Menschen nicht. Sie kam auf den phantastischen Plan, demK°l,ebten als

RrtiVS*.*Ä «LZ Leides und 2r Läuterung empfangen, dis auch in ihrer Lynk fchwingt und tief ins Gehör bringt:

Ist alles stumm und leer, nichts macht mir Freude mehr; Düfte, fie duften nicht, Lüfte, fie lüften nicht, mein Herz fo schwer!

Ist alles öd und hin, bange mein Geist und Sinn; wollte, nicht weiß ich was; jagt mich ahn Unterlaß Müßt ich wohin!

Frühlinges Blumen treu kommen zurück aufs neu; nicht fo der Liebe Glück. Ach, es kommt nicht zurück, schön, doch nicht treu! Kann Lieb fo unlieb fein, von mir so fern, was mein? Kann Lust so schmerzlich fein, Untreu so herzlich sein? o Wonn, o Pein!

Phönix der Lieblichkeit, dich trägt dein Fittich weit hin zu der Sonne Strahl, Ach, was ist dir zumal mein einsam Leid?

Von Sage und Geschichte umwoben, liegt inmitten der Ostsee Gotland, mit seiner Hauptstadt Wisby, der Stadt der Rosen und Ruinen. Diese mittelalterlich anmutende Märchenstadt mit ihren gigantischen Stadt­mauern, beherrscht von den weit ins Meer hinausschauenden Durmriesen und dem Jauber feiner alten Kirchen, umschlungen vom blauen Meeres­gürtel, wird nicht umsonst die Königin der Ostsee genannt. Von Wisbys Ruinen erblickt man überall das Meer. Und darum überragt die alte Hanfaftadi an Schönheit alle anderen mittelalterlichen Städte, die ihre Altertümer in die Gegenwart hinübergerettet haben. Diese Mischung von

poetischem Moderduft und alten Ruinen macht mit dem frischen Hauch des Meeres den wunderbaren Reiz des Ortes aus.

Wie die Prinzessin im Märchen lag Wisby Hunderte von Jahren in tiefem Dornröschenschlaf. Der Schönheitsdrang der jetzigen Generaüon erweckte es zu neuem blühenden Leben, schuf aus der meerumbrausten Insel eine der idealsten Erholungsstätten Europas. Trotzig blicken di« massigen Wachttürme von den braungrauen Klinten auf die blauglitzernde See und die in Rosen, Efeu und Flieder gehüllte, zu ihren Füßen schla­fende Sagenprinzessin. Die stolze Ringmauer zieht sich das schaumüber- spritzte Gestade entlang, klettert über Hügel und Abhänge. Durch die Schießscharten erblickt man immer wieder das offene Meer.

Die von der Natur mit ihren reichsten Schätzen ausgestattete Insel und ihre Hauptstadt Wisby bergen in sich einen solchen Reichtum geschichtlicher Kultur, bieten dem Besucher architektonische und natürliche Schönheits­werte in solcher Fülle, daß es verständlich ist, daß diese Stätte zu den meist besuchten in den an Schönheiten so reichen schwedischen Landen gehört. Die Verbindungen mit dem schwedischen Festlande sind wohl­geordnet. Ausgezeichnete Dampfer vermitteln den Verkehr mit Gotland. Me Vegetation auf der Insel hat fast südländisches Gepräge.

Die Blütezeit Wisbys ist aufs engste mit der Geschichte der Hansa verknüpft. Oft genug hat die Fahne der alten Hansa in Sturmgebraus und Kampfgetöse über Wisby geflattert. Deutsche Kaufleute, im Mittel- alter die stärksten Träger des europäischen Handels, liehen sich aus Got- land nieder. Stolz waren die Institutionen dieser freien Handelsrepublik. In reichen Gilden und Jünsten, mit prunkhaften Gildehäusern, erfüllt mit kostbaren Kleinodien, trafen sich die Kaufleute, Handwerker und See- sahrer des Mittelalters. Während dieser Zeit des Wohlstandes wurden 15 Kirchen erbaut, die meist noch in Ruinen erhalten find. Damals ent­stand auch die gewaltige Stadtmauer.

Im Jahre 1361 eroberte und brandschatzte der dänische Komg Walde- mar Att-ndag Wisby. Aus dem Markte mußten die Bürger alle ihre Wert- fachen, Gold, Silber und Schmuck abliefern. Mit den geraubten Schützen wurde das Königsschiff Waldemars beladen. Die Sag« erzählt, daß die Eroberung Wisbys nur durch den Verrat der Tochter des Bürgermeisters ermöglicht wurde, die in heißer Sieb« zum König entbrannt, ihn als Spielmann verkleidet in die Stadt einließ. Zur Strafe soll sie von den Bürgern lebendig in dem noch heute erhaltenen Jungfernturm ein­gemauert worden fein. Das goldbeladene Schiff des Königs aber fuhr im Sturm auf ein Riff und versank mit allen Schätzen. In klaren Mond­nächten leuchten sie dem einsamen Schiffer aus der Tiefe

Im Weltkriege donnerten vor Wisby wieder die Geschütze. Wie der verwundete Seevogel auf einer Insel Zuflucht sucht, so fuhr im Juli 1915 das deutsch« KriegsschiffAlbatros" nach heldenmütigem Kampfe mit vier übermächtigen Gegnern nach der neutralen Insel und wurde inmitten des schwedischen Fahrwassers von den Russen noch weiter beschossen. In der Nähe des Kalkplateaus Torsboden fuhr das deutsche Schiff aus den Strand. Nie soll es vergessen sein, wie die Bewohner Gotlands und die dort anwesenden schwedischen Sommergäste den deutschen Seefahrern di« Bruderhand reichten. Schwedische Frauen und Mädchen streuten den ge- fall-enen deutschen Matrosen Blumen auf ihrem letzten Weg. SchwediM Kameraden bereiteten ihr letztes Bett, und schwedische Augen füHten sich mit Tränen, als man die Gefallenen zur letzten Ruhe trug. Schwedische Kameraden bildeten von der Friedhofspforte bis zum Grabe Spalier, und Schwedens blonde Jugend schmückte ihr Grab mit Rosen und Heideblumen.

Von den Kirchenvuinen ist die Santa-Maria-Kirche die berühmteste, St Nikolaus, die Kirche der Dominikaner, die gewaltigste, die Heiliageist- kirche eine Doppelkirche in zwei Stockwerken, die eigenartigste. Langst sind ihre Gewölbe eingestürzt. Aber in ungebrochener Kraft heben sich die wunderbar geformten Pfeiler empor. Der blaue Himmel bildet das Dach. Wo einst die Altäre standen, die Schar der Gläubigen sich drängte, blühen heute Rosen, duften Fliedersträuche. Efeu umschlingt die alten Gemäuer. Wo früher der Gesang frommer Scharen zu den Tönen der Orgel des Heiligtum durchbrauste, vereinigt sich frischer Seewind, Meereswogen, Blätterrauschen und Lerchensang zu einer erhebenden Symphonie lieber die alten Mauern neigen sich grüne Sträucher. Di« schlanken Säulen sind von immergrünem Efeu umrankt. Goldgelb« Blumen lugen aus den Spalten der Ruinen. Durch die schmalen gotischen Fenster fallt Sonneii- lickit. Lautlos verhallt der Schritt auf weichem Rasenteppich.

'Die Straßen der Stadt sind schmal und hügelig. Sie erhalten beleben­den Schmuck durch das Grün der Gärten mit ihren Walnuß- und Ka­stanienbäumen. Stadt und Ruinen sind in ein Meer von Rosen gebettet. Nördlich der Stadt erhebt sich der Galgenberg, die alte Richfftatte WiWys, mit feinen weithin sichtbaren drei hohen Steinpfeilern, Resten von Galgen, an denen im Mittelalter Seeräuber und Verbrecher aufgehangen wurden. Im Innern der fruchtbaren, durch besonders mildes Klima ausgezeichneten Insel stehen noch heute eine Anzahl mittelalterlicher Kirchen mit einer überraschenden, fast unversehrten Fülle kirchlicher Kunst aus romanischer und gotischer Zeit wie der Renaissanee. .

Ich liege auf buntem Rasenteppich inmitten der moosbedeckten Ruinen - zu Füßen der alten von Efeu und Heckenrosen umsponnenen Ringmauer. 1 Tiefblau spannt sich das Himmelszelt. Hellgrün schimmern die Wiesen.

1 Das Heu duftet weithin. Unter mir im Wallgraben leuchtet es flomeio«

blau und rot. Ein Blumenteppich liegt in der Tiefe. Ern zauberisch chone Abend senkt sich auf die alte Hansestadt. Soweit der Blick reicht, schung die See um sie einen blitzenden Gürtel voller Farbenpracht. In gow-n« Sonnenfluten gebadet liegt die Ostsee. Milliarden glitzernder KrisE funkeln auf den Wogen. Eine frifch« Brije weht vom Meere her. Tiefer Frieden ringsum. Von der Stadt her klingen Glocken. Das Klatschern Wogen klingt zu mir herauf. Schwarze Raben umtret en hram zend die alten Türme. Um die Felsen am Strande flattern wild dämmert ein zarter rosa Schimmer. Di« tiefblaue Flache der um leuchtet weithin. Die Sonne sinkt. Mit lila und karmesinroten Ttnien übergießt sie die funkelnden Wogen. Ihre letzten Strahlen tanzen z> . auf dem bunten Blättergewoge. Noch einmal wirft sie abschiedneym ihre Feuer in die Fenster Wisbys. Dann geht sie zur Ruhe. .

Vom Wasser klingen leise Ruderschläae, Lachen und Kichern. Geh nisvoll wie im Märchen ziehen weiße Segelboote dahin. Langsam I »

Di« weichen Vers« wirkten wie Wohllaut einer fremden Sprache, die einen umschmeichelt, ohne daß man sie übersetzen kann. Brentano nannte ihre Lieder lautet tiefsinnige weissagende Turteltauben. Wenn ein Teil ihrer Wirkung auch darauf zurückzufuhren sein mag, daß sie als weibliche Leistungen bestaunt wurden; wenn auch der ewig barm wiederkehrelÄ« Wunsch, im Schattenreich zu wohnen, «inen schicksalhaften Unterton in ihnen schuf, der aufhorchen ließ, so war doch tras neue mu- nlMch« Ergebnis, der reine Klang, die Einheit zwischen Schicksal und Schaffen, zwischen Ideal und Wandel das Wesentliche.

In Träume war solch Leben eingetaucht, drum leb' ich ewig Träume zu betrachten, kann aller andern Freuden Glanz verachten, weil mir die Nacht so süßen Balsam haucht.

Der Tod brach die Entwicklung ab, die hohe Beanlagung einer 26jährigen versprach. Sie liebte das Vollendete nicht, weil hinter jebem Gipfel ein Abhang sich verbirgt. Sie war ein Anfang. Wir müssen den Dust des Anfangs bei ihr suchen; nicht das Fertige, Indern die Klndschaft des Lebens. Wie diePoesie" in Raphaels Schule von Athen schwebt sie uns vor mit dem noch verschlossenen Buch in der Hand.

Aber sie gab das verschlossene Buch weiter, und Bettina, die bekennt, daß die Freundin den besseren Teil ihres geistigen Vermögens auf fie vererbt habe, entsiegelte seine mystischen Blatter.In kristallenen Mitter- nächien" schrieb sie jene Naturevangelien von sckwarzkantigen Felfen im Strom, die mit ihren elfenbeinernen Festen und silbernen Zinnen ganz ins Mondlicht eingeschmolzen sind, und wies damit, dem Zauber des Gaues in der deutschen Geistesgeschichte für immer seinen Platz an. ©te machte das Brentanosche Landhaus zu Winkel zum Stammsitz der Rhein- romantik und gab der ganzen Landschaft die gültige romantische Gestalt. Nur ein Uferstrich, versetzt sie auch den Geist an die Schwelle des Gren­zenlosen. Jenseitig ist der Blick. Man stößt vom Ufer ab. Mau schwimmt auf der Woge. Unendliche Unbedingtheit weitet die Brust. Man schaukelt im Körperlosen im andern Element.

Von Karoline von Günderode aber stammte das Lebensseuer,, das Bettina nährte. Sie ist die eigentlicheHuldin jener Sagengaue ge-

Aus' dem Geschlechte derer, die keine Heimat auf der Erde -haben, hat sie diesen Fleck der Erde für immer sich verheirnatet! In Arnims No­velleIsabella" ist ihr ein Tabernakel erbaut. In Betttnas Günderode- Buch ist ihr di« Bibel der Begeisterung geschrieben. Als Urbild zur Ottilie ist sie in G o e th e s Lebenswerk eingezogen. Auf dem Strom, in den ihre Tränen geflossen, schwimmt ihre Harfe, von den Wellen weiter gespielt in alle Ewigkeit... .

Denn als hätte fie die Natur erlöst, wurde die Landschaft, m der mir stehen, seitdem eine schöpferische geistige Macht, die sich ihre eigene Dichtergeneration formte. In dernfelben Jahr, in dem Karolm-e dem Strome sich vermählte, sandten Arnim und BrentanoDes Knaben Wunderhorn" in die Welt.

In der Stabt der Rosen und Ruinen.

Von Fritz Löwe.

W i s d y, im August.