kicher Richtung emporstieg-, Um itt einer Höhe von fünf- bis sechshundert Metern einige Uebungen vorzunehmen; Wendungen, Kreis- und Schleifensahrten, die exakt aus- geführt wurden und von der leichten Beweglichkeit und dex wirksamen Anordnung der Betriebs- und Steuerorgane Zeugnis ablegten. Dann nahm der Ballon erneu mehr nördlichen Mrs und stieg in größere Höhe. Dre Probefahrt war auf fünf Stunden angesetzt und sollte eure Schlerse über Baasen, Beekdemen und Kootwijk bis zum Ausgangspunkt umfassen. Der windreich zurückgelegte Weg betrug 310 Kilometer, die stündliche SDur^, hnittsaeschwrndrgkert schwankte zwischen 53,3 und 68,3 Kilometer: also die stärkste, die bisher erzielt werden konnte. Gegen sechs Uhr nachmittags kam der ,Excelsior" wieder in Sicht und wurde mit brausendem Jubel willkommen geheißen. Dre Landung vollzog sich ohne Schwierigkeiten. General Gras Ladenburg, den ich sprechen konnte, versicherte mut), daß auch bei einer Windstärke von zehn Metern und darüber rn der Sekunde die Stabilät des Ballons vorzüglrch gewesen sei. Um sieben Uhr fand in der .großen Festhalle ein Prunkmahl statt, bei dem der Prinz der Niederlande auf das Wohl.des Herzogs von Abeelen toastete; der Herzog hielt eine A nche zu Ehren der Königin und des Prinzgemahls, L Drummond trank auf die Zukunft der Luftschiffahrt."
Die Abendblätter brachten bereits ausführliche Feuilletons ihrer nach Uttenhooven gesandten Korrespondenten und dazu die ersten Berichtigungen der telegraphierten Zahlen. Wer ließen sich auch endgültige Schlüsse erst nach Bekanntgabe der genauen meteorologischen Verhältnisse ziehen, so stand doch heute schon fest, daß der Thp des ,,Excel- sior" für die Kriegsluftschiffe der Zukunft der maßgebende sein werde und daß man in bezug auf das Lenkbarkeits- Problem die Höhe der Schwierigkeiten im wefentlichen überschritten hatte.
Nun wartete man noch auf Feßler, den Repräsentanten der Firma Friedel in Uttenhooven, dem es fast genau so ergangen war, wie Msselholz vorausgesagt hatte.
In dem Ungeheuern Trubel, der in Uttenhooven herrschte, fand er sich anfänglich überhaupt nicht zurecht und war froh, als er in dem Barackenhotel der Firma Holst noch ein winziges Zimmer bekam, für das er zehn Gulden beii Tag bezahlen sollte. Wer er wütete noch mehr, als auch Essen und Trinken dem Zimmerpreise entsprach und dabei misepcchel war. Ms er sich einigermaßen gestärkt hatte, machte er sich auf den Weg nach den Bureaus der Deutsch-niederländischen Luftschi.fer-Gesellschaft. und da entschädigte ihn denn das bunte Treiben in der Barackenstadt und auf dem Festplatze wenigstens etwas für die veri- brannten Kotelettes und den schlechten Moselwein. Sein Malerauge ergötzte sich an dem interessanten Bilde: an den flüchtig Hergesteliten Häusern aus Holz und Eisenblech, die alle bewimpelt und beflaggt mären, den Ehrenzelten für die souveränen Herrschaften, dem Riesenkreis der Tribünen, die mit billigem Kattun beschlagen waren, der aber in der Sonne wie purpurner Sammet leuchtete. Darüber hinaus blitzte das Grün der altberühmten weidereichen Wiesen und ragten die beiden Kirchtürme des Städtchens empor, diss fast 'tote türkische Minarets aussahen. Rechts von der Stadt lag der Aerodrom Abeelens, in dem der Ballon erbaut worden war, wiederum eine kleine Stadt für sich, aber nun verlassen und verödet, denn das Luftschiff hing bereits an einem Gewirr riesiger Taue, einem mächtigen Spinnennetz, inmitten des Barackenlagers. Hier war alles abgesperrt. Neben Feldjägern und Schutzleuten aus Amsterdam bildeten Soldaten Spalier und versahen den Sicherheitsdienst, meist Pontoniere, in der Nähe der Ehrenzelts aber aucy Kavallerie, Husaren und Leute von der Ordon- nanzen-Eskadron in ihren hübschen Uniformen. Dafür drängte sich jenseits der Barriere des Aufstiegraums die Menge: tausende von Fremden aus allen Nationen, besonders Deutsche und Engländer, und dazwischen das Volk aus der Umgegend und von weither, zum Teil in malerischer Landestracht, friesische Bauern und Fischer aus Zeeland und die niedlichen Frauen aus dem Norden mit ihren Spitzenbaubeu, vergoldeten Stirnbändern und den närrischen Ohreneisen. Ein Summen, Surren, Schreien und Lachen; die gellenden Rufe der Ausrufer, die in allen Sprachen ihre Waren priesen; daun wieder scharfe Kommandolaute, ein Au sein ander treib en der Menge, wirbelnde Staubwolken, ein
ierandonnerndes Pikett Husaren, das irgendeiner Fürstlich!- .eit Geleite gibt. ... , , .
Endlich fand Feßler die gesuchten Bureaus und sand auch Herrn Lesson. Wer der unterhandelte gerade mit einem Herrn Elsment, Elament oder Clamard (den Namen des Vorgestellten hatte Feßler natürlich kaum verstanden), einem fetten Mann mit spitz gedrehtem Knebelbart, und war in hastender Eile. Nichtsdestoweniger hatte er ein paar liebenswürdige Worte für Feßler —• natürlich aus Französisch, und nun raffte der Malersmann alle seine Kenntnisse des Welschen zusammen und fragte nach seiner Platzkarte. Platzkarte — ah — ah so, für Kommerzienrat Friedel! Lesson brüllte durch ein Telephon, brüllte dann in ein Nebenzimmer hinein und brüllte schließlich ein junges Btädchen an, das vor einer Schreibmaschine saß. Das Mädchen lief davon, kehrte zurück, erzählte eine lange Geschichte und wurde von neuem angebrüllt. Hierauf schrieb Herr Lesson etwas auf seine Visitenkarte, reichte sie Feßler und sagte verbindlich: es sei eine Mordsschweinerei mit den Billetts; aber Monsieur möge nur die Karte vorzeigen, er bekäme dann den Platz für den Marquis de Poitevin, der im letzten Augenblick abgesagt habe — einen ausgezeichnete!» Platz.
Dabei beruhigte sich Feßler, schlenderte nochmals durch das Volksgewühl und kehrte dann in sein Hotel zurück. Hier hatte ein Engländer sein Zimmer mit Beschlag belegt, der behauptete, er hätte es schon vor vier Wochen bestellt. Jetzt schäumte Feßler; ein gewaltiger Spektakel Hub an, und auch der Zimmernachbar wurde rebellisch, fuhr aus seinem Gemach und verbat sich den Lärm, wurde aber plötzlich äußerst scharmant und begrüßte Feßler herzlich, denn es war kein anderer als Graf Eldriugen. Noch einer war bet ihm, derselbe Herr Element, Clamant oder Clamard mit dem spitzen Mebelbart, den Feßler schon bei Lesson getroffen hatte, der sich aber bald empfahl. Graf Eldriugen dagegen erwies sich als der alte liebenswürdige und immer gefällige Kavalier, zeigte lächelnd seine breiten Zähne hinter der zu kurzen Oberlippe, unterhandelte englisch mit dem Englishman und französisch mit dem Wirt des Hauses und setzte es durch, daß Feßler sein beschlagnahmtes Zimmer wieder frei bekam. Er stellte sich Feßler auch sonst ganz zur Verfügung, besorgte ihm eine Kürte für das große Bankett in der riesigen Festhalle und war von einem so entzückenden Entgegenkommen, daß Feßler ihm heimlich alle seine Antipathien abbat.
Nun blieb nur noch der Besuch beim Herzoge 'übrig, aber auch von dem befreite ibn Eldriugen. Der Graf wußte nämlich ganz genau Bescheid: Abeelen war zur Audienz beim König der Belgier, dann beim Prinzen der Niederlande, dann beim Erzherzog Friedrich, dann beim Großfürsten Mrill Wladimirowitsch: ein vielumworbener Mann — er empfing überhaupt feine Gäste. Das war Feßler durchaus recht, und so begnügte er sich denn, seine Karte in die Wohnung des Herzogs zu schicken. Es war ja nur Formsache.
Jetzt war der große Augenblick da. Der Platz des ausgebliebenen Marquis de Poitevin erwies sich wirklich als recht günstig. Feßler kUipPste vergnügt an seinem Kodak, um zunächst einmal das Gesamtbild zu fixieren. Nun spielte das Schauspiel sich programmäßig ab. Der Aufstiegsraum begann sich zu füllen; um das Taunetz, das das schwebende pngeheuer gefesselt hielt, zog sich ein Kordon von Pionieren. Die Tribüne, auf der Feßler saß, war allerdings ziemlich weit entfernt, aber sein 'Platz so hoch, daß er alles deutlich erkennen konnte. Ein Mnonenschuß, eine feine quirlende Rauchwolke. 'Jeder Mund verstummte. Nun sah Feßler die von hier oben winzig klein erscheinende Gestalt des Herzogs von Abeelen vor der Fürstenloge. Der Herzog sprach — aber es war kein Wort zu verstehen. Wieder ein anderes Bild, und jetzt richtete Feßler fernen Kodak. Im Aufstiegsraum war nur noch eine kleine Gruppe Menschen sichtbar. Feßler visierte scharf. Schon bestieg man die Gondel. Feßler reckte den Hals und beugte sich weit vor. Er sah: der Herzog wandte sich an den Mann hinter ihm. Das war der Direktor Lesson. Der reichte ihm etwas Blitzendes: eine Flasche in silberner Hülse. „Unser Ex- celsior!" jubelte es in Fehler. Und wahrhaftig, jetzt hörte Feßler auch das Wort „Exeelsior". Der Herzog rief es laut und schallend, weithin tönend über den Platz — und nun blitzte wieder etwas in feiner Hand: das silberne Beil.
Knipps —. kni PPS . . . Hastig schob Feßler seinen Ko-


