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Zwischen beiden Gruppen von Erziehern steht nun eine dritte ich will sie die Vermittler nennen —, welche weder den Weg des absoluten Zwanges noch den Weg der absoluten Frerhert gehen. In richtiger Würdigung des auf allen Gebieten sich zeigenden Nachahmungstriebes füllen sie dem sich entwickelnden Kinde Muster vor die Augen und suggerieren deren Nachahmung, ohne indes, so lange es sich um intellektuelle oder technische Arbeiten handelt, vielfach sogar auch in einfacheren moralischen Angelegenheiten, dem Willen nennenswerte Fesseln _ aitjulcgen. So sammelt das Kind teils mit teils ohne Dilfe des Erziehers mannigfaches Erfahrungsmaterial, das m Gemeinschaft nut dem Erzieher aus seine Licht- und Schattenseiten, auf ferne Vorzüge und Fehler hin besprochen wird und auf Grund dessen es neuerdings mit geringerer oder größerer Selbständigkeit an dre Losung der intellektuellen und sittlichen Aufgaben herangelassen wird. Von Strafmitteln werden nur die milden angewendet und auch diese nur in Ausnahmefällen. Den Freiheitsgrad des Handelns reguliert der Erzieher nach dem Grade der Abirrung vom Hauptziel, nach den allgemeinen Regeln, die ihm ohne wesentliche Rücksichtnahme auf die gerade vorliegende, Individualität die allgemeinen Methoden der Erziehung an die Hand geben. Dieser Weg ist wohl der am häufigsten begangene in der Familreii- wie in der Schulerziehung. Er ist tzwar nicht der beste, aber.nut Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse, auf die Durchschnittsbeschaffenheit der Erzieher, der häuslichen Umgebung, vor allem auch der durchschnittlichen Jndividualitätsqualität, der Zöglinge, in deren Massen die Plastizität vorherrscht, zulässig, ja wohl im großen und ganzen unvermeidlich. In den Aufgaben der Schulerziehung und des Schulunterrichtes wird auf lange, lange Zeit hinaus dieser Weg immer der normale sein.
Es gibt aber noch ein viertes System der Erziehung, das fruchtbarste von allen für die Charakterbildung. Ich will seine Vertreter die Besonnenen nennen. Der Weg hat nur den einen Nachteil, daß er ideale Erzieher und ideale Familien- (oder Schul-) Verhältnisse voraussetzt. Ideale Erzieher insofern, als für diesen Weg nur Menschen brauchbar sind, die nicht nur durch Willensstärke und Urteilsklarheit sich auszeichnen, ohne welche Eigenschaften kein Erzieher denkbar ist, sondern die auch ein seines Gefühl und einen sicheren Takt für alle Erscheinungen des gesellschaftlichen Verkehrs und der Moral, besitzen, Menschen, welche die Grundtatsachen des Seelenlebens nicht nur auswendig gelernt, sondern selbständig über sie nachgedacht haben, Menschen, welche eine feste, selbsterworbene Weltanschauung besitzen und deren Ideale von dauerhaften Gefühlsbewegungen getragen werden. Bei diesem Wege geht das Kind gleichfalls von vornherein die Bahn eigener Versuche. Wiewohl es von Vorbildern umgeben wird, ist es nicht gehalten, sie nachzuahmen, sondern nur seinen Geschmack und sein Urteil an ihnen zu entwickeln. Jede Handlung, jede Arbeit soll der klare, auch für dritte Personen verständliche Ausdruck eines inneren Erlebnisses, eines wohl erfaßten Begriffes werden. Zu bemängelnde Handlungen und unvollkommene Arbeiten rühren von mangelhaften Vorstellungen, mangelhafter Geschicklichkeit oder auch unzureichendem Wollen her. Die sogenannte „böse Absicht" des Zöglings ist kein Faftor, mit dem zunächst gerechnet wird. Alles ist auf Vertrauen gegründet. Aus der Handlung oder aus der Arbeit sucht der Erzieher die Art und Güte der Vorstellung und der Willensanlage oder die Ursache der mangelnden Technik zu ergründen. Er quält das Kind nicht, weil seine Handlung und seine Leistung so ganz anders ist, als er sie sich dachte. Er sucht sie zu verstehen, die psychologischen Ursachen herauszufinden, warum die moralische Handlung oder die praktische Arbeit so und nicht anders ausgefallen ist. Indem er so auf alle richtigen und unrichtigen, auf alle klaren und un- Aaren Absichten des Kindes einzugehen versucht, wacht das doppelte Vertrauen des Kindes auf, das Vertrauen auf die führende Güte des Erziehers und das Vertrauen auf seine eigenen, vielleicht schwachen Kräfte. Aus diesem Vertrauen wächst der Mut zu neuem Handeln, zu neuem Schaffen, zu immer stärkerem Ringen nach Wahrheit. Es erwächst nicht die Sucht, das zu wollen, was andere machen, noch viel weniger die Sucht etwas zu wollen, weil es andere machen, sondern es erwacht die Lust und die Kraft, sein eigenes Seelenleben in der ihm eigenen Handlungsweise Und Sprache darzustellen. Man erkennt leicht, daß dieser Weg zugleich der einzige ist, der nach Abschluß der ursprünglich notwendigerweise immer Heteronomen Erziehung die beste Gewähr für die autonome Charakterbildung liefert.
wenn auch als feststehend angesehen werden muß, daß die Vogel- wett sich schon sehr an die Existenz dieser Leitungen gewöhnt hat, so daß sie viel weniger Opfer fordern als in früheren Jahren. Aber neuerdings ist der Vogelwelt ein viel schlimmerer Feind erstanden in den Starkstromleitungen, die in vielen Gegenden von einer Zentralstelle ans weit über Land geführt werden, um Städte, Dörier und Gehöfte mit elektrischer Kraft und elektrischem Licht zu versorgen. Und gegen diesen Feind können sich die Vögel nicht schützen, weil sie ihn nicht zu erkennen vermögen, denn es handelt sich hier nicht um ein Anfliegen der Drähte, sondern um Berührung.
Die Telegravhenleitungen werden von sehr vielen Vögeln als Sitz- und Riiheplätze mit Vorliebe aufgesucht, im Sommer und Herbst sieht man sie zum Beispiel oft mit Taufenden von Schwalben besetzt, und für die Vögel ist ja auch gar keine Geiahr dabei. Anders ist es aber mit den Starkstromleitungen, die natürlich ebenfalls von den Vögeln gern auigesucht werden, umsomehr, da sie gewöhnlich ziemlich hoch über den Erdboden iortgehen, alio den Vogel ziemlich weit von dem unten gehenden Menschen abrücken. Tas Sitzen aui dem Draht der Starkstromleitung ist nun für den Vogel ebenfalls gefahrlos, aber in diesen Leitungen liegen mehrere Drähte über- und nebeneinander und wenn der Vogel zwei dieser Drähte auch nur für einen winzigen Moment berührt, geht der Starkstrom durch seinen Körper und er fällt sofort tot zur Erde herab. Am häufigsten kommt diese Berührung zweier Drähte beim An- und Abflttg des Vogels vor. Beim Anflug fußt er auf dem Draht, dann legt er die Flügel zusammen, eine Flügelspitze streicht dabet den überliegenden Draht, das Unglück ist geschehen; genau so verhält es sich beim Abflug.
Wie groß die Zahl der auf diese Weise getöteten Vögel ist, konnte ich in diesem Sommer und Herbst in dem Jagdrevier eines Freundes beobachten, durch das von der Zentrale Eberswalde eine Starkstromleitung nach mehreren Dörfern und dem Kaiserlichen Jagdschloß Hubertusstock führt. Ueberall unter der Leitung lagen tote Vögel, die meisten in der Nähe der Masten, die besonders gern als Sitzplätze gesucht werden. Ich war geradezu entsetzt über diesen Massenmord. Unter jedem Mast lagen zivei bis drei, unter manchem aber 15—20 tote Vögel, unter einem fand ich allein 14 tote Stare, drei Krähen und einen Bussard. Sehr viele Vogel- arten waren vertreten, besonders Stare, Krähen, Dohlen, Ammern und nebst einigen Bussarden merkwürdig viele Turmfalken. Ich bin überzeugt, daß diese überaus zierlichen Falken, die zur Belebung des Landschaftsbildes so außerordentlich beitragen, aber auch als unermüdliche Mäusejäger für die Landwirtschaft von großem Nutzeit sind, vollständig in einer Gegend, durch die eine solche Starkstromleitung geht, ausgerottet werden, was in jeder Hinsicht sehr zu bedauern ist. Ich sand allein unter drei Masten fünf Turmfalken, bei der durchaus nicht großen Häufigkeit des nützlichen Vogels gewiß eilte hohe Zahl, die aber leicht erklärlich wird durch die Vorliebe des Falken, auf hohen Gegenständen, die weite Umsicht bieten, zu fußen. Selbstverständlich liegt die Gefahr, einen zweiten Draht zu berühren, um so näher, je größer der Vogel selbst ist und infolgedessen haben die Finken und anderen Kleinvögel nicht so sehr viel Opfer zu verzeichnen. Die Kraft des durch den Vogelkörper gehenden Stromes ist so gewaltig, daß oft die Beine zerschmettert resp. gebrochen und aus dem Gelenk gerissen werden, was ich besonders häufig bei den Raubvögeln konstatieren konnte. Ich nehme an, daß diese beim Abflug den Tod fanden. Sie umklammerten fest mit ihren Fängen den Draht, berührten durch das Heben der Flügel einen anderen Draht und nun zerriß der elektrische Strom den festhaltenden Fang. Ob die Vögel im Lauf der Zeit die Gefährlichkeit der Leitungen erkennen und die Drähte meiden werden, ist sehr fraglich, sollte es der Fall sein, dann sind sicher die schlauen Krähen die ersten, die die Gefahr wittern und sie werden sie denn auch zuerst meiden, geradeso wie sie jetzt selbst den verlockendsten Brocken nicht aitrübren, wenn sie gesehen haben, daß einer ihrer schwarzen Kumpane sich daran vergiftet hat.
kUtthmogriph.
1 2 5 die schönste Zeit des Jahres.
2 7 2 6 8 6 nomadisches Reitervolk.
3 8 7 7 8 Stadt in Hannover.
4 2 5 6 biblischen Namen.
5 7 5 Fluß in Mittelasien.
6 8 9 französischen Feldherrn. ,
7 2 1 2 ein Tier.
8 112 Mädchenname.
9 8 6 ausländische Silbermünze.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen em-s amerikanischen Präsidenten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer: Der Garnknaul.
Ein neuer Schädiger unserer Vogelwelt.
Tie zahlreichen, an den Bahnstrecken laufenden Telegraphenleitungen sind für manchen Vogel der Untergang. In der Dunkelheit ober bei trübem, nebligem Wetter fliegen die Vögel gegen die straffen Drähte an und stoßen sich dabei den Schädel ein ober brechen Flügel und Beine, so daß sie zu Boden fallen und elend umkommen. Trotz der jahrelangen Gewöhnung kommt es immer wieder vor, daß Rebhühner, Fasanen, Schnepfen, ja selbst kleinere Vögel im Fluge gegen den Draht anrennen und getötet werden,
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieren.


