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mib geduldig behandeln, wenn er selber als Kind viel mißhandelt rouri&t Deutschland — aber nicht in England — pflegen viele Anhänger der Arbeit erbe w e g n n g zu sagen, so lange cs notleidende Arbeiter gebe, sollten die Menschen stch majt um die Leiden, der Tiere bekümmern. Macht sich aber Nicht em Mensch verächtlich, wenn er mit sittlicher Empörung über das ihn, selber zugefügte Unrecht klagt, während er seinen eigenen Untergebenen das Recht ans Schutz und Schonung abspricht? — Das ist einer der Hauptunterschiede zwischen dem gemeinen und dem edlen Menschen, daß jener durch eigenes Leid Mitleidslos, dieser durch eigenes Leid mitleidiger wird.
ES ist ein Fehler der A l ko ho l g e g n e r, daß sie bei bet Darstellung der schädlichen Folgen des Alkoholgenusses fast nie aus das Leid Hinweisen, das Millionen von Tieren ihr ganzes Lebeir hindurch von betrunkenen Menschen zu erdulden haben. Unstreitig Pflegen die Betrunkenen ihre grausamen triebe noch viel mehr an den Arbeitstieren und den Schlachtkieren ans- zist assen als an Frauen und Kindern. Denn viele TietmstMuolnu- gen betrachten sie ja überhaupt nicht als ein Unrecht, und bie Tiere können sich noch weniger wehren als Frauen und Kinder, die doch wenigstens schreien, flüchten und die Polizei um Hilfe antuten können. Deshalb müssen aber auch die Tierschützer es als ihre Pflicht ansehen, die Bewegung gegen den Alkoholismus zu fordern. Solange die Trunkenheit gerade unter den Menschen, denen die Pflege der Arbeitstiere anvertraut wird, so weit verbreitet ist, müssen wir die Trunksucht als eine der Hauptursachen der Tierquälerei betrachten.
Durch ihre Arbeit für den Tierschutz habe» bie; Franeu so viel Selbstlosigkeit, Ausdauer und Mut, so viel diplomatische Klugheit und so großes Organisationstalent bewiesen, daß schon durch diese, so wenig beachteten, so selten öffentlich besprochenen Leistungen der Frau ans dem Gebiete des Tierschutzes das Vorurteil voic der geistigen und sittlichen Minderwertigkeit der Fran widerlegt wird.
Tie Anschaltungen von dem Wesen der Tiere üben auf bic gesamte Weltanschauung der Menschen eine große Wirkung ans. Obivohl heute die meisten Menschen die Tiere grenzenlos verachten, pflegeii sie doch, das Verhalten der Tiere , untereinander als vorbildlich für die Menschen zu betrachten; nno wenn man altruistische Anschauungen auSspricht und zuni Beispiel bie Bestrebungen der Fr ie d e ns g es ell schaften verteidigt, so erhalt man sehr oft die Antwort: solche Bestrebungen seien ein Kampf gegen Naturgesetze; denn jedes Tier denke nur an sich selber und an seine Artgenossen, und nur die Liere konnten ihre Art erhalten, die es verständen, andere zu überlisten oder zu überwältigen. Daher sei offenbar auch der Mensch zu rücksichtslosem Egoismus gezwungen und dürfte attruistlfchen Re- gungeu erst nachgeben, wenn sein eigenes Wohl gesichert >et. In Wirklichkeit finden wir aber in der Tierwelt neben egoistischen auch altruistische Triebe, ja aufopfernde Freundschaft und -vtlW“ bereitschaft zwischen Angehörigen verschiedener Gattungen. Me gegenseitige Hilfe ist sogar, wie in den letzten Jahren insbesondere Fürst Kropotkin uachgewieseu hat, ein wichtigerer Faktor der Entwickelung als der Kamps ums Dasein. Jeder, der vorurteilsfrei das Leben in der Natur ansieht, muß erkennen, daß viele Tiergattungen weniger egoistisch und grausam find als die Menschen. Die Menschen reden, sich bie falsche Ansicht vom allgemeinen rücksichtslosen „Kampf aller gegen alle" nur. ein, um ihren eigenen Egoismus als etwas Gesundes, Natürlmsts betrachten ' $u können. Alle Anhänger einer altruistischen Weltanschauung sollten daher den Tierschützern helfen, bie ernfcingen Anschauungen von der Grausamkeit der Tiere zn zerstören.
Ihre Hauptaufgabe sollten die Tierschützer darin erblicken, die Anschauung zu verbreiten, daß die O-uelle der Moral bas Mitgefühl ist: die Fähigkeit, das Leid, und das Glücr anbercr Wesen als sein eigenes zn fühlen. — Ein. Mensch, dem bie Leiden und die Freuden anderer Wesen gleichgültig sind, kamr keinen Antrieb fühlen, die Rechte anderer Wesen zn schonen und zu schützen. Der Ursprung des Gerechtigkeitsgefühls ist also das Mitleid. — Das Mitleid ist teilte Schwäche, sondern die Quelle alles heldenhaften Opfermutes. — Wer das Mitleid für bie Triebfeder zu allem sittlichen Handeln ansieht, muh einsehen, daß die Tierschutzbeweguuq die Menschheit einem höheren Ziele zu- sühren will, als irgend eine andere Bewegung; denn der Tierschutz ist die am weitesten gehende Betätigung des Mitleids. Wer die Leiden der unter ihm stehenden Wesen mitfühlt, wird in der Sieget ebenfalls von den Leiden der ihm gleichstehenden bewegt. Wer die Sklaverei der Menschen, die er als nichtigere Rassen betrachtet, verurteilt, erkennt damit auch das Recht der Weißen auf Freiheit an; und so ist auch niitl der Anerkennung des Rechts bet Tiere auf ^Befreiung von allem Leid, bas wir ihnen, ohne uns selber ein größeres Leid znznfügen, ersparen können, schon die Anerkennung desselben Rechts der Menschen ausgesprochen.
Viele Menschen halten sich von der Tierschutzbewegung deshalb fern, weil sie glauben, daß das Unrecht, das heute an Menschen verübt Ivird, größer sei und daher eher bekämpft werden müsse als die Tierquälerei. Diese Ansicht zeugt von einer falschen Vorstellung von dem psychischen Wesen der Tiere, insbe
sondere von dem Grade ihrer Leidensfähigkeit, oder auch von Unkenntnis der heute üblichen Tiermißhandlnugen. Selbst wenn wir aber zugeben müßten, daß die Leiden der Tiere viel geringer feien als die, welche wir von unferen Mitmenschen abwenbenj können, so dürsten wir doch nickst dem Tierschutz eine geringere! moralische Bedeutung zuerkenneu. Tenn die kleinen Fehler sind die Ursachen der großen; Laster nnd Verbrechen können wir am besten verhüten durch Bekämpfung derjenigen üblen Sitten und Gewohnheiten, welche bie meisten Menschen noch als harmlos betrachten. Je mehr sich die sittlichen Anschauungen srethalten von kleinen Zugeständnissen au das Böse, um so weniger ist die Menschheit in Gefahr, in große Fehler zn verfallen. Mit andern Worten heißt das: eine Sittenlehre ist um so wertvoller, je radikaler sie ist. Wer Grausamkeit und Roheit bekämpfen will, muß also zn allererst die Tierquälerei cmzu- schräuken trachten. — Wenn die Tiere auch w niedrige, so wenig lcidensfähige Wesen wären, daß die Tierquälerei an s ich nur ein kleines liebel wäre, so dürfte bet Tierschutz doch Nicht auf spätere Zeiten verschoben werden, weil der Mensch, wenn, er an irgend eine Grausamkeit sich gewöhnt, auch zu schlimmeren Grausamkeiten übergeht. Wenn er die Erzeugung irgenb eines unnötigen Leides duldet, so stumpft er durch dieses Zugeständnis an das Unrecht seine ganze sittliche Empfindung ab Ei» Sprichwort sagt: „Wenn man dem Teufel den kleinen Futger reicht, so nimmt er sogleich bie ganze Hand". Und ^arm hegt bie hohe Bedeutung der Tietschutzbewegung, daß sie die Menschheit mahnt, nicht dem Teufel der Grausamkeit den kleinen Finget zu reichen. _______________
Die Erforschung der Nordsee.
lieber die bisherigen Ergebnisse der Erforschung bet Nordsee! und der iwtdettropäifchen Meere, zu der sich vor sieben Jahren England, Deutschland. Rußland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Hol,and zu gemteinfamer Arbeit zusammengesckstosfen gaben1, gibt A. E. Shipley im Soientifio American einen zusammeistaffeni- ben Berittst, der einen interessanten Ueberblick gibt über die wertvollen AnMlüsse und Beobachtungen, die die Wissenschaft hier, in internationaler Zusammenarbeit erringen konnte. Fast lebet bet beteiligten Staaten hat ein eigenes Schiff ausgerüstet. Lik Untersuchungen brachten eine Fülle bedeutsamer Beobachtungen«, die nicht nur der Wissenschaft, sondern vor allem auch der Seefischerei zugute kommen werden. , o , _
' Norwegen hat bie Erforschung der Verbreitung und der Lebens- bedingungen des Kabeljaus, des Köhlers, des Schellfisches und des Herings in den nördliche,r Gewässern übernommen nno dabei sehr reiche große neue Fischgründe entdeckt. Dänemark beobachtete in erster Linie die WanderKge des Aales, der alltahrlich bte Mündungen der großem mitteleuropäischen Flüsse verlaßt und weit hinaus in bat Atlantischen Ozean vvtdtingt, um hier, »ft in Tiefen von mehr als 1000 Fäden, zu laichen. Tie Larven«, der Lcptoecphalus, der lange Zeit als besondere Gattung betrachtet wurde, leist hier in den Tiefen des Atlantischen! Ozeans eine Wecks und entwickelt sich zum! jungen Meeraal, bis ein geheimnisvoller Instinkt ihn nach den Wissen treibt, von denen die alten Aale einst m-s gezogen waren. England, das die Erforschung des Kanals übernommen hatte, beschäftigte sich neben der Erforschung bet Tiefseepflanzen mit den Lebeusbedingungen der schotte., .Len Beobachtungen Prof. Garstans gelang eS, einen neuen riesigen Laichatnnd bet Schotten .anfzusiudeu; die Wanderungen der Schollen nach diesem Grunde und ihre tzeimkhr »m Fruchahr zu den Futterplätzen wurden verfolgt. Während bet Laichzeit werden bei w-itcm mehr männliche Scholle,» gefangen; die Ursache ist, daß in dieser Zeit die weiblichen Schollen träge und fast, bewegungslos in den Tiefen weilen, indes dos Männchen eine ungewöhnliche Lebendigkeit 'an den Tag legt. Tie Fortbewegung her Eiet wurde in erster Linie von den holländischen .Forschern verfolgt, und bet größte Teil der Brut wirb in bie seichten Küstengewässer Hollands! abgetrieben. Hier entwickelt sich die junge Scholle bis zu einer gewissen Größe; dann zieht auch sie wieder hinaus tu bte tieferen Gewässer.
Interessante Ergebnisse Hat bie künstliche liebel fühl img der jungen Brut M den reichen Futterplätzen der Toggetbani erbeten: «S zeigte sich, baß hier unter den günstigen Bedingungen bte schölle! sich viel rascher entwickelt. Man fand Schollen, bte ein Alter ton 25, ja von 29 Jähren erreichten. Die Studien über bas, spezifische Gewicht der verschiedenen Schichten des Kmtcstwastcrs und ine steten langsamen Strömungen hat Bidder durch süiureichs Verwendung treibender Flaschen fottgeführt Lie Flaschen wett>eu> Verschossen und in ihrem Gewicht genau auf bte spezifische schwere bet Wasserschichten abgestimmt, in denen sie treiben follen. Ge- WSHnlich iwrben diese Flaschen durch die Schleppnetztstchetei wieder eingeholt und vermitteln so auch iutereffaiue Aufschlüsse aber den Erfolg, mit der die Nordseegewässer bntchfischt werden. Tw Flaschen Wurden überraschend schnell wieder aufgefischt, .sticht weniger als 58 v. H. aller auSgewotfenen Uaichen wurden im Laufe des Jahres durch die Handclsfischerei Meder, emgcholt; Von 390 Flaschen wurden in| 6 Wochen 85 lind von 270 in ü Wochen 50 allein durch Schleppnetze Meder zutage gefordert. Aeynltchq Resultate hatte die AussetzuM be^eichu«ter..Fische; «m durchgreifendsten scheinst die Fischerei an der holländischen Küste


