— 311
MMeltierkörtzers, fesseln Mch lpeiter die AusmtzrffaUikett, Skelette dvn Tier und Mensch zeigen, tote sinnvoll Knochen an Knpchen sich togt, Ivie Mnver UNÄ Gelmfo diese Verbindungen sichern. Der Frage, die sich Mbrängt, wie fest und stark ein Knochen sei, wird bald eine Antwort. Mus einem Oberschenkelknochen ist sein Mittelstück herausgesägt. Die zwei Teile verbindet,nur xeute schmale Knochenbriücke von einem QUabratmilltmetcr Umfang. Und doch erwäg dieser Rest ein Gewicht von 16 Kg. zu, tragen, ohne zu zerreißen. Bald wird zum ersten Male einer krankhaftezr Veränderung gedacht. Esn Knochen ist auf einer niedrigeren Mtwicklhngsstufe stehen geblieben. Seine titorpligen Enden haben infolge mangelhafter Ernährung von Kalisalzen sich nicht ,zu Knochensubstanz umwandcln können und sind durch derr .Druck des Mf ihnen lastenden Körpers verbogen: das bekannte Bild der englischen Krankheit. Röntgenbilder stellen diese rachitischen Umbildliligen noch einmal vor Augen. An anderen zahlreichen Organpräparaten und Modellen von kunstvoll geschlchteter ^bcr- haut, voll Schleimhäuten des Mundes und der Nase gehen wer vorüber. All einem großen Bottich halten wir still. Er umfaßt, tote die Aufschrift sagt, 365 Liter Flüssigkeit, diejenige Menge, die das Herz in einer halben Stunde in den Körper pumpt. Um feinen Eindruck zu gewinnen, welche Arbeit bei jeder Zusammenziehung die Druck- unb Säugpumpe „Herz" leisten muß, brauchen toir nur einen Hebel, der am anderen Ende eine Kugel trägt, Mlt Anstrengung zurückzuwerfen. Aus Pulskurven geht die Geschwindigkeit der Herzarheit hervor. Sie ist bei den verschiedenen Tieren je nach ihrer Größe verschieden. Der Elefant hat einen langsamen, die weiße Ma'us einen schnellen Puls. In einer benachbarhesnj Moje begegnet uns das Blut. Die Schilderung seiner Bestandteile erfolgt in mikroskopischen Demonstrationen und Abbildungen. Wir erfahren, daß die roten Blutkörperchen, von beiten sich 5 Millionen in jedem Kubikmillimeter befinden, nebeneinander gelegt den vierten Teil der Fläche des großen Dresdener Altmarktes einnehmen würden. Der physiologisch höchstwertigen Organe, des Gehirns und der Sinnesorgane, ist besonders eingehend gedacht Vergleichende Modelle zeigen, daß das menschliche Gehirn am feinsten organisiert Unb differenziert ift,. daß die Qualität der Leistungen aber nicht von seiner Größe, sondern von der Ausbildung und Tiefe seiner Furchen abhangt. Mit dem, Gehirn NM engsten hängeir die Sinnesorgane, Ohr und Auge, zusammen. Ein riesiges Ohr lehrt den Gang des Schalles kennen durch den Äußeren Gehörgang zum Trommelfell, von dort durch die Reihe der Gehörknöchelchen bis zum! inneren Ohr mit der komplizierten. Endausbreitung des Hörnerven,- der Schnecke; ein riesiges Auge seine Zusammensetzung und den Weg des Lichtes zur Netzhaut, Sehr schön wird der Vorgang der Akkomodation des Auges beim Sehen in die Nähe veranschaulicht. Beim Menschen und den Säugetieren t'riiinint sich die Linse stärker, bei den Reptilien wird sie der Hornhaut genähert.
Solchergestalt rundet sich dem Beschauer ein geschlossenes Bild von der physischen Konstitution des Menschen. So vorbereitet, trifft ihn in den anstoßenden Sälen die Darstellung aller der Dinge, zn denen er. in Wechselbeziehung tritt und derer er bedarf, um fein physisches Leben aufrecht zu erhalten. Da ist in 'erster Reihe die Nahrung. Ihre chemische Zusammensetzung aus Kohlehydraten,- Fetten, Eiweißkörpern und Salzen wird in Tabellen erläutert, und der Nährwert der einzelnen Nahrungsmittel dargetan. Beim Fleische wird des Fischfleisches gedacht und darauf hiugetviesen, wie wichtig dies für eine wohlfeile Volts- ernährung ist. Die Früchte, die der heimische Obstgarten produziert, lachen uns in wohlgeluugenen Nachbildungen entgegen, junges Gemüse jeder Art will uns fafldzn Anhängern vegetarischer Doktrin Machen, und auch alle Sorten Käse vom vornehmsten jCrßme double bis zuiN goldigglänzenW. Harzerkäschen, freilich lohne' daß Letzteres an unser Geruchsorgan irgend welche Zumutungen stellt, sind in diesem Stilleben vertreten. v Weitere bedeutsame Faktoren jM LchjeN des Menschen reihen sich an: Kleidung, Wohnung, Ansiedlung, Hygienische Wohnbauten werden ent- ittorfett; ideale Siedluugspläne für Stadtanlagen illustrieren das heut so aktuelle Kapitel. So Prangt hier auch u. a. der Jansensche -Entwurf für die Bebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin als nacheiferungswürdiges' Beispiel.
Schon waren bisher Hinweise auf Schädigungen ergangen, die aus einer Verkennung der Forderungen unseres Körpers entstanden waren. So die Folgen einer unzweckmäßigen schnürenden Kleidung, die Verkrümmungen der Wirbelsäule, die Abschnürungen der Leber, die Verkrüppelungen der Füße. Jetzt treten wir in Hallen, die ein Anklagernf der beleidigten Natur erfüllt. Die dezimierenden Volkskrankheiten mit ihrer Riesenbeute ziehen an uns vorüber, die Pest, die Cholera', der Typhus, die Syphilis, die Diphtherie, die Tuberkulose, Auch der Gewerbekraukheiten, wie sie die industrielle Betätigung des Menschen zeitigt, ist gedacht. Bemalte Wachsmodelle (Moulagen) zeigen uns den Bleisaum der Glaser Und Anstreicher bei Bleivergiftung, die mit tuberkulösen Knötchen bedeckte Hand des Schlächters ober Abdeckereigehilfen, die mit Kohlenstaub imprägnierte Lunge des Berg- manns, den zerstörten Kiefer eines an chronischer Phosphor- v e r g i f f In n g leidenden Zündholzarbeiters. Daneben aber stehen Überall .die SchutzMaßregeln, die zur Verhütung aller dieser zerstörenden Kränkhei.ten führen. Und überall ist es in letzter Linie dasselbe, das zur Gesundung führt: Sauberkeit.
Selbst einer BeschriMiUg,- die absichtlich kWgtoeilen toilL- toülrbe es unmöglich werden, all das aufzuzählen, was sich int' Hanse des Menschen befindet. Aber nicht darauf kommt es an, fonbern die Art zu schildern, tote cs vörg'etr'a'gen wird. Ueberall tst ctb- gesehen von einer trockenen Darstellung zu Gunsten einer Alpe schaUlichiNachung, die bis auf die Spitze getrieben wird. Dadurch gehen auch schwierigere naturwissenschaftliche Begriffe, die dem' Pa.ieit nur umständlich zu erklären sind, ohne weiteres in das Bewußtsein des Beschauers über. Eine Popularisierung ohne jede Oberflächlichkeit, so daß auch der Arzt sich hier nicht selten Rat zu holen vermag. Der Gedanke, der dem Gründer dieser Aus- stellung vorschwebte, durch Belehrung den hygienischen Bestrebungen eine breite Bahn zu, schaffen, scheint vollauf geglückt. Eine jahrelange, mühselige und äußerst kostspielige Arbeit findet so ihren Lohn. Der Nutzen, den sie stiften soll,- wird nicht auf bte kurze Frist der Dresdener Ausstellung beschränkt sein, denn ihr hockw herziger Stifter, Herr Lingn'er in Dresden, to-ir.b sie nach Schluß der Ausstellung .in §in bleibsndes Museum umwaudeln. Vielleicht wird es dann gelingen, dies Museum yveiter auszubauen und die wenigen Lücken zu ergänzen. Zwischen Wissenschaft und Vokksaufklärung wird es dann stets ein wichtiger, nicht zu missender Mittler sein. , , , „„ < t ,
Der Besucher der AusMlnng, auch der sachverständige, getonntl aus der Besichtigung des Hanfes des Menschen den Vorteil, auf all das vorbereitet zn.sein, was ihm' weiter in der Ausstellung geboten wird. Das gesamte <35ebiet der Hygiene ist in ihm um--. schrieben- die Sondepabtieilimgen dienen, es zu vertiefen.
*
Den zweiten Anziehungspunkt der Ausstellung zu bilden, ist der historischen Abteilung Vorbehalten. Hier ist durch die Bemühung Karl Sud Hoffs, des berühmten Professors für Geschichte der Medizin an der Universitä^LciPzig, und )enter Mit-, arbeit er von vieleii Privatsammlern ebenfalls eine Kollektion zusamMengekommen, die ihresgleichen noch nicht hatte. Alles, was auf die Hygiene der Völker vor uns Bezug hat, worüber man nur in den verschiedenen Kulturgeschichten Aufschluß fand, ist hier in Modellen vereinigt. Von Urzeiten beginnend umfaßt sie den Kulturkreis der Alten, das Mittelalter sowie die Neuzeit der nichteuropäischen Völker. Die älteste hygienische Urkunde, die bisher gefunden wurde, beschäftigt sich mit der Fran und ihren Kleidung. Es ist eine Wandmalerei ans einer spanischen Höhle, aus der paläolithischen Zeit stammend, etwa 10 000 Jahre alt.. Die Historiker finden auf ihr das Prototyp der heutigen DameN- mode, den HuMpelrock und die lange W e s pentaill ej Ein paar tausend Jahre jünger sind bronzene Tätowiernadeln, die entgegen aller gültigen Hygiene noch Heute Rötelreste tragen. Auch Schmin'ksiebe aus jenen Zeiten lernen wir kennen. Mit einer gewissen Genugtuung erfahren wir, daß auch Unsere Borvorbern von Krankheiten geplagt wurden, lebten sie doch in recht unhygienischen Verhältnissen. So zeigen die GeleukendeN ihrer Knochen jene Austreibungen und Verunstaltungen, die wir. Arthritis paupernM, die deformierende G e l e n k e n t zü nd u n A nennen Und als eine Folge feuchter Wohnung ober Arbeitens in der Nässe ansprechen. Babylonien interessiert uns durch feine E n t w äff er u n g s - und K a n a l i s i e r u u g s a n l a g e n. Besonders eingehend ist dabei per Abortverhältnisse gedacht. Dis Antike sendet uns ihre nie wieder erreichten B oder a n I a g e n-, die Thermen des Cavacatta und jene Militärbäder, die überalll dort entstauben, wo römische Legionäre ihre Dauerlager erbauten, tote in Carnuntum ober Aquinowu. Im Mittelalter erhält sich noch an vielen Stätten der Badegebrauch. Aber unter der aus deist Orient eiugeschleppten Seuche verschwinden die Bäder. Tie Stadthäuser sind eng und düster. Von Hygiene ist wenig mehr zst spüren. Auch in der Renaissance, die den Menschen freier macht, deuten sich hygienische Bestrebungen nur an. Nach immer wütet die Pest Und die Syphilis vvlksverheerend. Als man sich letzterer nicht mehr zu erwehren vermag, versucht man ihr mit Keuschheitsgürteln den Weg zu verlegen. Phantastereien und Aberglauben herrschen bis in unser Jahrhundert hinein. Davon legen die scheußlichen Apparate Und Zwangsmittel ein deutliches Zeugnis ab, die früher zu Irrenanstalten benutzt wurden. Dies sind alles nur Stichproben aus einer großen Sammlung, die eine plastische Geschichte der menschlichen Kultur barstellt. Vielleicht ermutigt sie einen fachmännischen Berichter zu einer Geschichte der Hygiene, die heute noch nicht vorhanden ist.
Zu Zuß um Ne Welt.
Berlin hat dieser Tage einen merkwürdigen Gast beherbergt, Professor Alfredo B a t t e l l i, der im Jahre 1908 von New York aus eine Fußreise um die Welt augetreten hat, Battelli, der Redakteur eines italienischen Blattes, unternahm seine Wanderung mit drei Berussgenossen zusammen, aber wie es scheint, ist er der einzige, der sie - auch nicht völlig — beendet hat. Die Schwierigkeiten, auf die die vier Wanderer stießen, die zuerst gemeinsam ivanberten, waren ungeheuer. Am 7. Oktober 1908 erfolgte der Abmarsch von New York, und die vier Gefährten wanderten nach Philadelphia, nach Baltimore und nach Washmgton, wo der Präsident Roosevelt sie empfing. Hier trennte man sich. Battelli wanderte zunächst nach der Küste deS stillen Weltmeers, dann nach Kanada, schiffte sich nach Japan ein, durchwanderte ganz Mitteljapan, fuhr nach


