Samstag, den 2. November

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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleton.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

So -aber sagte ich mir, sie will nur die Aufrichtigkeit deiner Liebe auf die Probe stellen, und antwortete ihr zwar nachdrucksvoll, aber doch nicht heftig:

Ich liebe dieses Mädchen um seiner selbst willen. Der Gedanke an ihr Vermögen ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen. Und wenn sie keinen Heller hätte, würde ich mit ihr glücklich sein. Ich will kein Geld von ihr, son­dern nur sie selbst sie ganz allein. Ich habe sie schon durch das Verlöbnis mir verbunden, und in wenigen Tagen wird sie mir voll und ganz angehören für ewig die Meine sein. t .

Dir leidenschaftlicher Starrkopf! sagte sie. Dann stieß sie einen tiefen Seufzer aus und ihre Augen schlossen sich ganz. Eine Zeitlang herrschte vollkommene Stille im Zim­mer. Rasch war die Winternacht hiereingebrochen. Dunkel­heit lagerte auf den düstern Möbeln, flüchtige Lichtstrahlen vorn Kamin huschten über den Betthimmel und spielten an der Decke. Ich glaubte, feste Schritte und das Rascheln eines Frauenrockes zu vernehmen. Das Klappern eines Fensters im Winde und ein glimmendes Stückchen Holz, das durch den Rost in den Aschenkasten fiel, veranlaßten mich aufzuspringen. Ich mußte außerordentlich nervös und reizbar fein. Wie lange sollte diese Spannung dauern? Wann würde meine Tante die Augen wieder öffnen und sprechen? Ihr totenblasses Gesicht gefiel mir ganz und gar nicht. Böse Ahnungen dnrchzogen mein Gemüt, alles um mich her schien mir unheilverkündend. Ich empfand eine undefinierbare Angst. Ms sie wieder zu sprechen begann und das unheimliche Schweigen brach, drehte ich mich wieder zu ihr um und bemerkte einen eigentümlichen schmerzlichen Gesichtsausdrua, der mir, tief zu Herzen ging. Ihre Stimme klang merkwürdig gedämpft, fast sanft.

Edward, sagte sie, du wirst selbst sehen, daß ich krank und gebrochen, daß ich sehr unglücklich bin. Höre auf die Ratschläge einer alten Frau, die dich von Herzen lieb hat. Höre auf den letzten Rat deiner alten Tante, die dich von Kindheit an bewacht hat die stolz und glücklich war, dich zn einem Manne heranwachsen zu sehen, der in jeder Be­ziehung tüchtig war, der in seinem Beruf Erfolg hatte, dem die' Welt offenstand, und der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Du weißt, daß dir meine Börse stets zur Ver- füguug stand daß dir mein kleines Vermögen derwnst Zufällen sollte. Mein ganzes bischen Interesse am Leben bestand ja nur darin, dich wdhllgestellt und glücklich zu sehen. Ich darf wohl sagen, ich vertraute zu sehr auf decne scheinbare Gegenneigung. Jetzt weiß ich, daß ich mich ge­irrt habe. Unterbrich mich nicht! Ich weiß es. Ein anderes

Weib eine Fremde trat zwischen uns. Das machte inich wahnsinnig eine wunderliche alte Tante, die in ihren Jungen ganz närrisch war und ich bediente mich dir gegenüber einer Sprache, deren ich mich jetzt von Herzen schäme. Das wird nie wieder Vorkommen, und nun bitte ich dich hübsch zum letztenmal, mit diesem Weib zu brechen und dich selbst vor dem Untergänge zu bewahren, dem du uneutrinnbar entgegengehst, wenn du mir nicht folgst.

Ich war stark gerührt. Noch nie zuvor war mir die tiefe Zuneiguug dieses seltsamen Wesens zum Bewußtsein gekommen. Sie war mir daher eine plötzliche Enthüllung. Ich hätte in diesem Moment die ganze Welt darum hin­gegeben, wenn ich ihr ein tröstendes Wort hätte sagen können. Aber meine große, überwältigende Liebe zu Mar­cella war unbesiegbar, triumphierte. Was sie verlangte, konnte ich ihr nicht versprechen. Ich erklärte es ihr mög­lichst schonend, ihre Hand dabei festhaltend.

Wieder stieß sie den laugen schmerzerfüllten Seufzer aus, den ich heutigen Tages noch nicht vergessen habe.,

Ist das dein letztes Wort? fragte sie nach einer Welle.

Liebe Tante, antwortete ich, es tut mir ja unendlich leid, dein Herz verwunden zu müssen, aber ich kann nicht anders. Es ist mein letztes Wort.

Dann helfe dir Gott! murmelte sie. Die Folgen kennst du ja.

Jawohl, du hast mir's ja gesagt.

Und trotzdem bleibst du dabei?

Ich bleibe dabei.

Törichter Junge! und sie schüttelte traurig den Kopf. Mein eigenes unbändiges Blut fließt in deinen Adern. Ich erkenne meine eigene Hartnäckigkeit in dir wieder. Einen Augenblick hattest du mich beinahe besiegt, aber ich will dir nicht nachgeben. Nein, nein! Du sollst deine Starrköpfigkeit büßen. Ich kann, ich will nicht inkonse­quent sein. Ich werde mein Testament ändern, Edward. Helen werde ich nicht vergessen. Sie hat wenigstens Re­spekt vor mir. Sie würde nie heiraten ohne mein Wissen und meine Einwilligung.

Ich biß mich auf die Lippen, sagte aber in Hel-enS Interesse kein Wort. Meine Taute fuhr fort:,

Was Hephzibah mit dem Geld anfangen will, kann ich mir nicht vorstellen. Da fuhr sie plötzlich zusammen und rief: Was ist das, Edward? Ist denn jemand im Zimmer?

Es war mittlerweile fast vollständig finster geworden. Ich konnte nichts sehen, aber es kam mir so vor, als ob ich nochmsl das eigentümliche Knistern eines Frauenrockes gehört hätte. Ich horchte gespannt auf, doch das Geräusch war verschwunden.

Es ist nur deine erregte Phantasie, antwortete ich, es ist niemand hier. Darauf fuhr sie fort:

Ich wollte also sagen, es ist eigentlich unsinnig, der alten Hephzibah ein Vermögen zu hinterlassen. Womög- , lich bekommt sie dadurch noch Heiratsgedanken. Ich glaub's