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Der Schwarzwaldbauer sünschts guten Appetit unS ging wieder. „Jetzt kimmt freilich 'S schwerste noch", sagte er. „Es ischt noch nir aller Tag Abend, Hochwürde."
„Freilich, freilich," erwiderte der Pfarrer, „aber wir haben noch acht Stunden vor uns."
„Mas nutze acht Stunde, wann m'r so hin ischt, wie der Oberlehrer. Diel Glück!" spottete er.
Sie blickten dem Höhnischen Dauer bedenklich nach der sie in ihrer schwächsten Minute, am Ende des Schnitts, knapp vor dem ersehnten Mittagessen, gesehen hatte. Aber sie legten sich auf die mitgebrachten Getreidesäcke und stärkten sich Sie dursten sogar ruhen und ein bißchen schlafen. Auch der Pfarrer nickte ein, nachdem er ein paar Züge aus seiner Pfeife getan. Doch er war zuerst wach and rüttelte einen nach dem anderen auf; nur den Oberlehrer ließen sie weiter sagen. Erst als man ihm den Schatten nahm, als der Wagen fortfuhr, erwachte auch er langsam. Die Schnitter begleiteten die beiden Wagen, einer führte von oben, einer von unten die'Garben nach dem Tret- plah nebenan und sie setzten sie rundum. Der Doktor und der Apotheker legten die erste Schicht ihrer wieder aufgelösten Garben auf den reingefegten Platz, denn die LeHrersfrau und die Pfarrersköchin waren auch gekommen und taten ihre Schuldigkeit. Mit den Aehren nach der Rkitte zu, nrit dem Stroh nach außen, wurden die Garben im Kreise gelegt, zwei Schichten übereinander. Das Zentrum blieb frei. And alsbald stand der Pfarrer in diesem, Chatte die vier Pserde an langen Seilen und trieb sie in der lRunde. Sie waren ohne Visen, mit natürlichen Hufen liefen sie auf den Aehren Rumde um Aunde wie im Zirkus und traten das Getreide aus. Die Aehren entleerten sich aus den Halmen wurde weiches Stroh. And immer wieder wurde eine Pause gemacht, wurden die Pserde beiseite geführt, das Stroh mit Heugabeln aufgebeutelt, abgeräumt und neue Garben aufgelegt. Es war eine heikle, heiße, aber auch eine lustige Arbeit, denn man sah die Früchte seiner Tätigkeit und es gab die mannigfachsten Zwischenfälle, die zum Spaß herausforderten und erfrischend wirkten. Wehe, wenn ein Pferd seine Aotdurft in daS Getreide abgelassen hätte; der Herr Pfarrer würde lieber seinen eigenen StröhHut untergehalten haben. Aber diese Aufsicht hatte der Herr Oberlehrer übernommen. Dafür reichte es noch
And es glückte alles. Mit vereinten Kräften führten die Herrischen Leut' da ein Stück aus aus der landwirtschaftlichen Bergangenh.'it und es sammelten sich sogar bäuerliche Zuschauer von den Nachbarfeldern. Die junge Generation kannte dieses Aus- treteu des Getreides gar nicht mehr. Endlich war die letzte Schicht aufgelegt, ausgetreten und ausgebeutelt, das Stroh wurde abgeräumt und da lag, vermengt mit dichter Spreu, der goldige Weizen. „Was jetzt?" fragten alle.
„Geduld, jetzt wird endlich gevespert!" sagte der Pfarrer. And die Zwischenmahlzeit war vergnügter als die früheren.
And dann kam des Pfarrers Bravourstück, auf das er sich den ganzen Tag schon freute. Er chatte sich ja gerade dafür am gründlichsten vorbereitet. Es herrschte vollständige Windstille, aber er wußte, daß der leise Ost nicht ausbleiben würde vom Wasser 'her, sobald die Sonne sank. Er ließ das ganze Getreide, sc unrein wie es war, an den Südrand des Tretplatzes schaufeln und rauchte gemütlich sein Pfeifchen. Dabei liebäugelte er mit zwei schönen, langstieligen Schaufeln, die jede aus einem Stück Tannenholz geschnitzt waren. Sie hatten sich noch auf dem Kornboden des Richters vorgefunden aus früheren Zeiten. Ein halbes Dutzend davon besaß einst sein Vater und der wußte gut damit nmzugehen. Aber der Sohn hatte es ihm abgeguckt und sich auch versucht im „Worfeln". Gr kannte keinen anderen Ausdruck für dieses Verfahren als das schwäbische Dialektwort. Das Korn wird geworfelt, das heißt, es wird gegen den Wind geworfen. Zu stark darf der Wind nicht sein, ein leiser Zephyr genügt, er bläst die Spreu fort und das schwere Getreide fallt gereinigt nieder.
Plötzlich schnellte der Pfarvherr auf. Die Abkühlung im Osten Hatte begonnen, der Abendwind war da. Gr trat mit einer der Schaufeln bewaffnet zu dem stattlichen Getreidehaufen hin. die anderen blieben im Rückhalt, falls etwas geschah. Sv ei» Stiel konnte ja brechen. Alle schauten auf. And er begann. Er schöpfte eine 'Halbe Schaufel, beim der Wind war noch schwach, und warf sie gegen Osten in die Luft. Hei, wk.e es da auf d n harten Tretplatz niederprasselte, die Spreu aber flog nach Westem Gut war der Wind, genügend stark für das Worfeln. And Schaufel um Schaufel flog in die Luft, es entstand ein goldiger Vera aus Getreide in der Mitte des Platzes und ein Berg von Spreu am westliche!, Rand desselben. Ging manchmal eine Schaufel weiter als sie sollte, waren die drei weiblichen Teil» nehmerinnen mit ihren Besen zur Hand. Sie fegten alle versprengten Körner wieder herzu. Der Wind hob sich prächtig, di« Haare des alten Pfarrherrn flatterten und die Schaufel flog Hurtig. Sv arbeitete er unter der staunenden und bewundernden Anteilnahme seiner Genossen und einiger Bauern eine Stunde lang. Der Schweiß troff ihn, von der Stirn, er schaute nicht links und nicht rechts und nutzte den Wind, der schon schwächer
Ex war fertig und ries nach den Säcken. Während die snder«n jubelnd Weizen «infüllten, Hing feine Wirtschafterin
Sen einen Gymnasiast«». Er habe all di« abgeschnittenen 2k&ren M sammeln und auf größere Hausen zu legen. And hinter ihm mm der Mann, der sie zu Garben band. Auch das Garbenbinder; machte er dem Apotheker und dem Doktor vor, die sich dazu anboten. Als die erste Garbe dastand, riefen alle „Bravo!" und waren sehr vergnügt.
And jetzt schickte der Pfarrer die Sichelleute an das obere Ende. Frisch los, in zwei Stunden wird gefrühstückt, sagte er. Gr selber und der Oberlehrer wollten mähen, der zweite Gymnasiast sollte hinter ihnen alles zusammentragen, der Doktor binden. Den 'Apotheker hatte er der anderen Gruppe mitgegeben. And er gab dem dicken Oberlehrer zuerst Anterricht im Mähen. Wer es galt auch die Probe auf sich selbst zu machen. Gr 'Hatte sich's wohl zugetraut, obwohl er seit vielen Jahren keine Sense mehr in den Fäusten gehalten hatte. Als Student mähte er oft bei feinem Vater und half in allem aus, und das Lob der Knechte freute ihn mehr als eine Eminenz im Seminar. Wer Das war lange 'her. Die Geschmeidigkeit des Körpers war dahin, steif und Hölzern kam er sich vor, es gab keinen Schwung. Doch nach zehn festen Schnitten schon löste sich die Gebund-enheitz. es ging. Der Oberlehrer sah den Pfarrer mähen und stürzte sich auch gleich ins Gefecht. „Geduld!" ries Stefan Meinhardt. „Ruhe! Haltung! Rur um Gottes willen keine Eile. Das nützt gar nichts, ßie sind in einer Halben Stunde hin." And er zeigte ihm jeden Griff, jeden Schritt, den er zu machen habe. Aus- fahren, ansetzen und fest zuschneiden. Schneiden! Schneiden! Richt rupfen!" Es wollte nicht gehen. Schon dachte der Pfarrer daran, denl Dicken eine andere Rolle zuzuteilen. Wer der Oberlehrer wollte nicht. Aeberall waren die Leute in den Feldern und guckten Her. Gr durfte nicht zurücktreten. And er mähte und rupfte das Getreide mit den Wurzeln aus, schwitzte und keuchte, aber er setzte sich durch. Der gleichmäßige, ruhige Schnitt seines Nachbars wirkte auch auf ihn, er getvann immer mehr Haltung. Aird der Pfarrer lobte ihn. .
Als man in zwei Stunden zum Frühstück ging, gab es manchen Seufzer. Kreuzlahm war der eine, mit blutenden, von Stoppeln und Ankraut zerstochenen Händen stand der andere da, aber etwas Ernsthaftes war keinem geschehen. Siegessicher machte alle der Anblicr der stattlichen Reihen von Garben, die schon 'Hinter ihnen standen. Es ging unglaublich rasch Schon gebunden und dauer'Haft waren die Garben nicht, aber das war auch gar nicht nötig, da sie noch 'heute gedroschen werden sollten. Das 'Frühstück schmeckte wie nie. Der Pfarrer schritt essend das Feld ab — ein Drittel war geschnitten. Aber er zankte, es lagen zu viele Aehren in den Stoppeln, die Gymnasiasten müßten sorgsamer arbeiten. Die Sichelleute durften die Hand nicht zu voll nehmen, nichts fallen lassen. „Sonst bringen sie nur Schande,' sagte er. „Mr die AeHvenleser wollen wir nicht arbeiten."
And sie merkten sich's. Er aber trieb nach einer 'Halben Stunde mit.den Worten zur Arbeit: „Mittagspause erst, wenn der Schnitt beendet ist!
Der jüngste Söhn des Richters, der die vier Pferde auf der nahen Hutweide hütete, wollte einen Wagen einspannen und die Garben zum Tretplatz führen. Ganz schüchtern sagte er's dem Pfarrer. Wer Lieser führ den Versucher an: „Was? Bischt Du ein Herrischer? Du kommst erst und bringst mir alle vier Pferd', wenn wir mit dem Schritt fertig sind. Du fütterst sie und tränkst sie aber vovher. And jetzt marsch fort!" Verdutzt lief der Bub davon. „Das könnte ich brauchen!" brummte der Pfarrer und seine Sense flog. Der Oberlehrer auf der anderen Seite ächzte und stöhnte, er kam nicht nach. Wer das war auch gar nicht nötig, denn die beiden Hintermänner konnten das kaum aufarbeiten, was der Pfarrer niederlegte. And schließlich tauschte dieser mit seinem Rachbar ßen Platz und stellte die gleiche Linie 'Her.
Die Sonne stieg. Es war ein besonders schwüler Sommertag, man konnte vergehen vor Hitze und alles lechzte nach einer Ab- küUung, nach einem Gewitter. Aengstlich sah der Pfarrer nach allen Weltgegenöen aus, denn das hätte besondere Vorsicht erfordert, aber es zeigte sich nichts. Am elf IWjfc entband £ec Pfarrer seinen dicken Oberlehrer vom Mächen, er gab ihm eine Pause und bat ihn, dann seinen Hintermännern zu Helfen, damit die Garben gebunden wurden. Er mähte allein und näherte sich den drei Sichlern auf der oberen Seite mit jedem Hieb. And 'cks die Glocke im Dorf die zwölfte Stunde schlug, waren sie beisammen, war das Joch geschnitten. In sechs Stunden hatten sie die große Arbeit hinter sich gebracht. Der Schwarzwaldbauer, der in der Rühe auf seinen Feldern war, kam 'herüber und bestaunte die Arbeit der Herrischen Leut'. „Ja, so kmmt Ihr schaffe?!" rief er aus. „Wir sein aber auch Hin, hin, hin", sprach der Oberlehrer und legte sich in eine kühle Mrche zu einem Wasserkrug. Das viele Bücken und Getreide- zusammentragen hatte ihm den Rest gegeben. „In meinem Leben tu ' ich's nicht wieder."
„Wer, aber!" sagte Stefan Wein'hardt, der rüstige Pfarr- Herr. „Wir essen jetzt. Sie werden sich eine Stunde erholen und nach einem Schläfchen geht es weiter . . . Fraulein Rosina, wir essen im Schatten der beiden Wagen! Geben Sie uns, was wir Gutes Haden, Heraus mit bem G'selchten!"


