IA2 - Nr. 150

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Sammrrleutnants.

Roman von Walter Bloem.

Copyright 1910 by Orethlein & Co.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

8, Kapiteh

Und nun saß Martin Flamberg inmitten des glänzenden Kreises des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande und seiner Damen im kerzenhellen Kasino vor dem Vorhang, Mvter dem das Festspiel sich entrollen sollte.

Wirklich eine stattliche Versammlung.

, 3U den Offizieren des Regiments'hatte sich ein größerer Zuzug fremder Uniformen gesellt, deren Träger dem Re- tpmeiTt nahe standen.

Voran natürlich der Brigadekommandeur mit seinem Stabe, ferner. der Bezirkskommandeur mit seinem Adju­tanten, dann eine Anzahl glatzköpfiger, weißbärtiger Herren, pensionierter Generale und Stabsoffiziere mit redseligen Gattinnen und leise verblühenden Töchtern; denn die Villenvorstadt der Garnison war eine vielbegehrte Pen- sionopolis. Auch sämtliche in erreichbarer Nähe wohnenden tnaktiven und Reserveoffiziere des Regiments hatten sich Kingefunden.

Zu den Waffenröcken, die bei den altern Herrn von 'einem bunten Ordensgeflimmer erhellt waren, gesellte sich ein lichtsarbiger, gleißender Damenflor.

Allerdings, die Gattin des' Brigadekommandeurs hatte sich entschuldigen lassen in taktvoller Rücksicht auf Frau Baronin von Weizsäcker; galt doch der Kommandeuse das ganze heutige Fest, soweit es als ein gesellschaftliches Er- Ägnis ausgestaltet war. Und so hätte die Frau Generalin sich zurückgehalten, damit die Gattin des Regimentskom­mandeurs die Ehren des Abends unverkürzt als erste ge­nieße.

Von den Stabsoffizieren wär der trunk- und wetterfeste Oberstleutnant Rautz Jünggesell, der hägere, unnahbare Major Blasberg seit fast zwanzig Jähren Witwer.

So bildeten die spinöse Frau von Sassenbach, die ihre bürgerliche Geburt durch sehr starke Betonung aristo- ^kratischen Wesens zu verdecken suchte, und die aus uraltem Adel stammende, rundliche Frau von Czigorski, die mit ihrem Manne in lautenr und» bourgeoisem Wesen wetteiferte, Pie nächste Umgebung der Frau Oberst.

Die Gruppe dieser drei Damen wär der Mittelpunkt der Weiblichkeit. An sie gliederte sich auf der einen Seite die Schar der meist schon etwas' greisenhaften Gattinnen der Pensionierten, auf der andern Seite die der jungen Frauen der Hauptleute und Oberleutnants und endlich eine ganze Schar junger Mädchen, teils Offizierstöchter, teils geladene Freundinnen der letztern aus der Stadt.

Im großen Saale wären die Stuhlreihen gestellt, Die

Bühne war in der Veranda aufgeschlagen, die große Glas­tür ausgehoben, ihr Rahmen bildete das Proszenium.

Hiuterm Vorhang harrte der einjährig-freiwillige Unter­offizier Friesen, aufgeregt wie nur je ein dramatischer Dichter am Abechd seiner Premiere an einer Weltstadt^ bühüe, selbstverständlich wieder in Dienstanzug undPor­zellanbuchsen", Regisseur und Inspizient in einer Person, Neben ihm saß als Souffleur der jüngste Leutnant Carstanjen, sehr ungnädig über dies Kommando, das ihn für eine Stunde dem Flirt im Saal entzog.

Im Augenblick, als Hans Friesen das erste Glocken­zeichen geben wollte, fiel sein Blick seitwärts, wo plötz­lich, wie aus der Erde gewachsen, der Gefreite Manes.seiner Kompagnie stand, schlotternd vor Befangenheit, int Drillich­anzug, mit der schwarzen Gefreitenschnur um den 'Jacken­kragen, die zerknüllte Feldmütze in der Hand, ganz ge­blendet von den paar Strahlen Festglanz, die seine weit aufgerissen starrenden Augen erhascht hatten. Er machte dem Unteroffizier hilflose Winkzeichen.

Haben Sie was für mich, Manes?"

Jawohl, Herr Unner'ffzier. . . ene Zettel voM Herr Feldwebel!"

Voll düsterer Ahnung nahm Haus den Wisch, entrollte ihn und las:Morgen srüh fünf Uhr zur Aufsicht beim! Umbau von Schießstand 5. Düfke, Feldwebel."

Aha, der Neid der Götter! Hol's der Teufel!

In der Eile betete Hans Friesen das Register sämtlicher Flüche her, die er während seines Dienstjahres aus dem Munde der Kapitulanten seiner Kompagnie vernommen hatte.

Na, Manes, stehen Sie noch immer da? Sagen Sie dem Herrn Feldwebel einen schönen Gruß von mir, und er könnte"

_ Es war doch geratener, den Rest zu verschlucken . . . das Dusseltier war imstande, die Bestellung ausznrichten . . .

. O welche Lust, Soldat zu sein!

Auf einmal klang eine weiche Stimme neben ihm: Guten Abend, Herr Friesen!"

Herrgott, Molly von Sassenbach alsFriede".

Mein Himmel, wie schön. . . wie unsagbar schön das Mädchen aussah! Zwar das rote Griechengewand, das sie trug, paßte eigentlich verflucht wenig zu ihrer Mission; aber an dem goldenen Palmenzweig, den sie im Arme hielt, konnte man ja bei einigem guten Willen immerhin er­kennen, was sie vorstellen sollte.

Fühlen Sie, wie ich zittere!" Sie hielt ihm die kleine, duftige Hand hin.

,-,Das nennt man Lampenfieber!" scherzte er gezwungen.

Wie schade, nun sind die Proben zu Ende!"

Jawohl. . . und übermorgen geht's fort. . . und ich seh Sie nicht mehr wieder. . ."

Kommen Sie denn nicht noch einmal zurück in die Garnison?"