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Ohren!
Die Bräuers hätten einen guten Griff getan, viel-, mehr der Valentin, dem mußten sie's danken, nut jeuer Woche mehr. Frau Kettchen konnte sich ruhen, d:e^Magd litt nicht, daß fie viel schaffte, die zwang die Arbeit schon allein. Sie wusch, sie scheuerte, fte melkte, sre futterte; und ging, war das Haus beschickt, noch zu den Mannern auf den Acker, wo jetzt die Kartoffeln schon aufgmgen und der erste selbstgesäte Roggen der neuen Heimat in Die Halme schoß. .,, , .
Es kam der Michalina gar nicht darauf an, auch Männerarbeit zu beschicken. Peter Bräuer lachte sich oft eins, wenn er sah, tote die flinke Dirne den Gaul an- schirrte oder die Ochsen, und wie sie dann, die Peitsche ttt der Hand, oben auf dem Rand des Ackerwagens balanctertä und mit gewaltigem Küallen zum Hoftor hmMskutschierte.
Und gelehrig war sie, zum Erstauneu! Ein deutsches Mädchen hätte nicht so rasch polnisch gelernt wie sie deutsch. Teil Valentin verstand sie ernt besten, dem sah sie's an den Augen ab. Es wär ihnen allen balch kein Geheimnis niehr, daß die polnische Magd den jungen .Hau--- sohn gern sah. Bräuer machte seine Spaße darüber, selbst die Kinder neckten die Magd. .
Sie nahm's nicht übel. Kem Rot des Beleidigtseins stieg ihr in die jetzt zur Sommerszeit tiefbraun gebrannten Wangen; sie lachte immer mit und zeigte die weißen Zahne. Froher als sie konnte niemand fein; im Stall, in der Küche, hochaufgeschürzt, mit nackten Beinen beim Dung^ auswerfen oder auf beu Killen beim Dielenscheuern, gM } Rain beim Futterschneideu oder die Schultern tief geduckt | unterm schweren Grastuch, mit dem Besen, nut dem Rechen, mit der Gabel, mit der Sichel, imnter sang dre Michalma. Warum sollte sie traurig sein? Sang nicht dre Lerche auch am Ackerrand? War nicht dre Sonne hell tote eilt] freundliches Gesicht? , . ~ .
Nach Feierabend, wenn dre Arbeit getan war, saß fte I gern noch ein wenig vor der Tür. Aus der Schwelle hockend, die Arme um die hochgezogeueu Küre geschlungen, sang sie hinein in die stille Welt, sich sacht hin und her wiegend im eintönigen Rhythmus. Dann kauerten dre Kinder bei ihr und hörten ihr zu, uird auch Valentin lehnte ost am Türposten, die .Arme über die Brust verschränkt^ I und lauschte. , t t, ,,
Sein Blick irrte verträumt rn die danrmernde Unend-- I lichkeit, auf die langsam' die Nacht sank. Fern in den Kornfeldern rief traulich die Wachtel, das braune Mädchen sang I — immer dasselbe, es klang einschläfernd —, aber seing I Seele fand keine Muhe. Er dachte an Stasig,
(Fortsetzung folgtll
schöner klang als daß harte „gib' mir 'nen KE"! Nie Mehr I würde sie sich an ihn schmiegen, biegsam gleich den Weiden, | . die am Rheinufer wachsen. Nein, die Stasia war nicht so I \ eine wie die in Köln, mit der sich's leicht poussieren laßt, I die Man aber auch eben so leicht wieder vergißt! O. nein, . der Stasia mußte Man sein Wort halten! I ‘
„Ich muß sie heiraten," sagte er fest. I
„So — muß! Also so weit is et schon?! No natürlich, wie kann dat auch hier anders sein," höhnte derVater. I
Die Mutter überkam das Mitleid; es war etwas in dem i Blick des jungen Mannes, das sie zu Tränen rührte. „Gott, I och Gott, Valentin, Jung, wie konntste dich nur wert einlassen?" Sie wollte ihm die Hand a,uf die Schulter legen, aber er schüttelte sie ab. ,
„Wat fällt euch eiir?! So is dat dann doch mt! D e Stasia is ett anständig' Mädchen, en brav Mädchen, Nit | rühr' au! Schämt euch, dat ihr so wat von ihr denkt. I Ihr kennt sie ja gar nit, lernt sie nur erst emal kennen. I Ich muß sie heiraten — muß, sag' ich — 'vuß, muß, muß, I weil" ?— er schnappte nach Luft, eine heiße Blutwelle färbte I wieder sein erblaßtes Gesicht — „weil ich ihr so gut brn, | dat ich sterben muß, wenn ich sie nit krieg'!
Er hatte es laut her aus geschrien, nun warf er die I Mrme lang über den Tisch und den Kopf daraus. I
„Jeses Maria," sagte Fran Kettcheit ganz erschrocken, „de is ja rein wie behext! De arme Jung!" —
Als sie an diesem Abend ihr Nachtgebet sprach, betete fte inbrünstig für den Valentin. Mit ihrem Mann wagte I fie heute nicht noch einmal von der Sache anzufangen, I kurz hatte er sich jedes weitere Wort darüber verbeten. Taumelnd! wie ein Trunkener war Valentin zu feiner I Kammer hinaufgestiegeu, ohne das gewohnte „Gut Nacht I zusammen", ohne ein Nicken. Frau Kettchen hatte em Herz- I liches Erbarmen mit dem Stiefsohn. Als sie ihn als kleinen I Schuljungen, der seine rechte Mutter kaum gekannt hatte, übernommen, hatte sie bei der heiligen Jungfrau gelobt, I ihm eine gute zweite Mutter zu werden. Des hatte sie sich immer aufrichtig bemüht, und das wollte sie ihm auch fürder sein. Und sie nahm sich vor, wenn sie nur erst wieder ein wenig zu Kräften gekommen war, nach, Pociecha- Dors zu gehen und in der Propstei sich Rat in dieser schwie- ! rigen Angelegenheit zu holen. Mit diesem! beruhigenden Vorsatz schlief sie bald ein.
Anders der Mann — er konnte keinen Schlaf finden. Er war wohl müde — Hatte er doch den Tag doppelt hart geschafft, da der Sohn ihn im Stich gelassen und die Hauswirtschaft auch nicht im gewohnten Gange war — aber seine Gedanken hielten ihn wach die ganze Nächt. Als ob er das Mädchen nicht schon gesehen hätte! Der Sohn meinte wohl, der Vater habe ihm nicht längst nachgeforscht — oho, so dumm ist Peter Bräuer nicht! Hübsch war sie, ja. Er hätte sie Ostersonntag aus der Messe kommen sehen, städtisch gekleidet, fast wie eine Dame, mit einem Blumenhut Kus dem Kopf statt des landesüblichen Mützchens. Ihr Gebet- | buch hatte sie vor sich gehalten und den Blick daraus gesenkt. Neben ihrem Vater war sie. hergeschritten, der ganz stattlich aussah in seinem Jägerrock, auf den der rötliche Bart fiel — ja, potzdonner, Ehrenzeichen hatte der Förster auch! Anständig hielt sie sich, das mußte man sagen. Sie hatte ■ nicht gedrängelt wie die andern Dirnen, die, schnatternd gleich einer Herde Gänse, aus der engen Holztür gar nicht rasch genug ins Freie kommen konnten zu den Burscheii, die sich auf dem kleiuen Anger vor der Kirche hingepflanzt hatten. Aber wenn sie auch noch tausendmal sittsamer sich gehalten und das Geld hätte, das sie nicht hatte, und noch viel hübscher wäre, zur Schwiegertochter möchte er sie doch um alles in der Welt nicht haben! Was sollte die Polackin hier im Haus? Ein ftemder Vogel im Nest?! Nein, niemals! Nun und nimmer durfte der Valentin so eine bringen! Slber der Jnnge war so rabiat!
Dem bekümmerten Vater wurde plötzlich ganz heiß. Er erinnerte sich seiner eignen Jugendzeit. Da hatte ler auch gesprochen, als er des Valentin Mutter, der schlanken Traut mit den rosenroten Wangen nachgestiegen war: die oder keine! r->. und hatte sich keinen Pfifferling darum ge- MMmert, daß man ihn warnte: die ist ja schwach auf der Brust! Die schöne Traut hätte im Wochenbett die Schwindsucht'bekommen, er war bald allein zurückgeblieben mit denk kleinen Jungen. Seinen Willen hatte er nun gehabt h ach ja, wenn Man verliebt ist, hat man eben keine
Wenn man nur etwas Näheres über die Försterstochter utüßte! Ob die wirklich brav war? Da kannte ev seinen Valentin denn doch, wenn er dem' Nachweisen konnte, daß er sich an einen nichtsnutzigen Racker verplempert, dann war die Geschichte aus. Der hielt viel W viel aus sich, um eine zur Frau zu nehmen, die seiner nicht wert war. Man mußte nur etwas in Erfahrung bringen — aber bei wem, wo?!
Rastlos warf sich der Mann, bis der Hahn auf dem
Hof den Morgen anktähte.--•• . ...
Michalina zog früh am Tage auf. Heimlich war sie voM Großvater fortgegangen, wurde er doch M sehr scheiten, wenn er erfuhr, daß sie zu einem Schwabb tn Dienst wollte. Aber die Mutter war einverstanden gewesen, die hatte ge^ $ sprachen: was will man machen, wenn man Geld verdienen muß?! Und so war die Michalina wenigstens Nicht weit von dem kleinen Jasio und konnte zu Hanse immer einmal nach dem Rechten sehen. .. ,___
Ihre Habseligkeiten, in ein Bündel geschnürt, unterm Arm — die kleine buntbemalte Lade, die ihren Sonntags-i putz enthielt, würde sie ein andermal holen — ging Micha^ lina starken Schrittes aufs Haus der Rheinländer zu. Als sie den Gospodarz unter der Tur erblickte, beeilte sie sich noch mehr und grüßte ihn demütig.
Herablassend nickte Peter Brauer ihr zu; tmy hatte er schon gelernt hier, daß eine große Kluft ist zwischen Herr und Gesinde. Aber Fran Kettchen behielt noch die Sitte von Hause bei und! reichte der neuen Magd srenndlich
I di Da lachte die braune Michalina übers ganze Gesicht; wie eitel Sonnenschein ging sie ins Haus ein.


