tn den Bauchs Der Mann überlegt.Könnt Ihr leise fein?"Wir ziehen die Schuhe aus." Wieder überlegt der Mann und zeigt auf die Frau, die liegt wie tot:Helft sie tragen!"Wir nehmen sie alle vier zwischen uns aus die Schulter."Gehen wir."

Vor der Mauer legen wir sie ins Gras und der Fremde schüttelt sie, bis sie auswacht. Wie sie uns sieht, schreit sie. Hieraus der Fremde: Erschrecken Sie nicht. Die Herren haben mir geholfen, Sie tragen. Wir alle bringen Sie bis vor das Haus." Wir gehen. Die Vezirkshaupt- mannschaft ist gleich rechts. Kein Mensch aus der Gasse zu > Zeit. Sie §rützt, geht hinauf allein. Wie sie das Tor schließen will, schiebt der iremde den Fuß dazwischen. Sie merkt nichts. Das Tor ist offen. Wir warten.

Dann leise ohne L-chuhs hinein.Hinter mir", sagt der Fremde. Durchs Dunkel, hintereinander.Wir müssen warten, bis sie eingeschlafen ist", jagt er leise. Wir gehen mit ihm zur anderen Tür hinüber. Er Macht auf, jagt:Noch leiser". Auf den Socken gehen wir hinein. Er: Wartet!" Geht wieder hinaus.

Es hat sehr lange gedauert. Er kommt nicht. Endlich probiert Stjepan die Tür. Sic ist versperrt. Der Mohammedaner zündet das Talglicht an: die Fenster vergittert. Sagt Bogumil:Der Hund! Er holt sich den Schmuck!" Er hat ihn nicht geholt. Später haben wir ihn wiederge- iehen. Bei der Verhandlung. War das der Bezirkshauptmann! Ja, unter den großen Herren find auch Lügner. Worauf soll ein armer Mensch sich verlassen ...

MitternachlsbaA im Busch.

Von A. E. Iohann.

Die folgende Erzählung ist dem fesselnd und lebendig ge­schriebenen BucheM it 20 Dollar in den wilden Weste n" von A. E. I o h a n n entnommen, das im Ver­lag Ullstein, Berlin, erschienen ist und die abenteuerlichen Schicksale eines jungen Deutschen in Urwald, Steppe, Busch und Stadt anschaulich schildert.

Seit Wochen schon ging ein Wispern und Tuscheln um den großen Taudensee, lief die einsamen Straßen entlang, schlich sich auf abge­legenen Pfaden durch den weiten kanadischen Urwald. Trafen sich zwei abends bei den Netzen am See an einer der fischreichen Stellen, so wurde die Nacht lang. Sie sprachendarüber". Hatte dieser oder jener der Buschformer aus der Sägemühle, in welcher ich arbeitete, etwas zu be­sorgen, so kam er schier mit mir und den anderen Arbeitern ins Schwat­zendarüber". Oft blieb die Arbeit liegen, und des langen und des breiten wurde mit oll der Umständlichkeit, mit der diese redeungewohnten Männer sprechen, davon erzählt.

Drüben, am anderen Ufer des Sees, saß man stundenlang im störe. Der Kaufmann, der eine große Klatschbase war, hatte noch nie einen solchen Zuspruch gehabt. Alle hörten ihm geduldig zu, wenn er seine neuesten Gesch chten auskramte, und brachten bald das Gespräch auf diegroße kommende Sache". Tolle Skandale geschehen im Busch, und das Sensationsbedürfnis des storekeeper findet immer neue Nahrung. In der Sägemühle, die dem Iren O'Conell gehört, hat sich der Jonny, der dicke Jonny mit dem halben Ohr, zu seinem halben Ohr auch noch das letzte Glied des kleinen Fingers der rechten Hand abgesägt. Die braunweiße Kuh vom Schweden Johannssen hat verkalbt. Vorgestern sind die Earmen vom Mister Woods und der Tom Gubalke allein Kahn gefahren, aber der storekeeper hat sie doch gesehen, als er seine Netze einzog.Es ist entsetzlich", sagte der storekeeper,wie die Verderbnis der Jugend nun auch schon hierher in den Busch bringt." Seine Ge­schichten sind bedenklich bunt und dispositionslos: aber das stört die Zu­hörer wenig, wenn er nur endlich auf dasEigentliche" zu sprechen kommt, und schließlich steigt auch dieser Vers seines unerschöpflichen Repertoires: Also beim Mister Mc Callister vom Hügel an der Süd­seite ist am nächsten Samstag Tanz; er hat ein neues Wohnhaus ge­baut, das soll eingeweiht werden: jeder, der kommen will, ist eingeladen. Ob auch Mädchen da sein werden? Oh, eine Menge, zwei sogar aus der Stadt, die bei ihrem Onkel, dem Fischer Gilbert, zu Besuch weilen. Aus Oer Stadt? Es ist kaum zu glauben, wird das ein Fest werden! Um neun ühr abends wird es beginnen und bis zum nächsten Morgen dauern.

*

Der große Tag war gekommen. Abends nach der Arbeit begann in anserem Holzlager ein Waschen und Putzen, wie ich es auch nur an­nähernd nie erlebt hatte. Vollbartähnliches Backen- und Kinngestrüpp wurde unter Bechzen und vielem Blutvergießen gerodet. Ich habe mir aus Deutschland eine einfache Haarschneidemaschine mitgenommen. Unter der Bedingung, daß sich alle vorher den Kopf waschen, ließ ich sie aus vielen kanadischen Häuptern in Aktion treten. Mit ihr, einer kleinen Echeere und einem zerbrochenen Kamm wurde ich für vier Stunden Friseur. In der ersten Stunde schnitt ich Treppen und andere kühne Muster in ihre Haarschöpse, nachher ging es besser, und der letzte der letzte, weil er sich nur nach langem Seelenkampf entschlossen hatte, sich den Kopf zu waschen wurde unter meinen Händen zu einem jungen Gott mit wohlgescheiteltem Lockenkopf. Gutes Geld hat mir der Abend gebracht: ich nahm für den Haarschnitt 25 Cents und hatte schließlich 22 Dollar verdient.

Alle waren mit ihren Frisuren zufrieden und gingen ans Umziehen. Bei einigen war das ein schwieriges Geschäft, da sie nur das blaßen, was sie am Leibe trugen. Aber sie kennen ein ausgezeichnetes Mittel: sie drehen ihre Overalls (lange, bis zu den Schultern reichende Arbeits- Hosen) um, so daß die weniger abgenutzte und saubere Innenseite nach außen gekehrt wird. Schade dachte ich mir, daß man das mit einem ölten Smoking in Deuttchland nicht auch so machen kann. Pitty, der kleine, drollige, freche Pitty, der Pferdejunge, stand daneben und sah den anderen bei ihrer Toilette zu. Als ich ihn fragte, worum er nicht auch wenigstens feine Hosen umdrehe, gab er mir sehr böse zur Ant­wort: ,Meinst du vielleicht, meine Hosen haben drei Seiten?" Gegen

die Naturtatsache, daß alle Hosen nur zwei Selten haben, konnte: ich allerdings berechtigte Einwände nicht erheben.

Tom besah nur seine schweren Arbeite stiefel aus Gummi ; mit denen konnte er wirklich nicht tanzen. Verzweifelt krempelte er die ganze Hütte um und fand schließlich in einem verstaubten Winkel ein paar ausgediente weiße Stoffschuhe von Charlcy, dem Boß. Um die alten Dinger wieder aufzufrischen, tunkte er sie kräftig insWeizenrnehlfaß, und fertig waren die Tanzschuhe. Es war eine Lust, ihn anzusehen, als er sich uns noch vollendeter Toilette stolz präsentierte: auf dem Kopf trug er einen reich­lich invaliden graugrünen Filz, durch dessen Löcher die Sonne schien; um den Hals schlang sich zu seinem schwarzen Arbeitshemd ein gelbes Tuch, das er wer weiß wo aufgetrieben hatte, schließlich die umgekehrten blauen overalls, an den Füßen die Tennisschuhe; so wie er ging und stand, hätte er auf jedem Lumpenball für sein unerhört echtes Kostüm den ersten Preis bekommen.

Endlich war es soweit. Wir packten uns in das Auto unseres Ma­schinisten, einen dem biblischen Alter nahen Ford, und humpelten los, mühselig genug, denn in dem eigentlich viersitzigen Wagen saßen sechs, und zwei standen noch auf den Trittbrettern; wenn wir einen Berg hinauffuhren, mutzten diese beiden abspringen und nebenherlaufen, da­mit mir nicht steckenblieben. Nach einer Stunde Fahrt tarnen wir an; wir waren die letzten. Alles war schon in vollem Betrieb, wie ich aus dem Empfang schloß, der einem von uns, mit Namen Sunday, bereitet wurde. Wir hielten noch kaum, schon stürmte ein baumlanger Kerl mit einem Hut von dem Umfange eines kleinen Wagenrades aus dem Hause, packte Sunday mit großem Hallo beim Kopf und zerrte ihn so mit Bärenkräften, ohne die Tür zu öffnen, aus dem Auto. Als der arme Sunday, halbtot, nach diesem etwas ungewöhnlichen Transport wieder auf die Beine gekommen war, schüttelten stch die beiden aufs herzlichste die Hände; sie sind nämlich die besten Freunde, und der lange Dicky ist immer ein wenig stürmisch, wenn sie sich lange nicht gesehen haben.

Das neue Haus von Mc Callister, in dem gelangt wurde, war noch nicht ganz fertig; es fehlte noch ein Teil des Daches. Durch das große Loch schienen Mond und Sterne; es war gut jo. Staub und Dunst sanden leichten Abzug. Ein schönes Haus hatte er sich gebaut, die Fichtcn- ftämme waren innen mit gehobelten Brettern bekleidet und der Boden richtig gedielt. An den Wänden lagen auf dicken Holzklötzen lange Plan­ken, die je nach Belieben als Stuhl, Klubsessel, Diwan oder Bett benutzt wurden. Die Beleuchtung war für den fünfmal zehn Meter großen Raum etwas spärlich: es brannten drei Petroleumlampen: zwei trübe, blakende Stallaternen und eine Zimmerlampe, der der Schirm abhanden ge­kommen war; sie gaben mehr Dunst als Licht: ein glücklicher Umstand, denn der Qualm vertrieb ein wenig die zahllosen Moskitos, die um die Tanzenden schwirrten.

Alle diese mißlichen Umstände taten indessen der guten Stimmung feinen Abbruch. Das winzige Orchester spielte im Schweiße seines An­gesichts unausgesetzt: ein winziges Harmonium, eine Geige und ein an­scheinend selbstverfertigtes, zithcrähnl>ches Instrument. Was die Musik an Schönheit vermissen ließ, ersetzte sie durch Ausdauer; nie sah ich eine fleißigere Kapelle. Am Harmonium saß der jüngste McCallister und be­mühte sich, mit der Geige Schritt zu halten, die ihm aus unverständ- lichcn Gründen zuweilen um einen Takt vorauseilte.Hey!" rief Tom, wie ist die Musik schön" und stürzte sich blindlings ins Gewühl.

Und Mädchen waren da; es waren zumeist Mischlinge, denen das indianische Blut leicht anzusehen war, aber es waren doch Mädchen, und den Jungen, die manchmal monatelang nichts Weibliches im Busch zu sehen bekommen, war alles recht, wenn es nur lange bzw. gebobbte Haare hatte. Wenn ich nicht gewußt hätte, um was es sich handelte, hätte ich meinen können, auf einen Maskenball geraten zu fein. Jeder hatte sich so gut herausstaffiert, wie er konnte; einer hatte Cowboyhosen an, schwere Sporenstiefel und ein Lederhemd. Herren ohne Kragen war der Eintritt ohne weiteres erlaubt. Wer eitel und reich genug gewesen war, einen Kragen anzulegen, legte ihn während des Tanzes bald wieder ab, weil es zu heiß war; nur einer nicht: es war Eddy, der Maschinist einer anderen Sägemühle. Der hatte irgendwo einen Smoking aufgelesen, der ihm viel zu weit war und am linken Ellenbogen ein großes Loch aufwies; was tat das? Es war ein Smoking und Eddy der Löwe des Abends. Er trug auch ein steifes Hemd, dazu einen weichen Kragen und eine grünrote Krawatte. Er sah wirklich gut aus. Dazu war Tom mit seinen umgedrehten Arbeitshosen und den weißen Schuhen, von denen der eine inzwischen wieder schwarz geworden, weil Tom in eine Pfütze getreten war. So wurde nun getanzt, was das Zeug hielt. Ich hatte mich schon gefreut, mit meinen in Berlin WW. mühsam erworbenen Charleston-, Black Bottom- und ähnlichen Künsten zu glänzen, konnte sie aber nicht an den Mann oder vielmehr an die Frau bringen. Die tanzten nämlich Quadrille, Contre und Rheinländer, Walzer und einen mir unbekannten menuettähnlichen Tanz, kaum einen Onestcp. Bei Licht gesehen, unterschieden sich die Tänze nicht wesentlich vonein­ander; alle tobten, daß die Diele dröhnte und der Schweiß von den Stirnen rann. Selbst ein Tanzmcister fehlte nicht: Me Donald mit der Hasenscharte kommandierte die Tänze und zischte die Kommandos beim Contre, oder was es war, brüllend durch die Zähne, als exerzierte er eine Kompagnie Soldaten. Schon war es weit über Mitternacht: die Sabies, die die jungen Frauen mitgebracht hatten, schrien im Chor; Staub und Dunst waren zum zerschneiden. Draußen balgten sich Tom und Dick im Grase herum und führten einen erbitterten Ringkamps vor einem Kreis von sachverständigen Zuschauern auf. Natürlich ging 'f6 ein Mädchen, selbstverständlich: Kitty hieß das verderbte Wesen. Mancher schwankte verdächtig: er war zu oft an seine Satteltajche oder zu ieim1 Auto gegangen, um einen Schluck aus der verbotenen Flasche 3» nehmen. Ein Paar nach dem andern verlor sich irgendwo im Busch; ote Eheleute waren längst auf dem Heimweg.

Auch ich hatte genug und wollte heim, ich suchte nach den anderen, von denen ich glaubte, daß sie sich vor der Tür herumdrückten: aber oufy nicht einer Netz sich auftreiben; alle hatten sich heimlich, still und u l auf dunklen Pfaden paarweise davongejchlichen. Der Waschinyt,