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Plötzlich, älrttere im Gestein,
Trifft man auf Menschen, tropfend baL Gesicht, Wie heiße Bronze stimmt im trüben Licht Ihr nackter Leib, gewühlt im Flöz hinein.
Mach ihm hat dann der Essener Krupp-Arbeiter Christoph Wieprechi die Arbeit im Ruhrrevier besungen. Gr begrüßt in lodernden Worten das Hüttenwerk, schildert die grause Fahrt in die Tief« und die Musik, die ihm bet der Nachtschicht entgegendrShnt: Zur Musik wird uns der Riemen knattern, Orgelbrausen der Maschinen Rattern, Sonnenlicht steigt auS der Essen Sprüb'n, Weich« Stummer — weichet, schwarze Sorgen! Unser Ziel? O komme bald, du Morgen, Schenke un8 dein junges Strahlenglüh'n.
Der eigentliche und größte Dichter des „schwarzen Reviers" rcher ist P a u l Z « ch, der Sohn einer Bergmannsfamilie, der selbst als Hauer tätig gewesen ist. Gr gestaltet mit Meunierscher Kraft Gröhe und Grauen dieser Wett, wenn er den „Hauer" darstellt, oder von einer „kleinen Katastrophe" berichtet:
Zwölf Männer wurden vom Gestein erschlagen!
Zwölf Tote hat die Erde ausgespien;
Dec Steiger hat's bewegt hinausgeschrien
Und lieh die Leichen in das Schauhaus tragen...
An Zechs Gedichtband „Das schwarze Revier" und ebenso in seinem Aovellenzhklus „Der schwarze Baal" besitzen wir den stärksten künstlerischen Ausdruck der Ruhrdichtung. Aber dieselbe Melodie Hingt auch in zahlreichen andern Dichtern auf, so z. B. bei dem hochbegabten GerritGngelkke, der auch den „Tod im Schacht" malt, der das „Lied der Kvhlenhauer" singt:
Wir Pocheri und pocherr durch Wochen und Jahre, Wir fahren lichtauf; — mit „Glück auf!" dann hinab. — Wir pochen und pochen von Wochen — zur Bahre — Und mancher schürft unten sein eigenes Grab. — Wir pochen, wir pochen durch Wochen und Jahre. Wir wracken, wir hacken mit Hangendem Racken Am wachsenden Schacht bei Tage, bei Rächt. —
Es ist ein starkes, durch Arbeit uird Gefahr hart gehämmertes, hochgemutes Volk, das jetzt im Ruhrrevier der brutalen Gewalt der Franzosen die seelische Kraft eines unerschütterlichen Willen- entgegenstellt. Es sind die schlichten und doch so monumentalen Helden der Arbeit, die unsere neue Lyrik gezeichnet hat und von denen der frühere Kesselschmied Heinrich Lersch in seiner „Ausfahrt der Bergleute" sagt:
Tiefenschürfer, alte, junge, Roch vom Swllengcmg gebückt; Atmend weitet sich die Lunge, Die noch Staub und Rauch bedrückt. Reckend strecken sich die Kopfe, Heben auf ihr Angesicht, Menschen, fühlende Geschöpfe, Beten sie aus Rächt zum Licht. Die das Licht mit Dunkel bützmr. Das mit Grauen sie umlag.
Und mit wankend müden Füßen Grützen sie den neuen Tag.
Krähen und Mi-rosn.
Aus Schlesien wird uns geschrieben: An der Oberlausch hat Dr. O. Herr (Görlitz) eine Reih« merkwürdiger Beobachtungen an Krähen und Möwen gemacht. Gr schildert, daß sich die Krähen in ihrer Lebensweise immer mehr den Möwen nähern und daß letztere umgekehrt die Lebensgewohnheiten der Krähen annehmen. Er hat Jahre hindurch immer öfter beobachtet, wie die Krähen beim Abfischeu der Teiche lüstern in der Rähe lauern und, sowie die Luft rein ist, den Teichbvden' nach Rahrung abfuchen. Dabei scheuen sie das Wasser nicht und waten darin umher, und alles Genießbare, Fische, Frösche, Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken zu sammeln. Gleich den Möwen verstehen sie es sogar, die Weichtiere aus der Schale zu bekommen. Sie fliegen nämlich eine Strecke hoch und lassen die Schalentiere auf eine harte Unterlage (Steine, Dächer usw.) herabfallen, wobei sie eine erstaunliche Geschicklichkeit im Zielen entwickeln, blitzschnell sind sie hinterdrein, um aus Sen zertrümmerten Schalen die fleischigen Teile herauszusuchen. An den letzten Wintern hat Dr. Herr sogar beobachtet, wie die Raben über der Görlitzer Reiße schwebten und auf alles fließen, was ihnen verdächtig vorkam. Ein anderer Beobachter, Merk (Buchberg) hat sogar gesehen, wie eine Rabenkrähe in der Rähe eines Wehres tauchend ins Wasser stieß, einen Fisch herauszvg und ihn am Ufer kröpfte. Sie haben also ebenso wie Eisvogel und Wasserstar die Wasserjagd gelernt, zuerst auf Insekten, später auf Fische. Umgekehrt ist es bei den Möwen. Sie sind auf dem besten Wege, es den Krähen gleich zu tun. Wie diese, schreiten sie hinter dem Pfluge einher und durchsuchen mit Eifer den frisch gepflügten Boden nach "Rahrung. Bei Rothenburg (O.-L.) wurden sie in maikäferreichen Jahren beobachtet, wie sie in den Kronen der Baume herumturnten und Käfer sammelten. Aehnliche Beobachtungen wurden übrigens im Ostseegebiet gemacht,
wo 6er Rückgang der Möwen eine starke Zunahme der Engerlinge im Gefolge hatte. So rächt sich der rücksichtsslose Abschuß der Möwen und die rücksichtslose Eierlese, die eine Störung des biologischen Gleichgewichts zur Folge haben. Richt nur Insektenfresser, sondern auch Fruchtfresser sind die Möwen bereits geworden. Bei Rengersdorf (O.-L.) wurden zur Zeit der Kirschenernte Möwen beobachtet, die im Fl uge reife Kirschen von den Bäumen rissen.' In Gehege bei Rothenburg (O.-L.) ließen sie sich sogar auf den Kirschbäumen nieder und kletterten mit ihren Schwimmfüßen unbeholfen darin umher, so daß sie wie die Spatzen und Stare verjagt werden mußten. Daß sie auch schon zu Räubereien übergegangen sind, beweist eine Zuschrift im „St. Hubertus", nach der sie junge Mgel und Bogeleier in den Fluren rauben. Auch sieht man sie seit langem schon öfter der Mäusejagd obliegen. Am Heidehaus im Teichgebiet von Spree in der schlesischen Lausitz hatte man vergiftete Eier gelegt, um der Krähenplage Herr zu werden. Erfolg: überall lagen tote Möwen umher. Dr. Herr bemerkt dazu, daß man sich demnach nicht wundern dürfe, wenn die Möwen, die Brehm bezeichnender "Weise die „Kühen des Meeres" nennt, auch zu Resträubern werden und "bald auch zu Angriffen auf größere Tiere übergehen werden. Es zeigt sich also, wie die „Meereskrähen" auf dem besten Wege sind. Landkrähen zu werden während die Sippe der letzteren starke Reigung zeigt, sich wenigstens bezüglich der Rahrung dem Wasser anzupassen. Damit hänge es auch zusammen, daß die Möwen beginnen, aus Sicherheitsgründen ihre Rester höher zu legen. Man hat Möwennester in dem Teichgebiet der Oberlausitz schon in Gebüschen 1—2 Meter über dem Erdboden gesunden. Bielleicht werden die Möwen gleich den Störchen und Reihern aus Bodenbrütern allmählich zu Baumbrütern. ®S sei zu erwarten, daß bei einer derartigen Uebereinflimmuna der Lebensweise, beide Bogelsippen, Krähen und Möwen, bald in Fehde geraten werden. An der Tat ist schon wiederholt beobachtet worden, wie auf den Feldern Möwen von Krähenschwärmen unb an Gewässern fischende Krähen aufs hartnäckigste von Möwen attackiert wurden.
Die Legende vom Aennchen von Tharnu.
Simon Dach'S berühmtestes Gedicht „Aennchen von T ha rau" soll nach den Erinnerungen „Ans altpreußischen Tagen" von Adelheid von Beith aus folgendem Anlaß entstanden fein: Als armer Student wohnte Dach in einem Dachstübchen gegenüber dem Königsberger Dom. Am Erdgeschoß war von einer Familie ein anmutiges Mädchen mit Rainen Aennchen ausgenommen worden, die aus dem in der Rähe gelegenen Ort Tharau flammte. An dieses Aennchen habe sich Dach unsterblich verliebt, ßabe aber wegen der Strenge der Verwandten kaum ein Wörtchen mit ihr sprechen können unb seinen Gefühlen nur in seinem Gedicht Ausdruck verliehen. Als er nach jahrelanger Abwesenhell wieder an seinem ehemaligen Wohnhause vorbei kam, habe eint dicke Bäckersfrau vor der Tür gestanden, die er nach dem Aennchen fragte und die ihm die Antwort gab: „Erbarmen, das bin ich ja selbst!" Dach fei darüber sehr enttäuscht gewesen, habe aber seine Jugendliebe nicht verwinden können unb sei unvermählt gestorben. Am neuesten Heft des Hamburger „Quickborn" weist Paul Wriede die Haltlosigkeit dieser Geschichte nach. Das ursprünglich in flamländischer Mundart gedichtete, später von Herder InS Hochdeutsche übertragene Lied „Anke van Tharaw" verdankt keinem solchen poetischen Erlebnis feine Entstehung, sondern ist eines der vielen Gelegenheitsgedichte, die Dach auf Bestellung verfaßte. Er dichtete es zur Dermählung der Pastorentochter Anna Reander auS Tharau mit feinem Freunde Johann Portativs in dessen Ramen und Auftrag. Der älteste erhaltene Druck des Liedes befindet sich in der 1644 erschienenen Sammlung „Poetisch-Musikalisches $uft» toälMein“, die ein anderes Mitglied der Königsberger Dichterschule, Heinrich Albert, herausgab.
Der Vesenbinder.*)
Wenn ich $a Geld zen Saufen ho, Geh ich in Wald, schneid Reisig o. "Wenn ich dos Reisig gschnidn ho, Geh ich nach Haus, bind Besen draus.
Wenn ich bö Besen bunden ho.
Laf ich die Straßen af und t>.
Unb schrei holt allweil: „KafstS Besen o, Daß ich a Geld zen Saufen ho!"
Wenn ich dös Geld vasoffen ho, Geh ich In Wald, schneid Reisig o.
*) Aus einer guten, kleinen Sammlung deutscher Dvlks- lieder, „Der Garten Ammergrün", die, herausgegeben teon Oskar Maurus Fontana, im Verlag von G. P. Tal u. So. (Leipzig, Wien und Zürich) neu erschienen ist.
Schriftlellung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


