740
russischen Jnfanterievierecke ein und treiben den Angreifer vor sich §er, bis die Reserven des Gegners ihrem Ungestüm ein Ziel setzen. Da auch die Division Girard nur schrittweise gegen Studianka zurückweicht, muß Wittgenstein von weiteren ernstlichen Angriffen gegen das Korps Viktor absehen.
Inzwischen haben sich an den Brücken seit dem ersten Kanonendonner jene bekannten .Schreckensszenen abgespielt. Erst nach Einbruch der Dunkelheit gelingt es der Artillerie Viktors und! später der Division Girard, sich mit Gewalt durch den wirren Knäuel durchzuwinden, während die Badenser mit Hilfe von 12 Geschützen ihren Abzug decken. Die Mitternacht ist schon vorüber, da räumen auch diese Helden unverfolgt ihren mit Ehren gehaltenen Posten und bahnen sich einen Weg über die Brüchen. Während ich nun am Morgen des 29. November das tapfere Korps Viktor auf dem Westufer der Beresina dem Vormarsch der auf der Wllnaer Straße bereits vorausmarschierten Armee anschließt, läßt General Ebls erst dann, als die russischen Truppen sich auf beiden Ufern dem Uebergange schon bedenklich nähern, unter dem Schutze der Nachhut des Marschalls Ney die Brücken in Flammen aufgehen. Wieder jene schauderhaften Vorgänge, als die rechtzeitig gewarnten Nachzügler — noch weit über zehntausend — erst jetzt den Ernst ihrer Lage begreifen.
Den Hauptzweck dieser ruhmvollen Kämpfe jedoch, den gesicherten Abmarsch von noch etwa 50 000 Mann, hat Napoleon erreicht. Und ein besonders großer Anteil an dieser Rettung der französischen Waffenehre ist den heldenmütigen deutschen Hilfstruppen zuzusprechen.
Ballon- und Lustfchjfführung.
Ter Gießener Luftfahrerverein veranstaltete am 21. d. M. in der großen Aula seinen ersten Vortragsabend. Als Redner war der in weiten Kreisen bekannte Luftfahrer Major Dr. h. c. von Abercron gewonnen worden.
Im ersten Teile seines Vortrags behandelte der Redner die technisch-physikalischen und meteorologischen Grundlagen der Bal- lonführurrg, während der zweite Teil den Zuhörern die hohen sportlichen und landschaftlichen Genüsse einer Fahrt durch zahlreiche, vorzügliche Lichtbilder vor Augen führte. Tie Tragkraft eines Ballons ist gleich dem Gewicht der verdrängten Luft loeniger dem Gewicht des zur Füllung benutzten Gases. Ein Kubiknreter Luft wiegt bei 760 mm Luftdruck (also in 0 in Seehöhe) und einer Temperatur von 0° 1,293 kg, Leuchtgas 0,5—0,7 kg, Wasserstoffgas sogar nur 0,089 kg. Darnach hat der Kubikmeter eines Leuchtgasballons eine Tragkraft von 1,293 bis 0,5 bezw. 0,7 kg — 0,79 bis 0,59 kg, der Kubikmeter eines Wasserstoffballons dagegen eine Tragkraft von 1,204 kg. Ter Wasserstoff ballon ist demnach in seiner Tragfähigkeit dem Leuchtgasballon überlegen. Ta der normale Ballontyp 1680 Kubikmeter beträgt, stellt sich seine Tragkraft bei Leuchtgasfüllung auf rund 1176 kg, bei Wasserstoffüllung auf 2073 kg. Ta jede Gasmasse sich a u s d e h n t, sobald sie unter geringen Truck kommt, hat jede Erhebung in die Atmosphäre, da ja der Luftdruck wirkt, eine Volumvergrößerung im Gefolge. Je höher der Ort liegt, von dem aus eine Ballonfahrt stattfindet, eine um so geringere Gasmenge ist infolgedessen zur Füllung des Ballons erforderlich. Wird beispielsweise ein 1000-Kubik- meter-Ballon in einer Seehöhe von 900 m statt im Meeresniveau von 0 m gefüllt, dann sind bei gleichen Temperaturverhältnisseni zur Füllung nur rund 900 Kubikmeter Gas erforderlich, denn 900 Kubikmeter dehnen sich bei Erhebung um 800 m auf 1000 Kubikmeter aus. Dieses Gesetz muß, um unnütze Gasverschwendung zu vermeiden, bei Fahrten von höheren Orten (wie St. Moritz, München) beachtet werden. In ähnlicher Weise ruft aber auch eine Temperatur st eigerung eines Gases eine A u s d e h - nnug und Volumvergrößerung hervor. Da man bei der Füllung eines Ballons auf dem Startplatz, um Gasverlust zu vermeiden, den Füllansatz, das einzige Sicherheitsventil des Ballons, zuzubmden pflegt, muß bei heißer Sonne und prall gefülltem Ballon öfter das Ventil gezogen werden, denn die starke Erhitzung des Gases kann ein Platzen im Gefolge haben Bei einem 1440-Kubikmeter-Ballon tritt dieses Ereignis dann em wenn sich das Gas um 13—14° über die Lufttemperatur erwäruck hat. Ta die Ballonhülle sehr viel Wärme absorbiert, steigt bei Sonnenschein die Gastemperatur leicht um diesen Betrag ja man hat in der Höhe bei starker Sonne schon Gastemperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius beobachtet. Bei der Abfahrt eines Ballons ist unter allen Umstanden darauf zu achten, daß der Füllansatz im Moment der Auffahrt aufgezogen, also geöffnet wird. Tenn das Gas des steigenden Ballons gerat rasch unter, geringeren Truck, dehnt sich daher aus und bringt den Ballon, wenn es durch den Füllansatz nickt entweichen kann, in die Gefahr des Platzens. Ein Ballon von 600 Kubikmeter platzt bereits (bei Wasserstoffülluiig) nach 300 m Aufstieg, die in 2—3 Minuten erreicht sein können, bei 1000 Kubikmeter Inhalt bereits in 250 m. Je größer der Ballon, desto rascher wachst beim Aufstieg mit geschlossenem Füllansatz der rnnere Ueberdruck und um so rascher tritt der Moment des Platzens
ein. Auch der Vortragende erlebte in 2000 m, als er eine neue Ballonetvorrichtung ausprobieren wollte, die das beim Aufsteigen des Ballons durch den Füllansatz entweichende Gas aufnehmen sollte, daß der Ueberdruck so stark wurde, daß die Hülle platzte. Durch rasches Durchschneiden der den Ballon unten zusammen-- haltenden Seinen gelang es, der Hülle eine solche Form zu geben, daß tzallschrrmwirkung eintrat uiü) der Absturz gemildert wurde. Gelingt es den Insassen nicht, diese Wirkung durch das Zerschneiden der Taue hervorzurufen, dann zieht sich die Hülle birnenförmig aus und stürzt mit Fallgeschwindigkeit zur Erde. Bei offenem Füllansatz ist ein Platzen unmöglich. Weiter gab der Redner wichtige Hinweise auf die Technik der Ballon- führung. Wasserstoff- und Leuchtgasballon erfordern eine ganz verschiedene Führung. Ersterer besitzt wohl eine größere Tragkraft, reagiert aber kaum auf die Strahlung der Sonne. Kommt ein Leuchtgasballon in Sonnenschein, dann erwärmt sich sofort sein Gas und er beginnt zu steigen. Gerät er in eineftt Wolkenschatten, dann sinkt er fast augenblicklich. Ter Wasserstoffballon ist für Strahlungseinflüsse viel unempfindlicher, was bei der Führung zu beachten ist. Vermehrte Einstrahlung wirkt beint Leuchtgasballon elfmal stärker bezüglich seiner Tragkraft (und Höhe) als beim Wasserstoffballon. In dieser Hinsicht ist also der Leuchtgasballon vorzuziehen. Andererseits aber ist zu beachten, daß der W a s s e r st o f f ballon auf gleiches Ueberwerfen um 70% weniger reagiert, so daß sich dieFahrkurve langsamer hebt und die Fahrtdauer g e st e i g e r t wird. Für Tauer- und Weit führten sollte nur Wasserstoff zur Füllung verwandt werden, zumal der Preis derselbe ist (9—10 Pf. pro Kubikmeter). Auch für Ventilzug sind die beiden Arten von Gasballons verschieden geartet. Leuchtgas strömt bei Bentilzug mit 20, Wasserstoff mit 60 Sekuudenmeter aus, also dreimal so rasch. Daher ist bei einem Wasserstoffballon mit Vorsicht Ventil zu ziehen. Bei gleicher Tauer des Ventilzuges erfordert der Wasserstoffballon die fünffache Menge Bremsballast wie der Leuchtgasballon.
Auch die meteorologischen Verhältnisse hat der Führer wohl zu beachten. Am günstigsten für Weitfahrten sind die kalten Strahlungsschichten, die sich nachts und besonders im Herbst md Winter in der Nähe her Erde bilden. Auf diesen Schichten schwimmt der Ballon ruhig, ohne daß nennenswerte Ballastmengen abgegeben zu werden brauchten. Der Vortragende hat auf einer derartigen «tabilitätsschicht bei der nordamerilä- nischen Gordon-Bennetfahrt in rund 40 m Höhe einen der großen amerikanischen Seen überflogen. Er landete damals im dichten Urwald, von menschlichen Siedelungen weit entfernt. Die größte Gefahr bilden für die Luftfahrt die Gewitter, weniger wegen der Gefahr eines Blitzschlags als wegen der V c r t i k a l b ö e n, die den Ballon auf der.Front der Gewittergn große Hohen hinauf reißen, um ihn im Rücken der Gewitter auf die Erde herab- zu!fchle!udernj Dxr erchhocne Ballonsführer wird rechtzeitig die: Gewitterbildung an der eigenartigen Gestalt der sich hock über 4000 m austürmenden Wolken erkennen und zur Landung schreiten. Meteorologische Kenntnisse sind für jeden Ballonführer unentbehrlich.
Im» zweiten Teil des Vortrags fesselte der Redner die Zuhörer durch zahlreiche Ballonphotographien. Besonders die Plastik, mit der aus dem Ballon Städtebilder und Bauwerke uns vor Augen treten, ist von wundervoller Schönheit. Gerade hierin besteht die große Bedeutung der Luftfahrt für topographische Landesaufnahmen. Außer deutschen Städte- und Landschaftsbildern zeigte der Redner Lichtbilder seiner Fahrten in Ungarn, Italien und Nordamerika.
Eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft war der Einladung des Gießener Luftfahrervereins gefolgt und spendete dem Redner begeisterten Beifall. Zahlreiche Freunde werden wieder dem herrlichen Freiballonsport gewonnen worden sein.
versteckrstsel.
Alan suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Jena — Biedermann — Angstschweiß — Stammbaum — Zucker- rüben — Fastenzeit — Hauptwort — Ihn« — Dnderstadt — Tanzschuhe — unterdrückt.
Auflösung iit nucyucr Nummern
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummert
61 Angen.
2. V. carZ
3. P. trZ
M. carD M. earK M. trA
£>. carS — — 14.
H. eZ — — 24.
H. carB — — 23.
Abkürzungen: tr — Treff, p — Vigne, c — Coeur, ear — Carreau trB — Treff-Bube, pA — Pjgue-Aß, cD — Coenr-Tame uff.
Vorband hat ein unverlierbares Null ouvert: tr7, tr8, tr9, trZ, trD, trK, car7, car9, carZ, earA, im Skat liegen c7 und p3, Hinterhand bekommt den Rest. Sprelgang:
1. V. carA ' ~
Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


