eine liebende Gattin zu formen, wenn er gewollt hätte. Der sympa­thische Herr gibt jedoch mit zynischer Offenheit zu, sie als Objekt zur Geduldübung zu seiner Frau gemacht zu haben,weil ein guter Bereiter sich nicht mit frommen, sondern mit feurigen Pferden versehe". Sokrates, warum nahmst du nicht lieber gleich ein wildes Pferd statt einer Frau?

Und nun zu seiner Todesstunde. Kein Wort des Trostes, der Lieb« oder des Dankes, als die noch junge Gesährtin, mit dem Kind im Arm, im Gefängnis vor seinem Bett steht. Daß er der mehr als Siebzig­jährig« mit Gleichmut seinem Tode entgegensieht, ist am Ende kein Beweis überragenden Heldentums. Ein weit höheres, wenn auch stilles manifestiert sich im Verhalten dieser geistig Armen, die, mit keiner Silbe ihres eigenen tragischen Geschicks erwähnend, einzig und allein der El»- sttllung des weisen Egoisten Rechnung tragend, wehklagt:O Sokrates, das ist das letztemal, daß dich deine Freunde sprechen und daß du sie sprichst." Auch in diesem Augenblick empfindet er ihre Anwesenheit nur als lästige Unterbrechung seines unermüdlichen Frage- und Antwortspiels und statt jeder Antwort bittet er Kriton, sie nach Hause zu fuhren. Das ist des großen Sokrates Abschied von Weib und Kindl

Und nun frage ich euch alle, ihr Vertreterinnen sanfter Weiblichkeit, Thekla und Margarete, Klärchen und auch dich, hold lispelndes Heil­bronner Kätchen Hand aufs Herz: wenn euch das Schicksal statt zur Liebsten eines Max, Faust, Egmont oder Grafen von Strahl zur Frau Sokrates gemacht hätte, wäre nicht selbst eine jede von euchnur liebe­tönenden" Gestalten als Frau Xanthippe auf die Nachwelt gekommen?

Oberfränkische Städte.

Von Dr. Carl Walbrach.

Im Tal des Roten Mains, der zwischen Fichtelgebirge und Fränkischen Jura nach Norden flieht, um sich in der Nähe von Kulmbach mit dem am Ochsenkopf entspringenden Weißen Main zu vereinigen, ist die Richard- Wagner-Stadt Bayreuth gelagert. Die Stadt wird zuerst 1194 urkund­lich erwähnt; zur Zeit des prachtliebenden Markgrafen Friedrich (gestorben 1763) erreichte sie ihre höchste Blüte. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit der der Markgrafen aus dem Haufe Brandenburg. Befonders den Markgrafen Christian (gestorben 1655), Georg Wilhelm (gestorben 1726) und namentlich dem erwähnten Friedrich, dem Gemahl der geistreichen Schwester Friedrichs des Großen, Wilhelmine, verdankt die Stadt ihre Ausgestaltung. Als mit Christian (gestorben 1769) die Bayreuther Linie des markgräflichen Hauses ausstarb, fiel das Land an die Ansbacher Linie. 1791 trat Markgraf Alexander Regierung und Land gegen em Jahrgehalt an Preußen ab. In den schweren Jahren 1806 bis 1810 unter­stand es französischer Verwaltung, dis es am 30. Juni 1810 an das König­reich Bayern kam.

Erst in neuerer Zeit ist durch Wagners Festspiele ihr Name in allen Ländern bekannt geworden. Auf die schönen und reichen Baudenkmaler kann nur mit einigen Stichworten eingegangen werden. Die ältesten Teile der Stadtkirche entstammen dem 13. und 14. Jahrhundert, die Haupt­bauzeit war um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Der schöne Hochaltar ist 1615 errichtet. Weiter sind an Gotteshäusern zu erwähnen: die Schloß­kirche, die Spitalkirche und die Kapit«lskirche des späteren Roten-Adler- Ordens Das alte Schloß ist im 15., das neue um die Mitte des 18. Jahr­hunderts errichtet; «s enthält heute Museen. Auf dem Schloßplatz steht das Reiterbild des Markgrafen Christian Ernst, eines berühmten Führers im Türkenkrieg 1683. Das Opernhaus wurde 1748 errichtet; seine Buhne ist noch heute eine der größten in Deutschland; es ist deshalb von Bedeu­tung, weil sehr wenig« Theater aus dem 18. Jahrhundert erhalten sind. Von älteren Bürgerhäusern steht noch mancher schöne Bau, wie z. B. die Hofapotheke und das Palais Reitzenstein. Von den Markgräflichen Schlos­sern der Umgegend ist neben Fantaisie vor allem Eremitage zu erwähnen, wo die Markgräfin Wilhelmine ihre bekannten Memoiren schrieb.Für bestimmte Seiten der Kultur des 18. Jahrhunderts eine Illustration von kostbarer Unmittelbarkeit; weniges dergleichen hat sich so gut erhalten", sagt Dehio darüber. Besonders beachtenswert ist neben dem eigentlichen Zellen-Bau, wohin sich die Herren und Damen alsEremiten" zurück­zogen, der Sonnentempel mit den Seitenflügeln. Aus dem kulturellen Leben der Stadt verdient erwähnt zu werden, daß schon vor 1430 eine Lateinschule bestand und 1742 die heutige Universität Erlangen in Bay­reuth errichtet wurde. In neuerer Zett beherrschte die Musik das geistige Leben. In Bayreuth hat Wagner seine unsterblichen Werke geschaffen den Grundstein zu seinem Festspielhaus legte er 1872 und Franz Liszt. Aber auch andere Große im Reich des Geistes haben hier gewirkt und ihre letzt« Ruhestätte gefunden: Jean Paul und Houston Stuart Chamberlain.

Bis 1603 war nicht Bayreuth die Landeshauptstadt sondern Kulm­bach, wo die Markgrafen auf ihrem festen Schloß, der Plassenburg, saßen. Kulmbach, heute eine Industriestadt, die von schönen Billen um­geben ist, erinnert durch verschiedene Gebäude aus vergangenen Tagen noch an seine Zeit als Regierungssitz; auch ist noch ein Teil der Stadt­befestigung erhalten. Hoch über der Stadt ragt die Plassenburg, die alte Hohenzollernfeste, empor, die man als hervorragendes deutsches Bau­denkmal bezeichnen darf. Die erste, 1554 vollständig zerstörte Anlage stammte aus dem 13. Jahrhundert. Die Burg wurde von 1559 ab in ihrer heutigen Gestalt neu errichtet; Caspar Vischer, der Erbauer des Heidel­berger Schlosses, hat besonderen Anteil daran gehabt. 1806 mußten die berühmten Festungswerke auf Napoleons Befehl geschleift werden. Glück­licherweise blieb derSchöne Hof", der kunstgeschichttich bedeutsamste und größte Turnierhof unverletzt.Eines der reichsten Dekorationsstücke der ganzen deutschen Renaissance sind die Hosfassaden. Ihre großartige Wir­kung beruht auf dem Kontrast des ganz schlicht, ja formlos gehaltenen Erdgeschosses und der zwei in breite Pfellerarkaden aufgelösten, an den Flächen über und über mit Flachreliefornamenten bedeckten Obergeschosse; nur der Rordstügel ist abweichend gestattet, der ehemals den Rittersaal enthielt; die Ecktürme mit den Treppen bilden wieder einfache Massen."

Während der Charakter der Städte Bayreuth und Kulmbach in ihrer geschichtlichen Vergangenheit in der Hauptsache von den Hohenzollernschen Markgrafen bestimmt wurde, treffen wir mainabwärts in Bamberg andere Landesherren: die Bischöfe, die hier seit 1007 ihren Sitz hoben. Die Gründung des Bistums Bamberg duxch Kaiser Heinrich II., der samt seiner Gemahlin heilig gesprochen wurde übrigens neben Karl dem Großen der einzige deutsche Herrscher, der zu den Heiligen der katholischen Kirche gehört erfolgte vor allem aus politischen Gründen, dann auch aus persönlichen Neigungen des Kaisers. Das erhellt zunächst daraus, daß des Kaisers Vater schon 973 im Besitz der Babenburg (später Bam­berg) war, während die Markgrafen von Babenburg ihre Herrschaft auf die immer weiter nach Osten vorgeschobenen Grenzburgen stützten. Dieses Geschlecht hat dadurch Beziehungen zu der Gegend an der Lahn, daß es mit den bei Weilburg und Wetzlar begüterten Konradinern, deren einer den Gleiberg bei Gießen erbaut hat, um die Herzogswürde in Franken gekämpft haben, aber 906 unterlegen waren. Auf den Erfolgen des 1003 gegen den aufständigen Markgrafen Heinrich von Babenberg geführten Krieges beruhte eigentlich die Macht des Kaisers im Gebiet des neuen Bistums, das durch Stiftungen reich ausgestattet wurde. Es war eine Gegengründung gegen Würzburg, dessen Rolle auf der Ostseite des Steigerwaldes damit ausgespielt war. Soviel zur Geschichte des Bistums.

Die Stadt Bamberg, die schon im Jahr« 973 zum erstenmal in der Geschichte vorkommt, liegt im fruchtbaren Tal der in mehrere Arme geteilten Regnitz. Sie ist auf drei Seiten von mit Kirchen bekrönten Höhen umgeben. Durch die teilweise Bebauung dieser Höhen bekommt die Stadt ein besonders malerisches Aussehen; daneben mag der Hain, eine aus­gedehnte Parkanlage am Ufer der Regnitz, erwähnt werden. Im Zentrum des Interesses steht natürlich die Altstadt, während der neuere Stabteil mit seinen Industrieanlagen sich nach Osten ausdehnt.

Das hervorragendste Bauwerk Bambergs ist der Dom. Der erste Bau ist 1004 begonnen, aber noch im selben Jahrhundert durch Brand zer­stört worden. In seiner heutigen Gestalt stammt der Dom aus dem 13. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Baus aus dem 11. Jahr­hundert. Es ist ein kreuzförmiger Bau mit Oft- und Westchor und Quer- schiff im Westen. Entstanden zu der Zeit, da die Gotik von Frankreich her bei uns eindrang, weist er drei Stile auf: der Ostchor und das Lang­haus find spatromanisch, das Innere des letzteren frühgotisch (burgundisch) und der Westbau frühgotisch (französisch). Die Westtürme sind wahrschein­lich um 1240 errichtet. Die innere Länge des Gotteshauses beträgt 95, die Breite 28,50 und die Höhe 25,50 Meter. Auf Einzelheiten kunst- geschichtlicher Art kann hier nicht eingegangen werden; ober dies und jenes muß doch wenigstens erwähnt werden. So z. B. der bekannte Reiter", der angeblich Kaiser Konrad HL darstellen soll, und das Monu­ment des kaiserlichen Stifterpaares Heinrich und Kunigunde, das der berühmte Tilman Riemenschneider um 1500 herstellte.

Unweit des Domes findet sich die Alte Hofhaltung mit ihren male­rischen Fachwerkhäusern. Die Fassade des prächtigen Einfahrtstoresist durch die künstlerische Feinheit der asymmetrischen Gruppenbildung eine der allerglücklichsten und bezeichnendsten Schöpfungen der deutschen Renaissance". Der Baumeister ist unbekannt; vielleicht war es Caspar Vischer. Die gegenüberliegende neue Residenz ist von dem Bischof Lothar Franz von Schönborn 1695 begonnen worden. Es ist ein einförmiger, nüchterner Bau. Den ganzen übrigen Raum des Dom­berges nahmen die Einzelwohnhäuser der Domherren ein, die durch ihr« mit Galerien umgebenen Höfe und Gartenterrassen überaus anziehend sind.

Unter den vielen übrigen Kirchen der Stadt verdient die Liebfrauen­kirche Erwähnung, der einzige gotische Bau von Bedeutung. In der zwei­ten Hälste des 14. Jahrhunderts als flachgedeckte gotische Basilika errichtet, wurde das Langhaus 1782 umgebaut. Das Innere ist durch moderne Restauration ohne kunstgeschichtliches Interesse geworden. Auf der Höhe des Michaelsberges nordöstlich vom Domplatz schaut die Abtei von St. Michael wett hinaus ins Land. Das Regnitztal mit seinen Gärten und Feldern breitet sich aus, während man die alten Bauwerke und Straßen der Stadt zu seinen Füßen sieht. Die Abtei ist ein ehemaliges Benediktinerkloster, dessen erste Bauzeit in die Jahre 1009 bis 1021 fällt. Die Kirche, die auf der Stelle einer romanischen Basilika errichtet ist, hat eine innere Gesamtlänge von mehr als 70 Meter. Sie ist dem Schema der Klosterkirche von Hirsau im Schwarzwald nachgebildet. Auch hier sind verschiedene Stilarten festzustellen: romanisch, gotisch, Rokoko. Das Turm- paar ist gotisch, die vorgeblendete Fassade stammt aus der Barockzeit. Die moderne Restauration des Inneren hat den Gesamteindruck stark beeinträchtigt. Mehrere Epitaphe von Bischöfen sind aus dem Dom hier­her versetzt worden. Die Klostergebäude, deren Hauptteil um 1700 errichtet wurde, sind ganz schmucklos, aber doch durch ihre ungeheure Mass« wirkungsvoll.

Unter den Profanbauten Bambergs zieht das auf der Regnitzinsel in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus einem gotischen Brückenturm um­gebaute Neu« Rathaus die Aufmerksamkeit auf sich. Der Bau mit seiner Fassadenmalerei, den Altanen und Stückverzierungen wird von Dehio überaus glücklich" genannt,originell in der künstlerischen Ausnützung der Oertlichkeit, ein malerisches Architekturbild ersten Ranges". Die älte­sten Privathäuser stammen aus der zweiten Hälft« des 17. Jahrhunderts, der Zeit lebhafter Bautätigkeit mit einem Zug ins Ueppige.

Biele berühmte Besucher der Bischofsstadt haben begeisterte Worte für die Schönheit Bambergs gefunden. Den einen zog dis Landschaft mehr an, wie Herder, der 1.788 an feine Frau schrieb:Es ist die schönste Gegend von der Welt"; dem anderen machte das Stadtbild den größeren Eindruck, wenn er, wie etwa Alfred L i ch t w a r k, sich von demDomplatz im Mondschein" gar nicht trennen konnte, weil er die überwältigende Harmonie" der so verschiedenen Baustile empfand. Diese Eigenschaft ist es, die Bamberg so anziehend macht: die Verbindung einer schönen Landschaft mit einem schönen Stadtbild, dem Jahrhunderte den Stempel ihrer Kultur aufgedrückt haben.

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Duch. und Steinbruderei. X Lange, Dieben.