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rollen und vier Druckwerken. Ls wirken eben zwei voppelmafchinen zusammen, die sich nach der Mitte zu vereinigen dort ihre Erzeugnisse Zusammentragen und ineinander gesalzt abgeben. (Eine Zeitung bis zum Umsange von 16 Seiten wird nunmehr durch die neue Maschine völlig versandsähig hergestellt. Sie liefert in der Stunde 24000 Zeitungen zu 8 Seiten oder je 12000 Zeitungen zu 10, 12 und 16 Seiten. Diese gewaltige Leistungsfähigkeit dürfte die pünktliche Herstellung des Gießener Unzeigers auf Jahre hinaus auch dann sichern, wenn sich Auflage und Umfang der Zeitung weiterhin erheblich ausdehnen. Daß die Ueu-Linrichtung eine wesentliche Erweiterung auch in allen jenen Betriebs- Abteilungen mit sich brachte, die mit der Herstellung des Gießener Anzeigers Zusammenhängen, sei noch nebenbei erwähnt. Die umstehend abgebildete Zwillingsrotationsmaschine nimmt eine höhe von 2l/2 Meter ein und ist 4V2 Meter breit. Die gesamte Länge beträgt 5V2 Meter. Zur Inbetriebsetzung ist ein Elektromotor von 20 Pferdestärken erforderlich.
Gießen, den 26. Ium W2. Verlag des Gießener Anzeigerz.
Die von Griindingrn.
Roman von Freiherr von Schlicht.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der Graf war für die neue Idee Feuer und Flamme, obgleich er dem Stoff gar kein Interesse entgegenbrachte. Nicht, weil er adelsstolz war, sondern lediglich, weil er es überhaupt nicht liebte, sich geistig allzuviel zu beschäftigen. Er las die Kreuzzeitung, die er jeden Tag zehnmal verwünschte und trotzdem zwölfmal zur Hand nahm, er las die neuesten Romane, die „man gelesen haben mußte," um mit sprech en zu können. Aber mehr zu lesen erlaubte ihm nach seiner gewissenhaften Ueberzeugung seine Zeit nicht.
Auch er hatte natürlich, keine Ahnung, warum der Baron sich plötzlich so für den Bürgerstand begeisterte, für ihn gab es da nur eine Erklärung, und die erfüllte ihn mit Dankbarkeit gegen seinen Gast: der konnte es nicht länger mit ansehen, wie er bei den ewigen Adelsgeschichten seiner Frau litt, und um seinen Qualen ein Ende zu machen, war er auf die Idee verfallen.
Der Graf war gerührt, und er fand es äußerst taktvoll von dem Baron, daß er nicht gewartet hatte, bis er um Hilfe gebeten wurde, sondern daß er aus eigener Initiative damit anfing, die Gräfin zu heilen und zu kurieren.
Die Gräfin brachte das Gespräch sehr bald wieder auf den Landrat, ihr fiel erst jetzt etwas auf, was sie in der ersten Erregung über die große Neuigkeit ganz vergessen hatte: der Landrat war — obgleich Junggeselle — in den erblichen Adelsstand erhoben worden, und das deutete untrüglich darauf hin, daß er entweder schon verlobt war oder sich wenigstens sehr ernsthaft mit' diesem Gedanken trug!
„Verlobt ist er noch nicht," widersprach der Graf, „denn welche Veranlassung hätte er wohl, das jetzt noch zu verschweigen? Vielleicht bot bis dahin sein bürgerlicher Name in der Hinsicht ein Hindernis — nun, da er geadelt, könnte er ja die Verlobung proklamieren, wenn er die Braut schon hätte. Ich glaube: er sucht sie erst. Wen wird er wohl nehmen?" lind lachend setzte er hinzu: „Schade, daß Marianne nicht hier ist, sie würde ihn gewiß zum Kaffee einladen und ihm bas Bild seiner Zukünftigen zeigen."
Aber die Gräfin behandelte das Thema völlig ernsthaft: jetzt war der Landrat eine sehr gute Partie! Mochte man über die neue Nobilitierung denken, wie man wollte, er war nun adelig. Dazu kam sein R.ichtum, die G.wiß- heit, daß er voraussichtlich später eine glänzende Karriere I machen würde, und noch so manches andere. Er sah sehr gut aus, war liebenswürdig und amüsant, — kurz: in den Augen der jungen Mädchen ein Freier, wie es deren nicht viele gibt.
Die ganze aMige Nachbarschaft wurde durchgesprochen, auch die in Frage kommenden Familien der Stadt.
„Du bist doch eigentlich eine gayz komische Mutter," rief Alexa da plötzlich übermütig. „Fede andere denkt bei
solchen Gesprächen immer in erster Linie daran, ihre eigenen Kinder an den Mann zu bringen, — aber du willst die Herren immer mit anderen Mädchen verheiraten!"
„Aber Alexa," rief die Gräfin entsetzt, „was soll denn der Herr.Baron von solchen Reden denken!"
Alexa lachte duftig auf: „Nicht wahr, Herr Baron, wir sind doch gute Freunde, und vor Ihnen brauche ich mich nicht zu (g entern. Und schließlich ist es doch keine Schande, wenn ein junges Mädchen sagt, daß es später auch einmal heiraten möchte. Ich weiß ja zivar, daß ich, ebenso wie Dagmar, in einem adeligen Stift eingetauft bin — - aber daß es nun gerade mein Herzenswunsch ist, meinen Lebensabend, um mich poetisch auszudrücken, dort zu beschließen, das kann ich nicht behaupten."
Die Gräfin wußte nicht recht, was sie sagen sollte. Alexa hatte ja mit ihren Worten recht, aber in Gegenwart des Barons fand sie das Thema doch sehr heikel. Schließlich war der doch auch- ein Mann, der vielen jungen Mädchen als Gatte sehr willkommen war, und wenn er ja auch für ihre Töchter in keiner Weise in Frage kam, so blieb das Thema trotzdem doch immer heikel. Die Eitelkeit der Man- ner ist oft größer als die der Frauen, und sich gewinn- maßen als hors de concurrence betrachten zu lassen, ist für keinen Herrn angenehm.
„Ich stimme dir ganz bei," rief der Graf seiner Tochter zu. „Na, warte es nur ab, Alexa, ich besorge dir schon einen netten Mann, und wenn du den Landrat haben willst — .—"
„Aber Papa!" rief sie da ganz verlegen.
„Aber Eduard!" rief die Gräfin, „ich verstehe dich nicht."
_ Der wurde ganz kleinlaut: „Ich habe mir doch nichts Böses dabei gedacht, wenn ich sagte: den Landrat, so meine ich natürlich nicht den Landrat, sondern ich wollte damit nur sagen, wenn Alexa mal einen Mann liebt, ganz einerlei wer es ist, bann soll sie ihn auch haben, dafür ist sie mein kleiner Liebling, was, Alexa? Und er zog sie an sich, küßte sie zärtlich und hielt ihre Hände in den seinen.
Vergebens versuchte die Gräfin ein anderes Gespräch anzufangen: die Unterhaltung wollte aus irgend einem Grunde nicht wieder in Fluß kommen. Gewiß war es nur ein Zufall gewesen, daß der Graf den Namen Alexas mit dem des Landrats zusammen genannt hatte, aber das Peinliche blieb trotzdem bestehen, besonders da. der Landrat sich für bett nächsten Abend angemeldet hatte.
„Vielleicht spielst du mit dem Herrn Baron noch eine Partie Eearts, lieber Eduard?"
Wenn seine Frau ihn „lieber Eduard" nannte, dann war das für ihn stets ein .Beweis dafür, daß. sein Gewissen lange nicht so rein und fleckenlos war, wie er es sich einbildete. Dann stimmte irgendwo etwas nicht. Und so war auch in diesem Augenblick sein erster Gedanke: was habe ich denn nun schon wieder nicht richtig gemacht?
, Da fiel ihm der Bindestrich wieder ein, den er vorhin zwischen dem Landrat und Alexa gezogen hatte.
„Den können wir. doch ganz einfach! wieder aus- radieren," rief er seiner Frau zu.


