Samstag, den 17. August
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Sommrrleutnants.
Roman von Walter Bloem- Copyright 1910 by Orethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mit großer Lebhaftigkeit leitete Frau Cäcilie das Gespräch ein: „Ich entsinne mich sehr wohl, Herr Flamberg, Ihnen einmal in Gesellschaft begegnet zu sein!"
„Ah, bei Kommerzienrat Trinkäus, nicht wahr, meine Gnädigste?"
„Gewiß, bei Trinkäus. Ich weiß noch, Sie haben einen Auffallend schlecht sitzenden Frack getragen . . . Daran hab ich gleich gemerkt: der muß was Besonderes sein . . . Wenn einer bei Trinkäus so schlecht angezogen Herumlaufen darf, das ist sicher ein Genie. . ."
„Stimmt, stimmt!" lachte Flamberg, „gepumpt für zwei Mark fünfzig!"
„Heute scheinen Sie etwas mehr auf Schneider zu halten! ?"
„Geschäftssache, gnädige Frau! — Ein gewisses Publikum glaubt nur an Künstler, die in -erstklassigen Ateliers arbeiten lassen können!"
„So — und das können Sie also!?"
„Man schlägt sich so durch, gnädige Frau!"
„Ich glaub's . . . Sie müssen nämlich wissen, Herr Flamberg, ich war diesen Juni mit meinem Mann auf Urlaub in Berlin... Da hab ich Ihre zwei Bilder in der Sezession gesehen . . . Wissen Sie, was mein Mann damals zu mir sagte? Du, so ein Bild möcht ich von dir haben!"
Aha — dachte Martin Flamberg, darauf will's also hinaus . . .
„Ich beneide Sie!" fuhr die schöne Frau fort, „ich beneide euch Künstler überhaupt!"
„Beneiden? — um was?"
„Wie soft ich sagen — Sie sitzen hier friedlich und plaudern oder strampeln draußen auf der Heide herum und führen Ihren Zug . . . und derwefte reisen Ihre Bilder in der Welt herum . . . reden zu Tausenden, was für ein Kerl Sie sind . . . Ist das nicht beneidenswert? — Ich Möchte es — die Fernwirkung- Ihrer Persönlichkeit nennen!"
„Ach, gnädige Frau, mich dünkt. . . viel beneidenswerter als solche Fernwirkung, von der man schließlich doch nichts tyat ... viel beneidenswerter muß die Nah- Mrkung sein, die eine schöne Frau.ausübt."
„Ach je, die Nahwirkung ... auf wen denn? . . . Wen hab' ich denn, um „nahzuwirken"? Die Stabsoffiziere . . . grämlich . . . früh! verbraucht die Hauptleute . . . dienstgehetzt — dazu die streberhaften Oberleutnants und die ungaren Leutnants. .
„Sie urteilen sehr hart, gnädige Frau . . . Diese Herren sind doch die Kameraden, die Berufsgenossen Ihres Gatten."-
„Ums Himmels willen, hab ich mir mal wieder den Mund verbrannt!? — Na, das bleibt doch unter uns, nicht wahr, Herr Flamberg?"
„Selbstverständlich ! — Nun ja. . . ich kann's mir schließlich vorstellen . . . Sie kommen aus so ganz andern Kreisen . . . Mer ich meine, auch Ihnen müßte das doch imponieren, diese unermüdliche, opferfreudige Kleinarbeit» die hier geleistet wird!"
„Kleinarbeit... ja wahrhaftig, Kleinarbeit!"
„Aber eine sehr wichtige und nützliche Arbeit! — Flößt Ihnen das denn keinen Respekt ein?"
„Respekt — o ja!"
„Und schließlich — was geht Sie am Ende das Milieu an, in dem Sie leben? — In einer Häuslichkeit wie dieser . . . an der Seite eines liebenswürdigen,, ritterlichen Gatten, wie der Ihre ist. . .
„O ja!"
Schon -wieder dies „O ja!" — Dies „O, ja!", das er so gut kannte! —
Das kam ja immer zuerst, wenn eine verheiratete Frau zu kokettieren begann. . . dies korrekt sich stellende, zu- gleich aber leises Bedauern, heimliche Enttäuschung andeutende „Q ja" über den Gatten--.
Aeh. . . sie waren doch alle gleich. . . alle, alle versuchten sie dies ewig gleiche, langweilige Spiel. . . dies Spiel, das eben doch nichts weiter war und bleiben sollte, als ein Spiel. . . ein Flirt. . . eine inhaltlose Sensation!
Ein ernsthaftes Abenteuer .— ach, dazu waren sie ja doch fast alle zu feige... zu satt und zufrieden am Ende in ihrem warmen Nest. . . aber sich einen Flirt versagen zu können . . . dazu waren sie doch wieder alle zu unausgefüllt ... zu unvornehm ... zu charakterlos . . .
Gräßlich, dies frivole, ziellose Spiel mit den heiligsten Dingen. . . mit Treue und Leidenschaft . . . Wie rasch man das durchschaute. . . wie rasch der pikante Reiz der ersten derartigen Erlebnisse verweht war. . . und dann widerte es einen nur noch an . . . Also von der Sorte war auch diese da. . .!
Fast brüsk brach er auf und empfahl sich.
„Wir hoffen, Sie nächstens bei uns zu sehen, Herr Flamberg!"
Klischee, Klischee ;--Und so etwas galt int Offizier
korps als eine Art höheres Wesen —
Schade — ein hübsches Bildchen hätte sie schon abgegeben: die schwermütigen braunen Augen unter der weißen Stirn, mit dem rostfarbenen, straffen Haarkranz darüber und . . . Eine feine Schulterlime hatte sie gewiß auch- . . . Der Unterarm, die seine, nervöse Hand . . . Das war vielversprechend gewesen —!
Ausführlich und sehr lustig berichtete er an Agathe.
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