-eii Teppichen, Leit L'iseitc geschobenen Möbeln, die verhängt waren mit Hellen und dunkeln Tüchern. Wie große Särge starrten mir die Betten entgegen, und die unter der langen Decke in der Mitte znsammengeschobeuen Kissen machten den Eindruck, als läge dort jemand aufgebahrt. Ich riß die Hülle fort von Marias Lager und setzte mich- dorthin, lvo "sie geruht, neigte mich zum Kopfende und Lachte an mein Weib.
Es Ivar nur, als läge gefangen in Len Kissen noch der Duft ihres Leibes, als atme der Stoff ihn aus. Und als ich mein Gesicht in den Polstern vergrub, kam solch zwingende Vorstellung über mich derer, die ich liebte, daß meine Hände sich verwählten und verkrampften, als umschlössen sie die lieben Schultern, und ich die Wange in den Stoff niederdrückte im Gefühl, ihr rosiges Fleisch warm und glatt neben mir zu empfinden. Ihre Brust, die da atmend sich hob, ihr Leib, der da lebte. Lebte, lebte! Ja, Leden war noch in ihr. Sie war mein. Ich hatte doch eben noch mit ihr Zwiesprache gepflogen, Wort war von Mund zu Munde gegangen. Sie lebte! Den Duft ihres dunkeln .Haares hatte ich eingesogen, eben, eben noch. Sie lebte, sie mußte leben! ;
Freudigkeit, neuer Mut überrannen mich. Sie stand vor mir. Maria! Und ich blickte mich erschrocken um in der öden Leere der Wohnung. Ich sah nur das zerwühlte Bett. Die Kissen waren herabgefallen. Alles schwieg. Kein Mensch war hier. Kein liebender Laut tönte mir entgegen. Ich befand wich allein, allein, wie ich nun immer durch dieses trostlose Leben schreiten sollte!
Da floh ich aus dem Zimmer. Ich setzte mich drüben nebenan an den kleinen Schreibtisch Marias. Ich hob das Tuch, das lang bis zum Boden hängend ihn bedeckte. Da stand noch alles, wie es gewesen war. Die Bilder, föip kleinen Gegenstände, die eine Frau um sich liebt, unnütz uitb doch nötig zur Bequemlichkeit, zum Schmuck, zum Wohb- gefühl der Behaglichkeit. Das alles hatte sie bis zum letzten Augenblick so gelassen. Vielleicht sollte es noch fort» geräumt werden oder mitgenommen nach Meran? Ich wußte es nicht. Es war wohl vergessen worben in der Krankheit, der Eile der Abreise von den Leuten, die cs bequem gefunden hatteir, einfach die Decke darüber zu breiten.
Mir aber Ivar es, als müßte ich jener unbekannten Hand, die sich die Arbeit erspart hätte, dankbar sein für ihre Lässigkeit. Da lag noch die Mappe, etwas schräg, als ob der Besitzer sie eben erst zugeklappt und ein Stück beiseite geschoben hätte. Ich strich zärtlich über das Leder, das so ost meines Weibes zarte, feine, schlanke Finger berührt hatten. Dann nahm ich ein Tuch und begann den Staub von der Tischplatte zu wischen und von den Rahmen mit den Bildern, die im Halbkreise standen. Marias Eltern schauten mich an, weich, mild die Mutter, ernst der Vater, im Anzug des Bergsteigers, mit dem Seil über der Schuller, den Pickel in der Hand, als wollte er sagen: Dort gehöre ich eigentlich hin, in die Berge, in die Natur.
Wie ich das Auge über die Bilder vor mir gleiten ließ, siel der Blick auf eine Heine,- unscheinbare Photographie in einem schmalen Metallrahmen: Herzeloide. Es war das einzige Bild, das ich von ihr kannte. Sie hatte zu Maria einmal gemeint, sie eigne sich nicht zum Photographieren. Ich nahm den kleinen Rahmen in die Hand und besah die ruhigen Züge des alternden Mädchens. So lieb und vertraut blickten mich die großen Augen an, so ruhig, so selbstverständlich, als sprächen sie: Fasse Mut, und dir wird die Sonne wieder scheinen. In meiner Einsamkeit war es mir, als befände ich mich nicht mehr ganz allein, als redete wirklich eine freundliche Stimme mit mir, und leise klang es mir in den Ohren, jenes letzte Wort, das ich von Herzeloiden gehört, mit dem die Erinnerung au sie verknüpft schien: „Sie ist heimgegangeu."
Heimgegangen! Ja, heim zu Friede» und Schmerzlosigkeit, zu dämmerudenr Warten auf mich, der ich einmal doch wiederkehren würde zu ihr. Da empfand ich etwas wie Dankbarkeit gegen Herzeloide. Sie erschien mir als einziger Mensch, der mir noch Trost und vielleicht ein tvenig Ruhe brachte, nur durch ihre stumme Gegenwart auf diesein kleinen Bilde. Ich fühlte mich nicht mehr so allein. Maria hatte Herzeloide liebgehabt und Herzeloide Maria. >ich stellte das Bild vor mich hin. Es sah gerade mich an, und dieser weiche, ruhige Blick schien mir zu sagen: Ja, N ist heimgegangen, aber könnte sie noch sprechen zu dir,
sie neigte sich herab aus Himmelshöhen und flüsterte diL ins Ohr: Fasse Mut, lebe wieder dem Leben. Bin ich in Werzweifelung voir dir gegangen? Habe ich geweint? Habe ich nicht lächelnd dem härten jungen Tode ins Auge gesehen? Und ich bin nur eine Frau, du aber bist ein Wann. Sei ein Mann, Geliebter!
Durch Herzeleides Mund schien Maria zu sprechen. Da faßte ich Mut, richtete mich auf und stellte das kleine, unscheinbare Bild zurück, dorthin, wo es gestanden hatte, mitten hinein zwischen die Photographien vor mir, die Maria einst vor sich gehabt, wenn sie schrieb. Hier schrieb sie. Hier ruhten ihre Arme. Hier ihre Hände aus bjer Mappe. Ich schlug sie auf und blätterte die Lvschpapier- seiteii nm: ein paar Briefumschläge und Bogen lagen da, lila, ihre Lieblingsfarbe. Ich nahm sie in die Hand, einen nach dem anderen. Sie waren leer. Ein Duft, den ich begierig eiusog, schien daran zu hängen. Ein zarter, leiser Duft, nur so, daß man fühlte, dieses Papier war in einer belebten Hand gewesen, hatte einem gedient. Langsam schob ich sie zusammen. Ich blätterte weiter. Nichts fand ich mehr. Unwillkürlich fühlte ich in die Seitentaschen, und wie ich tastete, knisterte es darin. Einen halben Briefbogen zog ich hervor: Marias Schrift.
Ich hielt das Blatt ans Licht. Ich sah. Ich las. Meine Augen blieben haften. Bon neuem flogen sie über die Worte, die dort standen, und wieder, immer wieder begann ich zu lesen jenen angefangenen Brief an mich, der vielleicht nicht beendet wurde, weil ich vom Dienst zurückgekehrt Ivar, während sie mir schrieb, oder weil fie unterbrochen worden war und schnell das Blatt verborgen hatte, darauf Liebe stand, nur, nur Liebe.
Diese Zeilen hießen:
„Du mein Leben, Du mein Glück, laß es Dir sagen, so gut ich kann, daß Du mein Gedanke bist vom Erwachen bis zum letzten Ateiuzuge. Es kann kein Dasein mehr ohne Dich geben. Ohne Dich möchte ich nicht mehr auf dieser Erde sein, und . .
Und? Und?
Der Tod spricht nicht mehr. Sie ist von mir gegangen und nahm alles mit sich, was nach diesem „Und" noch steht in ewigem Schweigen. Nun sitze ich hier vor dem Geistergruß ihrer Hand und sinne und zersinne mir das Hirn: Was hat sie noch sagen wollen? War es ein Wort der Liebe? War es eine Frage an mich? Wie geht <es weiter? .... Und?
Mich litt es nicht mehr im Hause. Ich floh, wie ich aus' Meran geflohen war. Es war Sommer, glühender Hochsommer. Die Hitze brütete sengend und zitternd über den Wiesen, das Land dürstete nach Regen. Wer nicht gebannt blieb an die Scholle, eilte fort an die See, in die Berge, irgendwohin, wo kühlere Lüfte wehten. Ich ging in die Berge. Nach Meran hätte ich nimmermehr gekonnt, aber mir war es, als müßte ich in der Nähe bleiben, weil ich dächte, wenn die Sehnsucht dich überkommt, bist bit nahe von ihr, kannst in wenigen Stunden hin, an dem kleinen Hügel stehen dort unten in dem sonnen- glühenden Tal
(Fortsetzung folgt..'
Das Denkmal für Viktor Emanuel II. aus dem römischen Aapitol.
Zur Einweihung nut 4. Juni
Am 4. Juni begeht Rom ttnb ganz Italien das Hauptsefl seines Jubeljahres. Das Unglaubliche wird Ereignis, daö große Nationaldenkmal auf dem Kapitol, über das Römer nnb Fremde ein Menschenalter hindurch spotteten, erhält die Weihe der öffentlichen Erschließung. „Es wird nie fertig", sagten die Betrachter »och vor zwei Jahren, nnb die römischen Antochtboncu wandte» gar ihr Sprichwort an, „es ist länger als das Hemd von Bartholomäus", womit sie jedes Ding, das kein Ende nimmt, bezeichnen. Auch schlossen sie gern mit der Prophezeiung: „Die Kinder unserer Kinder werden uns sagen können, wie es ist."
Auf jeden Fall handelt es sich bei deut Bauwerk nm. das' größte Denkmal, das die moderne Welt hervorgebracht hat, Und das selbst unter beit Monumäntän. der antiken Welt den Vergleich mit den größten aushalten kann. Ausgenommen würde der Gedanke ei» Jahr nach beut' Tode des „König Ehrenmann", 187Ü. , Als Grundidee schwebte vor, nicht sowohl ein Andenken E dreien König, sondern auch ein Wahrzeichen des. neuen italie- nischen Einheitsstaates zu schaffen. Die Aestheten ereiferten sich M Verein mit den Kunsthistorikern nicht wenig, als. das Projekt Nnftlanchte, Has große .Denkmal aus dem, Khpstol zu errichten,-


