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Redaktion: I. V,: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießens

Vermischtes.

* Der Segen des Wanderns für die Jugend Eine kleine Schrift, die angesichts des herannahenden Sommers allgemeines Interesse erregen wird, gibt Dr. H. Roeder bei der Allg. Medizinischen Verlagsanstalt heraus. In dieserWandertour und Ferienkolonie" betitelten Arbeit wird der Einfluß untersucht, den Bewegung, d. h. mehrtägige Wanderungen im Gebirge und an der See gegenüber der Einwirkung der Ruhe in den See­hospizen, Erholungsstätten und den Ferienkolonien auf die Gesund­heit ausüben. Der Versasser erörtert besonders die Einwirkung sechs- bis achttägiger Wandertouren auf die Entwickelung gesunder, aber blutarmer und in der Ernährung zurückgebliebener Kinder, und kommt auf Grund längerer, gemeinsam mit dem Pädagogen E. W i e n e ck e angestellter Beobachtungen zu dem Ergebnis, daß für diese Gruppe von Kindern der Großstadt die Marschleistung, die Bewegung in freier Natur unbedingt vorzuziehen sei. Das Beobachtungsmaterial umfaßt einen Bruchteil des in dem Sommer 1908 bis 1909 aus Groß-Berlin in Gruppen zu 2025 hinaus­gesandten Kinder. Es waren Kinder mit gesunden inneren Organen, die an Blutarmut, ausgesprochener Unterernährung und nervöser Erschöpfung litten, Kinder im Alter von 1214 Jahren, Knaben und Mädchen. Der Erfolg, der sich dabei herausstellte, war ein ganz ungewöhnlicher. Die vor Antritt der Wanderung und nach der Rückkehr, sowie nach zweieinhalb bis drei Monaten vor- Senommenen Messungen und Wägungen ließen einen Anstieg der mtwickelung erkennen, die eine Gewichtszunahme von 3, 4, 7, 9, Jl, 13 Psund, was in vielen Fällen einen Gewichtsansatz von B1013, 80 v. H. des ursprünglichen Körpermaterials darstellte.

Nötse!.

Mita" ist es ein nützlich Instrument, Mitu" es jeder Mensch sein eigen nennt.

Kluslösung in nächster Nummer:

Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummer r Psalm, Namur, Ethik; Spanien, Amerika.

China und geriet in das Pestgebiet, schließlich aber saiid er über Mukden und Charbin durch Sibirien hindurch den Weg nach Moskau und Petersburg. Hier war er am Ende ferner Kräfte an­gelangt, außerdem aber hatte seine Gesundheit so gelitten, daß an eine Fortsetzung der Fußwanderung nicht zu denken war, und so bestieg er die Eisenbahn, um nach Berlin zu fahren. Hier ist er nun vor kurzem ohne einen Pfennig Geld angelangt, aber er hat ein paar hilfsbereite Landsleute gefunden, die ihin weiter geholfen haben. Einer von diesen, Felice Rosina, hat einige seiner Abenteuer einem großen Turiner Blatte brieflich mitgeteilt.

In Pennsylvanien, als er noch mit seinen drer Gefährten zu­sammen >var, wurden die vier Wanderer plötzlich von einer großen Schar Bewaffneter gefangen g eno mm en und weggeschleppt. Aus den drohenden Ausrufen:Da haben wir die verfluchten Räuber 1" war zu schließen, daß die vier harmlosen Fußwanderer Opfer einer Verwechslung geworden seien, aber erst nach schwierigen Verhaiidlungen klärte sich die Sachlage aus, und als die vier Wanderer gar schriftlich nachweisen konnten, daß Roosevelt sie emp­fangen hatte, wurden sie außerordentlich freundlich behandelt. Beinahe wäre Battelli auch in den Wassern des Mississippi er» trunken. Er überschritt den Strom aus einer Eisenbahnbrücke, als er plötzlich das Pfeifen eines herrannahenden Zuges hörte. Wollte er sich nicht von den Rädern überfahren lassen, so blieb ihm, wie er sich sagte, keine andere Wahl, als ins Wasser zu springen, im letzten Augenblicke aber verfiel er darauf, sich über den Rand zu schwingen und dort, sich mit den Händen festklammernd, hangend den Zug vorbei fahren zu lassen. Seltsame Erlebnisse weiß Battelli vom Zusammentreffen mit den verschiedensten Völkern zu erzählen. In der Stadt Eolumbus in Nebraska z. B. wäre er beinahe gelyncht worden. Er hatte sein Gewehr, das er zum Lebensunter­halt durchaus brauchte, geschultert; in der Stadt aber kam ein Geistlicher, der die ganze Bevölkerung auf ihn hetzte.! Man glaubte, er wolle zur Jagd gehen. In Columbus aber gilt das strenge Gesetz der Sabbatheiligung, und so wäre Battelli als S a b b a t- s ch ä n d e r beinahe von der aufgeregten Menge umgebracht worden. Die liebenswürdigsten Menschen, die der Wanderer getroffen hat, sind seinem Urteile nach die Indianer. Eine gastfreiere Auf­nahme, als ihm bei den Rothäuten zuteil wurde, kann man sich, rote er meint, kaum denken. Sie bewirteten und bekleideten ihn aufs freigiebigste, außerdem aber begleiteten sie ihn lange Strecken des Weges. Aus Japan weiß Battelli ein recht drolliges Er­lebnis zu berichtenIn einer kleinen Stadt im Binnenlande", so erzählt er,trugen Männer, Frauen und Kinder alle die gleiche Kleidung, nämlich gar nichts, nicht einmal das herkömmliche Feigenblatt. Bei meiner Ankunft aber flohen sie alle in ihre Hauser und ließen sich nicht sehen, bis ich aus den menschenleeren Straßen verschivunden war." Natürlich waren die Japaner vor einem Manne geflohen, der so schantlos war, Kleider zu tragen. In China hat Battelli mehrmals Todesgefahr attsgestanden und mußte in mancherlei Verkleidungen fliehen, besonders machten ihm die Bettler zu schaffen, sobald er als Weißer erkannt war. In Peking kam er gerade an, als das Begräbnis der Kaiserinmutter statt­finden sollte, uiid er behauptet, trotz des Verbotes photographische Ausnahmen von dem Leichenzug gemacht zu haben.

Das seltsamste, was Battelli erlebt haben will, ist wohl Folgendes: InIrkutsk sah er zwei Damen int Hosenrock, die sich anboten, ihn bis zum Ziele seiner Reise zu begleiten. Er versprach denn auch sie mitzunehmen, empfahl sich aber aus französisch und ist so diesem Verhängnis entgangen. K. F.

Im Vergleich zu anderen Kindern, die nur den Genuß der Ferien hatten, aber nicht gewandert waren, stellten die wandernden Mädchen eine durchschnittliche Gewichtssteigerung von 7,8 v. H., die wandernden Knaben eine solche von 6,7 v. H. dar, gegenüber 3,6 v. H. Gewichtszunahme der Nichtgewanderten. Diese Gewichts­zunahme bedeutete in erster Linie ein spezifisches Anwachsen der Muskulatur, einen Eiweißansatz. Dr. Roeder kommt nun zu dem Ergebnis: die Ferienwanderung ist es, die unseren Großstadt- lindern bei sonst gesunden Organen in erster Linie not tut. Also zur Gesunderhaltung des schwächlichen, aber gesunden Stammes des heranwachsendenGeschlechtes erscheint hiernach der Veranstaltung mehrtägiger Schülerwanderungen eilte bessere Fürsorge geschaffen, als mit der Aufnahme in Erholungsstätten und Seehospizen. Zieht man dann die Ersahruitgen moralischer Natur in Betracht, die der Zentralverein für Schülerwanderungen", der Volksschulkindern Großberlins in immer wachsendem Umfange derartige Wanderungen ermöglicht, in den abgelaufenen Jahren seiner segensreichen Tätig­keit gemacht hat, vergegenwärtigt man sich, daß die Einrichtungen derart getroffen sind, daß mit einer Beisteuer von nur 20 Mk. einem unbemittelten Kinde eine derartige Wandertour ermöglicht werden kann, so glauben wir, daß derZentralverein für deutsche Schuler- wanderungen", dessen Bestrebungen auch in auswärtigen Groß­städten warme Unterstützung und Nacheiferung finden, nut dem jungen Zweig der Jugendhygiene ein humanitäres Werk allerersten Ranges geschaffen hat. Durch diesen Verein ist jedermann m die Lage versetzt, ein unbemitteltes Kind bei der angegebenen Beisteuer auf eine Wandertour zu schicken. ,

"Vegetabilisch es Elfenbein. Elefant, Flußpferd, Wal­roß und Narwal beginnen seltener zu werden. Das Vordringen zivili­sierter Menschen in Zentralafrika und in dem hohen Norden, bte dadurch hervorgerufene Beunruhigung der Tiere und die Jagd auf das wertvolle Elfenbein haben wesentlich zur starken Dezimierung der Kolosse beigetragen. Auch die außen stark verkalkten Zahne des Mammut, die als sogenanntesfossiles Elfenbein" tn den Handel gelangen, iverden nicht mehr so häufig wie früher gefunden; haben doch die ungemein findigen, gewerbsmäßigen Ausspürer der Zähne und Knochen des Riesentieres sogar den äußersten Norden Sibiriens, die Gestade und Inseln des Eismeeres, schon erheblich abgegrast. Mag auch die Menge der jedes Jahr in London, Ant­werpen und Hamburg zur Auktion gelangenden Zahne noch sehr stattlich erscheinen, so ist doch nicht zu vergessen, daß der Bedarf an Elfenbein ein sehr großer ist und gerade in den letzten Jahrzehnten durch das wachsende Luxusbedürfnis eine starke Steigerung er­fahren hat. Imitationen mehr oder minder guter Art, die für billige Gegenstände eilten ausreichenden Ersatz des echten Materials bilden, sind daher schon längst in Ausnahme gekommen. Nun gibt es aber noch einElfenbein", das auf Bäumen wächst und daher von den Botanikern alsvegetabilisches" bezeichnet wirb. Freilich, glücklich gewählt ist die Bezeichnung nicht, denn die Aehiilichkeit der stetn» l arten, ein wenig durchschimmernden Masse mit dem wirklichen Elfenbein ist nicht weit her. Besser ist die vulgare Benennung .Steiimuß", da sie jeden Zweifel über die wahre Natur des Mate­rials ausschließt. Weil die Steinnüsse selten mehr als vier Zenti­meter Durchmesser besitzen, so können aus ihnen nur kleinere Ob­jekte, vornehmlich Knöpfe, unter Benutzung der Drehbank hergesteNt werden. Das Geschäft in Rohmaterial ist trotzdem so bedeutend, daß de Einfuhr nach Europa jährlich viele Millionen Zentner betragt. Die Hauptlieferanten sind Angehörige der Familie der Palmen. Am geschätztesten sind die als Steinnüsse bezeichneten harten Samen der im westlichen Südamerika heimischen Elfenbein- oder Tagua- Palme, Phytelephas maerocarpa, und dieCoquillas" der Piassava- Palme, Attalea funifera, die um so nützlicher ist, als die Basis ihrer Blattstiele eine Faser gibt, die sich vorzüglich zu Stricken, Besen und Hüten verarbeiten läßt. Weitere Lieferanten sind die in Guiana heimische MützenpalmeBusso", Manicaria - saecifeia, deren Blütenscheiden von den Indianern als Beutel, Mützen und Kleiderstoffe benutzt werden, und der steinharte Sam» der Bismarekia nobilis, einer dem Altreichskanzler zu Ehren be- narnten Palme, die 1880 von I. M. Hildebrandt auf Madagaskar entdeckt wurde. Seitdem hat sich noch als brauchbar die Frucht der auf den Südseeinseln wachsenden Palme Sagus amicorum erwiesen. Auch eine schon längst bekannte Nachahmung des Elfenbeins aus Kartoffeln, die durch Liegen int Wasser mit Schwefelsäure gehärtet sind, läßt sich als vegetabilisches Elfenbein bezeichnen. Aber es be­darf wohl kaum der Versicherung, daß dem echten Material an edlen Eigenschaften nichts gleichkommt.

* Sonntagsruhe. RichternHaben Sie Noch etwas Äs Milderungsgrund anznführen?" Strolch:Es war ja Sonntag, und da man da doch nischt Richtiget arbeiten kann, kouynt man eben