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Dabe-n . . . aber Sie haben sich verraten. . . Nun dürfen Sie sich nicht wundern, wenn man Sie nicht so tragisch nimmt!" '
Die junge Frau ging mit raschen Schritten zUm Flügel zuruck. . . schlug einen schrillen Akkord an. . . ging in eine tolle Walzermelodie über. . . dann brach sie Plötzlich ab, sang zu übermütiger Weise abermals einen Mer- baumschen Text:
„Maikater singt die ganze Nacht;
Der Frühling ist erwacht, erwacht!
Der Frühling ist erwacht!"
>,AH, ihr musiziert? — Das ist recht ... Und so lustig! *- Das freut mich! Entschuldige, liebes Kind, daß ich so spät komme. . . und 'auch Sie, lieber Flamberg . . -. danke Ihnen, daß Sie meiner Frau Gesellschaft geleistet haben. . .!"
--An diesem Wend vergaß Martin Flamberg zum ersten Male, vorn: Schlafengehen am Sternenhimmel Mgathens Augen zN suchen.
(Fortsetzung folgt.)
Meine Erinnerungen an Gravelotte.
Von Elisabeth! von Rosenberg.
_Wenn der Hochsommer Naht, und Unter den surrenden Magen her Sense die reife Frucht zu Boden sinkt, dann schlercht sich immer von neuem die Erinnerung an jenen Hochsommertag in meine Seele, an dem vor 42 Jahren unter der Glut der Augustsonne die Sichel des Todes so überreiche Ernte hielt auf dem Felde der Ehre — — der Tag von Gravelotte.
Zwei Jahre vor dem Ausbruch! des Krieges gegen Frankreich hatte ich mich, getäuscht in meinem unerschütterlichen Glauben an Liebe und Treue, der Krankenpflege gewidmet, uin unter dem Zeichen des roten Kreuzes in aufopfernden Pflege dem blutenden Herzen Frieden zu geben, nicht ahnend, daß ich schlvn so bald bestimmt sein würde, den neuen Beruf unter den Schrecken des Krieges in seinem furchtbarsten Ernste kennen zu lernen. Die Mobilmachung im Juli 1870 führte mich aus der Stille des heimischen Krankenhauses in ein Kriegslazarett der 2. Armee, das nach den schweren und verlustreichen Gefechten vom 16. August Pflegepersonal an die Feldlazarette entsandte, die ihrerseits den Verbandplätzen der Truppenteile wegen der ungeheuren Zahl von Verwundeten jede entbehrliche Hilfskraft zur Verfügung stellten. Ein einsamer französischer Bauernhpf, von einer Mauer umgeben und von mächtigen Buchen umrauscht, der unter dem Schutze einer Hügelkette den feindlichen. Geschossen unerreichbar war, nahm am 18. August unser Feldlazarett auf. Von fernher rollte bald, wie von schwerem Gewitter, der Donner der Geschütze zu uns herüber. Der mörderische Kampf um die feindlichen Höhen tobte seit Stunden. Und bald kamen in unaufhaltbarer Folge als sichtbare Zeichen der schweren Verluste, die unsere heldenmütigen Truppen zu erleiden hatten, von den Verbandplätzen die Verwundeten, denen die notwendigste ärztliche Hilfe zuteil geworden war. Unter fieberhafter Arbeit flogen uns die Stunden dahin. Und als der Tag seinem Ende zuneigte, war in unserm Gehöft fast der letzte Platz mit Schwerverwundetcn belegt, von denen mancher mit der sinkenden Sonne die prüden Augen für immer schloß. Aber der Angriff der pommerschen Regimenter, der am Wend gegen die feindliche Stellung einsetzte und den Sieg an unsere Fahnen heftete, brachte neue schwere Verluste.
Als schon das Tageslicht fast erloschen war, da trug man einen schwerverletzten Offizier auf einer Bahre in den Raum, der meiner Leitung unterstellt war. Ein Kopfschuß hatte ihn niedergestreckt; fast das ganze Gesicht bedeckte ein Verband, nur ein Auge war sichtbar, starr und halbgeschlossen, und Um die dunklen Wimpern irrten die Schatten des Todes. Da auf einmal sandte der Mond-, der über dem blutigen Schlachtfelde leuchtend aufging, seinen vollen Glanz durch das offene Fenster und lichtüberflutet lag die Gestalt des Schwer-verwundeten vor mir. — —
Ich weiß nicht, was mir die Kraft gab, nicht zusammenzubrechen unter der Wucht des Schmerzes, der mich bis in die Tiefe der Seele erschütterte. Der Mann dort, der in seiner Sterbestunde meiner Pflege anvertraut war, er War es, dem meine Liebe gehört hatte, in unwandelbarer Treue, dem ich Jahre meines Lebens freudig geopfert
hatte rm Glauben an ünser einstiges Glück. In diesem! Glauben Hütten wir Uns vor 6 Jahren zum letztenmal die Hand gedrückt. Was für Erinnerungen stiegen jetzt in mir empor! — Von Jugend auf befreundet durch täglichen Verkehr in der kleinen Garnison, in der unsere beiden Väter bei demselben Truppenteil standen. Da war es kein Wunder, daß wir dann als Erwachsene eines Tages, an dem die Trennungsstunde schlug, weil der Jugendfreund in die Armee erntrat, erkannten, daß aus der Freundschaft der Kinder eine tiefe Zuneigung entstanden war, die wir unausgesprochen im Herzen trugen. Und wieder vergingen Jahre, da kam die Stunde, wo er um mich warb mit heißen Worten der Liebe, wo wir uns' gelobten, treu zueinander zu halten, bis er imstande war, mich als Gattin heimzuführen. Wohl wußten wir beide, daß dieser Tag noch fern wür, denn unsere bescheidenen Mittel reichten zu einem Ehebund nicht aus. Aber im Bewußtsein, das Glück doch eines Tages zu erringen, erschien ja das Warten so leicht.
©ein Dienst führte ihn in eine ferne Garnison. Und Jahre vergingen. Seltener wurden seine Briefe und ihre zärtliche, einst so zuversichtliche Sprache erkaltete mehr und mehr. Und dann kam die Stunde, die die Hoffnung meines Lebens mit einem Schlage vernichtete, die Stunde, als , er mir schrieb, er könne es nicht verantworten, mein! Schicksal noch länger an seine ungewisse Zukunft zu fesseln. Glückselige Hoffnungen langer Jahre sanken in den Staub, mein Herz war gebrochen — und der, der es brach, (er lag nun, ein dem Tode Geweihter, vor mir. Tief erschüttert saß ich an seinem Lager. Waren es meine heißen Tränen, die auf seine bleiche, kalte Hand fielen? Das brechende Auge öffnete sich weit, und ein staunender, flehender Blick traf mich. Er hatte mich erkannt. Seine Hand ruhte in der meinen und das fliehende Leben ließ ihm noch die Kraft, mir durch einen schwachen Druck zu sagen, daß er meine Verzeihung empfunden hatte. Das müde Augenlid senkte sich, wieder — durch den stillen Raum zogen die fernen Klänge der Retraite, die von einem auf dem Schlachtfelde lagernden Truppenteil herüberschallten. Und als die feierliche Weise des Gebets einsetzte, da ruhten meine Hände segnend auf seinem Haupte — — und er tat seinen letzten Atemzug.
Die Schlacht bei Smolensk in der Schilderung der deutschen Mitkämpfer.
„Seit wir den Riemen überschritten, beschäftigte ein Gedanke, eine Hoffnung, ein allgemeiner Wunsch den Kaiser und seine Armee: der Gedanke an eine große Schlacht", so erzählt der Schlachtenmaler Albrecht Adam, der im Gefolge des Vizekönigs Eugen an dem Feldzug gegen Rußland teilnahm. „Man sprach von einer Schlacht wie von einem großen Feste, freute sich auf sie und ließ den Kopf hängen, so oft man sich in der Erwartung getäuscht sah."
Bei Smolensk glaubte Napoleon endlich diesen großen Moment erreicht zu haben. Am 14. .91 u g u st stieß die Vorhut der großen Armee bei Krasnoi auf eine zur Armee des russischen Feldherrn Bagration gehörige Division, die Murat im kühnen Reiterangriff mit großen Verlusten aus Smolensk zurückwarf. Aber die Russen erkannten nun die Gefahr, daß Napoleon die Vereinigung der Armeen von Bagration und Barclay verhindern wollte, waren auf ihrer Hut, und die Wteilung des Generals Rayewskys. verteidigte zwei Tage lang die „heilige Stadt" gegen die andringenden Korps. Damit wurde das ,,schöne Manöver von Smolensk", einer der glänzendsten Pläne des Kaisers, zerstört, der wie einst vor Jena an der feindlichen Armee vorübermarschieren, ihren linken Flügel umfassen und so die Rückzugstraße nach Moskau abschneiden wollte. Die beiden Hauptarmeen der Russen konnten sich vereinigen, und es blieb dem Korsen nur das noch übrig, was er „eine gewöhnliche Schlacht" zu nennen pflegte. Doch auch hier wurde ihm seine stolze Hoffnung auf ein neues Austerlitz zerstört, denn die Feinde verteidigten! die Stadt nur so lange, um sich ungehindert zurückziehen zn können.
Das sind die Kämpfe um Smolensk, die vom 14. bis zum 19. Äugust dauerten und Sturm auf 'Sturm der todesmutigen Truppen' an den starken Mauern zerschellen ließen, bis schließlich die große Armee als Herrin in der brennenden, in Trümmer gelegten Stadt blieb. Die Hauptkämpfe haben am 17. August stattgefunden. An ihnen waren auch deutsche Truppen beteiligt; und in anschaulichen Bildern erzählen die Erinnerungen, die Paul Holzhausen in seinem Buch „Die Deutsche in Rußland 1812" so sorgfältig gesammelt hat, von den Taten und Leiden der deutschen Mitkämpfer in diesen: ersten großen Kampf des russischen Feldzuges. Mit hochklopfendem Herzen schauten die Truppen auf die malerisch hoch über dem Dnicpr-Tal gelegene Veste, auf die „Stadt der heiligen Jungfrau", die das Zugangstor zum


