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sich sofort aus. In biblischem Orient WNrzelt seine dichterische Kraft:
„An einem Tag int frühen, Herbst ging ich entlang ben Meeresstrand,
Mas Haupt entblößt, den Blick gesenkt, die Weder Davids in der Hand!"
Moostee — Bilderbiüel, es ist kein willkürlicher Kon- kvast, sie nebeneinander zu stellen, sie bilden den Sftuk der Weinander sich verschiebenden Traumgestalten, ine. der Genius vormgewaliig eint und neuschintrnerndes Leben daraus bildet. 18 jährig traf den Jüngling der Tod seines Vaters und er ging n ein Geschäft nach Amsterdam. Hier trat das Meer in den Kreis einer Anschauung; er folgt in seinen Gedanken den ein- und aus- egelnden Schiffen nach Afrika, Jttdien, Amerika, und Gedicht auf Gedicht folgen biefeit Anregungen. Mit einem Schlag machen diese Gedichte ihn berühmt. Chamisso, der aiterkannte Nestor unter Yen Poeten, erkannte die echt dichterische Seele, die sich im Ungestüm ihrer Kraft nun vor der Verleitung Mm Häßlichen und Wilden hüten mußte. Auch gingen diese Erstlinge sogleich in Schulbücher über, was die schnell errungene Popularität Frei- ligraths besonders bezeugte. Die farbenglühenden Bilder ergriffen besonders die Jugend, die in gedrückt tatenloser Zeit die Sehnsucht nach kühner Lebensentfaltirug und Lebensführung entfaltete. Er hatte seine eigentümliche Form und handhabte sie virtuosen- haft; das Jahrhundert der Dampfschiffe und Eisenbahnen, des Weltverkehrs hatte in ihm einen Sprecher gefunden.
1836 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte drei Jahre ttls Kaufmann in Barmen. Durch Chamisso und Schwab ermutigt, zu deren Musenalmanach er schon viele Beiträge geliefert hatte, erttsagte er ganz dem Kaufmannsstande, um sich oer Poesie zu widmen. „Ans Herz der Heimat wirft sich der Poet, ein anderer Und immer noch derselbe," so sagt er im Widmungsgedicht für das malerische und romantische >,Westfalen", das er mit Levin Schücking herausgab.
Er hatte sich in Unkel am Rhein niedergelassen. Ein erstes schönes Poeteustück war die Herausgabe der „Äolandskinder", Um damit eine allgemeine Beisterter für die Wiederherstellung des eingestürzten Bogens der fagettumwehtett Ruine Rolandseck zu bewirken. Um diese Zeit trat die Liebe in fein Leben. Ida Melos, eine Professorstochter aus Weimar, die als Kind zu den Lieblingen des greisen Goethe gehört hatte, Erzieherin im Hause eines pensionierten Offiziers, zog ihn durch Hchfz und Geist mächtig an. Wundervolle Liebeslieder weihte er ihr. Frühjahr 1841 führte er diese als seine Gattin heim; zugleich folgte seine Uebersiedelung nach Darmstadt; hier wollte er eine Zeitschrift '„Britaunia" leiten, die die Vermittlerin zwischen England und Deutschlaub sein sollte; ein Unternehmen, wovon der Verleger bald zurücktrat. Der Dichter empfing dafür vom König Friedrich Wilhelm IV. eine Jahresdotation von 300 Talern; hiervon Machte er nur zweimal Gebrauch. Es war, durch seine Freunds veranlaßt, eine plötzliche innere Wandlung mit ihm vor gegangen. Während er seither von der Politik unberührt blieb, ivarf er sich mit ganzer Seele dem Liberalismus in die Arme. Es ergriff ihn mit solchem Feuer, daß er 1844 auf seinen Ehrengehalt verzichtete, um sich, durch feine Rücksichten gebunden, der neuen! Richtung frei hingeben zu können. Im Bewußtsein, daß der tzerhängnisvolle Schritt den König beleidigen mußte itnb daß fein keckes Auftreten gegen die herrschende Gewalt ihm Verfolgung zuziehen würde, verließ er Deutschland. Die Plackereien mit der Zensur, die er selbst erfuhr, taten das ihrige, um ihn den herrschenden Geistesdruck persötilich fühlen zu lassen. Er flüchtete nach der Schweiz und ging nach Belgien, 1846 nach England, wo er in London eine kaufmännische Stellung entnahm. Das freiwillige Exil sollte indessen keine Abdankung bedeuten. Er hielt sich vielmehr ttach wie vor Berufen, „der Trompeter der Revolution" zu fein. In ihm arbeitete der Idealismus seiner Zeit mit Leidenschaft weiter und der Dichter wurde deshalb ein Republikaner und Sozialist von schwärmerischer Begeisterung. Als endlich 1848 die Revolution losbrach, da jauchzte er im Ungestüm seiner Natur jhr zu. Aber ihr Verlauf ging ihm zu langsam; in seinen Vorstellungen sah er kein Heil von einet; Revolution, die vor den Thronett Halt machte. Er hielt seine Gegenwart für nötig, daher feine Rückkehr nach Düsseldorf, wo er sich an die Spitze bet demokratischen Partei stellte. Sein Sieber» mund gab ber Volksleidenschaft eine poetische Weihe; so bas Gedicht: „Die Toten an die Lebenden", Ganz Deutschland tötirbe davon elektrisiert,
„Die Throne jgehcn in Flammen auf, W Fürsten slichn zum Meere, Die Adler fliehn; die Löwen sliehn, die Klauen und die Zähne! Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveräne!^
Das Predigen der offenen Revolution ging der Regierung zu weit. Sie ließ ihn verhaften. Nach 6 Wochen fand fein Prozeß wegen Versuchs der Aufreizung der Bürger und wegen des Umsturz der bestehenden Staatsverfassnng vor dem Assisenhofe statt. Freiligrath verteidigte sich sehr geschickt, so daß die Geschworenen ihn frei sprachen. Unter unermeßlichem Jubel führte das harrende Volk den geliebten Sänger nach seiner Wohnung. Kurze Zeit nachher siedelte er zust Leitung der demokratischen .„Neuen Nheinischen Zeitung" nach Köln über. Die wilden Ge
dichte dieser Zeit enthalten oft die Stichworte des Parteisanatismtts' mit volksverständlichcr Derbheit, doch glänzen auch im Gewölk wie sichere Sterne die Ideale eines schönen freien Menschentums; ebenso zeigt sich die alte Kraft anschaulicher Darstellung hi steter Frische.
„O Deutschland, ein Erheben, o Deutschland, eine Tat!
Die Eisenbahnen pfeifen, es zuckt der Telegraph — Du aber bleibst gelassen, du aber bleibst im Schlaf! Beim Todeskampf der Riesin dastehst du wie von Stein Alles, wozu du dich ermattnst, ein kläglich Bravoschrei'n!^ Seine Ruse waren vergeblich, die Reakliott siegte auf der ganzen Linie und begann schonungslos ihr Rachegericht. Im Mai 1849 erschiett aus ber ersten Seite rot gedruckt sein trotziges Abschiedswort. Freiligrath traute der Regierung nicht und ging freiwillig mit seiner Familie ins Exil. In der Tat hatte er recht geahnt, ein Steckbrief wurde hinter ihm her erlassen, ein zweiter „wegen Umsturzes der Verfassung" folgte ihm ans britischen Boden; die Antwort war von London aus fein Trotz- und Zornlied: „Die Revolution". ,
Nach dem durchlebten Sturme schwieg der Dichter. Jetzt galt es, Frau und Kind zu ernähren. Ohne Dünkel auf seinen Dichterruhm, kehrte er zur Arbeit zurück; zuerst in einem jüdischen' Handlungshause, dann von 1857 an war er im Direktorium der Schweizer Bank tätig.
Die Leidenschaft hatte seinen dichterischen Geist ms Unge- meffene gerissen; die Innigkeit der Empfindung führte ihn wieder in die Tiefen des Gemüts. Solche Lieder waren ein Manifest an die Nation. Gelegenheitsgedichte grüßten die Nation, so beim Begräbnis von Johanna Kinkel, bei der Schillerfeier, beim Aufruf für Julius Moser usw. Eifrig beschäftigen ihn die Übersetzungen von Victor Hugo, Von Robert Burns und Thomas Moore, die mit vollendeter Meisterschaft ausgeführt sind. Im übrigen bewegt er sich vom Geschäfte in der City zu seinem Familienheim draußen in ber Vorstadt. 2 Töchter und 3 Söhne bildeten den schönen Kreis. Daneben stand er in reger Korrespondenz mit deutschen Freunden, so mit Theodor Eichmann, Karl Buchner, Gottfried Kinkel. Aus feinen Briefen strahlt immer seine Sehnsucht und Liebe zur Heimat hervor. Da geschah in Deutschland der erste Schlag zur Einigung; ber norbdeutsche Bund warb 1867 ge- grünbet; Preußen konnte sich der Sache ber Freiheit fernerhin nicht versagen. Staatsmänner und Heerführer arbeiteten daran, die Ideen des Liberalismus auszuführen. Zu dieser Zeit brach die Genfer Bank zusammen. Seine Freunde im Wuppertale eröffneten eine Bolksdotation für den Dichter, ber keine nennenswerte! Reichtümer sich zusamnieugespart hatte. Das Ergebnis war eine Summe von 60 000 Talern, einer Summe, die ber Dotation an die siegreichen Generäle würbig zur Seite stand.
Wie im Triumphe empfing man den Dichter am Rheine, als er 1868 zurückkehrte; selbst seine ftühreren politischen Gegner ehrten diese Huldigungen des Volkes, die dem ihm teuersten Dichter galten. Er ließ sich in Stuttgart nieder. Der Krieg von 1870 entflammte noch einmal feinen Patriotismus. Als es sich um die nationale Selbständigkeit handelte, schmetterte er in kriegerischen Gesängen den Geist des deutschen Volkes in jenen Wen aus. Sein „Hurrah Germania" rief mit reißender Macht zum Kamps um den Herd auf. Germania wirst die Sichel ins KorN und greift zum Schwert. Nicht minder ergreifend ist „Die Trompete von Gravelolte". Den Toten, ben Gefallenen ruft er bte Klagen des Vaterlandes um sie zu.
Zu den schönen Ausklängen des Dichters gehören Nur wenige Gedichte: „An Deutschland" und „Zum Friedensseste". 'Nun, sammelte er in 6 Bändchen seine Gedichte , und Ueberfefeungen; und widmete sie dem Vaterlanbe als Zoll seines Dankes. Hatte er doch reiche Siebe erfahren und den Weltsturm mit erlebt, der ent sreieiniges Vaterland gebracht hatte, wenn es auch auf andere Weis«! zugegangen war, als er es sich im Revolutionsjahre gedacht hatte. Ein schweres Familienschicksal, der Tod seines Sohnes Otto, suchte ihn 1873 heim; seitdem breitete sich ein Schleier wehmütigen Ernstes über fein Gemüt; seine frische, freubige Kraft war gebrochen.
Am 18. März 1876 erlag er ber Vergrößerung und Verfettung des Herzens, die eine Wassersucht zur Folge hatten, noch nicht 66 Jahre alt.
Mit ihm schieb einer unserer begabtesten Dichter, von großer eigener Produktivität als auch von bewundernswerter Ucber- setzungsbegabung. Viele Kräfte mußten von verschiedenen Serien zusammenwirken, baß unfer Deutsches Reich entstand; unter den Dichtern steht Freiligrath ruhmvoll da; seine Poesie ist vorn Adel und ber Größe eines edlen Menschen getragen,.
Neue Lieder.
Bei der Ueberprobuktion, die sich heutzutage! >vie auf allen Gebieten ber Literatur und Kunst, so auch auf bem der Sieber'» komposition breit macht und unvermeidlich verbunden ist mit einet Verflachung und oft bewußten SpekiilatioN auf bas Tagesbedürsms und ben Augenblickserfolg beim breiten Publikum, ist, es, für den Kuustfreunb ein hoher Genuß, in all dem ausbriugluhen „musikalischeu Geräusch" Halt machen zu dürfen vor den Schoß-


