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®to)t sprach Dion WNveWüig der heiligelir Stätte, von Schändung des Andenkens von Michelangelo, der den Ktepitolpalasteu die bleibende klassische Form gegeben I/atie, von Mangel an Ehrfurcht gegen die Kirche Arq Coeli, der alten arx capitolina, in »er Kaiser Augustus int Traume die Madonna mit dem Kinde gesehen hatte. Wer die Förderer des Denkmals blieben bei Mem großpolitischen Gedanken, wonach das Symbol des neuen geeinigten Vaterlandes mit der Stätte verknüpft werden sollte, die das Wahrzeichen des antiken Imperiums gewesen war. Nach langen Streitigkeiten erließ inten ein internationales Ausschreiben mit hohen Preisen für die besten Entwürfe. Die Jury erkannte auch einem deutschen Architekten, Schmiß, einen der ersten Preise zu. Bei einem engeren Wettbewerb wurde aber der Entwurf des Grafen Saccoui endgültig angenommen.
Wieder Verstrich einige Zeit. Januar 1885 begannen die ersten Bauarbeiten, für die im ganzen 9 Millionen ausgeworfen waren. Aber mau hatte dtp Rechnung ohne den Wirt gemacht. Bei den Fuiibamentierungsarbeiten zeigte es sich, daß der von den Dichtern besungen« „kapitolinische Fels" eine Mythe und in Wirklichkeit nur ein an Hohlräumen reicher Hügel sei. Infolgedessen mußte man bis aus die Sohle der Piazza Venezia hinuntergehen, und, als sich dort ebenfalls Störungen durch das Gruud- wasser ergaben, noch 20 Meter tiefer bringen. So stellen allein die Fundamente einen Riesenbau dar, der sich an Wucht und Größe milt den Thermen des antiken Roms vergleichen kann. Da zudem die Expropriationen viel Geld kosteten, denn das Kapitol warsast seinen Flanken von einem Labyrinth von schmutzigen Häusern und Hütten bedeckt, so waren schon sechs Fahre' nach dem Beginn der Arbeiten acht Millionen aufgewendet. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts hinderten die äußern, Und Innern Wirren den Fortgang des Werks. Erst 1900 bewilligte das Parlament weitere acht Millionen, obschon die Tcch- uiker berechnet Hatten, daß 23 nötig seien. Nach! uny nach wurden weitere Gelder flüssig gemacht, so daß int Ganzen etwa 50 M i l - Honen ausgegeben wurden, bis das Denkmal heute wenigstens im Aeußeren fertig gestellt werden konnte. Zum Geldmangel ton sehr oft der Mangel an Material, da die Brescianerberge die riesige Menge des Botticino genannten weißen Kalksteins nicht regelmäßig zu liefern vermochten.
Weitere (Störungen schuf außer den Streitigkeiten zwischen den Künstlern und der Bnreaukratie der Tod, der um 1901 den Schöpfer der Riescureiterstatue, Bildhauer Chiaradia und J.905 den genialen Baumeister Saccoui hinweg raffte. An dessen Stelle trat ein Triumvirat, bestehend aus Gaetano Koch, dem Enkel des genialen deutschen Landschaftsrntelers Koch, Piacontini und Manfredi. Aber auch Koch starb vor zwei Jahren., Dieses Triumvirat fand zuerst seine verantwortnngsrciche Aufgabe fast studnrchführbar, da Saccoui, der in den letzten Lebensjahren geisteskrank war, nicht alle Modelle und Detailpläne hinterlassen hatte, sondern nur skizzenhafte Andeutungen. Um so mehr ist das Werk dieser Architekten zu loben, da sie cs fertig gebracht haben, selbst aus den mangelhaften Skizzen heraus, dem Denkmal den einheitlichen .Charakter zu wahren, den Saccoui ihm geben wollte. Große Schwierigkeiten fanden sie, ebenso wie auch Saccoui darin, daß dynastische Interessen für die Reiterstatue Viktor Emanuels den naturalistischen Charakter wünschten, während der ganze Ban eine Mischung von borischMutik-römischem Stil darstellt, zu deut ein Reiterbild wie das von Marc Aurel auf dem! Kapitol gepaßt hätte.
Doch über alle äußeren und inneren Schwierigkeiten siegten der patriotische.Enthusiasmus und die Energie und der Kunstsinn der heutigen Italiener. So ragt nun der Kolossalban "fertig, teenn auch nur außen, da die Vollendung des inneren Schmucks wohl noch Jahrzehnte erfordern wird. Aber das begreift man, wenn man die Größeuverhältnisfe des Baues bedenkt. _ Er hat eine Länge der Achse von 130 Meter, eine Breite von 135 Meter; die höchste Höhe über der Piazza Venezia bis zu den Quadrigen an den Seiten beträgt 79 Meter, die Höhe des Zentralportikus 62y2 Meter, und die Reiterstatue ragt 42>/z Meter hoch Der Rufgang zum Denkmal bildet eine Treppe, die 32,50 Meter breit sich von der zum „Forum Jtalicum" umgeivanbcltcn Piazza Venezia erhebt.
Saccoui bestand darauf, daß der die linke Flanke des Platzes beherrschende Palazzo Torlonia mit den ihm angebauten Häusern Uiebcrgertffen und durch ein Pendant deS die rechte Seite füllenden Palazzo Venezia ersetzt werden sollte. So erhielt er zwei kolossale Pylonen, die die Ouvertüre zu der Riescusinsonie des freigelegten, weißfchimmernden Denkmals bilden, das in der Achse des Corsos liegt. Ten ersten Teil der Treppe begrenzt ein Geländer, dessen Köpfe von zwei 7 Meter hohen Bracccgruppcn geschmückt sind, die den Getost,en und die Handlung darstellen. Diese Köpfe enden in Pilastern, auf denen große Flaggenstangen ragen. Quer zum ersten Absatz der Treppe zieht sich der so- geimnnte „Altar des Vaterlandes" (9(ra Patriae), der halb gradlinig, halb gekrümmt, sich 50 Meter lang hinzieht. Diese Ara Patriae hat eine schmerzensreiche Geschichte, da man sich lange nicht über seinen RelisssckMUck einigen konnte. Die Söhne und Enkel der Frcihcitsparlameutarier hätten gerne gesehen, daß. man Hefe dort konterfeit hätte Ind zwar naturgetreu in Gehrock ober B rack und in Zylindern Soccoui stemm le sich dagegen mit gller
Macht, da er hier die Antike verherrlichen wollte; schließlich ließ er sich von bem! Philosophen Bevio die Idee suggerieren, in der Mitte des Altars einen Nischentempel mit der Göttin Sfionut einzubauen und an den Seiten durch Hochreliefs die Geschichte der Einheitskriege symbolisieren zic lassen. Diese Symbole 4,20 Meter hoch wurden von der Hand eines jungen Bildhauers Zauelli meisterlich auSgeführt. Der erste Absatz, der 6,60 Bieter über dem Platz liegt und 66 Meter breit ist, hat an den Seiten zwei 16 Meter breite Rampen, die zu einem Hochplateau, 9 Meter über dem venezianischen Platz, führen. Dessen Frontmauern zieren zwei monumentale Fontänen, die das Mittelländische und Adriatische Meer barstellen. Je eine Rampe über diesen Fontänen führt zu den Eingängen der turmartigen Seitenbauten ober Propyläen, Eingänge, die ins Innere führen. Sie liegen 12 Meter über der Platzsohle. Bor ben Portalen stehen je zwei 5 Meter hohe Gruppen in Stein, die, Stärke, das Recht, bas Opfer und bic Eintracht darstellend. Zwei 10 Meter breite Rampen führe» bei 191/2 Bieter Höhe auf die Plattform oberhalb der Ara Patriae.
In ihrer Mitte erhebt sich der viereckige mit Waffenemblemen versehene Unterbau des Reiterdenkmals. Auf diesem Viereck steht der riesige Sockel, dem der Sockel des kapitolinischen Marc Aurcl- Dculmals als Vorbild diente. Dieser 11 Meter hohe Sockel ist von Bildhauer Maccagrimi mit Reliefs geschmückt, die die Städte rühmen, die sich um die Einheit des Vaterlandes verdient machten.
Aus diesem Unterbau erhebt sich bic vergoldete Reiterstatue, die 12 Meter hoch ist. Sic erforderte 50 000 Kilogramm Bronze Und wurde in Rom gegossen. Für bas Modell erhielt Chiaradia eine Million Lire. Von der Hochebene des Reitierstandbildesi gelangt man auf die Hauptplattsorm, die die Größe eines Marktplatzes hat und 271/2 Meter hoch liegt. Im Hintergründe erhebt sich das 9,50 Meter hohe Stylobat, auf bem der Zeiitralportikus! aufsitzt. Die Wände des Stylobats schmücken acht große sitzenbe Statuen: Cavour, Garibaldi, Mazzini, Gioberti (der Einheits- Philosoph), Alanin (der Präsident der Republik Venedig von! 1849), Guglielmo Pepe (General aus Neapel) und die Staatsmänner Ricasoli und Fariui. Rechts und links vom Stylobat führen Rampen zu den oberen Plattformen der Portalvorbautest der Propyläen, auf ihnen leuchten die braunen Säulen aus Brecciato von Pietrasanta, die vergoldete Viktorieu tragen. Die Sockel dieser Säulen sind reich dekoriert. Einige Stufen führe» hinauf zu den beiden Prouai der Propyläen, welche den Zeiitralportikus flankieren. Die Giebel dieser tempelartigen, aus vier Säulen ruhenden „Vorschiffe" zeigen Basreliefs, welche die Freiheit Und bic Einheit darstellen. Hinter ben Vorschiffen ragest die Propyläen hervor, die von ben vergoldeten 9 Meter hohe» Quadrigen gekrönt sind, deren Spitzen 70 Meter über der Piazza liegen.
Der konkave Zentralportikus ist 72 Meter lang und 7,6Q Meter breit. Seine Säulen an dex Front, int ganzen 16, sind nach, den Säulen des Castortempels auf dem Forum gebildet.. Sie haben einen Durchmesser von 1,53 Meter und, Sockel unbl Kapitäl einbegriffen, eine Höhe von 15 Meter. Das Gebälk über ihnen hat einen Fries von Adlern und Festons, bic Aktie« ist geschmückt mit 16 Hochreliefstatueu, welche bic 16 historischen Landschaften Italiens barstellen. Die Hinterwand des Portikus ist unten mit Trophäen und koloriertem Marmor und oben! mit einem Streifen Goldmosaik geschmückt, dessen Figuren die Apotheose der Einheitszeit behandeln. Der Fußboden ist mit kostbaren Marmorplatten ausgelegt. Tie Gesamthöhe des Portikus, das Stylobat einbegriffen bis zum oberen Rand der Attica, beträgt 35 Meter. Trotz dieser riesigen Verhältnisse wirkt der Portikus, zu bem alle Linien der Unterbauten strahlenförmig als) auf die Hauptsache hiuziehcn, gefällig und leicht.
Ueberhaupt wirkt der ganze kolossale Ban niemals wuchtig,- im Gegenteil, fast wie ein Riefenspielzeug, besonders wenn man ihn vom Corso aus betrachtet. Seiner imponierenden, alles über» wältigeuben Größe wirb man erst gewahr, wenn man zur Höhe des Portikus gekommen ist und nun auf ben Platz higuuicrsiehw Aehnlich geht es ja auch mit der antiken Basilika des Konstantins auf bent Forum, die von weitern klein aussieht, während mast unter ihren Riefeubogen sich znw Insekt zusammengegnetscht vorkommt, und in der Peterskirche scheint die Fassade dem Bchchaner zunächst auch klein, wie anders ist aber der Eindruck, wenn man auf dem Dache steht, oder von dem Innern der Kuppel aus hinunterblickt! Noch imponierender wirkt der Runbblick von ber Attica des Zentralporti'kus auf dem Natioiialbeukmal. Von ihr! aus hat man bic ganze Provinz Rom zu seinen Füßen, >0 gewaltig, packend ist bic Größe der steinernen Stadt, aut der nur stehen, baß selbst die Petersknppel an Wert verliert Nur ein Ban, bas Colosseum, kann sich noch halten gegenüber bem Monument Viktor Emanuels II. Das Panorama aber, bas sich bietet, ist so über alle Maßen schön, baß Leute, die btc ganze Welt bereisten, in ehrfürchtigem Staunen schweigend gebannt stehen.
Run lockt aber das Innere bc*3 Riesenbaues. Drei Mute«» enthält er, ohne bic hohen Jnnentempel ber Propyläen mit ihren stolzen Kuppeln. Am herrlichsten wirkt ber Saalumgang hinter dem Portikus. Hier stehen mir entzückt vor einem Rätsel, bas die Grenzen zwischen Skulptur und Malerei zu verwischen Ichemt. Saccoui ließ die seltensten Stücke antiken Marmors .auswahlen Und so zerschneiden, daß er aus b.e.u einzelnen Platten, bic er an


