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frOmern Walde zurückdachte, wo die Särge an den VichenSstsn

Ego.

Gin Selbstpvrträt von Herbert Eulenberg.

Eulenberg, durch seineSchattenbilder" als nachschaf- könder Beschwörer großer Persönlichkeiten der Dergcmgen- Keit bekannt, gestaltet auch in seinem neuen, soeben bei Carl Reißner in Dresden erschienenen Essay-BandGe­stalten unS' Begebenheiten" einen langen Zug interessanter Persönlichkeiten, von den Humoristen und Mystikern Les Mittelalters bis in die Gegenwart, aus der er die Sil­houetten Maeterlincks, Shaws, Gerhard Hauptmanns her- oushebt. Zum Schluß hat er sich selbst porträtiert, nn& ein Abschnitt dieser eigenartigen, hellseherisch-humorvollen Abrechnung mit dem eigenen Ich sei hier wiedergegeben. Er wird in unserer Leserschaft nach der kürzlichen Auf­führung desMünchhausen" und dem Vortragsabend des Dichters gewiß auf Interesse stoßen.

Ich trat im Geist in das von Schriftstellern meistbesuchte Cafe, tn dem ich, wenn ich durch Berlin irre, zuweilen verkehre. Es' war ganz besetzt. Alle Tische saßen voll von Literaten, die mich mit ernsten, fast drohenden Blicken maßen. Es war eine Stimmung tote im fünften Akt von HebbelsHerodes und Marianne", in dem hte arme Königin ihrem Tribunal vorgeführt wird.Man erblickt Thron und Richtertafel," heißt es da. lind eine düstere Stimme spricht, wie die des alten Raben Clemenceau ehedem in Ver- sailles:llnä ward ein schweres Amt. Du steht vor deinen Rich-

Scheu wollt ich mich heimlich schon diesem Druck entziehen. Da ward ich von hinten gepackt urrd auf den einzigen noch leeren Stuhl gezogen.Ist es wirklich wahr," fragte mich jemand unheilkündend, daß Sie einen Schwank geschrieben haben?"

/Wirklich wahr?" donnerte der ganze Chor der Literaten nach.

Ich konnte es nicht leugnen und verstummte.

Verleg' dich auf die Schweigetaktik," dachte ich nur noch ganz schwach. Gin kurzes, bellendes Lachen erhob sich jetzt rings im Chorus. Des Orestes Schaudergefühl vor den Furien wurde mir ganz begreiflich bei diesem Klang.

Wie kommen Sie dazu?" wurde ich weiter befragt.Schämen Sie sich nicht? Sie wollen doch ein Dichter sein."

Das Lachen des Thores wiederholte sich, noch ärger und kälter.

3a!" warf ich zaghaft dazwischen.3a!"

Schweigen Sie! Wer einen Schwank schreibt, ist kein Dichter mehr."

Goethe! Der Triumph der Empfindsamkeit!" wollte ich stam­meln.

Kommen Sie uns nicht mit Goethe!" brüllte mich der lite­rarische Versprecher an.Der hat genug an seinen eigenen dich­terischen Sünden zu tragen. 3hr braucht ihm nicht noch Eure neuen auf den Geheimratsbuckel zu laden!"

Quod licet 3ovi, non licet bovi!" kommt jetzt, wußte ich. llrrd richtig! Es kam auch. Reibst längeren Ausführungen über die Rvtwendigteit künstlerischer Selbstzucht und strenger Ausson­derung des Wertvollen aus der Spreu: weise Demerckungen, die ich wie alles Moralische im Leben zu überhören pflegte. Wach wurde ich erst wieder, als der literarische Häuptling dröhnend wie mit einem Hammer auf mich einschlug.

Sie schreiben überhaupt zu viel! Wenn Sie das noch nicht wissen, so lassen Sie es sich von uns sagen. Biel zu viel! Man stolpert überall über Sie un& Ihre Produkte!"

3ch überlegte:Wenn du dich jetzt auf die zweitausend Ko­mödien Lope de Vegas berufst, der durchschnittlich alle vier Tage feines Lebens ein Stück fertig hatte, so wird man doch wieder anfahren:Lassen Sie uns mit diesem Spanier in Ruhe!" Darum entschloß ich mich zu einer ernsteren Rede pro domo.3ch bitte ums Wort."

Der Chorus der Literaten lachte noch greulicher zum dritten Male auf.Er will sich noch verteidigen!" höhnte es mich an. Aber da sprach ich schon:

Die Zahl seiner Werke muß man billigerweise einem Poeten selbst überlassen. Die Fruchtbarkeit läßt sich nicht vorschreiben noch mindern. Wem Leben und Dichten der nämliche Vorgang ist, der schafft, wie er atmet. Das heißt fortwährende Selbst bei Macht, wenn er träumt, ist seine Werkstatt nicht geschlossen, wie das wundersame Beispiel Miltons beweist, der die klang­vollsten Verse seinesVerlorenen Paradieses" schlummernd vor sich hingesprochen haben will.Wieviel er schafft!" Dies soll man dem Künstler als einziges Vorrecht frei geben. Den andern steht die Ausübung der Kritik an seinen Werken ja beständig zu. Das Schaffen des Künstlers hängt nicht von seiner Willkür ab. 3nvita Minerva, wenn die Musen ihm nicht lächeln, vermag er es nicht. Man vergißt heute häufig, daß der Künstler manches nur darum schafft, um sein Handwerk zu üben un6'darin freie Hand zu erlangen". (Dürer.) Auch bedenkt man nicht, daß es neben den Meistern, die nur auf dem hohen Kothurn stolzieren, etwelche gibt, die sich in allen Arten, auch den leichteren, gern versuchen mögen. 3n früheren, milderen Zeiten ließ man die Künstler sich frei auswirken. Rahm man es für selbstverständlich, daß ein Maler

tote Rubens von früh bis spät nichts anderes tat als malen und ein Musiker wie Bach nichts anderes als komponieren. Und zwar in jeglichen Formen, wenn auch nicht immer lauter höchste Werke vonEwigkeitswert" dabei herauskamen, wie die ekelerregende moderne Forderung lautet. Wollen wir Heutigen mit dem Zoll­stock herumlaufen un6- abmessen, daß jeder rächt über ein bestimm­tes Maß hinaus produziert.

Roch törichter, tauber ist es, wenn man uns ständig zu einem Spezialistentum in der Kunst zwingen will! Besonders die bilden­den Künstler haben hierunter zu leiden. Fachkritik wie Publikum legt sie allzugern auf ein bestimmtesGenre" fest. Aber auch bei den Dichtern ist dies Verfahren für die nur in Schlagworten und Gegensätzen denkenden Köpfe beliebt. Lyriker merken dies bitter, wenn sie sich mit der,Dramatik zu befassen erdreisten, lind umgekehrt die Dramatiker ebenso! Ja, selbst in seinem Fach soll man sich nicht unbegrenzt tummeln dürfen, also, daß, lver einen Schwank verfaßt, sich nicht mehr erfrechen darf, eine Tragödie wie ein finsteres Kreuz aufzurichten. Wie kleinlich ist das gedacht! Unfr wie verkehrt ist es, aus der Vielseitigkeit einen Vorwurf zu machen! Wären uns die Sathrspiele eines der anerkannt stärksten Tragikers, des Aeschylus, erhalten geblieben, so würde man mit Erstaunen wahrnehmen, welche tollen Farcen und Possen der Schöpfer des Prometheus und der Klytämnestra reißen konnte. 3eder Künstler darf jede Kunstgattung betreiben, vorausgesetzt, daß er sie nicht schlecht behandelt. Der Himmel, der uns die Feuchtigkeit spendet, schütze uns vor einer steifen, humorlosen Be­trachtung der Erde und ihrer Bewohner, auf Last wir nicht gänz­lich verkümmern oder vertrocknen und lebend tot sind!"

3ch merkte plötzlich, daß ich ganz allein im Cafe war. Alle Literaten hatten langst vor diesenBanalitäten" die Flucht er­griffen. Rur ein einziger Wohlmeinender schien noch öageblieben zu sein. Denn plötzlich llang es wie ein guter Rat seufzend aus den Wänden:Warum haben Sie nicht wenigstens 3hren soge­nannten Schwank unter einem andern Rainen herausgegeben?"

Weil ich den Mut zu meinen Werken habe!" wollte ich mich noch trotzig entschuldigen. Aber da ging: der Vorhang schon In die Höhe. And mein Schwank begann mit den Worten:Muß denn alles ftir die Ewigkeit fein?

Der Weihnachtsabend.

Von Adalbert Stifter.

(Fortsetzung.)

Aach einer Zeit erscheinen Felsen, die wie Kirchen gerade aus dem Grasboden aufsteigen und zwischen deren Marlern man hinan- gehen kann. Dann erscheinen wieder kahle, fast pflanzenlose Rücken, die bereits in die Lufträume der höheren Gegenden ragen und ge­rade zu dem Eise führen. Zu beiden Seiten dieses Weges sind steile Wände, und durch diesen Damm hängt der Schneeberg mit dem Halse zusammen. Um das Eis zu überwinden, geht man eine geraume Zeit an der Grenze desselben, wo es von den Fel­sen rimstanden ist, dahin, bis man zu dem älteren Firn gelangt; der die Eisspalten überbaut und in den meisten Zeiten des 3ahres den Wanderer trägt. An der höchsten Stelle des Firns erhebe:» sich die zwei Hörner aus dem Schnee, wovon eines das höhere, mithin die Spitze des Berges ist. Diese Kuppen sind sehr schwer zu erklimmen; da sie mit einem oft breiteren, oft engeren Schnee­graben dem Firnschrunde umgeben sind, der übersprungen werden muß, und- da ihre steilrechten Wände nur kleine Absätze haben, in welche der Fuß eingesetzt werden mutz, so begnügen sich die meisten Besteiger des Berges damit, bis zu dem Firn- schrunde gelangt zu sein und dort die Rundsicht, soweit sie nicht durch das Horn verdeckt ist, zu genießen. Die den Gipfel bestei­gen wollen, müssen dies mit Hilfe von Steigeisen, Stricken und Klammern tun.

Außer diesem Berge stehen an derselben Mittagseite noch andere, aber keiner ist so hoch, wenn sie sich auch früh im Herbste mit Schnee bedecken und ihn bis tief in den Frühling hinein be­halten. Der Sommer aber nimmt denselben immer weg, und die Felsen glänzen freundlich im Sonnenscheine, und die tiefer ge­legenen Wälder zeigen ihr sanftes Grün von breiten blauen Schat­ten durchschnitten, die so schön sind, daß man sich in seinem Leben nicht satt daran sehen kann.

An den anderen Seiten des Tales, nämlich von Mitternacht, Morgen und Abend her, siird die Berge langgestreckt und nie­derer; manche Felder und Wiesen steigen ziemlich hoch hinauf, und oberhalb« ihrer sieht man verschiedene Waldblößen, Alpen­hütten und dergleichen, bis sie an ihrem Rande mit fein gezacktem Walde am Himmel hingehen, welche Auszackung eben ihre ge­ringe Höhe anzeigt, während« die mittäglichen Berge, obwohl sie noch großartige Wälder hegen, doch mit einem ganz glatten Rande an dem glänzenden Himmel hinstreichen.

Wenn man so ziemlich mitten in dem Tale steht, so hat man die Empfindung, als ginge nirgends ein Weg in dieses Becken herein und keiner daraus hinaus; allein diejenigen, welche öfters im Gebirge gewesen sind, kennen diese Täuschung gar wohl: in der Tat führen nicht nur verschiedene Wege und darunter sogav manche durch die Verschiebung der Berge fast auf ebenem Boden in die nördlichen Flächen hinaus, sondern gegen Mittag, wo das Tal durch steilrechte Mauern fast geschlossen scheint, geht sogar ein Weg über den vbenbenannten Hals.