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Ihres Vaters Tochter.

Roman von £11 f it von Strauß u n d Torney.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

19. November.

Ich habe wenig geschlafen iit den letzten Nächten und fühle mich matt und schwer. Aber ich bin wieder ruhig.

Vergessen habe ich ie§ ja doch nicht. Ich hatte nur absichtlich nie ein Wort davon ausgeschrieben. Aber meine Gedanken waren tausendmal unwillkürlich und gegen meinen Willen den Weg gelaufen. Schon die letzten Wochen im Krankenhaus und auch hier.

Die fremde Stimme, die so unbefangen davon redete, hat nun altes lvieder aufgestört, daß es mir schmerzhaft frisch und wirklich wurde.

Mer ich muß mich zusammennehmen lernen, mich stumpf dagegen machen. Es wird mir noch öfter begegnen, auf meinen berühmten Vater augeredet zu werden. Der Name Peter Florenz Weddigen ist Gemeingut. Tas, was ich allein, vor den andern voraus, daran besitze, ist nicht beneidenswert!

Für die andern ist der Name eben noch ein Gott und kein Götze. Auch sür ihn, Herrn von Berg.

Ich schäme mich, wenn ich an neulich denke. Was er nur von mir gedachst hat? Er ist seitdem nicht wieder Lei mir gewesen. Wenn wir uns treffen, ist er sehr förmlich.

Wenn ich es ihm erklären könnte? Nein, er würde mich nicht verstehen. Ich muß es eben mit mir allein abmachen. Vielleicht hilft mir die Zeit. Vielleicht ge­wöhne ich mich einmal daran, daß, in meinem Leben eine Dissonanz ist, die nie aufgelöst wird.

20. November.

Als ich heute zu Tisch herunterkam, Ivar Tilla mit Baby noch nicht da. Herr von Berg stand am Fenster, den Rücken zum Zimmer gekehrt.

Einen Augenblick wäre ich am liebsten wieder aus der Tür gelaufen. Dann nahm ich meinen Mut zusammen und ging zu ihm hin.

Sind Sie mir noch böse?"

Er drehte sich sofort um, plötzliche Freude in den Augen.

Sie haben mich allerdings nicht sehr gut behandelt, aber ich hatte Sie ja auch verletzt, wenn auch, nur un­bewußt. Haben Sie mir das denn (verziehen?"

Ich nickte.Ich habe die halbe Stunde sehr vermißt, die Sie sonst bei mir saßen." 1

Wir sagten beide kein Wort über den Grund der Szene neulich. Tilla kam auch gleich herein.

Also alles wieder eitel Harmonie. Er selbst bei Tisch so heiter gestimmt, wie ich «s an dem ernsten Menschen gar Ächt kenne. Er neckte mich mit meiner jüngsten Er­

oberung, Baby, der bei Tisch für niemand als Dada mehr Augen hat, köstliche blanke Blauaugen, in die ich mich ganz verliebt habe und neckte Tala, die heute wieder ein paar seitenlange Briefe von irgendwoher hatte, mit ihrer Leiden­schaft, Reisebekanntschaften zu kultivieren. Die beiden kamen auf gemeinsame Reiseerinnerungen, Tilla bekam rote Backen bei dem Thema Rhein, Wiesbaden, Hochzeitsreise und fing an, unter den blonden Wimpern her zu ihrem Mann hinüberzukokettieren. Sie war strahlender LaunE geworden.

Georg, kommt es dir auch nicht viel netter bei uns vor, seit Aga hier ist? Man redet doch mal etwas Ver­nünftiges. Ich finde es übrigens höchst albern, daß. ihr euch noch immer gnädiges Fräulein und so weiter tituliert, wo sie so als Familienglied bei uns lebt."

Wir waren beide eine Sekunde still, er und ich. Dann hob er sein Glas und sah mich au. . \

Also gut! Auf höheren Befehl!"

Aber Georg, wie unhöflich! Es muß dir doch selbst eine besondere Freude sein!"

Tillas komische Entrüstung half uns beiden über die Verlegenheit weg, er lachte jetzt auch.

Natürlich ist es das! Ich wollte mich nur durch die Redensart decken, falls deine Freundin es sehr imper­tinent fände."

Wie klug und geschroben er die Anrede vermied!

Ich wollte ihm zeigen, daß ich vernünftiger war: ich stieß mein Glas hell an seins.

Prosit, Georg!"

Im selben Augenblick fühlte ich, daß es mir heiß ttt die Stirn schoß, Ich ließ meine Serviette fallen und bückte mich danach, um es zu verstecken. Dieser rasche Farbenwechsel bei jeder kleinsten Gelegenheit ist eine Eigen­schaft an mir, die ich schon oft verwünscht habe.

Tilla stand nach Tisch aus und ging ans Fenster.

Aga, es ist heute so warm. Du bist noch gar nicht draußen gewesen. Komm, wir gehn einmal durch den Garten. Nein, Widerspruch hilft nichts. Hier ist mein! Pelzkragen."

Hinter benr Haus liegt ein kleiner Garten mit einem Grasfleck, ein paar Blumenbeeten und einer Weinlaube, ziemlich lieblos gehalten, in Ssfiziersburschengeschmach Aber heute war er doch schön in dieser verspäteten Ro- vemberwärme. Der Rasen hatte in der Sonne einen gelb­braunen Ton wie verschossener Samt, ein paar blasse zer- flatterte Monatsrosen blühten noch. Es war eine müde Weichheit in der Luft, fast wie im März.

Zuerst benahm mir die freie Helle Luft beinah den Atem, es wurde mir dunkel vor den Augen, eine wunder­liche Lahmheit fuhr mir in die Kniee. Ich wäre hinge­schlagen, wenn Tillas Mann nicht rasch meinen Arm ge­nommen hätte.

Kommen Sie, Agnes. Sie sind noch Patientin und dürfen M nicht zu viel zumuten."