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wollte wissen, ob die Bank noch stünde. Das beschäftigte sie sehr. Sie kam darauf in den nächsten Dagen noch mehrmals zurück, bis ich ihr versprach, bei dein Wirt des Hotels anzufragen. Sie ließ sich den Brief vorlesen und war gespannt auf die Antwort.

Dann redeten wir wieder von den Tagen, da wir uns kennen gelernt hatten. .Nun war ich es, der nicht müde wurde, zu fragen und zu erzählen. Ein seltsamer Gedanke beherrschte mich. Ich fast hier neben meinem Weibe, dem Wesen, das mir am nächsten stand auf dieser Erde, ich hielt ihre Hand, ich fühlte ihren Mein, ich empfand ihre Ke-. danken, ich sah durch das Mittel ihrer großen, lieben Augen in ihre Seele tief, tief hinein, alles lesend, kennend, was iii ihr vorging, und ich wußte: nur eine kurze Spanne Zeit noch, und alles ist aus. Dann liegt sie ilicht mehr hier, danil hältst du ihre Hand iricht mehr, dann blickst du nicht mehr in ihre Augen und diirch sie in ihre Seele. Dann ist um dich alles tot und! leer. Dann bist du allein, und sie ist fort, fort, fort, auf ewig fort. Du kannst sie nicht mehr fragen, du weißt nicht mehr, was sie denkt, ob ihre Gedanken bei dir weilen, du ahnst nichts mehr von ihr.

Mir schien es notwendig, solange ich noch ihre H«nd in der meinen fühlte, die kurzen Minuten auszunutzen, sie zu fragen, um tausend, um Millionen Dinge unseres Lebens. Und wenn ich sie erforscht hatte und in ihrer Seele, in ihren Zügen gelesen, war ich mir doch ängstlich bewußt, wie viel mir noch, fehlte, das ich nicht ahnte, wie viel Wesenszüge ich nicht ergründet, welch Liebes dieser Frau ich nicht aus gekost et hatte.

Da meinte ich ihr näher sein zu müssen, denn ich geizte mit den Stunden. Ich ließ mir ein Zimmer neben ihrem Herrichten, und nachts blieb die Tür nur angelehnt zu dem Raum, in dem nun immer abwechselnd zwei Schtvestern bei ihr wachten. Ich ging nicht mehr aus, denn die stille Angst quälte mich, wenn ich heimkehrte, fände ich sie viel­leicht ohne Atem. Nachts fuhr ich empor, schlich mich an ihre Tür und lauschte, ob sich etwas rege. So müde wurde ich dadurch, daß ich manches Mal, wenn ich an ihrem Lager faß, bemüht, die Augen offen zu halten, im Lehnstuhl einschlief und wir so nebeneinander ruhten. Doch bald schreckte ich auf, und mein erster Mick war nach ihrer Brust, ob der Atem auch noch ginge. Erst als sie dann erwachte, war ich. völlig beruhigt.

Die Kranke war ein Engel, wie der Arzt von ihr gesagt hatte. Wir wußten oft nicht: litt sie Schmerzen? Verbarg 5ie sie uns? So quälend war manches Mal die 'Atemnot, lber nie hatte sie eine Klage. Immer nur war sie um Uns alle besorgt. Ob die Schwestern, auch gut zu essen bekämen, ob sie sich nicht übernähmen? Sie sollten länger schlafen und sich besser ausruhen. Mich aber schickte sie fort unter allerlei Vorwänden, damit ich mich erholen sollte. Immer wollte sie allein sein:

1 Mein Lieb, die Stille tut so gut

Oder:

r Laß mich eilt wenig schlafen!

Doch wenn ich an der Tür lauschte, schlief sie nicht!; und oft, wenn sie müde getan, lag sie mit fiebrigen, glän­zenden Augen da. Dann kam ich zurück, sie neigte neckisch! wie in guten. Tagen den Kopf und lächelte leise:

h- Du sollst dich nur ausruheu.

Das Fieber stieg in dieser Zeit. Sie war inrmer heiß. Mer Arzt er kam jetzt täglich! zwei- auch dreimal r-i sagte zu mir:

b Ich wäre dafür, Ihre Schwiegereltern zu. sbenachi- richtigen.

Mich traf es, und ich machte Ausflüchte; wie um zu sehen, ob es wirklich so ernst gemeint wäre:

. Meine Schwiegermutter wird nicht kommen können. H- Dann der Herr Geheimrat allein.

t Ist das . . . ist das eilig?

Ja.

Nun fügte ich mich der Wahrheit, aber mir war es wie ein Todesurteil. Ich telegraphierte, und die Antwort lies ein paar Stunden daraus ein. Sie liegt heute vor Mir, wie ich dann jedes Blatt bewahrt habe:

Bin morgen abend neun Uhr Meran. Mama be­gleitet mich. Maria soll keine Angst für sie haben. Arzt erklärt, daß es möglich sei, Gott schütze Maria.

Papa."

Der Arzt hatte geraten, die Ankunft der Eltern Maria Vorsichtig mitzuteilen, damit sic nicht aus hem plötzlichen

Erscheinen sähe, wie es mit ihr stände. Ich bereitete sie also langsam vor, doch kaum hatte ich von den Eltern ge­sprochen, als sie ganz gefaßt sagte:

Es ist gut, daß ich sie noch einmal sehe.

Ich warf ein:

i Du wirst sie noch oft sehen. . . . Maria ...

Doch meine Worte waren unter ihrem KVpfschütteln und ihrem Blick zögernd und zögernder geworden, und ich! sah, wie sich ihre Augen plötzlich umflorten. Ich stürzte auf die Knie, ich warf meine Arme um ihren Nacken, und! sie, die auf das Gebot des Arztes sich trotz meiner Bitten immer geweigert hatte, mich auf den Mund zu küssen, küßte mich, küßte mich wie in den ersten Tagen unseres Glückes.

Dann Zuckten noch lange leise ihre Achseln, während sie ihr Gesicht der Wand zugewendet hielt, damit ich ihre Bewegung nicht sehen sollte.

Was ist bis zu ihrem Ende daS einzige Mal gewesen, daß diese starke, tapfere Frau eine Schwäche ver­raten hat. *

Und das Ende kam, kam, Ivie alles Erdending einmal gehen muß. Je mehr der Leuz in den Sommer sich wan­delte, je stärker die Sonne schien, je herrlicher die Tage wurden, desto mehr nahmen Marias Steifte ab. Es war, als sollte die Kranke dann scheiden, wenn die Natur sich zu ihrer ganzen Pracht entfaltet hatte. Die Tage waren laug, immer länger geworden. Das Licht Vom Himmel brannte mittags in der windstillen Luft unbarmherzig, fast zu heiß aus die dürsteude Erde nieder, und wären nicht überall durch die Weingärten und Anlagen glucksende, plätschernde Wasserläufe geflossen, so hätte alles vertrocknen und versengt werden müssen. An den Feigenbäumen saßen längst die Früchte, in den Lauben der Weingärten hingen in ihren dicken Dolden die Trauben herab, die Glyzinien an den Veranden zeigten nur noch wenige Blüten, nicht lila mehr, sondern gebleicht von Licht und Luft, fast weiß, matt aber, welk zum Abfallen, zum Sterben bereit.

Die Kranke konnte mittags nicht mehr draußen liegen, es war zu heiß. Nur morgens und abends rollten wir das Bett hinaus oder hoben sie auf und trugen sie auf das Sofa, das in, Schutze der niedergelassenen Vorhänge draußen, stand. Sie hatte immer das Bedürfnis danach, denn sie verlangte nach freier Luft und fand, int Zimmer könne sie nicht atmen. Aber dann wieder strengte sie der Trans­port so an, daß sie manchmal bat, sie nicht zu be-, wegen.

Wenn sie dann so bleich, so mager, so zart, so schwach in den Kissen lag, faßte ich mich wohl an die Stirn und begriff nicht, wie das die Frau sein konnte, die einst lebensfrisch, kräftig im Uebermut einhergcsprungeu, daß man förmlich sah, wie ihre schlanken Glieder federten, wie es für sie der Zurückhaltung bedurfte, nicht zn singen, zu laufen, zu springen vor allen Menschen.

(Fortsetzung folgt.)

Die internationale Hygiene-Ausstellung Dresden M.

Von Dr. van Tro i).

III. Die Tropenhygiene.

Einer der leitenden Gedanken bei der Organisation der Aus­stellung verlangte, dem Besucher, sei er Laie oder Fachmann, einen Ueberblick über die neuesten Arbeitsgebiete und neuesten Errungen­schaften der hygienischen Wissenschaft zu geben. , In diesem Zu­sammenhänge durste die Tropen Hygiene nicht fehlen. Für Deutschland ist cs ein verhältnismäßig junges Bctätigungsseio, dagegen haben die älteren Kolonialvölicr schon früher reiche Er­fahrungen über die Veränderung der Lebensbedingungen, zu der sich der Weiße in den heißen Klimaten verstehen muß, gesammelt.. Während aber diese Tropenhygiene mehr allgemeiner Art war und sich vornehmlich gegen die Schädigungen richtete, die aiw deut ungewohnten Klima oder etwa falscher Ernährung und Be­kleidung zn entstehen pflegten, ist die systematische Bekämpfung der spezifischen Tropenkrankheiten überall jüngsten Datums. Sie ist erst möglich geworden durch die große Entwicklung, welche me Mikrobiologie die Lehre von den kleinsten Lebewesen den letzten zwei Jahrzehnten durchgemacht hat. An dieser aber ist die deutsche Wissenschaft in hervorragendem Maße es 1" nur der Name Robert Kochs hier genannt beteiligt. Ern Grund mehr, auf einer auf deutschem Boden stattfindenden Hygicne- ausstellnng der Tropenmedizin in einem weiten Rahmen zu ge­denken.

Der jungfräuliche Boden der heißen Zonen verlangt ganz