Die Knochenreste des Pithekanthropus wurden 1891 von dem
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Oie Versuchung des Pescara.
Novelle von Conrad Ferdinand Meyer.
(Fortsetzung.)
Da die Kargheit und der Undank des Kaisers weltbekannt sind, zog sie den Schluß, daß er seinen Feldherrn nicht zufriedenstellen und dieser anderwärts einen Ersatz suchen werde. Jetzt verbindet die öffentliche Meinung diese beiden Dinge: unfern schon durchschimmernden patriotischen Bund und einen möglichen größern Gewinn des Pescara. So wird sein Uebertritt glaubwürdig, bevor er sich vollzieht. Nur ist es dienlich, daß dieser begründeten allgemeinen Ansicht durch eine geschickte Hand eine überzeugende Gestalt und durch eine geläufige Zunge eine für ganz Italien verständliche Sprache gegeben werde. Nun ist seit kurzem ein wanderndes Talent unter uns aufgetaucht, ein vielversprechender junger Mann, der sich hoffentlich noch an Venedig fefseln läßt —"
„Einen Fußtritt dem Aretiner! Er hat mich schändlich verleumdet ..." — „Ein göttlicher Mann! Er hat mich den ersten Fürsten Italiens genannt!" riefen Guiceiardin und der Herzog miteinander aus.
„Ich sehe", lächelte Nasi, „daß der Mann auch hier nach seinem Werte gekannt ist. Seine Briefe, an wahre oder erfundene Personen, in tausend und tausend Blättern ausgestreut, sind eine Macht und beherrschen die Welt. Ich will ihm eine sehr starke Summe senden, und ihr werdet euch über die Saat von schönfarbigen Giftpilzen verwundern, die über Nacht aus dem ganzen Boden Italiens emporschießt: Verse, Abhandlungen, Briefwechsel, ein bacchantisch aufspringender, taumelnder Reigen verhüllter und nackter, drohender und verlockender Figuren und Wendungen, alle um Pescara sich drehend und um die Wahrscheinlichkeit und Schönheit seines Verrates. So bildet sich eine unüberwindliche allgemeine Ueberzeugung, welche den Pescara zu uns herüberreißt und ihn zugleich — da liegt es — am kaiserlichen Hofe so gründlich und endgültig untergräbt, daß er zum Verräter werden muß, er wolle oder nicht."
„Nichts da, Exzellenz!" rief der Kanzler aus dem Dunkel. „Ihr verderbt mir das Spiel! Der Befreier Italiens soll sich in voller Freiheit entscheiden, nicht als das Opfer einer teuflischen Umgarnung ..."
„Du bist prächtig, Kanzler, mit deinen moralischen Skrupeln!" unterbrach ihn Guiceiardin. „Wisse, auch Mein Herz empört sich und nimmt teil für den unrettbar Ueberlifteten! Aber ich heiße den Menschen schweigen und handle als Staatsmann. Das Mittel der Exzellenz ist ohne Vergleichung unter alle dem, was heute abend gefunden wurde, das Ruchloseste, aber auch das Klügste und Wirksamste. Erst jetzt wird die Sache wahrhaft gefährlich für Pescara, und fein Verrat wahrscheinlich. Ans Werk."
„Er ist unter uns und lauscht!" schrie der Herzog nut gellender Stimme, daß alle zusammenfuhren. Ihre Blicke folgten seinem geängstigten. Der Mond, der als blendende Silberscheibe über den Horizont getreten war und seine schrägen Strahlen in das kleine Gemach zu werfen begann, spielte wunderlich auf der Schachpartie. Viktorias her- vorguellendes Auge blickte erzürnt, als spräche es: Hast du gehört? Pescara? Welche Verruchtheit! Und jetzt fragte es angstvoll: Was wirst du tun, Pescara? Dieser war bleich wie der Tod, mit einem Lächeln in den Mundwinkeln.
Zweites Kapitel.
In der weiten hellen Fensternische jener edeln vatikanischen Kammer, an deren Dielen und Wänden Raffael die Triumphe des Menschengeistes verherrlicht, saß ein Greis mit großen Zügen und von ehrwürdiger Erscheinung. Er sprach bedächtig .zu dem emporgewendeten, mit dunkelblonden Flechten umwundenen Haupte eines Weibes, das zu seinen Füßen saß und mit einem warmen menschlichen Blut in den Adern ebenso schön war als die Begriffe des Rechtes und der Theologie, wie sie der Urbinate in herrlichen weiblichen Gestalten verkörpert. Der betagte Papst mit feinem langen gebückten Rücken und in feinem fließenden weißen Gewände ähnelt einer, klugen Matrone, welche lehrhaft mit einem jungen Weibe plaudert.
eine Entdeckung Aufsehen erregt, welche in einer bei der chinesischen {Stabt Chou Kou Tin, etwa fünszig Kilometer südwestlich von Peking, gelegenen Höhle gemacht wurde. Nachdem 1829 zwei, verschiedene Individuen angehörige Zähne und Unterkieferbruchstücke dort ausgegraben waren, wurde im vorigen Jahre ein bis auf den größeren Teil der Gesichtsknochen erhaltener Schädel bloßgelegt, der mit anatomischen menschlichen Merkmalen solche von Menschenasfen verband. Erhöhtes i Interesse gewinnt dieser Fund dadurch, daß der Schädel nach
Messungen von Elliot Smith ungefähr gleiche Läng« und Höhe ber des viel besprochenen Pithekanthropus von Java ausweist und ihm in dieselbe Formenreihe zu gehören scheint.
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was dir aufgetragen ist, und fei gewiß, daß sogar Mohammed, Allahs Prophet, einen Anhänger, der schlicht und fromm seinen Befehlen gehorcht, den vielen vorzieht, die klüger sein wollen als er selbst."
Als der Koch Assad am nächsten Morgen erwachte, erinnerte er sich ..haargenau an den furchtbaren Traum, der ihn in der Nacht geguält hatte.
Und von diesem Tage an, erzählt die Geschichte, hörte Koch Assad auf, sich ungebeten in fremde Angelegenheiten zu mischen. Er befaßte sich nur damit, was zu feinem Berufe gehörte und wurde so ein fo gesuchter Koch, daß eine Beförderung die andere ablöste und er schließlich «ine Stelle als Meisterkoch in der Küche des Sultans selbst bekam.
• (Autorisierte Uebersetzung von Marie Franzos.)
Von den Llrahnen der Menschheit.
Von Dr. (Emil Carthaus.
Vor noch nicht langer Zeit hat in den Kreisen der Anthropologen
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dem Tierreich herausgebildet hat, dcchin ausgesprochen, daß schon während der Miozänperiode, zu Anfang der jüngeren Tertiärzeit, Hominiden auf der Erde gelebt haben müssen. Und wenn auch der amerikanische Palcion- thologe Osborn auf Grund eines nicht in jeder Hinsicht einwandfreien Fundes, nämlich des sogenannten Eoanthropus glaubt, daß die erwähnte Abzweigung erst in der Pliozänperiode, also in einem späteren Abschnitt der jüngeren Tertiärzeit vor sich gegangen sei, so ist doch nicht anzunehmen, daß in der mittleren Diluvialperiode, als der wirkliche Mensch schon lange existiert«, noch Uebergangsformen vom Menschen zum Tiere auf der Erde lebten. Ist es doch eine bekannte Tatsache, daß gerade solche Uebergangsformen bei geringer geographischer Verbreitung sehr bald wieder von der Weltbühne verschwinden.
Man weih nicht recht, was man dazu sagen soll, daß mit d«n Schädel- knochen des Pithekanthropus zusammen auf Java und China (mehr ober weniger von ihnen entfernt liegend) menschenartige Knochenreste gesunden wurden, welche tierischer oder menschlicher als die Schädel erscheinen, also sehr wohl verschiedenen Individuen angehören könnten. So besitzt der mit dem Schädeldach vom Pithekanthropus zusammen gefundene Oberschenkelknochen von Trinil ein mehr zum Menschlichen neigendes Gepräge als dieser selbst; der mit dem Schädel des Pithekanthropus zusammen unweit Peking gefundene Unterkiefer, aber mehr tierische, den Affen zukommende anatomische Züge. Und auch der dem Schädel des englischen Eoanthropus angeblich zugehörige Unterkiefer zeigt Schimpansencharakter, während er selbst dem Typus der heute noch lebenden Menschen angehört. Mag man nun über die Zusammengehörigkeit dieser Schädel und Knochenreste denken, wie man will, so scheint mir doch in dem umstrittenen Pithekanthropus von Java und dem wohl als eine Variation oder Lokal- form anzusehenden Pithekanthropus der Höhle von Chou Kou Tin schon wegen seines geringen geologischen Alters, das in den verschiedensten Weltgegenden eifrig gesuchte Verbindungsglied zwischen dem Menschengeschlecht und dem Tierreich nicht gesunden.
ländischen Militärarzt (Eugen Dubois auf Java gefunden. Lange glaubten viele Anthropologen, es mit dem vielgefuchten Zwischenglied zwischen Mensch und Menschenaffen (dem „missing link“) zu tun zu haben. Man war zu dieser Annahme um so mehr geneigt, als sich in der aus vulkanischem, durch einen Lahor- oder Schlammstrom verschleppten Material bestehenden Ablagerung, die einen Teil des Schädels vom Pithe- konthropus barg — von diesem allerdings fünfzehn Meter entfernt und nicht in gleicher Höhe mit ihm liegend — auch ein Oberschenkelknochen ranb, der durchaus menschlich erscheint. Namhafte Anatomen, worunter Virchow, Waldeyer und Vollmann, erklärten den gefundenen Schädelrest für tierisch, und Virchow sprach sich sofort dahin aus, daß der Oberschenkelknochen einem ganz andern Individuum als das Schädel- druchstück angehäre. Da dieses auf ein Schädeloolumen von 850 ccm schließen lieh, daß des größten Menschenaffen aber einen Inhalt von 600 ccm und das der Menschen einen von 1230 ccm umfaßt, so glaubte Dubois in den menschenähnlichen Knochenresten das „missing link“ zwi- ' d)en Tierwelt und Menschheit wirklich aufgefunden zu haben. Er gab diesem Urahn der Menschheit deshalb den Namen Pithekanthropus erectus, d. h. aufrechtgehender Affenmensch. Als aufrechtgehend bezeichnete er ihn im Hinblick auf den zu dem Schädelknochen gehörenden Oberschenkelknochen, der nur von einem wie Menschen ausrechtgehenden Jndi- oibuum herrühren kann. Vertreter der natürlichen Entwicklungslehre wie Häckel, Schwalbe, Manouvrier und Verneau, die eine Entstehung der Menschheit aus den Affen verwaichschaftlich nahestehenden Eieren auf natürlichem Wege, also ohne schöpferische Eingriffe, anneh- men,~ pflichteten der Duboisschen Ansicht bei. Lubbock, Turner, Ranke, Topinard und andere Anthropologen erklärten dagegen, die gefundenen Knochenreste des Pithekanthropus als einem Hominiden I cmd nicht einem Anthropoiden zugehörig, d."h. einem Lebewesen, welches > «um Menschengeschlecht, nicht aber zu den menschenähnlichen Affen zu rechnen fei.
Bei der weitgehenden Meinungsverschiedenheit hatte man nun viel liu wenig Gewicht auf die genauere Feststellung des geologischen Alters der vulkanischen Gesteinsschicht gelegt, in der die Knochenreste gefunden cuurben. Auf Grund der aus dieser Schicht ausgegrabenen Ueberrefte von Dickhäutern, Wiederkäuern und anderen Tierarten glaubte Dubois, daß ne schon in der späteren Tertiärzeit zur Ablagerung gekommen sei. Das große Interesse an der Pithekanthropus-Frage veranlaßte nun eine wissenschaftlich sehr regsame Frau, die Witwe des bekannten (Erlanger Zoologen Prof. Selenka, unter beträchtlichen Geldopfern eine Expedition ins Leben zu rufen, um durch Ausgrabungen in großem Umfange nn der Fundstätte des Pithekanthropus genauere Feststellungen über fein geologisches Alter zu machen und weitere Knochenreste von ihm aus- liufinben. Auf Befürwortung der Preußischen Akademie der Wissenschaften spendete auch die Stadt Berlin einen ansehnlichen Geldbetrag für Die Expedition.
Als Geologe und wifsenschaftlicher Leiter der Unternehmung kam ich «U dem (Ergebnis, daß die Pithekanthropusschicht nicht der Tertiar- ormation, sondern der folgenden Diluvialperiode zuzurechnen und erst gegen Mitte dieser verhältnismäßig jungen Erdenzeit abgelagert worden isst. (Einige Altersbestimmungen, welche mit den von der Expedition zutage geforderten zahlreichen Tier- und Pflanzenresten durch Spezialisten auf Wvlogischem und botanischem Gebiet vorgenommen wurden, schienen für «in größeres als mitteldiluviales Alter der Pithekanthropusschicht zu prechen. Da nun aber, wie gesagt, feststeht, daß die unweit Peking gefundenen menschenähnlichen Knochenreste derselben Formenreihe wie Der Pithekanthropus angehören, spricht auch dieser Fund für kein höheres geologisches Alter als das von mir angenommene. Mit Ueberbleibfeln des Pithekanthropus zusammen lagen nämlich in der Höhle bei Chou Kou Ain Knochenreste von Huftieren, Dichhäutern, Nagern, Raubtieren, welche deutlich bas mittelbiluoiale Alter biefer Höhlenablagerung erkennen lassen.
Die Feststellung ber Erbenzeit, in ber ber Pithekanthropus gelebt hat, fst besfjalb anthropologisch von großer Wichtigkeit, weil eine ganze Reihe »cm Tatsachen bafür spricht, baß eine Abzweigung ber Hominiden als Urahnen des Menschengeschlechtes von den Menschenaffen und den ihnen mehr oder weniger nahestehenden Zierformen schon während der Tertiar- !' eit erfolgt fein muß. Bisher hat sich die Wiffenfchaft auch unter der sinnahme, daß sich das Menschengeschlecht ohne besonderen Eingriff aus


