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der Sebastian Höh ein ganzer Kerl ist, ein tüchtiger Kerl, und , zwar, wie es sein soll, von innen heraus, ohne äußerlichen | Hokuspokus oder aufgepappten Zauberkram I ilnb wenn Sie selbst sich vorübergehend weisgemacht haben, dem sei nicht so, dann werden Sie hoffentlich nun bekehrt sein. Ihr Glück, von dem Sje meinten, es habe Sie verlassen, hat sich glänzend bewährt, hat sie eine Tat vollbringen lassen, deren Andenken allein mit vielem Widrigen und Trüben aussöhnen kann. Sollte trotzdem Ihr Selbstvertrauen noch einmal ins Wanken kommen, so werden Sie sich nicht nach dem Krimskrams sehnen, >der irgendwo im See liegt, sondern Sie werden das kleine runde Ding da anschauen, das Sie erinnert, wie Sie ein Menschenleben, Ihnen von allen das liebste, gerettet haben. Dann wird Ihr Mut und Kraftgefühl augenblicklich zurückkehren, und Sie werden sich stets bewußt bleiben, was ein tapferer Mann sich und dem Nächsten schuldet! Hab' ich! recht, Sebastian?"
Er hörte mir zu, den Mick auf seine Brust gesenkt; nun hvb er den Kopf und überraschte mich durch den Ausdruck innerlicher ruhiger Festigkeit, den die ehemals so weichen Züge trugen.
„Fawöhl, Herr Doktor," sagte er, „Sie haben recht."
Damit bot er mir die Hand, die ich kräftig schüttelte, und ging hinein zu seiner Frau, sie an der Freude über seine Ehrung teilnehmen zu lassen.
Es ist nichts weiter zu berichten. Fortan war der Bast von seiner selbstverzagenden Einbildung völlig geheilt; und die Ret- tungsmedaille vertrat bei ihm die Stelle eines Talismans. Den verschiedenen Söhnen und Töchtern, die ihm die Fanni im Laufe der Fahre schenkte, ist er ein strammer Hausvater und das -rechte Vorbild fester, starker Männlichkeit geworden.
Eine Stille entstand am Teetisch, nachdem der Doktor geendet hatte. Hierauf kam die Unterhaltung wieder in Fluh: der eine entsann sich ähnlicher Begebenheiten, der andre meinte, er habe dem Höh eine solche Fugendgeschichte nicht zugetraut. Die Hausfrau äußerte, daß sie doch gar zu gern wissen möchte, was in dem geheimnisvollen Säckchen eigentlich gewesen sei.
Des Doktors Miene, die während seiner Erzählung ernst geworden, blitzte von Schalkheit. „Ich glaube, damit kann ich dienen. Ein paar Monate nach der Herstellung des Sebastian trug es sich zu, dah hier vom Ufer ein alter Tagelöhner, der allabendlich im Wirtshaus zu hocken pflegte, geradewegs in den See patschte und ertrank. Mso wurde der See längs des Äsers sorgfältig abgesucht; mancherlei Gegenstände, als leere Flaschen, alte Schuhe und ähnliche Kostbarkeiten, fielen uns dabei in die Hände. Unter andern, auch ein Ding, das sich trotz seines üblen Aussehens noch für einen an einer Schnur befestigten Lederbeutel erkennen lieh. Ich dachte - natürlich an das Zaubersäckchen des Bast, nahm das Ding mit nach Hause und untersuchte den vom Wasser schlimm zugerichteten Inhalt. Was glauben Sie, dah es war? — Das Pfötchen eines Hasen!"
„Was? — Ein Hasenpfötchen! — Sie machen wohl Scherz?
— Ein Hasen —"
„Fawohl, meine Verehrten: ein Hasenpratzerl, klein und sauber präpariert, wie es manche Leute statt eines Puderquäst- chens verwenden. Dies nichtige Ding hätte beinahe einen braven Menschen zum Hasenfuh gemacht, wenn nicht das Herz, das Sottlob immer das stärkste ist, ihn wieder zum Helden gewandelt ätte! Wollen Sie daraufhin die Macht der Einbildung noch leugnen! — Uebrigens: ich muh fort! Meine Herrschaften, ich empfehle mich 3hnen!"
Ende.
Der Verkauf einer Goethe-Stätte.
Während man sich anöererorts bemüht, die Erinnerung an unseren größten deutschen Dichter zu pflegen und Stätten, die durch ihn geweiht sind, zu erhalten und, wie jetzt in Wetzlar, zu erneuern, scheint es, als ob die politischen Wandlungen der letzten Fahre gerade an der ehrwürdigsten Stätte unserer deutschen Kultur überhaupt und des Gedächtnisses an Goethe im besonderen nicht ohne Schädigungen vorübergehen sollten.
So wird jetzt in der „Kunstchronik" berichtet, dah die Schlösser Ettersburg und Allen st edt verkauft werden sollen. Die beiden Schlösser verursachen nach den im Landtag gemachten Mi teilungen so erhebliche Unterhaltungskosten, dah der Staat diese Ausgaben nicht mehr tragen kann, und deshalb sollen diese Bauten möglichst günstig verkauft werden, wobei sich allerdings die künftigen Besitzer verpflichten sollen, keine Fabrikanlagen oder sonstige industrielle Bauten zu errichten und der Park von Ettersburg weitergepflegt und der Oeffentlichkeit zugänglich sein soll So bedauerlich dieser Entschluß für die alte Burg Allenfleöt ist, die von den sächsischen Kaisern exbaut wurde und Fahrhunderte lang als Kaiserpfalz gedient hat, so berührt uns doch noch viel schmerzlicher die dunkle Zukunft des Schlosses Ettersburg, dessen Name auf Immer mit dem Goethes und den Glanztagen der ersten Weimarer Sturm- und Drang-Epoche verknüpft ist. UeBer die Baugeschichte des Schlosses hat gerade jetzt H. Heubach in der Grazer Kunst- geschichtlichen Gesellschaft wichtige neue Mitteilungen ge- ,macht Das Schloß wurde vom Herzog Wilhelm Ernst oon 1706 bis 1711 erbaut, und der junge Fürst entfaltete hi« ein fröh
liches Leben und Treiben, da er die Hirsch- und Wildschwein- lagden in Len weiten Eichen- und Buchenwäldern liebte. Dieser ersten Bauzeit gehört die einfache zweigeschossige Anlage mit dem Mansarddach an, deren Mittelflügel außen das Treppenhaus vorgelagert ist. Der erste Baumeister, der diesen Teil des Schlosses schuf, war Fohann Mützel, der kurz vorher das gleichfalls sehr einfache „Gelbe Schloh" in Weimar errichtet hatte. Aach den aus der Weimarischen Landesbibliothek bewahrten Grund- und 'Aufrissen ist dann wohl um 1717 von dem an die Stelle Mützels getretenen Weimarer Oberbaumeister Christian Richter an der vierten freien Seite des Hofes das Corps de Logis errichtet worden, und dieser Bau wurde dann unter dem nächsten Herzog Ernst August verschiedentlich umgebaut, so dah man die stilvolle einfache Form, die das Fagdschloh heute darbietet, einem späteren Architekten zuschreiben muß, den Heubach in dem Sachsen-Weimar-Eisenachischen Landbaumeister Gottfried Heinrich Kröhne festgestellt hat. Von diesem stammen auch die Lustschlösser in Dornburg und Ilmenau. An die Stelle der Fagden und fröhlichen Lustbarkeiten trat auf Ettersburg ein geistigeres Leben, als die Herzogin-Mutter Anna Amalia das malerisch auf dem Ettersberg gelegene Schlößchen zu ihrem Sommersitz erwählte. Der „Musenhof" der Herzogin feierte im Sommer hier seine Feste, und neben Wieland war es Goethe, der damals in Ettersburg heimisch wurde. In einem Flügel des Schlosses war ein Theatersaal geschaffen worden und draußen, wo sich Wiese, Wald und Quelle zur schönsten Kulisse vereinigten, errichtete man ein Naturtheater. So manche der damals entstandenen Singspiele und Dramen Goethes sind hier aufgeführt worden, und in dem Park baute sich Karl August mit seinen Getreuen Mvoshütten, in denen man die Nacht verbrachte. Auch später noch spielt Ettersburg unter den Ausflügen der „Lustigen von Weimar" eine große Rolle.
Der „AlLeberg".
Panorama vom Qllteberg bei Lollar. Ausblicke in hessische Landschaften und Einblicke ins
Bolksgemüt.
Von Studiendirektor Pfarrer a. D. Wilh. Schuster von F o r st n e r, Schloß F. (Lahn).
Giordano Bruno hat das Wort gesprochen, daß der Mensch auf der Grenze zwischen sinnlicher und überirdischer Welt, am Horizont der Natur, auf der Scheide zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit flehe. Wohl wahr; und besonders fühlt man ihm dies nach auf Dergeshöhen! Vielleicht war darum auch der Nazarener ein Frermd der Berge.
„Alteberge" gibt es in Hassen mehr denn einen. Das hessische Volksgemüt fühlt sich zu dieser Denemnmg verpflichtet, wenn ein (Berg einigermaßen höher als andere aufragt Das Akter ist gleichbedeutend mit Höhe, Würde, daher der „Alteberg" gleich hoher Berg, mons altus; vielleicht sogar kommt unmittelbar von diesem lateinischen Wort vielfach die deutsche Bezeichnung. Und selbst im wörtlichsten Sinn hat diesmal die Volksseele das Richtige ersaßt in geologischer Hinsicht; hier in Ober- und noch in Niederhessen sind die „Alteberge" meist alte geologische Bildungen, Dasaltauswürfe, zum Teil In Säulen gepreßt; der Erdgeist, 6er „Alte", geformt ins Sichtbare und Zeitliche.
Wenn ich auf dem Alteberg bei Lollar-Odenhausen stehe, begrenzt den Blick am Horizont bereits Sandsteinformation in der Richtung nach Marburg zu, und ein Steinbruch leuchtet dort fern weithin. Direkt drunten aber uns gegenüber sind Steinbrüche der rotgrauen Grauwacke; darauf steht das Friedelhaufener Schoß, aus eigentümlichem schwarzgrauem Doleritgestein (Schlak- keulava des Basalt) gebaut Dolerit ist im Randgebiet der Feueresse Vogelsberg erzeugt, von dort Hierher geschafft. Grauwacke aber mutet wie eine sanfte Verbindung zwischen Basalt und Sandstein an. ,
Um mich her fliegen grüne Drombeerfalter, große Füchse und unser schönster Schmetterling, der Schwalbenschwanz. So wie int Schrei des Vogels die Seele der Landschaft liegt, so wird in den Faltern Gras und Kraut lebendig. Denn nur wo ihre Futterpflanzen sind, da fliegen auch die Schmetterlinge, die bunten, leichtbeschwingten. Sn ihren lebenden Kreaturen offenbart sich der Schöpfung ewige Majestät. So in den drei Bussarden, die drüben über dem Walde wunderbare Kreise ziehen. Des Altebergs Charaktervogel aber ist die Heidelerche, die süß lullende; daneben der Baumpieper mit seinem Kanarienschlag.
Wenn nun unser Auge den Horizont absucht nach auffallenden Punkten, so sieht er vier Höhenpunkte. Die Amöneburg und nicht weit davon eine andere ähnlich steile Bildung, die jener gleicht wie Fohaimes dem Fesus auf dem Bild von Leonardo da Vinci; Gleiberg und Vetzberg in entgegengesetzter Himmelsrichtung, mit ihren ragenden Türmen, charakteristisch in der Landschaft stehmrd. Schiffenberg dagegen tote eine geduckte Henne hinter Gießen liegend. Don der Lahnhauptstadt nur schimmernde Dächer in etwas schleierhaftem Luftgebilde. Licht der Wissenschaft leuchtet nicht durch! Deutlich drunten Lollar mit zwei oder drei hohen äabrit- schornsteinen (charakteristische Note) und seiner Verhüttung, zum Damm ausgeschichteter Erdmasse. _ . „r
Biele schöne saubere hessische Dörfer im Malenschmuck hüben und drüben. Wie intim schön, freundlich lachend ist doch bte


