Sonder-Ausgabe.
Gießener Zamilienblatter
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
Dienstag, den 5. August 192$
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Eine neuentdeckte Niederlassung des Eiszeitmenschen in Oberhessen.
Don Dr. Harrasfowitz, o. Professor der Geologie und Paläontologie an der Universität Gießen.
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SPnfnge Derkehrslage, die sich immer wieder bewährt hat, und der Kuchtbare Boden der Wetterau bedingten, daß immer neue Volkerwellen erschienen und Kulturreste hinterließen. Sv finden wir die Spuren des Menschen Don der Jüngeren Steinzeit <m die Jirtt etwa 1800 vor Christi Geburt endete, durch Bronze»
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bis er in der Grube gesammelt hatte und dazu etttei UttN f cheivbare Feuerstein kling« Don nur 43«nttmete$ Länge (Mb. 7), die er der anstehenden Wand entnommrzs hatte. Ich erkannte sofort an dem kleinen Stücke deutlichtz Spuren einer DearbÄtung durch den Menschen, und togg d«rch diesen Fund znm «rsteuor«k 6*a6 Stof*
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Abb. r
Eisenzeit hindurch bis in die Jetztzeit. Biekfach handelt eS sich um Funde, die weit über örtliche Bedeutung hinausgehen. Aber trotz allen Suchens kam man über die Jüngere Steinzeit, wo der Mensch den Stein durch Schleifen bearbeitete, nicht hinaus. Unbekannt blieb bisher die Aeltere Steinzeit. Bon Steeden a. d. Lahn, von Mainz und Offenbach kennen wir zwar menschliche Werkzeuge, aber bis zu den nächsten nördlichen Fundpunkten bei Weimar blieb eine große Lücke. 1914 wurde in der Sandgrube an der Straße von Gießen nach Rödgen! ein Faustkeil aus Kieselschiefer gesunden, der deutlich die Kennzeichen der Aelteren Steinzeit aufwies. Die Fundumstände waren ccher derartige, baß man nicht mit Sicherheit ertennert konnte, vb das Stück nicht erst in jüngerer Zeit dort hingekommen ist. Liegt doch die Aeltere Steinzeit sehr weit zurück, als ausgedehnte Teile NorddeutschlanAs noch von Eis bedeckt waren und die Landschaft einen ganz anderen Charakter hatte. Hierher gehörige Funde Emnen daher nie oberflächlich zu ercvarten sein, sondern nur unter einer Decke von Sand oder Lehm, die sich darüber gelegt hat.
Seit vielen Jahren ist nach diesen Kulturansangen der Menschheit bei uns gesucht worden und immer vergebens. Nun kannte man schon seit längerer Zeit von Treis a. d. Lda. eine Stelle, an der KnvcheneiszeitlicherTierebeobachtet worden waren. Sie wurden gesammelt und im Landesmuseum untergebracht, ohne daß etwas Auffälliges daran erkannt wurde. Im Sommer 1914 erhielt ich mm von anderer Seite die Nachricht, daß bei Treis zur Zeit sehr viel Knochen zu finden wären. Ich sandte darauf den Assistenten des von mir geleiteten Geologischen Instituts, Herrn Dr. Richter, zu der Fundstelle hin. Herr Dr. Richter brachte mir eine ganze Menge von Knochen mit,
Mb. T ist in natürlicher Größe dargestellt, Wb. 10 auf ein Drittel verkleinert. Alle übrigen Abbildungen find auf dre Hälfte verkleinert
tr«tetth«SGHszEntenschen<o Ovurheffen Statute» fen. In den folgenden Wochen hoben wir dann eifrig an der Stelle weiter nach Feuersteininstrumenten gesucht aber ohne jeden Erfolg, so daß wir es schon aufgaben, tuet» teres Material zu finden. Inzwischen erweckten steinzeitliche Fund« die ich im Ausland sah, bei mir den Gedanken, ob nicht bef Treis vielleicht Quarzit zur Herstellung vv« Werkzeugen benutzt worden wäre. Quarzit kommt tat der ganzen Nachbarschaft von Treis in großen Mengen vor und stellt infolge seiner scharfen Kanten ebenfalls ein Material für Steinwerkzeuge dar. Aufs neue sandte ich die Herren meine- Instituts hinaus. Herr Professor Hummel brachte zuerst kleiner« und nicht ganz deutliche Wertzeuge mit, aber bald gtihfte es Herr» Dr. Richter und Herrn Lindleh, einwandfreie Werkzeug« und eine Reihe absichtlich zerschlagener Knoche» aufzufinden. Sv war nun feflgestelü, daß es sich um eine Niederlassung des Menschen aus der Aelteren Steinzeit handelt, Inzwischen habe ich auch aus dem ö stlichen Vogelsberg Quarzit-Werkzeuge erhalten.
dm Frühjahr setzten dann die regelrecht durchgeführten Ausgrabungen ein, die nun schon seit Monaten dauern, ohne «geschlossen zu sein und dank der hingebenden Arbeit von Herrn Drt Richter eine Fülle von Wertzeugen aus Stein und Knochen geliefert haben. Dankbar müssen wir zahlreichen freiwilligen HiM> kräften fein, die uns aus allen Kreisen (Dom Regierungs- und Daunat bis zu Schülern) viel freundliche Hilfe geleistet habe». Wer wir hätten nicht zu sv großen Erfolgen kommen Dänen, wen« uns nicht von den verschiedensten Seiten stets Mittel zur Verfügung gestanden hätten, um die Ausgrabungen schon sv lange durchzuführem. Herr Geheimrat h c. Gail, Herr Generaldirektor Dergrat Dr. Grvebler, Firma Meguin, Herr Ministertaldireh tor Professor Dr. Itrfiadt und die Hochschulgesellfchast waren t9 freigebigster Weise bereit, uns zu helfen. Mehrfach WMÄvl «ch


