lMt schreibt Le Blond, erinnere ich mich des Empfangs m einer Kirche, bei dem der junge Robespierre nusersehen war, den König nut einem Gedicht au begrüßen. Und ich sehe noch den jungen Regenten, gerührt und voll Güte, einen Blick auf Le jeune monstre werfen, der dazu bestimmt war, ihm eines Tages den Todesstoß zu versetzen. Robespierre studierte die Rechte, und wurde Advokat, zunächst m seiner Heimat Arras. Um Geld zu machen, wie er sagte. Ihn interessierten nur die ungewöhnlichen Fälle, er hat wenig zu tun. Unter dem frommen beschränkten Provinzpublikum fiel er aus. Seme Pariser Sitten, seine Religionslosigkeit isolierten ihn. Er mokierte sich über die über alle Autorität, die Schule, die Lehrer, das Gericht, d>! Gesellschaft, den Staat, den Hof, die Könige und die Bourgeoisie. Man hielt sich ihm fern die Bürger mißtrauten ihm, seine überhebende Art zog ihm den Haß der Kollegen zu. Sein Bureau blieb leer. Er begann sich den faulen Sachen zuzuwenden, die seine Kollegen ablehnten, er lebte von Skandalaffären. Sein zweites Wort war egalitS, liberte; er schrieb gegen die Ebe verteidigte die Scheidung, predigte Verachtung leglicher Moral, und sah 'in der allgemeinen Gemiedenheit, in der er lebte, nur einen Beweis seiner geistig höheren Stellung.
Er erkannte weder eine Gottheit an, noch Elternrechte, er haßte die Reichen, die ihm ihr Haus verschlossen, er war neidisch, er gönnte sich und anderen nichts. Wenn man ihn einlud, verschloß man ärgerlich dar Silber vor seinen umhersuchenden Blicken, und verbarg das schone Porzellan vor ihm. Seine Tante, bei der er lebte, beklagte sich über ihren Reffen, den sie erzogen hatte, er verbreitete Ungemütlichkeit, Kalte: eine Atmosphäre der Disharmonie war um ihn. Und so wäre dieser Winkeladvokat zu den Schurken dunkelster Gattung zu zahlen, wenn nicht d,e Revolution gekommen wäre.
Er drängt nach Paris, er hat nicht einmal Geld zum Platz in der Reisekutsche, nicht einen Koffer, keine Garderobe. Die gutherzige Ma- dame Marchand, eine Nachbarin, leiht ihm alles, und er reist ab, mit seinem geliehenen Koffer, zerrissener Wasche, abgenutzten «Stiefeln. Er lauft in die Versammlung, drängt sich m die Sitzungen, sucht alte Beziehungen auf, selbst seine Lehrer sucht er für sich emzunehmen. Mir abcau behandelt ihn sehr von oben herab. Er ahmt ihm nach, in seiner Kleidung, seiner Haartracht, seinen Mamcren, er setzt sich neben den großen Redner, lauscht ihm feine geschickten Wendungen ab. Mi- rabeau spielt ein doppeltes Spiel. Während er dem König gesteht, ich i bin in meinem Herzen Royalist und wünsche nur einen starken Damm i zwischen den Stürmern und dem Thron zu errichten, hetzt er in den Versammlungen gegen den Hof. Allmählich dringt Robespierre durch. Mit seiner weithintragenden Stimme verkündet er den q3nntern öie ivreibcit. Vive Robespierre, les anstocrats a la lanternei Roch 1792 | schrieb er, „die Monarchie ist das einzige, was für ein Königreich, das I o alt ist wie Frankreich, in Betracht kommt. Wenige Monate spater Wenn Ludwig XVI. den Tod nicht verdient, verdienen wir ,hn. De &önig fällt unter der Guillotine. Nous avons bnse nos ters schrei er dem jauchzenden Pöbel zu. Ihr habt keinen König mehr, ihr seidfrr Die verheißene Freiheit bricht an. Aber anders wie die fßan|er fte M gedacht/Despotismus ist Robespierre Ideal, er hat es erreicht. Alles beugt sich seiner Macht, ein r6gime rfvoluüonnaire beginnt, ein Tyrann I hat den Thron bestiegen, schrecklicher als alle römischen, ein ~aumcl I beginnt, die Guillotine arbeitet, sie dampft, sie knarrt, und der Karren | rasselt durch die Straßen, und bringt Opfer um Opfer herbei. DasMl! I sieht zu, jubelnd, blutberauscht, die Schreckenszeit breitet sich aus über d I Provinz, die Guillotine reift, die Flusse sind gefärbt von dem Bllst de I Opfer die man nicht mehr beerdigen kann: Robespierre lächelt und I herrscht. Dreihundert Personen läßt er in acht Tagen morben ous ew sucht auf eine Frau, die viele Anhänger im Volke hatte sein Em luß I muß unangetastet bleiben. Miraubeau ist nicht wehr, er ftarb v j f nach einem Souper. Früher ober später wäre auch er geendet mster d,e I fern Henker. Robespierres Seele brennt, fte lodert, der Blutrausch t) | ihn gepackt, er greift um sich wie eine Pest. Man beklagt sich über em
Provinzdeputierten, einen Kommandanten, der soviel Menschen er morden laßt, daß die Stadtverwaltung das Geld nicht mehr aufbr ng, den Fluß von den Leichen säubern zu lassen; sie «
nebeneinander her. Robcspierrc lächelt: Ich bin sehr zufrieden mit diesem Kommandanten, er tut nur seine Pflicht. Der Tod geh um di Denn ziationen durchschwirren die Lust, anonyme Briese bic ben » i Häuser tragen ... man braucht nur einen Feind zu haben, nur emm I neidischen Nachbar, nur Vermögen zu besitzen, ein Gelehrter zu I j bem Hofe verwanbt, so ist man auf bem Karren.
Aber Robespierre lächelt nicht, wenn er die Briefe öffnet die I ins Haus fliegen. Nieder mit dem Tyrannen, dem T ger, dedeckl
Frankreichs Blut ... Ein leises 3röfte(n übcrfhcgt Jemen «ucten, « zerreißt sie, aber sie kommen wieder. Er schlaft unruhig, erplatzt sich^, I wachen von Hunderten von KriMinallften, sie sind uorsichtlg I jnobin er geht, folgen ihm einige. Alle Revolutionäre hatte de Y I kaufen können, sagt Le Blond, wenn er sich ernstlich darum bemüht ) ■
Mirabeau ließ sich bezahlen, Marat nah,» mit emer Hand, anderen schrieb er gegen die Regierung, Danton kostetdemi w» I hunderttausend Taler, ohne daß der Hof einen Nutzen davon ha , I Robespierre galt für unbestechlich. f 6en,
Und seine Stunde kommt; eines Tages forderl uiaii ihn ab & selben Karren zu besteigen, auf den er so viele andere gesch'
I springt aus dem Fenster, verletzt sich auf dem -Pflaft , jatf.
blutigen Binde fährt er zum Richtplatz Man war selncr Herrschaj
I Ein Geheul erhob sich, wo er uorubertam, Schreie d" Hasses,
» achtung, der Wut. Alfons, Sire, riefen die Weiber ihm 3«, v°' fiel.
tour. Nieder mit dem Henker. Man applaudierte, als sein Niemand beklagte ihn. Alles atmete auf, und aus den flberfume g(; die man jetzt öffnet- strömten die Gefangenen heraus, die jicy i richtet sahen.
Mild war die Nacht. Mondlicht überflutete den Hafen, und äuf dem i Meere sah man ein seltsames Spiel. Aus dem Dunkel der Nacht glitten I Barken und kleine Galeeren. Taktschlag von Rudern war zu Horen und ! das Schrammen der Bordwände an der steinernen Ufermauer. Segel I flatterten im Winde. Ein buntes Schiffsvolk stürzte über die Stufen der I Pinzetta herauf, von tosendem Zuruf begrüßt. Handschare blitzten im Fackellicht Schüsse aus Faustrohren gellten. Die Wachen an den Taren, I die in dieser Nacht einen Scherz wohl verstanden, gaben sich lachend I SCf<Uebern‘ die Goldene Treppe raste die verwegene Schar. Von der Galerie des Saales jauchzte ein Schrei: „Der Brautraub der Uskoken. I Donnernder Beifall dankte dem Rufer. Denn wahrhaftig, solchen Spatz hatte man auch im venezianischen Karneval noch niemals erlebt.
Die Türen des Saales flogen auf. Hochgewachsene, braungebrannte Gestalten in roten und blauen Gewändern mit silbernen und goldenen I Schärpen, aus denen Dolche und Faustrohre sahen, brachen lärmend herein. Der Beifall wurde zum Rasen. Herrlich schienen die Masken getroffen. Die schönsten der Frauen riß das Meervolk in ferne Arnie. I Musik fiel ein. Und ein Tanz, wild wie die Sturme im Canal di Mal- ! tempo um die Felsen von Zengg, durchstampfte den ©aal.
Dann erhob sich der Doge. Er war das Zeichen zum Mahl. Doch eine Maske, bunt und prächtig wie ein Turke gekleidet, trat vor ihn bin, neigte sich tief, und eine fröhliche Stimme sprach: „Mit Verlaub, I Eure Höhest, nicht zum Essen sind wir gekommen, .yochzeit wollen wir halten! Wein und Essen gibt es auf unseren Schiffen genug. Wir müßen mit unseren Bräuten auf unseren Burgen sein, ehe Venedig seine Ga- I leeren bemannt" I
Lachendes Einverständnis der Schönen. Der Ruf „Zu den «chissem I erscholl Wieder durchraste Beifall den Saal. Ein Zeichen des Spred)ers. Die Uskokenmasken hoben die Frauen auf ihre Arme. Durch die Türen hinaus, über die Treppen hinunter fegten mit ihrem Raub die wilden Gesellen. Auf der Piazetta Gebrüll und Jauchzen des Volkes. Lachen I und Winken von den Balkonen und Fenstern des Dogenpalastes. Die I Segel steigen. Der Taktschlag der Ruder setzt ein. Und in der wieder mondlosen Nacht verschwindet der Maskenscherz wie em Spuk.
Oben im ©aale fröhliches Lachen. Man wußte: bald würden sie wiederkehren und das Mahl mit ihren Spähen und Erzählungen würzen. I
Doch wie tot ruht das Meer. Eine Stunde vergeht. Das Lachen I weicht erregtem Geflüster. „ , I
Da, ein Bombardenfchutz! Ein zweiter, ein dritter! Das Alarmzeichen j der Flotte. Aui der Piazetta wüstes Geschrei. Verwirrung und Fluchen. Bewaffnete klirren im Laufschritt zum Hafen. Galeeren gleiten über das | von Fackeln erleuchtete Meer. I
Der Doge, gefolgt vom Rate der Zehn, verläßt eilig den ©aal. Irgendwo in dem beklommenen Flüstern ein Schrei: „Madonna — das ! waren die Uskoken selbst!" , . i
Am nächsten Abend — rot wie Blut brannte die Sonne auf bie Festen des Belebst — läuten die Glocken von den Kathedralen m Buc- cari und Zengg, flattern in der Bora die Flaggen und Wimpel von den j Toppen der Saubgaleeren. Es halten die Uskoken Hochzeit mit den | venezianischen Edelfrauen, deren Weinen im Donner der 'Stucke ver- ! ballt. Indes draußen die Flotte Venedigs im ©türm an den schaumenden Riffen und Scoglien vor den Inseln zerschellt. In jenem Jahre war I der Kaneval in Venedig zu Ende, zwei Wochen ehe d,e Fasten begannen.
Das Lächeln Robespierres«
Von Liesbet Dill.
(Nachdruck verboten.)
Breitschultrig, mit kleinem Kopf, dunkelblond, ein rundes Gesicht, von Blatternarben bedeckt, kleine, runde Nase, wässerige blaue Augen mit stechendem, unruhigem Blick, kaltem abweisenden Ausdruck, schildert ihn Le Blond. Er lachte nie, er lächelte ganz selten, und dieses Lächeln bedeutete immer etwas Schlimmes, es kostete etwas ... In Arras geboren, als Sohn eines Advokaten, früh verwaist, im Hause einer frommen Tante erzogen, die Großes von dem begabten Neffen erhoffte unter den Schülern unbeliebt und verhaßt, von den Lehrern, seines kritischen Wesens wegen, gefürchtet, einsam und unumgänglich, ein Junge, der niemals mit anderen spielt, sich nie vergißt, an keinem Vergnügen teilnimmt, gegen Schmeicheleien schwach. Wer sein Vertrauen erringen wollte, mußte ihn loben, ein häßlicher Mensch, mit ewig verdrossenem Gesichtsausdruck, einem höhnischen Zug um den Mund: die Mütter warnen ihre Söhne vor dem „mauvais sujet".
Krankhaft ehrgeizig, fein Ziel ist Paris, eine Rolle zu spielen, in der Welt nicht in der Provinz. Er beugt sein Haupt nicht vor irgendeiner Autorität, weder vor einem Altar, einer Fahne noch einem Heiligenbild; er betrachtet Religionsstunden als verschwendete Zeit, ©ein Umgang ist wie die Pest, sagen die Lehrer, er verhöhnt die Schüler, die sich mit den Lehrern gutstellen.
Die Briese, in denen er reiche Verwandte um abgelegte Kleider bittet, sind in einem derartig überhebenden Ton geschrieben, dem man den Widerwillen des Bittstellers gegen seine Wohltäter anmerkt. Dankbarkeit war für ihn ein Begriff. Die Frau spielt keine Rolle in seinem Leben, nicht früher und nicht später. Mit Camille D e s m o u l i n, dem Feuerkops, hat er heiße Kämpfe, sie sind Klassenkameraden, lieben sich aber nicht Wen liebt« Robespierre? Niemanden, weder seine Schwester, noch seine Schulgenossen, weder feine Lehrer noch eine Frau. Er kompromittierte sich nie, darauf legt er Den größten Wert; ist er gezwungen, einer kirchlichen Feier beizuwohnen, beteiligt er sich weder am Gebet noch am Gesang, er bleibt stehen, kniet nicht nieder, ein sarkastisches Lächeln um die Lippen. Seine Lehrer hatten große Eigenschaften römischer Feldherren in ihm entdeckt, in der Rhetorik zeichnete er sich aus, er deklamierte gut. Ms Ludwig XVI. seinen Einzug in Paris


