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Signe stand am Toilettentisch. Als sie sich erschreckt umwanbte, sah sie, daß Todo weinte.

Sie trat zu ihr:Was ist's, liebe Dodo?,

Die Schwester sprach nicht. Wer nut einem Mule schlang sie die Arme um Signe und legte den Kops an ihre

Eine ganze Zeit verging. Sie suhlte:Todo wird! schon sprechen, wenn der erste Schmerz sich ausgetobt hat, dann wirst du hören." .

Sie führte die Schwester zu dem kleinen Sofa, setzte sich neben sie, nahm ihre beiden Hände.

Und dann sprach Dodo wirklich. Nur drei Worte:Er ist sterbenskrank. . Und dann, tiestraurig, hoffnungs­los:Lies du nur selber. . . ich will's! Du sollst eA lesen /'*

Wie einen Schatz hatte sie immer Ellys Briefe ge-i hütet!" dachte Signe gerührt.Wie groß muß ihr Schmerz sein, wie stark die junge Liebe"

Sie las die erregten Zeilen.Vater und Mutter sind heut iiach Bochum gefahren, Frist ist schwer, schwer erkrankt. Wir haben nur Nachricht durch Herrn von Kaltenegg. Es ist ganz plötzlich gekommen. Die Aerzte wissen noch nicht, was es eigentlich ist."

Liebe arme Dodo ..." v, r

Es war so schwer zu trösten. Es war unmöglich. Nur vernünftig zureden konnte Signe: von der ärztlichen Kunst, daß solche Nachrichten in der Ferne immer schwerer klingen, daß Fritz ja nun die Eltern bei sich habe; daß sie Signe morgen, nein heut, an Ellh telegraphieren wolle um weitere Nachricht. .

Lange, lange fruchtete kern Wort, fruchtete feine Zärt­lichkeit.

Bis dann endlich Dodo mit tränenschwerem Blick aus- say. Eine Sekunde nur. Gleich drückte sie wieder das heiße Gesicht an der Schwester Wange, und wie ein Hauch nur kam es:Du bist so gut jetzt, Signe! Weit du selber

nun weißt, wie Liebe tut . . ."

Nichts hatte Signe erwidert.

Erst nach einer Weile löste sie sich langsam von der Schwester, schellte, schrieb eine Depesche an Elly Neu­mann nieder, übergab sie dem Kellner; zwang dann mit sanster Gewalt Dodo, sich niederzulegeu, und blieb an ihrem Bette sitzen, während der ganzen Nacht fast.

Und während Dodo unter immer neuen Tränen, dem Mitteilungsbedürfnis des großen. Schmerzes folgend, flüsterte immer das gleiche, immer mit anderen Wor­ten:wie es über sie gekommen sei, fast vom ersten Augen­blick an; wie lieb 'sie ihn habe; wie sie sich nur noch drei-, viermal gesehen hätten, daß noch kein Wort der Liebe zwischen ihnen gewechselt sei, und wie sie doch wisse und fühle, während Dodo immer wieder ihre Hände umklammerte:er wird sterben, er wird sterben", klang in Signes Seele doch nur das Wort nach:Weil du nun selber weißt, wie Liebe tut"

Tas also glaubte die Schwester. Das .glaubten wohl auch die Eltern. Und das glaubte vielleicht gar er selbst.

Was hatte Dodo gesagt:Weil du nun selber weißt, wie Liebe tut"

Es fiel wie Schuppen von Signes Augen. Mit einem Male erkannte sie: du hast dich ja nur betrogen undj unwissentlich ihn. Wo hattest du nur deinen klaren Ver­stand? Daß, du nicht wußtest, Braunstein wird kommen, morgen oder übermorgen oder am dritten Tag, und es wird sein, wie es immer war . . .

Die Lippen biß sie sich blutig.

Es war etwas in ihr, das sprach für Braunstein. Sie mochte ihn gern. Aber Liebe Liebe

Sie sann und sann. Einen guten Kameraden hatte sie ihn bisweilen im stillen genannt. Einen Kameraden im nicht gewöhnlichen Sinn.

Aber je mehr sie sann, desto ferner rückte er ihr. Es schob sich immer entschiedener eine Mauer vor ihn hin: sein Elternhaus. Sie fühlte deutlich: nie, nie wirst du dich in dessen Milieu einleben können. Und einen Mann kann man nicht loslösen aus dem Kreise, in dem er groß wurde. Niemals völlig. Das Mädchen löst sich aus dem Eltern- Hause, wenn es an den Altar tritt; der Mann aber wur­zelt so fest, daß er das nie vermag, auch wenn er wollte. Er wurzelt auf Generationen. Es gab da keine Brücke,

Oder es mochte sich nur bann eine Brücke bauen lassen, wenn eine tiefe, heiße Liebe ihre Quadern fügte. Eine

Liebe, die nicht nur stark ist, sondern auch demütig und geduldig. Uno Signe wußte, diese Liebe würde nie UN« nimmer in ihr lebendig werden.

Aber sie fühlte auch wieder die große Oede in sich. Ihr Herz war arm, und sie Hütte die Schwester beneiden mögen um ihren Schmerz, und um ihre Tränen. .....

Da lag nun Dodo, der Schlaf hatte sie überwältigt^ Ganz plötzlich, schien es. Sie atmete ruhig. In ihren Wimpern funkelte es noch wie von kleinen Perlen, aber auf ihren Lippen spielte ein leichtes, süßes Lächeln. Sie träumte -------

Am Morgen brachte der Kellner eine Depesche itnbj schob gleichzeitig einen Brief durch die Türspalte.

Signe riß das Telegramm auf.Bessere Nachrichten über Fritz."

Die Schwester schlief noch. Seife faltete ihr Signe das Blatt in die Hände und weckte sie mit einem KnA Ihr erster Blick fiel auf die Depesche. Sie schrie,auf, aber dann kam ein halbunterdrückter Jubelruf.Bessere Nachf- richten" und leise:. . . von Fritz ..."

Den Brief hatte Signe säst vergessen. Erst ass sie zum Tee hinuntergehen wollte, fiel er ihr wieder in die Augen. Sie erkannte sofort die unregelmäßige, fast nur aus Grundstrichen zusammengesetzte Handschrift und sah erstaunt auf den Poststempel: Rom. Also die Fürstin war hier, in Rom? Richtig, da war auch auf der Rückseits die Abbildung des Hotel de Russie. Signe mußte lächeln: grundsätzlich benutzte die Greisin nur das Briefpapier, das! in den Schreibzimmern des Hotels zum allgemeinen Ge­brauch lag. Die sparsame Fürstin!

Liebe Signe! Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß ich hier bin, denn sonst, nehme ich an, hätten Sie mich ge­wiß schon besticht. Ich aber erfuhr erst heut, daß Sie mit Ihren Eltern meine Empfehlungen! in Rom sind. Bill brachte mir die Nachricht aus Berlin mit.

Wenn Sie noch etwas Zuneigung für mich, haben, so suchen Sie mich alte rheumagequälte Person bald einmal auf und helfen Sie mir mit Ihrem Plaudern über eine Stunde fort. Ich bin für Sie immer at Home. AM liebsten aber wäre es mir, Sie kämen gleich morgen zwischen zwölf und ein Uhr. Ihre Eleonore."

Einen Augenblick stand Signe sinnend.

Hoburg hier? Suchte er, suchte die Fürstin für ihn eine Begegnung? c

Das letztere kaum. Es war nicht anzunehmen, daß die Fürstin irgend einen Schritt tat, der Bill Hoburg ihp wieder näher bringen konnte.

(Sortierung folgt.)

Die Dienerin.

Skizze von M a r y l i e Markovitch.

Aut. Uebertragung aus dein Französischen von St. Golöenring..

Ein König von Persien liebte eine Dienerin. Wer dieser König war und weshalb er geruht hat, seine Augen ans das demütigste Geschöpf seines Königreichs zu werfen, geht uns hier nichts an. . Tatsache ist, daß der Monarch das Mädchen liebte,: obgleich er König und sie eine Dienerin war und daß: die Dienerin den Monarchen gar nicht liebte, obgleich sie eine Dienerin U.nd er ein König war.

Im Reich der Muselmänner ist die Laune des' Mannes be­kanntlich stets das Gesetz der Fran um so mehr, wenn der Mann ein König ist.

Der König von Persien lieft den Herrn der Dienerin kommen und sagte ihm:Wie heißt die weifte Gazelle, die ich neulich ohne Schleier an der Schwelle deines Frauengemachs bemerkte und die bei meiner Annäherung wie verscheucht verschwand?"

Seid meinem Opfer gnädig!" erwiderte der Herr;sie heißt Zahra."

Ich kaufe sie dir ab; welchen Preis verlangst du?'

Seid meinem Opfer gnädig!" wiederholte der Kaufmann, ich beabsichtige nicht, sie zu verkaufen. Zahra ist die Perle! meines Hanfes."

Die Könige lieben nicht, daß man ihnen, widerspreche; in Persien weniger als irgendwo. Dieser lieft: die Dienerin holen! und schickte dem Herrn als Entschädigung ein Geschenk.

Vier schwarze, prächtige Eunuchen brachten Zahra aus dein! Hause ihres! Herrn in einer geschlossenen Sänfte in den Palast des Königs; Bannerträger liefen schreiend' voran, um die Menge auseinander zu treiben, und das Volk neigte ehrfurchtsvoll den: Kopf und verschleierte die Augen, um nicht in Gefahr zu geraten^ diejenige zu erblicken, die die Güte des Königs aller Könige ge­wählt hatte..