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Das nette Mädel.
Noman von Fedor von Zobeltttz, tNachdruck verboten,) (Fortsetzung.)
Fräulein Henny kicherte in ihre Serviette hinein, und Lönehsen schnitt ihr eine drohende Fratze. Hans Eggers aber flüsterte Traute zu: „So wird ein Saulus ein Paulus. Der Everstedt hat wieder einmal gesiegt. Das ist ein Mordsfilou. . ."
„Die Komteß ist eine große Schönheit," sprach in diesem Augenblick Traute zu sich selbst; „sie ist viel schöner als ich und ist adlig und ihr Vater ist preußischer Gesandter. In acht Tagen werden sie Verlobung feiern — und ich — was war ich ihm denn je!"
Nun wurde die Tafel aufgehoben, und Traute ließ sich von Eggers in den Salon sichren, wo man sich Gesegnete Mahlzeit wünschte. Bei diefer Gelegenheit blieb Everstedt vor ihr stehen und zog sie in ein flüchtiges Gespräch.
„Sind Sie wieder gesund?" fragte er.
„Ich war nur ein bissel nervös."
„Woher?"
„Es kommt Wohl mal so."
„Wissen Sie, daß ich vor einiger Zeit bei Kruse war?"
„Nein. Aber sind Sie nicht öfters bei ihm?"
„Doch nicht. Ich hatte einen bestimmten ZwAk. Mir lag daran, daß sein letztes Bild unvollendet blieb."
„Ich hatte schon selbst die Lust verloren, ihm noch länger Modell zu sitzen."
„Das sagte er mir. Betonte auch, daß das wohl auf einen Wunsch Dewas zurückzuführen sei."
„Und Weshalb nicht?"
Everstedt sah sie scharf an. „Ich hätte mit meinem Wunsche das Vorrecht gehabt," sagte er.
„Herr Everstedt, nicht jeder Wunsch ist für mich Befehl."
„Das klingt wieder einmal sehr herbe. Sie vergessen schwer."
„Nicht, was ich vergessen will."
Die richtige Antwort. Noeldechen sagt mir, daß Sie 'an unserm Sommerfest teilnehmen wollen. Da werde ich in nächster Zeit öfters das Vergnügen haben, mit Ihnen zusammen zu kommen."
„Ich glaube kaum. Ich habe nur mit Kruse zu tun."
Er biß sich auf die Lippen. „Fräulein Traute, warum sind Sie so hart zu Mir?" fragte er leise. „Können Sie denn niemals verzeihen? Ahnen Sie, weshalb ich heute hier bin?"
„Weil Sie geladen sind."
„Nein: weil ich wußte, daß auch Sie hier sein würden. Ich traf vorgestern die Gräfin; die sprach apvovos davon, Kennen Sie dies?"
Er griff in den weiten Ausschnitt seiner weißen Weste und zeigte Traute den Zipfel eines zusammengelegten seidenen Tuches. _ „
Traute errötete. „Es ist Ihr Halstuch.
„Dasselbe, das Sie mir ohne Begleitwort zuruck- gesandt haben. Ich bin lächerlich abergläubisch in derlei Dingen. Ich trage es seit jenem Tage als Talisman aus meinem Herzen."
„Sagen Sie die Wahrheit und gestehen Sie ruhig zu, daß .Sie es vor zwei Stunden zu sich gesteckt haben, um mich durch einen geschickten Theatercoup zu überraschen.
Die Stimme des Grasen Hönigswald schnitt ihm die Antwort ab. Der Graf war von dem Diener herausgerufen worden und kehrte nun mit mitleidiger Miene zuruck. „Vergebung, Exzellenz," sagte er zu dem Gesandtem der inmitten der Damen stand, „die arme Frau ist wieder draußen, die am letzten Sturmtage Vater und Mann verloren hat. Die Männer waren preußische Untertanen, und die Fran hofft noch immer, daß die Regierung rhr eure Witwenpension gewähren werde. Sie hat zufällig gehört, daß Exzellenz heute hier sind —"
Mber es ist unmöglich, lieber Graf," fiel der Gesandte ein. „Ich bedaure die Aermste ja herzlich — aber es ist unmöglich, unmöglich. Ich habe die Eingabe auf der Stelle geprüft. Der Mann war nur fünf Jahre bei der Manne. Das einzige iväre —" .
„Eine Kollekte!" rief Frau van Beek. „Was sagen Sie, Hönigswald: Vater und Mann hat die Unglückliche verloren?" , , t.
„Beide ertrunken, liebe Lala. Und dre Frau hat vier kleine Kinder. Aber wenn die Herren mit einer Kollekte einverstanden sind —" , r.. . ,
„Oh — auch die Frauen! Einen Teller her, Honigswald! Ich opfere alles, was ich bei mir habe."
Sie suchte in ihrer Tasche. Der Diener brachte eine silberne Visitenkärtenschale, über die er eine Serviette gedeckt hatte. Frau van Beek leerte ihre Börse in die Schale, ließ sich dann von ihrem Gatten noch eine Banknote geben und stopfte sie gleichfalls unter die Serviette
Die Schale wanderte umher. Es klirrte und klingelte aus dem Silber. c
Traute war schreckensblaß geworden. Ihr schmaiev kleines Portemonnaie lag bei Frau Möchel in der Kom- m°b^a6en Sie Geld bei sich?" flüsterte Everstedt
„Keinen Pfennig," gab sie tonlos zurück. ,
"Nehmen Sie. . ." Sie fühlte, tote er ihr em Goldstück "in die Hand steckte.
Komteß Andrea hatte sich von ihrem Vater Geld, geben lassen. Sie trug jetzt selbst die Schale rethe-
Monsieur," sagte sie zu Everstedt, „mistricorde. Pour uite pandre pauvre."


