Uferwänbeit und den Schleusen (>ei ven Wehren. Nur keine Schiffe ^^Bis Vtmburq nahen wir oas Book bet oen Wehren an Land herum getragen? Von jetzt ab bis zum Rhein lassen wiruns^^ujeu, weil es bei der Morgenkälte keinen «paß macht, im Wajffr öeirim- mvantschen. 'Außerdem ist es viel bequemer und von eignem Reiz, wenn man in der Schleuse liegt, und das Boot tiefer und tie,er sinkt, während die Wasser tosend durch die Schieber der Schleusentore entströmen. Kam» merklich sinkt man Meter um Nieter, "urer- kennbar an den feuchten Wanden, vrehoher und hoher steigen, bis es unten fast dunkel wird. Dann offnen sich phlegmatisch die breiten Tore und lasten das Boot wieder in Freiheit.

Ems zieht vorüber, langhin ausgebreitet an beiden Usern der Lahn. Linier gepflegten Blumenaiilagen erhebt sich der prachtvolle Bau des Kurhauses, der Mittelpunkt des Badelebens. Wir nehmen Proviant und Tabak an Bord, und weiter geht es dem nahen Rheine zu. ' #

Die Ufer rücken weiter auseinander. Wir nähern uns der VAin- dttng. Da bietet sich ein merkwürdiger Anblick: Ueber den flachen Ufern tauchen in der Ferne buntbewimpelte Masten, Schorlisteine und Schiffsverdecke auf, die sich wie Theaterschiffe dahmichieben. Es sind die ersten Rheinschiffe, die wir zu jehen bekommen. Bald nimmt uns selbst der breite Strom auf seinen Rucken.

Der Eindruck der stillen anmutigen Landschaft der letzten Eage erlischt bei dem Anblick des internationalen Verkehrs, der sich hier abspielt, indem Schiff um Schiff, Schleppzug um Sch eppzug uns passieren, mit deutschen, holländischen, französischen, belgffchen.und schweizer Nationalflaggen. Unser Boot tanzt wie eine - tumchale auf den hohen Wellen, die diese Dampfer auswerfcn.

Die starke Strömung des Rheins erleichtert unser Papeln bedeutend und bringt uns schnell vom Fleck. Das ^Edll^Nem wied lasten wir zur rechten negen, links komm» bald Anoernach vorüber mit seinen alten Mauern und ferner schonen ytcrtunntgcn Kirche romanischen Stils. In bunter Reihe wechseln die vielen Städtchen mit Namen, deren Klang uns mitten ms rheinische Leben zu versehen scheint, das sich gerade in ^ser Gegend mit be­sonderem Gepräge abspielt in den Ausflugorten, Sommerfrischen, Landhäusern und Kurhotels, die in großer Zahl £n kf'^n Uffrn liegen. Llnein in diese fröhliche lachende Landschaft schobt sich der Rücken des Siebengebirges. Riesenhaft Reben die ^^^üe gegen den wolkigen Stimme! und fallen bann, nachdem der - rach^nsew gewaltig die Löhenkette beendet hat, schroff zum Rheme ab.

Godesberg und Königswinter lassen wir auf beiden Seiten zurück. Die Dämmerung breitet ihre dunklen Flügel aus. Schwermütig spielt jemand auf einem mitten im Strom ankernden Schleppzug-. Lied vomRolandsbogen" auf der Geige. Fern leuchtet Äom. in hundertfachem Lichterglanz. Kleine Motorboote und spat herm- kehrende Ruderboote gleiten hastig an uns vorüber. Am Bug unseres Bootes machen toir eine Taschenlampe fest, um '^cht über­rannt zu werden. Endlich fahren wir an einer Badeanstalt an, verstauen unser Boot und mischen uns m das lustige Leben der Stad,.

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Die smaragdenen Wellen kräuseln sich unter leichter Brise in hellstem Morgensonnenscheirr. Ein kleines Drerbsegel wrrd gesetzt, und mühelos gleitet das Boot rheinabwärts. Wrr nahem uns der bedeiltendsten Stadt der Rheinprovinz und einem der wichtigsten Landeisplätze, wir nähern uns Köln. Von fern schon sehen wrr das stolze Wahrzeichen der alten Colonia inmitten der klcmen -türme und Giebel: den Dom. Gigantisch ragen seine Massen tti den klaren *<>tn®nltur$er Aufenthalt Post mußte geholt werden führt uns mitten durch das wimmelnde Kölner Leben, durch die Altstadt und ihre originellen Bauten hinein in dies großartigste Weii gotl,chell Baustils. Der Eindruck ist auf die Fahrt doppelt mächtig : Nachder breiten Hellen Wasserfläche, die einen bislang umgeben hat, ragen jetzt hier die spitzbogigen Gewölbe in gedämpftem Licht himmel­wärts, eingeengt durch die mit bunten Fenstern durchzogenen Wände der Längs- und Querschiffe, wodurch das In-dre-Lohe-Streben erst recht zum genialen Ausdruck gelangt.

Nachdem uns Düsseldorf für drei Tage in Anspruch genommen hatte, treiben wir heute wieder auf den Wellen des Rheins. Das Ruhrgebiet kündigt sich an. Gewaltige Industrieanlagen dehnen sich an den Ufern, Schornsteine und Lochöfen ragen serienweise über sie hinweg. Auf geringem Raum ist hier diese riesige Stahlindustrie zusammengedrängt, die ein Zwanzigstel derEisenproduktion berganjen Welt erzeugt, begünstigt durch die billige Verkehrsstraße des Rheins und die Kohleninassen, die das Ruhrgebiet an Ort und Stelle liefert. An den Ufern holen polternd und krächzend die hohen Krane die Lasten aus den großen Schleppkähnen oder laben Kohle em in reger Tätigkeit. Bei Ruhrort, bem größten Binnenhafen Europas, ist der Schiffsbetrieb so stark, daß es uns schwer wird, das auf hohen Wellen tanzende Schiffchen hindurchzubringen, ohne gerammt zu werden. Von allen Seiten tönen Schiffssignale, eilen Motor­boote von- einem Ufer zum andern, fahren Lotsendampfer umher, drehen Lastzüge zum Lande bei ober kommen dorther, so daß wir froh sind, enblicb diesen Lexenkessel im Rücken zu haben.

Die letzten deutschen Städte sind am Nachmittag an uns vorüber­gezogen: Wesel, Rees, Emmerich. Die Flußufer sind von einem

weiten stillen Land umsäumt. Keine Industrie mehr, große Vieh­weiden strecken sich am Strom entlang.

Am Abend ist es so, daß wir rechts holländisches und links deutsches Gebiet haben. Bei Dunkelheit erreichen wir So Warner, die holländische Jollstation. Die Dorfjugend in ihren Lolzschuhen schaut interessiert unserer Landung zu, und der Zollbeamte sucht sich mit uns in eine Unterhaltung einzulassen, ein Versuch, der an unserer Unkenntnis der Sprache scheitert. Gott sei Dank! daß unsere Wirts­leute ein paar Brocken Deutsch können. So lernen wir im Laufe des Abends das erste Lolländisch.

Ich höre den Sturm noch heute heulend um meine Ohren pfeifen, wenn ich an den zweiten Reisetag in Lolland denke. Alle Natur­elemente schienen sich gegen uns verschworen zu haben. Der Nord» ivest sauste über das flad>e Weideland und wild grub er sich in die Fluten des Rheins, der uns meterhohe Wellen entgegenwarf. Bergauf, bergab wurde das Boot geschleudert, ganz den Elementen preisgegeben, kaum, daß man den Bug in gerade Richtung bringen konnte, um nicht die Wellen seitwärts einschlagen zu lassen. Das Vorderboot tauchte mitunter tief in die Wasser und warf die heran- braufenbe Gischt zischend auseinander. Das Vorwärtskommen war gering, trotz heftigsten Ruderns. An Land gehen und sich in irgend­ein Dörfchen auf die faule Laut legen, schien uns unwürdig. Also den Wellen getrotzt!

Bei Dunkelheit wieder ein kleines Schiffsmanöver: rechts und links ein Gasthaus; wir halten uns links, kommen auch trotz höchsten Wellengangs glatt an Land und sind enttäuscht: alles besetzt. Ein Wagnis, quer über den Strom zu kommen! Linüber müssen wir. Also stromabwärts mitten hinein ins tobende Element! Dann ein kurzes Wenden mit aller Muskelanstrengung, das Boot fliegt wie ein Ball herum und steht stromaufwärts, kurz, bevor die hcran- nahende Welle es seitwärts fassen kann. Doch das andere Gasthaus ist auch beseht! Wir stellen das Boot unter, ziehen landeinwärts und freuen uns, endlich eine Kneipe zum Uebernachten zu finden.

Es geschah das merkwürdige: Der große Strom, der uns auf seinem Rücken schaukelnd meerwärts trug, der Rhein, nimmt ein Ende. Oder stellen Wir genauer fest: sein Name ändert sich. Doch das Wasser kümmert sich nicht darum, es fließt mit denselben Wellen weiter geradeaus, als wäre nichts geschehen, als Wäre es noch der Rhein, obwohl es Lek heißt. Und rechts ganz bescheiden und still fließt oder was sage ich steht ein ruhiges Wasser, nicht breiter wie eine Landstraße, der krumme Rhein genannt. Wir wollen nicht böse fein, daß man den richtigen Rhein hier tot macht und dem lächerlich kleinen Gewässer den Namen unseres gewaltigen Stroms überträgt. Die Fahrt von Wijk bij Durstede nach Utrecht auf dem krummen Rhein war der schönste Teil unserer Reise. _

Immer muß ich an dich denken, vomLimmel gesättigtes Wasser, Spiegel der Ruhe, melancholisches Kristall. Lier bist du am voll- tommenften und reinsten, holländische Landschaft mit deinen un­endlichen Ausmaßen von Vornehmheit und Ruhe, deinen blauen Farben des Wassers und des Limmels und bem trotzigen Phlegma deiner weiten grünen Wiesen. .

Unsere Fahrt geht auf dieser kleinen Wasserstraße dahin wie durch einen schönen Garten, vorbei an Landhäusern und Schlössern, kleinen Dörfern, bereit Lauschen ganz ans Wasser gebaut sind, vorb-i an Parks mit ihren verwitterten Marmorstatuen unter alten Kastanien, bie ihre Aestc tief übers Wasser neigen. Keine Eisen­bahnen ober Autos zerreißen mit ihrer Unrast bie Stille dieses weiten Gartens. Kein emsiger Lärm aus Fabrikhallen, kein Lasten der Menschen nach Erwerb erschüttert diese Ruhe. Diese Landschaft prägt den Menschen ihre besondere Eigenart auf: Es ist das sonnige Phlegma, die Ruhe ihres Wesens. Sie hören gut zu; sie lassen das letzte Wort herankommen; sie antworten nicht zu schnell; sie machen vom Schweigen einen unmäßigen Gebrauch. Man beobachte nur die Kaltblütigkeit der alten Seeleute, die beflissene Ruhe der Geldmenschen, die Abgeklärtheit der Philosophen, die Indolenz der Bauern. Dies alles ist der Ausdruck ihrer Landschaft.

Man sagt, daß Utrecht schön sei. Ich wage es nicht zu bezweifeln. Nur soviel muß gesagt sein: Die Fahrt durch die Kanäle dieser Stadt war enttäuschend. Unrat schwimmt auf dem öligen Wasser, und Abflüsse laufen gurgelnd von allen Seiten hinzu. Tief unter den Straßen liegen diese schmutzigen Grachten. Jene führen zahlreich darüber hinweg. Keller um Keller stößt an diese Wasserwege und der intensive Geruch ist wahrhaftig keinodeur des merveilleuses .

Gegen Mittag befinden wir uns auf dem kerzengeraden Kanal nach Amsterdam. Eine Eisenbahnlinie begleitet uns am Ufer, Autos rasen hin und her, und doch liegt eine Eintönigkeit in dieser Gegend, wie sie uns nie bisher begegnet ist.

Wir sind froh, als in der Ferne mächtige Läuserblocks durch den Dunst schimmern. Es ist Amsterdam. Die monotone Stimmung weicht einer steigenden Spannung.

Die Umrisse der Stadt heben sich deutlich heraus. Wir nähern uns dem Lasen. Ein Wald von Schornsteinen und Masten wachst empor. Dazwischen strecken sich die unförmigen, riesenhaften Bauten der transatlantischen Dampfer. Riesenmassen von Lolz und Eisen unbeweglich wie für bie Ewigkeit verlassen liegt ihr ba! Da tont eine Dampfersirene. Jener Ozeanriese, von dem man glauben konnte, er sei für ewig gelähmt, wenbet sich stolz dem Meerkcmale zu.

Wir haben'den großen Lasen passiert. Nur noch die letzten Paddelschläge durch die Kanäle der Stadt. Was soll es mehrt Die Faltbootfahrt GießenAmsterdam ist beendet.

Deramwvrtlich: Dr. Hans Thyriot. Druck der Bruhl'jchen Universitüls-Buch- und Steindruckerei. 2(. Lange, Gießen.

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