Bruck uni) Verlag: Vrühl'sche Llniversitäts-Vuch» und SleindruckereßR. Lange, Gieße

Verantwortlich; Dr. Hans Thyrivt.

er als 'Beamter der Regierung unsere Freundschaft für den Augenblick hintanstellen und die erhaltenen Anweisungen aussühren müßte, als seien wir uns völlig fremd. Um mich brauche er sich keine Sorge zu machen, ich würde schon das meine dazu tun, um seine Vorgesetzten so lächerlich wie möglich zu machen.

So handelte ich denn auch. Zwei Spione, die sich eines Nachts in mein Lager geschlichen hatten, empfingen die wohlverdiente Strafe. Zwei Abgesandte der Regierung, die mit dem ausdrücklichen Auftrag ausgeschickt waren, meine Leute gegen mich aufzuwiegeln, damit sie mir alle meine Habe raubten, wurden von diesen aufgegriffen, entwaffnet und verprügelt. Ich behandelte sie als Gefangene, führte sie mit und ließ sie zur Strafe etwas Bergsteigen üben. Um weiteren Schikanen der anglo-indifchen Be­hörden zu entgehen, die für mich selbst viel weniger unangenehm waren als für meine mir treu ergebenen eingeborenen Begleiter, beschloß ich, die Grenze zu überschreiten, die dort durch den Kalifluß gebildet wird. Nun hatte ich also den Boden de- Königreichs Nepal betreten, eines Landes, das zu jener Zeit den Fremden fast ebenso verschlossen war wie Tibet.

Mittlerweile hatten die Tibeter bei ihrem eiligen Rückzug hinter ihr« Grenzen die Brücken abgebrochen, mit hohen Felsblöcken die Wege ver­rammelt uni) andere derartige kriegerische Vorbereitungen getroffen, um mein Vorrücken zu vereiteln. Sie behaupteten, eine Streitmacht von fünf­tausend Mann zusammengezogen zu haben, und liehen mir sagen, daß sie, wenn sie meiner habhaft würden, mir den Kopf abschlagen und meinen Leichnam in den Fluh werfen wollten. Solche Drohungen hatte ich zu oft gehört, als daß sie mich noch erschreckt hätten. Ich sing ein Schreiben von dem anglo-indischen Kommissar der Nordwestprooinzen an die tibetische

Regierung ab, das fo lautete:

Herr Länder ist auf dem Wege nach Tibet. Die indische Regie- rang hat Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, daß er Be­gleiter findet, und hat versucht, ihm Gepäck, Proviant und Munition wegzunehmen. Er wird das Land allein betreten und Sie können mit ihm tun, was Sie für richtig halten. Wir (die Regierung) lehnen jede Verantwortung für sein Eindringen in tibetisches Gebiet ab. Run war es mir völlig klar, daß ich einigen unfähigen Beamten ein Dorn im Auge war, weit ich über ihre Verfehlungen nach England be- richtet und auch bereits für die leidenden Eingeborenen Milderungen erweckt hatte; diese Leute zum Glück waren nicht alle Beamte von dem Schlag alles taten, was in ihrer Kraft stand, um mir Ungelegen­heiten zu bereiten, war mir also nicht weiter verwunderlich. Die indische Behörde ließ auch der Regierung von Nepal eine Mitteilung zugehen, daß sie im Fall meines Grenzübertritts Soldaten ausfchicken sollte, um mich zurückzutreiben oder gefangenzunehmen, da mein Vorgehen ohne das Em- Verständnis der britischen Regierung erfolge. Sehr richtig. Dieses Schreiben war mir eine unverhoffte Quelle der Erheiterung.

Nepal zog denn auch eiligst an der Grenze eine kleine .rruppe zu­sammen. Meine Begleiter, die von der Anwesenheit oer Soldaten nichts ahnten und auf einen kriegerischen Empfang in Nepal nicht gefaßt waren, trugen ihre Gewehre zum Schutz gegen Feuchtigkeit m Leder,utieralen. So tarn es, daß zwei meiner Leute, die nichtsahnend vorauszogen, über­raschend an gefallen und ihrer Gewehre beraubt wurden. Dann zogen sich die nepalischen Soldaten hastig nach einem höher oben auf einem Berge gelegenen Fort zurück. Als wir andern von dem Ueberfall horten, stiegen wir schnell nach der Festung empor, von deren Mauern uns ein Trupp Soldaten mit geschwungenen Kukris (scheußlich aussehenden Messern) und veralteten Flinten bedrohten. Das Tor der Festung war verrammelt, wir hoben es ein wenig mit Hilse eines notdürftigen Hebebaums aus Holz, und während die ganze Besatzung herbeisturzfe, um das Tor zu stützen, kletterte ich mit vier meiner besten Leute aus der andern Seite des Forts über die Mauer. Mit unfern Mehrladegewehren im Anschlag, oer- langte ich, die Besatzung sollte die Waffen niederlegen. Einer feuerte feine Mm? ab, aber ohne zu treffen, die andern ergaben sich. Nun brach auch der Rest meiner Leute ins Fort ein. Der Mutige, der auf uns gWIe- erhielt eine gehörige Tracht Prügel; dann warfen wir m dem Fort alles durcheinander, holten uns die verlorenen Gewehre wieder, verabschiedeten uns huldvoll vom Kommandanten und zogen weiter unseres Weges.

Der Trupv Nepaler Soldaten folgte uns in respektvoller Ent­fernung noch mehrere Tage, bis wir in das Gebiet des Schnees und der Gletscher kamen. Dann verloren wir |ie aus benSingen. Don da ab bin ich auf keine weiteren Schwierigkeiten beim DurchquerendesL^ndes gestoßen. Ich hatte die Absicht, einige der unbekannten Gletscher in Nepal zu erfor chen und, wenn möglich, eine der Lumpaspitzen zu besteigen, ine majestätisch über der Mehrzahl der benachbarien Gipfel ausragen.

Da wir bald in bedeutender Höhe auf schwieriges Gelände fhenen, mußte ich mein Pony im Stich lassen. Mühevoll ging ^'lufungebahnfen Pfaden vorwärts. An Menschen trafen wir mir hier und da einen vom Rheumatismus und Fieber geplagten Hirten; in der lahrelangen ©infam teil ihres Lebens in diesen kalten Regionen haben die Leute saft bas Sprechen verlernt. Wir gelangten an einen prachtvollen Gletscher, de noch kein Weißer erblickt hatte und ber einen überwältigenden Ausblick hat. Am Fuß dieses Gletschers sckflugen wir in emer Hohe von 4170 Meter ilbC$3enn der^Wind' sick^erhob 'und sich in den Eiszacken und verfing tönte die Gletscherwelt von seltsamen Geräuschen wider. Einmal hörte man ein schrilles Pfeisen, ein andermal heiseres Brüllen wie von wilden Tieren, bann wieder ohrenbetäubendes Donnern, zuweilen so g auf bas Getöse melodische Klänge, einem Chor menschlicher Summen von köstlichem Schmelz nicht unähnlich. Oft fuhren wir durch emen lauten Knall erschreckt in die Höhe: man hatte denken sollen, bic gesamte L schäft um uns her wäre in bie Lust geflogen, aber es war nur eine n - | ein paar hunbert Meter tiefe Gletscherspalte aufgebrochen.

Nachdem mir bie Gletscherwelt hinter uns gelassen ^"en, zogen über bieMoräne bes Lumpagletschers weiter, und zwar im wesentlich in ber Richtung bes Lumpastroms. .

Abenteuerliche Reise in Tibet. ]

Von Henry S. Landor.

Wir entnehmen die nachfolgende Schilderung dem bei Vrockhaus i in Leipzig erschienen, hochinteressanten englischen ReisewerkDer wilde Landor", auf das wir bereits an anderer Stelle auf- eStSÄ Smri- **<* »h-Ä litt ick unter ben Nachwirkungen der IM geheiligten Lanb

Inifer Die Rolle die ich in London, in izrankreich. Deutsch- I

IWUMMZW ihnen mit glncher Mun-e »ahlen. unb mdn Bettzeug zu-

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nnrinnOrhe Leute zusammen, Freunde des treuen Tschanden seng. Ich erstand e^n erstklassiges Pony und Proviant genug, um mit meinen Leuten aufÄtt1 täÄffSX- es handelte sich um mehrere taufend Pfund - um die denkbar besten wissenschaftlichen Jnstrumentezube- fei &s s SK.WH« Stieseln dem Sto?z jedes Bergsteigers wissen, sondern trug ziemlich eiC«DnSmmora bis zur tibetischen Grenze verfolgte id) einen etwas anbern Weg als auf meiner ersten Reise. Nachdem ich Dobi Dhura ver- ficb die auf die Höhe des Gebirgszuges führende Straße durch s; Ja. (Fichen Nbodadendren, Fichten und Deadorazedern beftan- j bTneslebkt sLe des Nebels und Regens war der Pfad schlup f s M^in im übrigen sehr sicheres Pony scheute leicht. Als wir eines Abends . M unUrgeSer Sonne unvermutet aus einen Eingeborenen stießem Än über tm Kops unb um bie Schultern getragene As WoWecke .m . Winde flatterte unb als das Pony fast im selben Augenblick den Huf auf ; .in, Krfgvnae feht? wieherte das Tier wie toll, trat zurück unb rutschte j mk ben^7in®erbemen über den Rand des nur wenige Fuß breiten Steges hinunter über einer Tiefe von etwa 250 Meter. Ehe ich irgend etwas zu tun vermochte, kam das Pony wieder auf die Fuße und ging auf dem schmalen, gefährlichen Pfad mit mir durcy. Dazu brach bie Stange, fo daß id) ^^SrSelSte^X^äe, wo ich meinen alten Freund öen Radschiwar traf. Ich bewahrte dem ehrwürdigen alten Herrn die treueste Anhänglichkeit, wegen seiner Güte unb ber aufmerksamen Pflege, bie er mir halte angedeihen lassen, als ich verwundet krank zwei 3ahre zuvor aus Tibet hingebracht worden war. Er war fetzt ganz gelahmt.

Beim Betreten von Bhoi ober Klein-Tibet gelangten w,r m höhere Regionen. Da ich vernommen, baß bie Tibeter in englisches Gebiet ein- aebrunaen waren, um unfern Eingeborenen ihr Gesetz auszuerlegen, eilte ich aus Bitten der mißhandelten Schokos weiter nach Garbyana, wv mich die wackeren Bergbewohner begeistert ausnahmen. Aus die Kunde von meinem Eintreffen zogen fid) öietibeti 1 rf}en 25eamlen ^mf.

Die Garbnalis beschworen mich, ich möge dorr bleiben, um sie gegen noe iische Niedertracht zu schützen. Die indische Regierung, die mein wieder- eVnbtingen to Tibet stark beunruhigte benahm sich recht eigen- ärtig. Ständig trafen ihre Abgesandten ein und ertteßen Derbote an de Eingeborenen, mir zu folgen ober mir Lebensmittel zu verkaufen, sie suchten meine Leute dazu zu Überreben, mir Waffen »"d Proviant «0^ zunehmen unb mich so am weiteren Vorbringen zu hmbern.Unsinnige Beschuldigungen würben in Umlauf gesetzt, z. B. i°llie ich Schnellade- kanonen verborgen mit mir führen unb dergleichen. Aus den bloßen Ber dacht hin, mir behilflich gewesen zu sein, wurden verschiedene Eingeborene ungerechterweise bestrast. Hysterisch anmutende Drohbriese gingen mir von den verschiedensten Behörden zu, so vom Statthalter ber Nordwestpro­oinzen, vom Regierungskommissar unb vom stellvertretenden Regierungs- kommissar. Schließlich erhielt ich ben Befehl, nicht weiterzuziehen, sondern die Befehle der Regierung abzuwarten. Ich erwiderte, ich fei niemals, weder in ber Vergangenheit noch in ber Gegenwart, irgend jemanös Diener gewesen, hätte auch keineswegs die Absicht, es lemals in Zukunft zu werden, daher könnte ich von niemand Befehle annehmen. Unter­stützung von feiten ber Regierung hätte ich weber erbeten noch brauchte ich sie, und weiterziehen würde ich, wann unb wohin es mir beliebte.

Der politische Agent für das Grenzgebiet, ein vollendeter Gentleman unb lieber Freunb von mir, der mir bei meinem früheren Besuch tn Tibet das Leben gerettet hatte, stand bestürzt vor ben ihm zu gegangenen Be­fehlen. bie er unmöglich ausführen konnte. Ich fetzte ihm auseinander, daß