(Schluß folgt.)
Stimme seinen Auftrag herunter.
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- »ruck und ‘Betlag: DrLhl'fche UnivetfltätS.Buch. und Stetndrucker-i,«. Longe, G,eh«l
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot.
die Magazine zu plündern, die Geschützgießereien zu zerstören und die - Pulpermuhlen auffliegen zu la jun? Dann kann ich der Theresia huldigen als Marquis von Brandenburg! Versteht Er bas?" — UnÖ knurrig fügte er hinzu: „Wird sich freuen, die Theresia, wie mich ihr General vexiert! Mit dreitausend Grasteuseln mich und den Dessauer aus die Beine bringen! Er versteht sein Handwerk, der General!"
IV.
Der Hadik ritt wie die Hölle. Ohne Train und Proviant, kaum mit der nötigsten Munition versehen, flog er durch Brandenburg. Am dritten Abend glitt er in der Dämmerung an Wusterhausen vorbei in den Königswalü, am vierten ftand er vor Berlin.
Er war bester Laune und satz, was er nur selten tat, inmitten iemer Offiziere. Aus einer Waldblösze im Monbschein, denn Feuer anzuzünden, hatte er verboten. Er war sogar gesprächig. Nur wenn die Offiziere damit prahlten, daß man morgen dem preußischen König Berlin nehmen, und bann wohl bald Frieden sein werde, lachte er ärgerlich aus und schwieg. Sah dann selbst nach den Posten. Sprach mit ihnen, kroatisch, deutsch und ' ^öpät'ain Abend, da alles schon schlief, und nur die Posten hinter den Bäumen spähten, rief er den Kolowrat zu sich. Ging mit ihm an den Waldrand hinaus, fetzte sich auf einen Baumstrunk und begann leise zu sprechen. Der Mond stand schon hoch. Nahe flimmerten die Lichter von Berlin. Schattenhaft sah man Wälle und Mauern und das Schlesische Tor. „Hör' Er, Kolowrat," so sagte er, „Er ist ein halber Diplomat, wenigstens sieht Er so aus. Morgen," und er deutete mit der Reitgerte nach der Stadt, „kann ich einen brauchen. Denn so gescheit wird Er ja wohl sein, nicht gleich diesen Eseln zu glauben, daß wir dem preußischen König Berlin konfiszieren können — mit dreitausend Reitern!
„Die Berliner Garnison," warf der Rittmeister ein, „wird nicht viel stärker sein als wir." o
„Fünftausend Mann, kalkuliere ich, und sicher nicht oie besten, Invalide, Rekruten. Aber daraus lommt's auch gar nicht an. Kann sein, daß wir morgen in den Mauern von Berlin schlafen. Aber es wird nichts als eine kleine Visite sein, eine Anstandsvisite sozusagen — da bleibt man nicht lang." , . ' , „ .„
Der Kolowrat lachte: „Un peu trop de bruit pour une omelette! — Der Hadik vertrug viel, wenn er bei Laune war. Dennoch schnaubte er und pfiff bedrohlich durch die Zähne. Aber schließlich sagte er ruhig: „Er hat recht, Kolowrat! Nur meint Er mit seinem proverbe mich, und ich den König. Denn Er kann mir glauben, daß der Seydlitz heute Nacht seine Regimenter zu Schanden hetzt, um mir morgen, noch vor den Toren von Berlin nach seiner Art bonjour zu sagen. Wir hätten unsere Freude dran, er und ich. Das gäbe eine süperbe Attacke auf dem -bempeb hofer Feld dort drüben. Aber ich lege meinen Kopf zum Pfand, daß auch der Moritz von Dessau in Eilmärschen heranzieht und vielleicht der König selbst auf Berlin marschiert."
„Eine admirable Revanche," lachte der Kolowrat, „die Eure Exzellenz sich erlauben!" , ...
Der Hadik knurrte belustigt: „Er halt mich doch wohl nicht für so bete, daß ich meinen Kops wegen der Scherze, die sich der König Uber meine Panduren zu jagen erlaubt, in die Schlinge lege und nur wegen her Revanche, wie ein Narr nach Berlin geritten bin? Aber feine Pläne boulversiere ich ihm ein wenig und schaff' ihn diesen Windbeuteln von Franzosen für eine Weile vom Hals. Geb s Gott, daß diese Schass- köpfe ihre Seide dabei zu spinnen verstehen! Glaubs freilich nicht. — Aber jetzt hör' Er mich an!" Und der General dämpfte seine Stimme zu einem Flüstern. .
Er sprach noch lange. Es schlug Mitternacht von einem Turm der Stadt, zum zweitenmal waren die Posten abgelöst, als der Hadik sich endlich erhob, seinem Adjutanten die Hand reichte und sagte: „Also mach Er das gescheit morgen früh!" —
Um acht Uhr morgens, als der Rittmeister, aus dem Walde hervarreitend, feinen Trompeter, der an der Lanze die weiße Fahne schwenkte, vor den Mauern blasen ließ, war das Schlesische Tor noch geschlossen. Das war zu dieser Stunde nichts Ungewöhnliches und nicht etwa dadurch verursacht, daß man den Feind erwartete. Denn von diesem ahnte man nicht viel zu Berlin. .
Nur die Wachen hatte man gestern an den Toren verstärkt, weil ein dunkles, unerklärliches Gerücht durch die Stadt gegangen war, österreichische Reiter wären im Königswald gesehen worden. Niemand glaubte es recht. Auch nicht der Minister von Finkenstein, hatte er auch aus Vorsicht die königliche Familie, den Kronschatz und die geheimen Staatspapiere noch in der Nacht nach Spandau geschickt.
Deshalb war auch die Bestürzung groß, als plötzlich am frühen Morgen in allen Gassen zu hören war, die Bäckerjungen es in die Fenster riefen, ein kaiserlicher Offizier mit einem Trompeter hatte am Schlesischen Tore Einlaß begehrt und werde soeben zum Magistrat geführt. Bestürzt und neugierig zugleich, schreiend und stoßend rannten die Leute aus den Türen und liefen zum Rathaus. Wirklich fjielt dort, umgeben von einem Hausen Krazianer, wie man die halbmoaliden Soldaten des neuen Landregiments nannte, ein Kerl in weißem Rock, dem eine Trompete Über dem Rücken hing, zwei gesattelte Pferde, einen Schimmel und einen Braunen. In einem Augenblick war der Platz vom Volk überschwemmt. Wie weggespült waren die Krazianer, und der Trompeter mit feinen Pferden an die Wand des Rathauses gedrängt, wo er um sich die Neugierigen, aufgeregt Schwätzenden einigermaßen vom Leibe zu halten, unaufhörlich rief: „Patzt's auf, Leutln, der Braun schlagt! — Aufpassen sag' i!"
Indessen stand droben im großen Ratssaale in weißer Uniform, den goldbetreßten, rotgefütterten Dreispitz unterm Arm, der Reichsgraf Norbert von Kolowrat vor dem versammelten Magistrat und las mit eisiger
Der kaiserliche Feldmarschalleutnant Andreas von Hadik, so las J ■ der den Vortrab der Armee des Marschalls Daun to„ununö,ere, gd vor Berlin. Er lasse den Messieurs vermelden, sie hätten Zeit bis sw ihm auf Ehre und Gewissen zuzusagen, binnen acht Stunden, das u also bis fünf Uhr nachmittags, dreirnalhunderttausend Taler Sontribut» gegen ordnungsgemäße Quittung zu bezahlen. Bliebe das Versprech» aus oder laute es ungenügend, jo werde die Stadt bombardiert werde. Fast mußte der Kolowrat lächeln, als er, während er jo drohend an die vier armseligen Achtpsünder des Hadik dachte, an die breitauiJ Reiter und vor sich die ratlosen, bestürzten Gesichter der Räte jal), bei : Bürgermeister, der wohl mit Würde, aber doch mühsam 'jey । Contenance noch zu wahren wußte. Da konnte er sich den Spaß [J j verjagen, die Herren durch einen letzten Schreckschuß um alle Besim,« ' zu bringen. Langsam faltete er das Schriftstück, bas er verlesen, zuj« men, schob es bedächtig unter den roten Aufschlag seines linken ätenntf und fragte sehr höflich, liebenswürdig fast: „Und wegen der liebet* . der Stadt, Messieurs, wende ich mich wohl an seine Exzellenz, Stadtkommandanten Generalleutnant von Rochow? Ich bitte, wenn tt possible ist, mich zu ihm zu führen."
Die Räte sanken förmlich unter ihren Perücken zusammen. konnte eine Fliege summen hören, die oben um den Kronleuchter kreiß So still war es, Nachdem der Rittmeister gesprochen hatte. Das war d, Ende. Hatten sie es nicht immer gesagt, es sei eine Tollheit, gegen 8 • Kaiserin und halb Europa Krieg zu führen? Run war es also soweit . Nun stand der Saun vor Berlin! Was war da noch viel zu tun? Fjj, < schwache Bataillone, dazu Rekruten von den Regimentern Bayreuth m Jung-Kleist, das Landregiment, die Krazianer, ungediente alte Lch Militär dem Namen nach, kaum Bürgergarde in Wirklichkeit, das « alles, was in der Stadt garnifonierte.
Als erster faßte sich der Bürgermeister, den seines Witzes und A,, ftanbes wegen selbst der König schätzte, nestelte nervös an seiner ji| • benen Kette, strich sich den kalten Schweiß aus ber Stirn, gab Anime: Ausweichend, klug, benn alles, was geschehen konnte, war Zeit gi roinnen, Zeit um jeben Preis. Vielleicht, Gott gebe es, log auch dich ; Gerücht nicht, bas in der Nacht, man wußte nicht woher, plötzlich ai 1 geflackert und rasch roieber erloschen war, ber Dessauer ziehe heran, m i auch ber König komme nach Berlin. Kam ber König selbst, bann moch ber Saun ober wer zum Teufel es war, sehen, wie er heil roieber m Hause käme! — Sie Frist sei kurz, sagte ber Bürgermeister, sehr tut sogar, doch werde man sich bemühen, zur festgesetzten Stunde die Slnl , wort zu überbringen. Wegen der Visite beim Generalleutnant aber hü ' es seine Schwierigkeiten, Senn da man natürlich längst von ber Annch ■ rung des Feindes gewußt hätte, so sei der Stadtkommandant schon |ti ! gestern Abend ununterbrochen auf den Wällen, wohin man einen seiet lichen Offizier wohl nicht gut führen könne. Ob man aber dem ©eneral leutnant eine Botschaft sagen dürfe?
Ser Bürgermeister wußte, warum er Märchen erzählte. Ser Gemi war alt, gebrechlich, hatte schon im Frieden den Abschied erhalten ui war, nur, weil man keinen anderen wußte, zum Befehlshaber ber Hans stadt ernannt worden. Ser König hatte recht gehabt, als er sagte, mich Teufel in der Not Fliegen fresse, so müsse er, der König, den Roch« zum Stadtkommandanten von Berlin machen. Es konnte gefährlich neben, diesen gewandten, glänzenden Offizier zum General zu lassen, in weiß Gott, kein rechter friderizianischer war.
Der Kolowrat war es zusrieben, baß ihm der Besuch erspart iA Denn er hatte burchaus nicht den Auftrag, die Kapitulation zu foriin An die glaubte der Hadik nicht. Dazu war er zu sehr Soldat. KM bution erzwingen, wenn es sein müsse, mit Kanonade, das war alle was sich, wie er meinte, in zwölf Stunden erreichen ließe. Solmj glaubte er Zeit zu haben. Aber nicht mehr. Denn bereits in der M hatten ihm seine Husaren gemeldet, sie hätten am Abend die Wachtjeni des Dessauers schon herwärts von Luckenwalde gesehen.
Der Rittmeister war froh, daß er gehen tonnte. Auch drängte # Zeit. Es hatte eine Weile gedauert, bis man ihm bas Schlesische Tor y öffnet, unb zu fo früher Stunbe der Magistrat versammelt war. 6 wußte, der Hadik war pünktlich. Um Neun würde er zu rationieren ii ginnen. Das konnte ber Herrgott nicht änbern. So gab ber Coloiwi übermütig zur Antwort, man möge belieben, dem Generalleutnant sagen, daß der General von Hadik sofortige, bedingungslose Uebergaj der Stadt bet freiem Abzug der Garnison fordere, sonst könne er (i Gut und Leben der friedlichen Bürger nicht einstehen. „Im übrigen ßi ein Mertel vor Neun, Messieurs!" fetzte ber Offizier bebeutfam W unb ging. Hinter sich hörte er im Saale die Räte aufgeregt sprechen W disputieren.
Statt des Zuges Krazianer, der ihm vom Schlesischen Tore j« Magistrat geführt hatte, erwarteten ihn auf dem Platze zwei Offiziere! Pferd der Rekruten des Regiments Bayreuth, grüßten kühl und fön® unb fagten, sie hätten ben Befehl, ihn zur Stadt hinauszubegleiten. u Ratsplatz, auf dem sich noch eben die Menge um den Trompeter gebrani, war nun teer. Grenadiere hatten die Straßen gesäubert und sahen « böse auf den feindlichen Offizier. Nur aus Fenstern und halbgeöffnet Türen gafften ihm scheu di« Bürger nach, als er inmitten ber beiW preußischen Offiziere, den Trompeter hinter sich, davontrabte. L i Noch war man kaum in der Köpenicker Vorstadt, als es von em Kirche die neunte Stunde schlug. Da krachte draußen der erste Kanons schuß, ein zweiter, ein dritter. Von den Wällen kam Antwort. J Kolowrat unterschied deutlich den helleren, schärferen Knall der leia’l Achtpsünder des Hadik und das tiefere Drohnen ber Festungsgesit) q Dom Schlesischen Tore her war Kampf und Tumult zu hören. Sie bot Begleiter des Rittmeisters, junge Offiziere, hatten, als sie bas »am, hörten, ihren Auftrag, ihn aus ber Stadt zu führen, gänzlich oerg r unb waren im Galopp in der Richtung des Kampfes davongejpreng ■
ihm kühb Zeit kitzel her, brr
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