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warmer Wind,> das zarte hellgrüne Rispengras schlug sanfte "Dellen wie ein grünes Meer. Ein zitternder warmer Dunst webte drüber hin, in welchem der ferne Wald am jenseitigen Rand der Wiese fast verschwand. Bon der goldenen Helle war der Jäger­bursche ganz geblendet, aber diesmal säumte er nicht und ging durch das hohe Gras in die Wiese hinein. Die Bienen summten um «hn her, und viele Schmetterlinge flogen über das blühende Gras.

Sie dehnte sich weithin, ihm war, als sei er schon stundenlang darüber hingegangen und es befiel ihn eine große Müdigkeit. Es stieg ein feiner süßer Duft aus dem Grase auf, da legte er srch nieder, um auszuruhen. , .

Alm ihn und über ihn neigten und beugten sich die Halme im Winde das Bienensummen tlang wie ferngedämpf es Orgelbrausen, und über sich, hoch im Blau, sah er groß:, weiße Vogel treu en, die blitzten im Sonnenlicht wie Silber. Wenn er zuweilen blinzelnd Unaufschaute, so war es. als schwebten sie dicht über ihm, und dann wieder erglänzten sie wie ferne silberne Sterne hoch an der blauen Himmelswölbung. ,

Bald schlief er ein, und als er erwachs, sah er um Nch und auf der Wiese reges Leben. Schöne Mädchen mit zarten Füßen gingen einher. Einige trugen silberne Sicheln und schnitten das Gras Andere häuften es mit goldenen Rechen, schon stand es weithin in Reihen. Zwischen ihnen weidete eine Herd:, Rehe. Sie batten silberne Hufe und der Bock ein silbernes Gehorm Jetzt stand die Sonne tief, und ein kühler Wind wehte. Dir Rehe ftxmen dicht zu ihm hin. er hörte sie. wie er so dalag. an fernem Ohre schrauben Auch der Bock kam und sah ihn ml' klugen Augen an Er stand auf und näherte sich den Mädchen: sie blickten freund­lich und eine von ihnen gab ihm einen Rechen rndie Hand, daß er ihnen helfe. Er tat es fleißig. Keine sprach ein Wort, doch ab und zu blickten sie ihn lieblich lächelnd an.

Schnell sank die Sonne, und es begann zu dämmern. Warme Luft entströmte dem gemähten Gras und im Wald begannen die Rachtigallen zu schlagen. Er war müde vom Arbeiten und setzte sich nieder auf einen Grashaufen, um einen Augenblick zu ruhen. Aber unversehens schlief er ein. und als er erwache, war es dunkel und er lag auf dem Moos im Walde. Der Mond schien hoch und schon verblassend durch die Wipfel und ferne dämmerte das Licht des Tages.

Er stand auf. Im weiten Umkreis sah er nrchts als Baume, alte movsgraue, wohlbekannte Stämme, er hörte den Rachttau sn schweren Tropfen von den Blättern fallen, dir sich leise atmend in der kalten Morgenluft bewegten. Ihn fror. Er streifte lange umher, und zuletzt fand er sich vor dein Jägerhäuschm, dessen Fenster im ersten Sonnenstrable glitzerten. Das alte Mutterlern stand vor der Tür und schaute blinzelnd nach ihm aus:

Kind" sagte sie.wie lange warst du im Walde? Du siehst aus. "als fei dir die Waldfrau begegnet, was blickst du so sonder-

Er konnte achr nichts entgegnen und auch zum alten Groß­vater wollte Tein Wort von dem. was er gesehen über seine Lwpen.

Träumerisch und grübelnd ging er umher, und die al' en Lmte wunderten sich über sein schweigsames Wesen. Er hütete fern Ge­heimnis wie einen Schah und dach e. es könne ihm verloren gehen, wenn er den Großeltern davon erzählte. Die beiden Alten waren oft bekümmert über ihn. Es ist nicht g-tt. sagte der alte Jager daß der Jung: so ganz allein im Walde schweift. Er ist ein Sonntags- Knd und die sehen manches, was solchen jungen Menschen nicht tauglich ist. Die Alte nickte und beide dach'en an die verzauberte Wiese von der sie wohl mehr ahnen mochten, als ft: dem Jäger- burschen hatten merken lassen. Und die gute Alte murmÄte heimliche Sprüche über ihn und ließ vom Pfarrer einen Buschel weihm darin waren die Kräuter Aberraute, Sveik und Wrdertvn gebunden, das lag des Rachts unter seinem Kiss«! und sollte ihn feier, gegen alles böse Wesen.

Aber stumm und träumerisch blieb er; immer dachte er an die gebeimnisvvlle Wiese, und oft, weirn die Tiere des Wald's so zahm um ihn Herumstreif "en, frag er sie: Kennt ihr auch die Wiese? Habt ihr den silbergehörnten Rehbock gesehen? Aber wenn er gleich meinte, mit ihren llugen Augen würden sie ihn verstehen er bekam keine Antwort.

Einmal war er schon v»r Tagesanbruch fortgeoangen und weit umbergestreift. Gegen Abend kehrte er heim und schlenderte in der Rahe des Jagdschlosses vorbei. Dort war der Wald dunkel und schweigend. Er hielt den Blick auf den Boden gesenkt, da sah er es auf dem gränen Moose schimmern wie rote Blutstropfen. Er­schrocken bückte er sich nach den Flecken: Es waren dunkelrvte Rosenblätter, die da in Menge verstreut lagen. And er wunderte , sich, denn nur im Garten des Pfarrers hatte er solche Blumen ge­sehen. Wie kamen die hierher? Er behielt einige in der Hand, sie dufteten so süß!'

Als er nach Hause kam, empfingen ihn die beiden Alten sehr aufgeregt. Sie erzählten, was sich ereignet habe: Eine junge Grä­fin und Richte des alten Grasen sei gekommen, um im Jagdschloß zu wohnen und im Walde zu jagen. Sie erzählten weiter, sie fei nur mit ein paar alten Dienern gekommen, habe den Schlüssel des Jagdschlosses verlangt und bis die Diener es für sie zum Wohnen bereitet hätten, habe sie im Walde gesessen und stolz und hochmütig drein g^chaut.And von uns will sie nichts wissen,"

sagte Der alt« Jäger,ich habe sie gefragt, ob sie nicht dich in ihre Dienste nehmen wolle, aber sie hat nur kurz geantwortet, sie brauche niemanden."

Aeber dieses waren die beiden Alten besonders erregt, Sie waren betrübt, denn sie hat en immer einen rechten Herrschaftsdienst für ihren Enkelsohn gewünscht. Dadurch, hatten sie gehofft, könne doch noch ein richtiger und tüchtiger Jäger aus ihm werden. Der Bursch selbst war aber froh, daß ihn die Gräfin nicht gewollt hatten denn er war scheu vor Menschen, und von diesem Tag an machte er immer einen Amweg um das Jagdschloß herum. Des RachtS schlich er einmal vorbei. Es lag totenstill wie vordem, nur war Tür und Fenster weit geöffnet, und innen strahlte es von Licht.

Im Walde war ihn jetzt oft, als höre ec vog ferne helleS Jagdgetön, Hörnsrblasen, Pferdewiehrrn, Hu.nde'ebell und lauten Z iruf, Aber er meinte, es sei nur Einbildung d na es konnte ja nicht die Gräfin sein, welche keine Hunde un» bloß die wenige« alten Diener hatte. Die strich gewiß allein durch den Wald, und er sann darüber nach ob auch sie vielleicht einmal die Wiese er­blicken würde. Er merkte aber im Wald ein anderes R gen wir vorbei«. Die Dög-rl verbargen sich und schwiegen ängstlich. Reh« und Hasen wagten sich nicht mehr aus dem Dickicht, und selbst die Blumen schienen unscheinbar zu werden und ihr Prangen zu ver­bergen. Rur der Enin c Fingerhut schimmerte und wucherte üppiger als sonst, und rote Tvllkirschm und der leuchtende Sturmhut wuch­sen überall hervor, auch das Bilsenkraut und der gif ige Schierling, Schleimige graue und braune Schwämme bedeck wn den Boden und der blutrote Fliegenpilz drängte sich dazwischen. Manchmal fand er die Spur dec Gräfin, sah den Abduck ihrer hohen Stöckelschuh« im feuchten Waldboden und wunderte sich über die sonderbar« Form. v

Er dachte nun nicht mehr so oft an die Wiese, sondern wie wohl die junge Gräfin aussehen könne, und trotz der Erzählung des Großvaters meinte er, sie müsse so freundlich blicken wie die schönen Mähderinnen auf der Jaubrrwiese.

Eines Tages fand er ein langes goldenes Haar an einem Strauche. Ec nahm es und spielte damit, ließ es aufgerollt inr Winde fliegen und in der Sonne blitzen und wickelt es dann fest um seinen Finger, daß es aussah wie ein goldener Ring. AlÄ er aber eine Weile damit gespielt hatte, faß es ihm so fest am Finger, daß es sich weder abst reifen noch abwickelst lieh.. Gr bat die Großmutter am Abend, es abzunehmen, aber die Alte mit ihren blöden Augen meinte, er habe sich geschnitten, band ein Läppchen um Lei: Finger und ein Ringlein aus Hvllunderbast darüber. Dazu murmel"« sie viele Sprüche und Gebete.

Run war es sonderbar: von diesem Tag verstumm"« das Jagd­getön, über das er sich so gewundert hatte. Dafür hörte er im Walde ein Schleichen und ein Knistern, ein Hauchen und Flüstern um sich herum und den Schall von leisen Tritten hinter sich, so daß er stutzte und sich umsah und in die Büsch: spähte. Gin un­behagliches Gefühl überschlich ihn: da er aber nie «was anderes erblickt«, als was er gewöhnlich im Walde sah, so achtete er bald nicht mehr darauf.

Eines Tages schlief er im Walde ein. Da träumte ibn. es Wm« ein Mann daher, hinkend wie der, Bettler an der Kirchen­tür. Der träte zu ihm heran, zeigte ihm ganz nah ein schreckliches Gesicht und wollte seine Hand e greifen. an der er vom Lävvchen und Hvllunderbast verborgen das Goldhaar trag. Dann stieß er aber die Hand weg, wie wenn er sich verbrannt hätte, murrte und grunzte Ivie ein Tier und kroch eilig in die Büsche. Der Bursch erwachte mit Schrecken, da der Wald aber so traulich um ibn lag versank er bald wieder in S fVaf. Aad wieder träumte ihm, es kam» einer daher, klein und bucklig, der führ"« einen zweiten, der war blind. Dicht kamen sie an seine Seile und be 'g'en sich über ihn. Der Bucklige ergriff seinen A>m, hielt dem Blinden die Hand mit dem verborgenen Goldhaar hin und sagte dumpf und leise: ..Säge schnell dielen Ast ab." Da zog der Blinde eine blin­kende Säge aus dem Mantel. Als aber feine Finger den Verband der Großmutter berührten, da schrie er laut:Hollund r^rut, das böse Krut, hältst fremdes Gut!" And all« beide, der Blinde und der Bucklige, zerfielen in Stücke, die Köpfe roll'en zu Boden und die Gliedmaßen fielen ab und krochen einzeln davon.

Als der Bursch» kalt vor Schrecken erwachte, mochte er nicht mehr schlafen, er furch'«!« sich und ging rasch nach Hause. Dort versuchte er wieder, das Haar von seinem Finger zu lösen, aber es saß so fest, als sei es darum geschmiedet, und gleißte und glänzte wie rotes Gold. Da band er besorgt das Läppchen und den Hol- lundeibast der Großmutter wieder darüber.

Am nächsten Morgen, als er ganz früh im Walde einherging, knackte es in den Büschen. Schon dachte er, nun käme wirklich die junge Gräfin, aber es war nur ein vermummtes altes Weiblei», welches ihn anbettelte: Den goldenen Ring, den er am Finger trüge, wolle sie haben, und als er sagte, es fei ja nur ein gol­denes Haar, das sich darum verwickelt habe und sich gar nicht lösen lasse, wurde sie immer dringlicher: Tue nur das Läppchen ab und den Bast, ich will dich schon davon b-freien, sag'« sie und drängte immer hartnäckiger. Aber es ward ihm bange, und er ließ sie stehen und ging schnell tiefer in den Wald hinein.

(Fortsetzung folgt.)

Schriftleituna: Dr. Friede. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Brühl'schen Anlv.-Buch- und Steindruckerei R, Lange. Gießen.