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Pfarrkirche zu Welmingham erhielt, und das war der 'Grund, weshalb er sich in unserer Nachbarschaft eine Woh­nung nahm. Gr brachte seine junge Frau mit, und wir hörten später, sie sei Kammerjungser gewesen in einer Familie, die zu Barneck Hall bei Southampton wohnte. Es hatte Catherick Künste genug gekostet, ehe er sie überreden konnte, sie §tt heiraten weil sie sich so außerordentlich vornehm hielt. Er hatte zu wiederholten Malen immer wieder und wieder um sie angehalten und endlich, da er sah, daß sie so widerspenstig war, die Sache aufgegeben.- Da aber drehte sie sich mit einem Male nach der anderen, Seite und kam, anscheinend ohne Grund oder Ursache, ganz von selbst. Mein lieber Mann pflegte zu sagen, daß es jetzt an der Zeit gewesen wäre, ihr eine Lehre zu geben. Aber Catherick war zu sehr vernarrt in sie, um so etwas zu tun; er trat ihr nie in irgend etwas entgegen, weder vor der Heirat noch nachher. Er war ein leidenschaft­licher Mann und ließ sich oft von seinen Gefühlen fort­reißen bald auf die eine und bald auf die andere Art; er hätte eine bessere Frau verdorben, als Mrs. Catherick, falls eine bessere ihn geheiratet hätte. Ich spreche nicht gern Böses von anderen Leuten, Sir; aber sie war ein herzloses Weib mit einem furchtbaren Eigenwillen; sie liebte flatterhafte Bewunderung und Putz und bemühte sich nicht, ihrem Manne, der sie immer so gütig behandelte, auch nur äußerlichen 'Respekt zu bezeigen. Mein Mann sagte gleich, als sie in unsere Nachbarschaft kamen, daß die Sache ein schlechtes Ende nehmen werde, und seine Worte wurden wahr. Ehe sie sich noch vier Monate anr Orte aufgehalten, gab es einen schrecklichen Skandal und ein unglückliches Auseinandergehen. Es hatten beide Schuld ich fürchte, es hatten beide Schuld.

Sie meinen, der Mann sowohl wie die Frau hatte Schuld?

O nein, Sir! Catherick meine ich nicht ihn konnte man nur bemitleiden ich meine seine Frau und den Und den, welcher den Skandal verursachte?

Ja, Sir. 'Er war von Geburt und Erziehung ein Gentleman und hätte ein besseres Beispiel geben sollen. Sie kennen ihn, Sir und meine arme, liebe Anna kannte ihn nur zu wohl.

Sir Percival Glyde?

Ja, Sir Percival Glyde.

Mein Herz pochte heftig ich glaubte, meine Hand halte den Schlüssel.

Wohnte Sir Percival damals in Ihrer Nachbarschaft? frag ich sie.

Nein, Sir. Er kam als Fremder zu uns. Sein Bater war nicht lange vorher im Auslande gestorben. Ich er­innere mich, daß er in Trauer war. Er quartierte sich in dem kleinen Wirtshause am Flusse ein (es ist seit der Zeit niedergerissen worden), wohin die Herren zum Angeln zu kommen pflegten.

Kam er vor Annas Geburt ins Dorf?

Ja, Sir. Anna wurde im Monat Juni Achtzehnhundert- siebenundzw anzig geboren, und er kam, glaube ich, zu Ende April oder anfangs Mai.

'Als Fremder für alle? Für Mrs. Catherick sowohl, als für die übrigen Nachbarn?

Das glaubte man zu Anfang, Sir. Als aber der Skandal ausbrach, glaubte kein Mensch mehr, daß sie ein­ander fremd gewesen. Catherick überraschte nämlich eines Tages seine Fran mit Sir Percival in vertraulichem Ge­spräche vor der Sakristei der Kirche. Sir Percival ver­teidigte sich in seiner Ueberraschung und Verwirrung auf eine so schuldbewußte Weise, daß der arme Catherick (von dessen heftigem Temperament ich Ihnen bereits gesagt habe) über seine Schande in eine wahre Raserei geriet und Sir Percival schlug. Doch war er dem Manne, der sich so schwer an ihm vergangen, leider nicht gewachsen, und er wurde auf das grausamste von ihm zerschlagen, ehe die Nach­barn, welche der Lärm herbeigerusen, sie trennen konnten. Alles dies trug sich gegen Abend zu, und noch vor Ein­bruch der Nacht, als mein Mann nach seinem Hause ging, war er auf und davon gegangen, und kein Mensch wußte wohin. Keine lebende Seele im ganzen Dorfe hat ihn jemals wieder gesehen. Catherick wußte jetzt nur zu gut, aus welcher abscheulichen Ursache seine Frau ihn geheiratet, und fühlte, namentlich nach dem, was sich zwischen ihm und Sir Percival zugetragen, seine Schande und sein Elend zu tief. Der Pfarrer des Ortes ließ eine Anzeige in die

Zeitung setzen, worin er ihn bat, zurückzukehren und ihm versprach, daß er weder seine Stelle, noch seine Beschützer verlieren solle. Wer Catherick hatte zu viel Stolz, wie einige Leute sagten mir aber scheint, er hatte zu viel Gefühl, Sir, um sich wieder vor seinen Nachbarn sehen zu lassen und zu versuchen, durch seine eigene Lebensweise seine Schande vergessen zu machen. Er schrieb an meinen Mann, ehe er England verließ, und dann noch einmal, als er sich in Amerika niedergelassen hatte, wo es ihm recht! gut ging. Und dort lebt er noch jetzt, so viel ich weiß; und es ist nicht wahrscheinlich, daß irgend jemand von uns hier in England am allerwenigsten aber sein böses Weib ihn jemals mit Augen Wiedersehen wird.

Was wurde aus Sir Percival? frug ich. Blieb er in! der Umgegend?

O nein, Sir. Der Ort war ihm zu heiß geworden.: Man hörte ihn an demselben Wende, wo der Skandal aus- brach, int lauten Wortstreite mit Mrs. Catherick, und am nächsten Morgen verließ er den Ort.

Und Mrs. Catherick? Sie blieb doch nicht mehr in dem Torfe und unter den Leuten, denen ihre Schande bekannt war?

Doch, Sir, sie blieb. Sie war hart und fühllos genug, um der Meinung all ihrer Nachbarn zu trotzen. Sie hatte jedem vom Pfarrer an erklärt, sie sei das Opfer eines furchtbaren Irrtums, und daß alle Klatschschwestern des Dorfes nicht imstande sein sollten, sie zu vertreiben, wie toemt sie ein schuldiges Weib wäre. Während der ganzen Zeit, daß ich i» Altwelmingham wohnte, blieb sie dort, und als matt ansing, die neue Stadt zu bauen und die meisten Leute dorthin zogen, zog sie ebenfalls dorthin, als ob sie entschlossen sei, bis zum Ende unter ihnen und ihnen ein Aergerttis zu bleiben. Dori lebt sie noch jetzt, und dort wird sie den Besten zum Trotze bis zu ihrem Sterbetage bleiben.

Wer wovon hat sie sich während all dieser Fahre er­halten? frug ich. War ihr Mann imstande und bereit, sie zu ernähren?

Beides, sowohl imstande als bereit, Sir, sagte Mrs. Clements. Aber sie nahm keinen Heller von ihm an. Als mein armer, guter Mann starb und mir alles hinterließ, kam Cathericks Brief mit deut klebrigen in meine Hände, und ich sagte ihr, sie solle mich's wissen lassen, falls sie jemals Mangel litte.Wenn ich Mangel leide," erklärte sie, so soll ganz England es eher erfahren, ehe ich Catherich ooer feinen Freunden ein Wort davon sage. Nehmen Sie das zur Antwort, und geben Sie's ihm zur Antwort/ falls er Ihnen jemals wieder schreibt."

Glauben Sie, daß sie eignes Vermögen hatte?

Sehr wenig, Sir, wenn überhaupt. Man sagte, und ich fürchte mit Recht, daß sie die Mittel zu ihrem Lebens­unterhalte heimlich von Sir Percival Glyde erhielt.

Ich überlegte. Ich konnte mir den Umstand nicht er­klären, daß des Küsters schuldiges Weib freiwillig an dem Orte ihrer Schande weiter lebte. Die Frau erklärte, sie habe dieses Verfahren als praktische Dartnung ihrer Un­schuld angenommen, aber das befriedigte mich ntcht. Es Kmir natürlicher und wahrscheinlicher, anznnehmen, ie in dieser Sache nicht so ganz freie Wahl gehabt, wie sie behauptet hatte.

Wer sie dazu zwang, konnte nur Sir Percival sein. Dort, wo sie keine Freunde besaß, konnte er sie noch am ehesten verhindern, ihr Geheimnis preiszugeben.

(Fortsetzung folgt.)

Der Granaten Mast.

Eine lustige Geschichte aus Tirol von Rudolf Grcinz.

(Fortsetzung.)

I . . . i . . . g'siech nix!" jammerte auf einmal der Maurer Sepp.Wo . . . wo . . . sein wir denn? Und a so kalt is's!" Der Sepp torkelte gegen eine Hausmauer und riß den Wast, der ohnehin nur schwach auf den Füßen stand, mit sich. Im nächsten Augenblick lagen sie beide zusammen in einem Graben.

Teufel! Herrgott! Sakrament no amal eini!" fluchte der Paulen Jörg, dem es noch am besten ging.Sv. a G'sellschast!'

,,Z' Hilf'! Es erdrückt mi wer!" zeterte der Maurer Sepp aus Lent Grabett. Der Wast lag mit seinenr ganzen beträchtlichen Gewicht auf dem Sepp' droben.

Bist stad oder nit!" rief der Jörg. pDu stehst iatz auf! befahl er dem wie regungslos daliegenden Wast und wollte UM ans dem Graben helfen-