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Stimmen: „Heißa!" Und ein Singen war aus den Wagew/ ein Lachen und Schreien, daß der Agent, der, in städtischem Paletot, die erste Britschka lenkte, sich schmunzelnd nm- drehte: 's erste Geschäft auf eignes Risiko, 'n ferner Schub/ ’n feines Geschäft! Nu, sollte er, der Isidor Lcheftel, der Sohn des Löb Scheftel aus Miasteczko, nicht kennen feme eignen Landsleute? Wenn die kamen morgen so lustig zur Ablieferung — frische Ware, gute Ware — was ver-r diente er da? . . , , ,
Er rechnete und schmunzelte m sich hinein, und schmmm zelte und rechnete wieder und schnalzte Mit der Zunge und tief zwischendurch: „ o. <
He, noch so ’n Lied, noch fo n schönes Liedchen. ’n feines Lied, ’n lustiges Lied! Werdet ihr kriegen ’ne Gurke, ’nen Hering, soll mer’s nicht kommen drauf an, euch zu spendieren ’n Schnäpschen in Posen. Wer ich euch geben lasseii ’nen Kaffee, wenn wir werden fein tu SBcrlin! Spc, jinßt!" 1
Ein Schnäpschen, einen Hering, eine Gurke, einen Kaffee in Berlin — heißa! „
Und sie fangen nnd alle schauten vorwärts. ,
Nur eine sang nicht, und die hatte doch eine gute Stimme, hatte früher so hell gesungen wie die Lerche am! Ackerrain, wie die Wachtel im Korn. Das war die Michalina. Auf dem letzten Wagen saß sie, ganz zu hmterst, unbl hatte ihr Bübchen auf dem Schoß. Auf ihrer «uibe lauerte sie, aber verkehrt herum: beit Rücken nach der Fremde, da» Gesicht zurück in die Heimat gewendet. Durch den Schleier, ben die Regenschauer vor ihre Blicke hingen, sah sie fern den Lvsa Gora tote einen Schatten schwinden. Und Großvater Dudeks Hütte bei den Pappeln von Chwauborczhee nnd bie Akazien von Przyborowo sah sie, und dort — noch nicht weit und doch schon so ewig lueit — das Haupt der llnfted- lung, darimreii sie geivohnt hatte. Und den neuen Krug mit dem Ziegeldach sah sie wie einen brenne,idroten Fleck nnd die Saatfelder Und die Kleebreiten, die Kartollel- äcker und grünen Raine und den Turm, den schwarzen -mtrm! von Poeiecha-Dorf, und den Kirchhof, darauf Großmutter! Nepomncena schlief, die Heiligenbilder und Meilensteine und alle, alle Wege, über die sie so oftmals gehupft war. Und dort — wie einen tiefblauen Strich, dort, ganz hinten, wo Himmel und Erde ineinander flössen — den Wald, die Kiefern von Chwaliborczyee! Und davor, ach, davor r.
Tief aufseufzend schauderte Michalina, und dann weinte sie plötzlich laut auf und streckte ihre Hände 6uruct: dort war er versunken, untergegangen! Helfe ihm Gott.
„Daß Gott uns allen helfe!" Und sie bekreuzte sich und das Bürschchen und dachte daran, was der ^endreS ihr geschrieben. Ihr guter Bruder! Entgegenkommen wollte er ihr bis Berlin und sie und das Kmd nut sich nehmen dahin, wo er Arbeit gefunden hatte und es ihm sehr gut ging, und wo es ihr auch gut gehen wuroe, ihr und dem Bübchen. Freuen mußte sie sich doch: zum ^en- drei, zum Jendrek! Warum trauern? Was ließ sie denn hier? Nicht viel, o, nicht viel! Eigentlich gar nichts, denn die Bräuers ivürden nun aua) bald fortziehen, der Gospo- darz halte seine Stelle verkauft. Au den Rhein wurden die zurückziehen, woher sie gekommen waren. Und-die.Ihren ।— ach, die waren ihr fremd geworden! Was sollte sie nun. noch hier so ganz allein?!
Und doch weinte die treue Michalina und ftreche ihre Hände verlangend zurück — alles schwand, alles schwand! wie ein Traum und -lieb doch im Herzen einig lebendig!
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lieber singende Auswanderer prasselten Regenschauer nieder, und dann stach wieder die Sonne, und der Himmel lachte hell, grau und blau in ewigem Wechsel.
Nur der Turm von Poeiecha-Dorf ragte gleich schwarz’/ ob bei Sonne, ob bei Regen. Und schwarz auch, wie em Sch all en mitten im umflutenden Licht, stand der Vikar vor der Tür der Propstei. Ta war kein Vorüber, das er nicht hörte. .
Ob nun die Garczhnskis zur Bahn rollten — Herr von Garczynski saß im Reichstag und Frau von Gctrczynskä besuchte oft die Residenz, auf dem Rücksitz der Equipage, dem’ jungen Herrn gegenüber, saß wieder wie einstmals die blonde Stasia — oder ob Pan Szulc mit Fräulein Kestner vorüberritt — oder ob die Herren von der Kommission gen Chwaliborczhee rasselten, die dort bereits in Angriff genommene Parzellierung zu beaugenscheinigen . oder ob Lehrer Ruda vorüberwankt.e — oder die Eivika
Still spann sich das 8eben auf Denischau weiter. Mau begegnete der Witwe mit vieler Freundlichkeit, und Hoppe b^n^ott' sei Dank!" In einem tiefen Gefühl des Dankes legte die Witwe ihre Hände zusammen: sie wurde den Knaben das Erbteil ihres Vaters erhalten ! Und hier bleiben sollten sie. Nein — nicht wie Paul ihr geraten hatte, als et am Grabe des Freundes gestanden und die Tranen ihm in den zuckenden Schnurrbart gelaufen waren ßmst ins Kadettenkorps uiid dann ins Heer! O nem. Hier, hier sollten sie aufwachsen. Arbeiten lernen mußten ihre Hände, damit sie kräftig wurden wie die des Volle». Damit sie dereinst auch stark genug waren, festzuhalten, wa» ut sie gelegt war! , „ r. . ...
Wie Sic meinen, Helene," hatte Paul Kestner grsvgt. „Und Sie mögen recht haben! Wenn niem Vater gedacht hätte wie Sie, so ginge jetzt vielleicht nicht das ewige Lied von „Przyborowo verkaufen", „Przyborowo lov- schlagen", lasschlagen ä tout prix. Dann würde id) lleden!"
„U n f r e Kinder werden das Land lieben," tagte He- XCTIC feft.
Es war dem Rittmeister eigentümlich durch und durch gegangen, als er sah, wie die geliebte Frau im kiesen Schmerz sich über die Grabstätte neigte. „Unsre Kinder Werden das Land lieben" — war es nicht, als gelobte sie es dem da unten wie etwas, was er zu verlangen hakte?! Sie stand und hatte ihre Hand auf die Steinplatte gestützt.
So stand sie noch, so lange er sie sehen konnte, mitten im treibenden Grün. Und er hatte sich noch oftmals nm- gedreht. Ter Abschied war ihiir sehr sauer geworden. Cigeut- lich hätte er schon auf dem Wege zur Bahn seut muffen; sein Urlaub, ben er zum Osterfest genommen hatte, ging heut abenb zu Enbe, er mußte schleunigst neu Nachtzug benutzen, zurück in die Garnison.
Der am Vormittag ganz heitre Himmel hatte sich jetzt umzogen, als Paul Kestner zur Eisenbahn fuhr. Ein bleiernes Gran spannte sich über die Weite, tn farbloser Monotonie lagen bie- Felder. Himmel und Acker, nicht» wie Acker uub Himmel. Alles grau und ein paar kaum sichtbare graue Hütten darin. Und dieses Gran beschlich auch fein Herz. So weit der Himmel uub so weit die Erde! Tas "mar eine Melancholie sondergleichen, ein Arm- fein an Schönheit, das er nicht mehr vertrug. Er gähnte Und zündete sich eine Zigarre an: Gott fei Dank, daß er nun wieder in die Garnison kam! ’Nein, auf die ^auer war's hier nicht auszuhalten! Unmutig schleuderte er die bben angezündete Zigarre ans dem Wagen und schrie dem Kutscher tat: „Schneller, fahre schneller, ou Schlafmutze! Wahrhaftig, den armen Hanns-Martin hatte das hier auch geliefert! Armer Kerl! , .
Der Rittmeister fchüttelte den Kops uub versank m Gedanken. Er hatte nicht acht, daß eine Britschka Hutter shm drein rasselte — nein, nicht nur eine, es waren der Gefährte drei, vier. t
Von Pociecha-Dorf ab waren sie der Raderspnr de» Herrschaftswagens gefolgt. Auch sie wollten zur Eisenbahn; ynch sie jagten, als sei jede Minute Aufschub ein Schaden, äls feien sie gar nicht rasch genug zu passieren, diese tief ausgefahreuen Geleise und hier diese aufgeschütteten Schotterdämme. Zufammengedrängt fuhren Burschen und Mädchen, dicht aufeinander gepfercht mit Sack uub Pack. Aus ihren Bündeln dauerten innen int Karren die Weiber, die Tücher tief in bie Stirnen gezogen, blöd uub stumm wie das Vieh, das verladen wird. Aber die Burschen, die vorne und hinten aufhockten, johlten laut. Sie hatten noch kpacker getrunken im Krug beim Eiweih, der Agent hatte spendiert. Heißa, mochten andre daheim bleiben im armseligen Nest! Wenn sie nun wiederkänien, Geld in der Tasche, neue Kleider auf dem Leib, bunte Tücher int Knopfloch, bann würden sie spendieren, dann hatten ste ja was! Dann würden sie auch etwas dranfgehen lassen: Gulden und Täler, Scheine und Gold — es kam gar nicht darauf an — und trinken, tanzen und von der Welt erzählen, der bunten, lustigen, reichen Welt. Da mußte mau wohl arbeiten, aber lange nicht so schwer wie hier. Und mau wußte doch auch: wofür. Draußen war alles viel besser, alles viel taufenbmat besser als hier!
/,Heißa!" schrien sie aus voller Kehle und pufften jubelnd die blöden Mädchen. Und diese erhoben auch ihre


