistorisches, das Ihr etwa erzählen könntet?"

Ach, daß Gott erbarm", erwiderte ich,bei uns ist die Welthistorie ausgegangen, wir haben in diesem Fach nur noch den Bundestag in Frankfurt. Bei unjern Nachbarn höchstens gibt es noch hin und*v etwas; zum Beispiel in Frankreich haben die Jesuiten wieder gewonnen und das Zepter an sich gerissen, und in Rußland sollte Revolution geben."

Ihr verwechselt die Namen, Freund!" sagte Judas,Ihr sagen, in Rußland sind die Jesuiten wieder eingezogen, und in reich sollte es eine Revolution geben?"

Mit Nichten, Herr Judas von Jfchariot", antwortete ich,so ist es,

Bei Leut is jeden Tag Kirtag!" sagt der Oesterreicher, wenn er «in "Schlaraffenleben kennzeichnen will, und schon im Mittelalter wurde das Wort Kirmes gleichbedeutend mit Fest Überhaupt gebraucht, so daß man die KindtaussfeierKindleskirmes" und die FastnachtNarrenkirch- weih" nannte. Jubelnde Ausgelassenheit und frohes Genießen offenbaren di? Darstellungen der Kirmes vom Bauern-Bveughel bis zu Rubens, und noch heute ist die Stirmesfeier vielfach das beliebteste Fest des ganzen Jahres. In den protestantischen Ländern Niederdeutschlands ist das von Luther stark angegriffene Fest freilich fast überall ausgestorben ober zu einem bloßen Jahrmarktsrummel, einer Tanzbelustigung geworden. In

Feie r.

Bei den alten Germanen war nach dem Einernten der Früchte und dem Einbringen der Herden von den Weiden der Schluß des Jahres da, und so wurde in der -ersten Hälfte des November das große Jahres- schlußfest gefeiert, bei dem man sich nach den Mühen der Erntearbeit so recht gütlich tat. Aus diesem altdeutschen Jahresschlußfest, das mit feinen letzten Ausläufern im Weihnachtssest feine Wiederauferstehung feiert, ist 1 auch die Kirmes entstanden, bie als das Erntefest im Herbst erhalten -blieb. Die mannigfachen Lustbarkeiten, die sich den Sch mause rett' n zuge- ' sellten, mögen z. T. aus altheidnischen Opferfestlichkeiten, die mit dem germanischen Jahresschlußfest verbunden waren, entstanden sein. Man hat auch als Urbild der Kirmes die Gerichtstage unserer Vorfahren her- ; »angezogen, die im Herbst stattfanden und an denen ber ganze Gau mit Belagen und Volksspielen Anteil nahm. Jedenfalls fand das Christen­tum in der Herbstzeit bereits ein großes germanisches Fest vor, und dies war so fest eingewurzelt, daß die Geistlichen an eine Ausrottung nicht denken konnten. Sie setzten daher nach den Vorschriften des römi- -schen Bischofs in die ersten Tage jener Festzeit, also in den Oktober, eine Feier zum Gedächtnis der Einweihung der Kirchen, die Kirchweih, die mit besonders feierlicher Messe verbunden war. In den Städten knüpfte sich schon früh an dieses Kirchenfest der herbstliche Jahrmarkt, und das weltliche Wesen überwucherte bald wieder völlig den religiösen Anstrich, ben man ihm gegeben hatte. Die Kirmes wurde tage- ja wochenlang aus­gedehnt, und die Hauptstädte der Gelage unb Gastereien war das Gottes­haus, worüber die Prediger ber Reformationszeit bewegliche Klage führen. Karl V. »erorbnete daher bei einer Strafe von 50 Gulden, baß die Kirmes nicht länger als einen Tag gefeiert werden dürfe und im 18. Jahrhundert suchte Josef II die Unsitte der vielen Kirchweihfeste dadurch aufzuheben, daß er einen festen Tag, den 3. Oktober, für die Feier anordnete. Seit­dem wurde die Kirchweih noch weiter vor ins Jahr nach Michaelis hin gelegt, vielfach schon in den September, wodurch die Kirmes stark bas 'Gepräge eines Erntefestes bekommen hat.

Die Kirmes ist heute nicht nur Herbst- unb Erntefeier, sondern das Ibeliebteste Gemeinde- und Familienfest ber Dauern. Da kommen von -allen Seiten Verwandte und Bekannte zum Besuch, und wer bte meisten Gäste im Haus hat, genießt das meiste Ansehen. Das Gesinde hat in dieser Zeit gute Tage, und auch ber Verstorbenen wirb gedacht indem man ihre Gräber besucht und sie mit Weihwasser besprengt. Große Vor­ibereitungen werden getroffen, unb in manchen Ortschaften dreht sich alles fo um die Kirmes, daß man die Ere-ignisfe des Jahres nach ihr berechnet, -«in halbes Jahr von den Borbereitungen unb dann ein halbes Jahr von nhrem Verlauf spricht. In jeder Wohnung wird gewaschen unb geputzt, geschlachtet unb gebacken, wobei vielfach besonderes Kirmesgeback tn lBrauch ist. Kinder und Di-enstboten b-ekommen neue Kleider Die Vur- ffcheiftchcht des Dorfes wühlt besondere Festordner, die sog. P.atzbursche -ober Kerbmänner, die vorPlatzjungfern" unterstützt werden Das Recht, -die Kirmes abzuhalten, wird von ber Gemeinde an manchen Orten meist- ttüetenb versteigert; in neuester Zeit nehmen bie üßirte meiitenj. be Recht in Anspruch. Die Burschen versteigern ober verlosen auch die Mädchen untereinander, unb die so Vereinten gehören für das Fest u

Nun ft/ der ersehnte Tag herangekommen. Dom Turm flattert die Zahne, unb zur Eröffnung bes Festes bewegt sich am frühen argen *in luftiger Umzug durch die Gaffen, die frisch gekehrt sind. Der Orts- -obriateit dem Dsarrer dem Lehrer werden Ständchen gebracht, ue herumzie'heniden Burschen, die sich in allerlei Tiergef^lten verkle-rbet haben Mib von Musikanten sowie vom Hanswurst und P^!chweister begleitet linb, sammeln Kuchen, Speck, (Sier unb auch andere Naturalien em. Em Icierlicher Gottesdienst gibt dem Tag bie Weihe Die Haupttrend«n ent- I ffalten sich beim Tanz, ber am Nachmittag auf dem

d» großen Linde feinen Anfang nimmt unb dann mi Witt.hE t iSttetzt wird. Die Paare, mit Kirmesstrauhen von Blumen Futterg geschmückt, ziehen in langer Reihe auf. Die ersten drei Tanze tanzen «MH-rorts so in Baden bieKilbeknaben" mit ihrenKilbemadchen °Din. liebechaupt werden'mit Vorliebe die alten Volkstänze^uach^igen- ^-Mi-cheii Weisen aufgefühtt. Neben dem Tanz ist der 3 b

«nuner mehr in den Vordergrund getreten, jntm fi ^rnrt, »"stplatz alles, was das Herz begehrt. Da werden R'Ngkampf mr galtet unb Wettrennen, Vogelschießen und Fnhnenrei . v i Rammen in bie Luft Alles mögliche wird ausgetanzt, ausgekcg. , Miett unb ausgeschossen. Besondere beliebte Kirmesvergnug-n^nd das Hammelreiten unb das Hahnenschlagen Im fe'erl-h xnuLpUbt und teer Herde ein Hammel herausgeholt, mit vo^n Bänder Stein

von dem mit einem langen Messer versehenen Metzg und nm das Fell II geschlachtet. Der Braten wird gemeinschaftlich verzeh _. c.

I des Hammels ein Wettrennen oder Wettlaufen veranstaltet. Em Hahn