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Wenn nun die Entdecker des musikalischen Schundes sür
so'regt'es sicherlich die "Tanzlust an. Also nicht die Musik ist es, die begeistert oder eine andere .Stimmung erzeugt, sondern der Rhythmus und das Tempo — die Musik hat damit abiolut nichts zu tun. Mit der Wirbeltrommel, die keine Musik hervorbrmgt, kann man Stimmungen Hervorrufen und bie banalste Melodie
schandeln. Leopold I. von Anhalt-Dessau, der alte Dessauer, hat nach der alten MarschmÄodie, deren zotiger Text wohl ziemlich bekannt ist (So leben, wir, so leben wir usw.), m der Kirche den geistlichen Text des Gesangbuches fingen lasten und, um mit Theodor Körner zu reden — seine reuige, aber besoffene Armee hat sich daran mit ihrem alten Dessauer erbaut. Aehnlich, freilich incht so drastisch, verfährt man in einigen Städten Ror^ amerikas, wo man der Melodie manches weltlichen Liebeslieds geistlichen Text im Gottesdienst unterlegt. Die Musik kann mehr oder weniger wertvoll fein, aber soweit es sich nicht inn stümperhaften Dilettanten siam handelt, ist sie eben Sache be« Gesihmackes. Es gibt viele Menschen, die die Klasiiler und darüber hinaus bis Wagner unb Brahms hochschätzen, aber einer Salome und dergleichen 'keinen Geschmack mehr abgeivutnen können.
Die Musik an sich ist gar nicht fähig, zum Schund herab- zusinken, das vermag allein der ihr abfichtlich oder iinabsichtlich beigegebene oder hinzugefügte Text. Würde icntanb etwa wagery das herrliche und zugleich weihevolle Trio des Trauermarsches
Leider ist!es dieseii Männern und Frauen, deren ehrliche Bestrebungen kein Gutgesinnter bestreitet, noch, nicht „emmal gelungen, klipp und klar auszubrücken, was diese krankende Bezeichnung eigentlich verdient. Ist es eine RichsilNg ober und es gewisse Bestrebungen in ihr? Soll alles, was Salonmusik, ~<tnä-, Operette, was überhaupt Melodie heißt, verfemt werden! Soll es vielleicht gar das viele Mißgelungene fern, was uns Me Hypermodernen austischen? Auf dem Kongreß des Scannten Ber- baiides ist ia viel darüber geredet worden, aber den Kernpunkt ?rat man wchsi Der eme beschuldigte ben Kompomsem ber anberc den Verleger, aber was diese tun oder Nicht tun Ml en, um die Klippe zu umschiffen, das erfuhren sie nicht, es konnte ihnen nicht mitgeteilt werben, west die Ansichten darüber weit avseinander gingen. Und trotzdem der Begriff Musikalischer Schund durchaus nicht klargestellt worden war, trotzdem Wan also den Bazillus dieses Leibens nicht erkannt hatte, suchte man nach Mitteln, ihn zu bekämpfen. Vorerst sollte auf bene Wege des Unterrichts der Musikschüler in den Stand gesetzt werden, den eignen Geschmack zu läutern, um spater tn seinen Kreisen dann ausklärend und bessernd zu wirken. Angenommen, daß Einigkeit über gut und schlecht bei allen Lehrenden erzielt werden kann, so haben die Herren Pädagogen habet ganz vergessen, daß
ja nur ein Bruchteil aller Kinder Miisikunt erricht erhalt. Kann b{efen $iegriff baS Eigenschaftswort „seicht" gewählt hätten, bann da wirklich ein Menschlein mit sogMannteM Men ^schmack toürbe eine Verständigung leichter sein, man könnte dann wenigstens
Tausende von mnsikali|chen Wilden bildendTbeemflustent Er barüBer ftreiteT1, Seichte Musik gibt es fogar in großer Anwenn auch der Musikunterricht m allen Schulen obligatorstw hervorragend begabte Komponisten, die, tote ich mich auseingeführt würde', so würde der Erfolg rm Sinne der Reformer will, Besseres schaffen könnten, sind dabei befonbe^ tätig
genau so wie sttzt ausbleibe,i Alle Deut,chen können fchon fett ^sinr biefe Musik, die bas Ohr bes Unbefangenen eben,o reizt
... - ...... «--r- hemmen we auch die besten Menschen darunter) wie die kontrapunk-
tischen Kunststücke den Verfeinerten, sind ein dringendes Bedürfnis für die große Mehrzahl, bie nach Musik lecksit. Diese Mehrzahl will in erster Linie Melodie haben. Das ist ein berechtigtes Verlangen, dem die kleine Gruppe der Verfeinerten nicht entsprechen will, vielleicht auch nicht mehr entsprechen kann. Die Musik ist die einzige Kunst, die wirklich volkstümlich ist und allgemein vom Volke gepflegt wird, das noch heute auf dem Boden.des Volksliedes steht, beffen ältestes erst atis bem 'Anfang des vorigen Jahrhunderts stammt. Die vor dieser Zeit liegenben sogenannten altdeutschen Volks- und Landsknechtlieder ftnb weder von diesem noch von jenen volkstümlich gefangen worden. Abt, Cnrschmann, Gumbert, Heise, Kücken, Reitziger und manche, andere Komponisten ber Mitte des 19. Jahrhunderts haben den Volksliederton bann weiter gepflegt, unb manche ihrer Weisen sinh in den Volksliederschatz und Volksmunb übergegangen Einen Teil biefer Lieber erkennt ja wohl auch der Moderne an; ob aus innigster Ueberzeugiing ober weil die Anregung dazu aus hohen Kreisen kam, soll hier unerörtert bleiben. Die Operette, die geschmähteste und doch so gern gepflegte Kunstrichtung, mag ja einer.Veredlung bebürfktig sein, trotzdem auch jetzt schon dem Reiz ihrer Melodien und ihres Schwunges auch bessere Leute erliegen. Darum ist es aber noch lange kem «chuud/ unb zwar aus dem Grunde, weil die Musik keinen schund " ervorbringenkann. Dazu ist sie viel zu wenig ansbrnck^ luyig. Sie kann wohl im feurigen, marschmaßigen.Rhythmus' tm 4/4 Tatt beleben, ja begeistern, aber bassclbe Mufikstuck wird
wohl zu Hause sind. Darum ist der Begriff Schund irt der Schumann hatte er spöttelnde Bemerkungen. Der greise Meiste
Musik ein Kind der Neuzeit, das nervöse Empfinden eines i Felix Dräsecke warnt vor dem Wnterschresten der Modernen und!
Schmerzes an einer ganz anderen Stelle, als wo das Uebel eigent- | rat zur Umkehr. Felix , Mottl, der erst Utrzlich aus deut Leben sich seinen Sitz hat Es ist auch nur 'eine kleine Schar, die schied und den wohl memand als musikalischen Reaktionär zu
den musikalischen Schund 'entdeckt haben will und ihn zu unter- verdächtigen wagt, hat 1904 m SchzLurg beim Mozartfest w o r t -
drücken bestrebt ist, und noch geringer ist die Zahl derer, die sich lich ausgeführt: Heutzutage ist tu der Musst so viel Modernes, ssl tta W* m h sässr ääsä® " | marktschreierische Reklame allein treffen sollten, sondern in erster ;=: Linie seine Wnstlerschast. Dafür deckt diesen Kritiker ein ungenannter musikalischer Mitarbeiter in einer FmAettschrist rncht ungewandt zu, indem er deii jungen Siegfried daran erinnert, wie wenig er bisher als Architekt (S. Magner hätte vorher das Baufach stMert) und als Komponist geleistet habe. Auch der von vielen in den Himmel gehobene Max Reger befriedigt durchaus nicht die ernstere Kritik feiner Richtung, unb erst vor kurzem ist ihm wieberholt sein PhrasentuNi v'orgeworfen worden, mit bem man leicht Hunderte von Werken verfassen köniie, ohne für weitere Fortsetzungen jemals in Verlegenheit ju kommen. Die gegenseitige künstlerische Abneigung zwischen Reger und Richard Strauß ist ja auch wohl ein offenes Geheimnis, wobei! der erstere mit seiner ungemein Natürlichen, zugleich aber auch sehr drastischen Redeweise am interessantesten ist. Wenn hervorragende Künstler über mindestens ebenso bedeutende Kollegen so abfällig, mißgünstig und wohl' auch unbesonnen urteilen so können die Vertrauensmänner der Prüfungskommisfiou, ute doch unbedingt selbst Komponisten sein müssen, ohne ihre Ehrenhaftigkeit anzweifeln zu wollen, nicht verlangen, daß man ihnen vollständige Objektivität zutrauen soll.
genau so wie jetzt ausbleiben. Alle Deutsihen können fchon seit vielen Jahrzehnten lesen und schreiben, ohne daß deswegen >te breiteren Massen für bie vornehmere Literatur empfänglich gemacht werben konnten. Ein weiterer Vorschlag, ber ben ersten ergänzen sollte, war die Beschaffung einer neuen UnterriMs- Htcratur, um den Musikschüler den Unterschied von gut und schacht rascher erkennen zu lassen. Daran, daß man T-'^rartiges und zwar vom Besten in Hülle und Mille zur Hand hat, an dem selbst die verbissensten Neuerer nicht zu deuteln wagen (Bach, Berens, Berttni, Cramer, Czerny, Dtabelli, Herz, Knorr, Kohler, Kullack, Loeschhorn, Moscheles, Riemami Schmitt usw.),dachte man nicht, auch nicht an die gewaltige lieberproduktton auf allen Gebieten, bei der namentlich die Herren Modernen oft recht schlecht abgeschnitten haben.
Ein dritter Weg, der erst kürzlich in Vorfckstag Spracht wurde, aber bei aller Anerkennung für das ernste Bestreben der Pädagogen mit dem besten Willen nicht beschritten werdat kann, ist nachstehender: Der pädagogische Verband hat eme Kommission aus ehrenhaften, unparteiischen Mu|ik|achverstandmai gebildet, bei der alle eingehenden Kompositionen — es erscheinen zurzeit einige Tansenbe in jebem Monat geprüft werden unb — soweit biefe bie Zensur bestanden haben — Mit aneM Stempel
Von ber Prüfungskommission ausgewählt versehen werben
sollen, worauf diese bann in einem Spezialkatttlog A'usiiahme sinben sollen. Ganz abgesehen davon, daß sich kein honetter 䔓« U.
to"® SÄWÄÄ ** I f» «'*** * an. <”• friedliche, fruchtbare Arbeit leisten kann, wenn barm Richtungen aller Schattierungen vertreten sind. Ist es bem Verband wirklich ganz unbekannt, in welcher Werse unsere Großen stU der Kunst __
unb besonders in ber Musik sich gegenseittg beurteilt und■ ' | 1 w™b°i-uua‘‘'beS*" Rlwtbmus" veredein, wie umgekehrt ver-
geschätzt haben? Weiß er tatsächlich sticht, mtt welch unglaublich durch Aeubmung des Rhytyttmmreo u )
feindseligeu Bemerkungeii sie gegcitetnanber zu Felde gezogen sind? Gewiß mag nicht jeder Ausspruch verbürgt fein, viele aber sind es unb können als bare Münze gelten, oo hat ^os. Haydn, als er die 'ersten Werke L. van Beethovens hörte, die. Aeußerung getan: aus diesem wird nie etwas' Ordentliches werden. Beethoven hat dann wieder über die Opern von W. M. Mozart geurteilt: solche Werke könne er nicht komponieren, dagegen habe er einen Widerwillen. H. Berltoz nannte die Opern G. Rossinis einen nielodischen Zynismus, während dieser behauptete, bei bat Opern von C. M. v. Weber Leibschmerzen zu bekommen. B.
Romberg bezeichnete die Quartette Beethovens als barocke.^ Zeug, unb G. F. Händel war der Ansicht, daß sein.Koch ein befferer Musiker sei als Ch. W. Gluck, der große NeuMpfer der mnsteu Oper. Franz Liszt urteilte über bie Werke Johr?. Biahins nnt ben Worten: Das ist 'eine Musik für biejentgen, die am heb ft en gar keine Musik haben; von L. Cherubim meinte er, es ginge ihm wie bem Erzherzog Karl, er wache die bestm stKane, verlöre Aber stets die Schlacht; auch für das Elwpaar Robert und Clara


