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Reife.

Selige, sonnige Tage sind vertauscht und verhallt Schlehen reifen im Hoge, müde, herbstliche Klage geht durch den einsamen Wald.

Tage, die längst gestorben, irren grüßend vorbei Jugend und Kraft sind verdorben, Liebe, einst selig umivorben, war wie Gewitter im Mai,

Rosen, duftende, rote, welkten dahin über Nacht Reif zum erlösenden Tode grüß ich dich, tröstlicher Bote, Herbst, deni die Ernte lacht.

Karl Neurath.

Das schlafende Heer.

Roman von Clara Wie big.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Der Abend war schon tveit vorgeschritten, als die Ver­sammlung sich auflöste. Doleschal war noch nie so lange gebliebem Aber heute war es ihm eilte Freude, unter den Leuten zu sitzen: unter deutschen Männern, in einem deutschen Krug. 'Wo steckte nur der juuge Wirt? Zuerst hatte man dessen Fehlen nicht bemerkt, jetzt aber fiel es auf. Warum war er nicht zur Stelle? Doleschal fragte die braune Magd, die geschäftig hin und her rannte und die Gläser füllte. Da spiegelte es in den blanken Augen der Braunen wie von Tränen, und sie antwortete, betrübt den Kopf schüttelnd:Js sich krank junge Gospodarz, rs sich sehr krank, arme Walenty!"

Der Mond war auf feiner Bahn bereits tief hinab­gerutscht, als der Deutschauer Herr aus der Ansiedlung hinausritt. Sein Pferd hatte ihm das braune Mädchen vorgeführt. Da hatte er Valentin Bräuer grüßen lassen und ihm gute Besserung gewünscht.

Schade, er hätte den hübschen Jungen gern einmal wiedergesehen! Der meldete sich nun gar nicht mehr m Deutschau. Aber seine Wirtschaft hatte er gut im Zug, trotz der polnischen Frau, das mußte man anerkennen. Selbst die Magd war gut gezogen; obgleich des Herrn, Auge nicht über ihr gewesen war, hatte sie trefflich ihre Pflicht erfüllt.

Hinter dem einsam, unterm fast lichtlvsen Himmel Da- hinreitenden ragte der Turm von. Pociecha-Dorß und vor

ihm ragte der Lysa Äora. Das waren die beiden Pole eine§ nächtlichen Ritts. Durch das endlose Meer der Felder, wie dahergeblasen vom Nachtwind über die endlose Ebene, trabte der Gaul. Der Hufschlag klang hart an dem vom Sonnenbrand ausgetrockneteu Boden. Mau horte rhN fernhin. . ,

Die Brust des einsamen Reiters wettete sich. Heute empfand er das Alleinsein nicht als Qual, war es doch kein Alleinsein mehr auf einer Insel, umflutet von einem wilden Meer. Henle waren die Wogen glatt, man konnte sie durchschiffen; man war nicht abgeschnitten und ver­lassen, willige Hände streckten sich aus, schwieltge, arbecks- tttchtige Fäuste. c ,

Dvleschal hatte beim Fortgehen allen der Reihe nach die .Hand geschüttelt das waren biedere, kräftige, ur- deutsche Händedrücke! Was ihm bis jetzt nie als recht mög­lich erschienen war: das Zustandekommen ferner Wahl. heute dünkte es ihn nicht mehr unmöglich. Zutraulich hatten sie ihn gefragt: nach seinen Ernteaussichten, nach Jeiner Frau, seinen Kindern; und er hatte sich nicht aolehnend verhalten wie früher wohl, er sah es jetzt ein: es tat not, daß sie auch von ihm etwas wußten, er nicht nur von ihnen. Das reichlich gespendete Bier hatte ihnen die Zungen gelöst, und bei ihm hatte ein warmes, ein ihn mächtig! überkommendes Gefühl der Zusammengehörigkeck - viel­leicht zum ersten Mal in seinem Leben , das Junkertum über den Hausen geblasen. Deutsch, deutsch, das ging vor allem! Deutsche, hoch das Panier! Schwarz-weiß-rot, ttt diesem Zeichen wollen wir siegen!

Er gab seinem Pferd den Sporn und galoppierte auf den Lysa Gora zu. Rasch heim! Was würde Helene sagen?! In die Arme wollte er sie pressen:Mein liebes, mein treues Weib, vergib! Ich habe dich viel geaualtl Aber wer kann für die schwarzen Gedanken, die t>a_ kommen, krächzend wie die Raben, lind sich frech uiederlassen? Wer kann dafür, daß ihn der Unmut übermannt, die ohnmäch­tige Wut, die zage Furcht ja, die Verzweiflung juenit er sieht, daß all sein Streben vergebens tst, daß fünfzehn Jahre des Schaffens in Sorgen und Mühen nur sind wie ein Tag?! Ja, daß das ganze Leben, nicht nur das eigne, auch das des Baiers und des Großvaters, daß all die Zeit, die Deutschau steht, ein Nichts ist? Daß eine Minute die Fahne nieder in den Kot reißt, die stundenlange Arbeit dem Lysa Gora aufs Haupt gepflanzt hat?!"

Aber jetzt, Helene, ich schwöre es dir, jetzt ivird es besser werden!"

Doleschal sagte es laut und lächelte dabei. Er hob sich int Sattel und wiegte sich leicht. Nun dünkte er sich wie­der jung. Nur ei» bißchen Freude, nur etit bißchen Hoff­nung, nur ein bißchen Genugtuung, tote tut das gut. Es war doch kein Traum, der Traum vom deutschen Land. Hier diese Felder würden deutsch sein, deutscher als die am Rhein, deutscher als die längs der Vogesen, denn sw waren noch schwerer errungen. Schwerer,. Viel schwerer