Samstag, 19. Mai
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1923 — Nr. 20
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Ä ®crmani$mu|, eine Befreiung bei' alten römisch-galli- t^rn f ,^nm^EUn^ i3sn Ooche der germanischen Eroberer oder F^udaladel gewesen Sn diesem Sinne haben sie ^b, v ^®ttnnesUn9Crn 811 verrannen gesucht, in ihrer neuen altromlschen stlepublik, des Senats, der ?“ diesem Sinne verfuhr auch Na- 5rt«n b™ altrömischm Smperatocen den eroberten Indern die ältesten Namen Lrgurien, Cisalpinien, §e[betien, Bel- gten, BataviM usw. wiedergab. Napoleon verfuhr dabei Eon» ^ubSitaner aber hatten getoiß unrecht, sich für die mnrs auszugeben, da Gallien dieselbe nie»
Ie^nnt hat sondern erst unter die römische Herrschaft kam als r ie Freiheit schon zu Grabe getragen war. '
Durch die Römer wurden die Gallier aller Freiheit beraubt, entnafionalisiert, entnervt. Erst durch die deutschen Eroberer erhielten sie bte Freiheit wieder und wurden ihre Sitten verbessert o ..Ib^rend es den Römern gelang, die Gallier in sehr kurzer und vollkommen zu unterjochen, gelang ihnen der gleiche Der- such bei den Germanen nicht. Die Germanen oder Deutschen bet» rKmHA.AÄ*" "-^"Abhängigkeit gegen alle Angriffe des
8U behaupten und fetzten den Kampf gegen ?oms Uede"nachi unermüdet sunfhiurdert Jahre lang fort, genau in derselben langen Zeit, m welcher die Gallier die Sklaven Rom» waren. Endlich flegten die Deutschen, zertrünmierben das römische Reich und eroberten unter anderem auch Gallien.
Die Niederlassung deutscher Eroberer tu ihrem Lande war sehr ein Gluck und Heil für die Gallier, als früher die Niederlassung der Romer ein -Unglück und Unheil für sie gewesen ®u^> bie Römer hatten sie die Nationalität. die Selbftändig- keli. die Freiheit, die guten Sitten und gesunde Existenz verlorcm durch die Deutschen erhielten sie dieselben wieder. Erst durch die Vermischung der sklavischen und in Laster versunkenen Bevölkerung Mit den freien und kräftigen Franken, Goten und B raundMl kam wieder gesundes Leben in die Bevölkerung Galliens, ein neue« Nativnalgefühl, eine neue Volkssitte, gegründet auf die Ehre t;nd em neuer Rechtszustand, gegründet auf die Freiheit. Die .Unterworfenen wurden schonend behandelt und erhielten Rechte, die sie mnter den Römern nie besessen hatten. Bald nahmen sie an all«. Rechten der Eroberer lind an den Staatsämtern reit'. Bald lebten fie sich ein in die verfassungsmäßige Freiheit, die ihnen die Franken gebracht hatten. Nicht bloß Franken, auch römische Gallier erschienen auf den Märzfeldern und saßen im Rat der durch Wahl und Dertvag gebundenen konstitutionellen Könige. Mit Recht sagt daher Montesquieu, die Freiheit fei ein Geschenk, das die Franken aus den germanischen Wäldern nach Gallien gebracht hätten. Aber dieses so schöne und wahre Wort Montesquieus suchen die heutigen Franzosen zu vergessen und wollen nicht daran erinnert sein.
Gallien erfuhr noch mehr Wohltaten von den Deutschen Zu Anfang des achten Jahrhunderts eroberten die Mohammedaner Spanien und drangen in unermeßlichen Scharen über die Pyrenäen Noch war das neue fränkische Reich in Gallien nicht völlig gereift’ Soweit bie römische Zunge gesprochen wurde, halte die germanische Tüchtigkeit noch nicht alle Erschlaffung besiegen können. Darum unterlag das westliche Frankreich dem Halbmond und wäre gänzlich unterworfen und zum Islam bekehrt worden, wenn es nicht durch die Heereskrast der Aheinfranken, Schwaben, Bayern und Thürin» ger wäre gerettet worden. '
MolLke gegen PoinearL.
Sn seiner jüngsten Hetzrede, die Herr P vincare (am letzten Sonntag) gehalten hat, beschäftigte er sich unter anderem auch mit dem Denkmal im Teutoburger Wald, und er bringt das Kunststück fertig, auch die große Entscheidung, deren Erinnerung durch das Denkmal festgehalten werden soll, in gehässigster Weise zu entstellen und daraus abzuleiten, daß Frankreich Ursache habe, sich Über die Varusschlacht zu beklagen und Deutschland mit Vorwürfen wegen dieser entschribenden Waffentat zu überhäufen. Es verlohnt sich wohl kaum, mit dem Advokaten Poincarä, der die geschichtlichen Tatsachen immer so zu sehen weiß, wie sie ihm in seine Hetzpropaganda passen, darüber historische Untersuchungen anzustellen, was die Schlacht im Teutoburger Wald für unsere Geschichte bedeutet. Es ist aber doch von Snteresse, die Meinung eines Mannes zu dieser Frage zu hören, der später in entscheidender Stunde in das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich- stark mitbestimmend eingegriffen hat und der zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, als der Mann, der heute in Frankreich die Geschäfte führt. Daß die Darlegungen Moltkes (»Die westliche Grenzfrage", Verlag von G. S. Mittler u. Sohn, Berlin) dreißig Jahre früher geschrieben worden sind als der große Heerführer in der Auseinandersetzung mit Frankreich unsere Sache zum Erfolg führte, erscheint heute ganz besonders bemerkenswert.
Die Gallier, die ehemals das Land bewohnten, welches jetzt Frankre ch heißt, wurden um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christo durch den großen Cäsar überwunden und all ihr Land dem römischen Reiche einverleibt. Don da an blieben sie fünf- ^unhert Catjre lang .Untertanen der römischen Kaiser, nahmen rö- mische Sprache, Sitte, Religion, Wissenschaft und Kunst und zugleich alle Laster der späteren Kaiserzeit an. In demselben Zeitpunkt, in welchem Gallien den Römern unterworfen wurde nahm die altrömische Republik ein Ende, begann das despotische 'stufenweise sich verschlimmernde Regiment der Imperatoren Am Ende dieses Zeitpunktes teilte Gallien das Elend der Sklaverei und die tiefste Entsittlichung mit allen anderen römischen Provinzen Geistliche -und Profanschriftsteller jener Zeit, deren Werke auf uns ae- • kommen sind, wetteifern, uns davon die empörendsten Schilderungen Zu nmchen. Insbesondere klagen sie über die unsinnige Theater Wut der Gallier, die mitten im Mord und Brand der Völkerwanderung auf den Ruinen ihrer Städte immer noch nach Schauspielen schrien Tlnd die Frivolität der Sitten war so groß, daß alles der zügellosesten Lust frönte ohne Rücksicht aus Alter und Bande des Blutes. Don politischer Freiheit und Würde war so sehr jede Spur verschwunden, daß selbst bei der Auflösung des Kaiserreichs iein Stand, keine Korporation sich vorfand, die ein neues politisches Gebäude hätte gründen können oder wollen. Es gab nur noch Sklaven, die an wenige reiche Satrapen verteilt waren.
Wir glauben, diese Tatsachen deshalb voranstellen zu müssen, weil die Franzosen seit dem vorigen Jahrhundert sich in der M» msivn gefallen, sie seien die direkten Nachkommen und Erben des «tttlten Republikanismus. Sie behaupten, ihre Revolution sei eine Wie^rherstellung jener antiken Bürgerfreiheit, eine Reaktion deS «mokratlschen Romanismus oder Latinismus gegen den aristo»


