Montag, den 11. Novemver
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Die Dame im Pelz.
Roman von &. W. Appleton.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nein, nein! entgegnete ich, saget! Sie nichts gegen Gregory. Er ist ein guter, ehrlicher Mensch.
Der Sie in seiner Ehrlichkeit dem Henker ausgeliefert h>at. Das ist gerade das, was ich tadele. Wenn er nicht so verdammt gut und ehrlich gewesen wäre, mürbe er Dem Polizisten die Jacke voll gelogen und sich selbst die Unannehmlichkeit erspart haben, jetzt gegen Sic Zeugnis ablogen Zu müssen, wie es nun der Fall ist. Doch, meine Zunge geht jetzt mit mir durch. Wir wollen die Sache kurz machen. Natürlich mürben Sie, wenn Sie schulbig wären, sicherlich nicht Ihre Apotheke im Hause zurückgelassen haben. Haben Sic sie überhaupt gebraucht?
Nein.
Wo hatten Sie sie denn?
In der Ueberziehertasche.
Haben Sie Ihren Ueberzieher ausgczogcn?
Jawohl.
>Jn dem Zimmer, wo Sie das Gesicht des Weibes sahen?
Ja, in diesem Zimmer.
Und haben ihn darin liegen lassen, während Sie oben waren?
Jawohl.
Dann ist die Sache ja ganz klar: sie hat das Käst- chetl aus der Tasche genommen und sich in der bekannten Weise zunutze gemacht. Wie aber sollen wir das beweisen? Wie wollen wir nachweisen, daß das Weib überhaupt im Hause war?
Ich zuckte verzweifelnd die Schultern. Herr Beale fuhr nach einigem Nachdenken fort:
Das Haus ist noch nicht genau durchsucht. Das ist das erste, was wir tun müssen. Wer weiß, was sich dabei ergibt!
Ihr Anwalt muß darauf bestehen, daß die Verhandlung verschoben wird. Hol mich der Kuckuck! Ja, wahrhaftig! Ich muß noch was sagen, obschon ich den 'Schleier nicht zu srüh lüften wollte. Ich glaube nämlich, ich bin Ihren Feinden auf der Spur.
Gott sei Dank! Endlich! rief ich erleichtert aus.
Ja. Ich denke. Ihr biederes Dienstmädchen haben wir bis zur Wohnung eines Doktors in Pimlico verfolgt, eines Ausländers, namens Mercier. Darauf haben mir auch dessen Bewegungen überwacht und festgestellt, daß er öfter eine mysteriöse Dame besucht, die eine kleine Billa in Maida Vale bewohnt, Pferd und Wagen hält und — stets allein — alle Tage ausfährt. Sie ist ein stattliches' Weib von etwa fünfunddreißig Jahren und bei den Ge
schäftsleuten in der Nachbarschaft unter dem Namen Gräfin Katinsky bekannt.
Dieser Name klingt bedenklich nach Verschwörung, bemerkte ich.
Ganz recht! Polnisch, fuhr er fort; nicht wahr? Außerdem scheint sie massenhaft Geld zu haben, denn sie zahlt alles bar und pünktlich. Und nun komme ich ans den. springenden Punkt: sie sendet und erhält immerzu Chiffretele- gramine vom Kontinent.
Sehr verdächtig, warf ich ein.
Ja, sehr; aber noch verdächtiger ist, daß zwei Geheimpolizisten, die sie beobachtet hatten, in den Photographien Bertholdis und von Eitzens (den letzteren hatten mir in der Leichenhalle photographiert) sofort die Männer erkannten, die sw häufig in ihrem Hause hatten ein- und ausgehen sehen.
Das ist ja vielversprechend.
Allerdings; jetzt müssen wir nur noch den fehlenden Brief, Garcias ausfindig machen. Der muß auf alle Fälle herbeigeschafft werden, denn er enthält höchstwahrscheinlich den Schlüssel zu dem ganzen Geheimnis. Ich glaube bestimmt, daß ihn die junge Dame in ihrer übergroße Angst irgendwo verborgen und dann die Stelle vollkommen vergessen hat.
Diese Vermutung des Inspektors leuchtete mir ein. Aber wo mochte sie ihn versteckt haben? Eine bloße Anstrengung des Gedächtnisses würde nicht hinreichen, um sie ihn wiedcrfinden zu lassen. Hier lag also die Schwierigkeit. Als ich diese Bedenken dem Inspektor mitteilte, schlug er sich plötzlich auf das Bein und rief:
Ich glaub, ich häb'sl Der Brief befindet sich entweder in Ihrer Wohnung ober in dem Zimmer, in dem sie im Hotel, die erste Nacht zugebracht hat; verlassen Sie sich auf mein Wort. Nun muß ich gehen; und wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich gleich mal nach Richmond hinunterfahren zu Fräulein Garcia und ein bißchen mit ihr plaudern.
Tun Sie das, sagte ich, und heitern Sie sie etwas auf.
O, das werde ich schon besorgen, haben Sie keine Angst. Ich werde ihr sagen, daß Ihr Leben von der Auffindung dieses Briefes abhängt; dann wird sic schon aufflammen und Himmel und Hölle in Bewegung fetzen, ihn ausfindig zu machen. Ich werde zum Untersuchungs- termin kommen. Es wird, glaube ich, ziemlich brenzlich für Sie werden, aber behalten Sie nur den Kopf oben. Ich denke, wir werden Sie schon durchbringen. An Ihrem Freund Mortimer haben Sie ja einen starken Beistand; er wird alles aufbieten, Sic frei zu bekommen. Er ist ein prächtiger Mann. Einen solchen Freund zu haben, macht das Leben allein schon lebenswert, wahrhaftig wahr. Nun adieu!
Als ich mich in meiner Zelle wieder allein befand, erschienen mir ihre Wände nicht mehr so furchtbar; hie Eisenstäbe vor dem Fenster waren bloße Eisenstäbe und


