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Roman von Georg Freiherrn von Ompteda, (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Doch da klang die Frühstücks-Glocke zum zweiten Mal. Ich mußte hinunter. Schnell trat ich noch vor den Spiegel, schob die Krawatte zurecht. Es waren Aeußerlichkeiten, nur dazu dienend, Zeit zu gewinnen, denn mir klopfte das Herz. Auf dem Wege hinab malte ich mir aus, wie mich die Eltern empfangen würden. Ich legte mir die Worte zurecht, denn ich mußte doch eine feierliche Rede halten. Das kam mir alles höchst töricht und lächerlich vor. Wie ich das noch im Hirn umberwälzte, hatte ich auch schon beim Geheimrat geklopft.

Herrrrrrrrein!

Ich trat ein. Natürlich hatte ich meine ganze Rede vergessen, als ich Vater, Mutter, Tochter beisammen sah. Sie war doch auch darauf berechnet, daß Maria nicht dabei >väre, höchstens Frau von Fryburg anwesend, eigent­lich aber nur her Geheimrat. Ich war befangen. Nie hätte ich gedacht, da jicch sonst meinte, leidlich frech zu sein, mir könnten so die Worte verfügen. Am liebsten hätte ich gerufen:So kann ich. nicht sprechen, die Geschichte stimmt nicht zu drttt, auf diesen Fall bin ich nicht vorbereitet." Ich blieb also, nachdem ich ein paar Schritte ins Zimmer getan, stehen, starrte die drei an und muß wohl ein recht törichtes Gesilht gemacht haben, denn Frau von Fryburg lächelte, ja, der Geheimrat lachte. Aber sah ich recht? er breitete die Arme, er kam mir entgegen. Er rief, nein;, er schrie fast:

Num Donnerwetter nochmal, an mein Herz!

Und im nächsten Augenblick war Rede und Zweifel alles überwanden, wir lagen uns in den Armen wie alte Freunde. Er hielt mich eng umfaßt, ließ mich gar nicht wieder los, klopfte mich auf den Rücken und rief:

Das habe pch mir ja so gewünscht, vom ersten Tage ab, nur mit den Frauenzimmern weiß inan ja nie, woran man ist. Ich habe, weiß der Teufel, nichts ge­merkt. Ich dachte immer:Na ja, sie läßt ihn abfallim wie schon vterundfünfzigtauseud Stück." Ja, ja, sm Ernst! Und darüber wird sie noch sitzen bleiben, denn soviel Zeit hat sie nicht mehr zu verlieren!

Er hatte mich losgelassen. Ich küßte Frau von Fry­burg die Hand, aber sie umarmte mich und sagte komisch empört zu ihrem Mann:

Das klingt ja so, als ob Maria wenigstens vierzig Nähre alt wäre.

Mir fiel ein, daß doch Maria unser Gespräch auf der Bank damit begonnen, mich zu fragen, wie alt sie sei. Ich hatte ihr nicht geantwortet. Da sagte auch schon der Ge­

heimrat, indem er mich von seiner Frau fortzog, als wollte er mich nun für sich haben:

Maria ist alt, für ein junges Mädchen ernsb- lich alt.

Ich sah die strahlende, junge Schönheit meiner Braut an und mußte lachen. Ich ergriff ihre Hand, führte Maria ein Stück näher ans Fenster und betrachtete sie, als hatte ich sie noch nie erblickt. Dabei fragte ich ttn ernstesten Ton, als legte ich der Armen eine hochnotpeinliche Frage vor:

Wie alt bist du?

Sie antwortete ganz betroffen und Kurte traurig dabei:

Sechsundzwanzig.

Ta lachte ich sie aus. Jawohl, lachte sie emfach aus! Und sie stand ganz erschrocken da. Sie begriff mich nicht. Ich aber packte sie bei den Armen, zog sie an mich, küßte sie ein Dutzend Mal, daß sie sich meiner nicht erwehren konnte und nicht mehr zu Atem kam. Dann drehte ich sie im Kreis und rief übermütig toll:

Nein, ist das alt! Schrecklich alt! Fürchterlich oft!

Die Eltern standen neben uns und lachten,jetzt auch über uns Kinder. Der Geheimrat legte den einen Arm um meine, den andern um seiner Tochter Schulter. Dann mußte seine Frau ihm gegenüber den Reigen schließen, und so steckten wir die Köpfe zusammen, während Maria klagte, sie sei wirklich, wirklich alt. Bei ihrem beweglich ernsten Gesichte mußte ich wieder lachen, doch Frau von Fryburg erklärte es mir. Das Mädchen hatte mit siebzehn Jahren den ersten Antrag erhalten und abgelehnt. Das war nun schon neun Jahre her. Da im Laufe der Zeit wirklich noch mehrere um ihre Hand gebeten hatten, so begann der Geheimrat ungeduldig zu werden, denn immer lehnte Maria ab. Und schließlich hatte er gerufen seine Frau machte scherzend oen verzweifelten Ton nach:

Das' Mädel bleibt uns wahrhaftig noch sitzen!

Vor Maria wurde das zwar nicht gesagt, aber sie merkte es doch und kam so selbst zur Ueberzeugung, sie wäre alt, schon sehr, sehr alt mit ihren sechsundzwanzig Jähren. Als sie es jetzt von der Mutter zum ersten Mal hörte, lauschte sie aufmerksam und fragte endlich ihren SSdtCT *

Ja, hätte ich denn einen von denen früher nehmen sollen?

Er rief mit dem Ausdruck des Entsetzens?

Um Himmels willen!

Nun triumphierte sie:

Siehst du, Vater! Stehst!

Da hielt er es denn doch für nötig, sich zu rechtfertigen. Er wollte eben begirmen, mir die Freier der Penelopes, wie er es nannte, herzuzählen, denn auf mich hätte ja offenbar Maria all diese Jahre gewartet, als die Türe aufging. Das Stubenmädchen kam herein, bäS offenbar annahm, die Bewohner des Zimmers wären Leim Früh-