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an den Mützenschirm. „Guten Morgen, Herr Leutnant," sagte er vertraulich, „schon so früh auf den Beinen?"
„Urlaubsspruug, lieber Herr Schmidt, da zählt man die Stunden."
Der Vorsteher begleitete Fritz ein paar Schritte. Wissen Sie das Neueste?" fragte er mit leiserer Stimme. >,Heute früh hat man Herrn Helldorf quer über den Schienen gefunden."
„Zackri! Der Aermste! Ein Selbstmordversuch?"
Der Beamte lachte. ,,J bewahre. Bloß sternhagelvoll. Er muß in Wiesbaden gehörig pokuliert haben. Dann ist er mit dem Schnellzuge vier Uhr achtundvierzig abgefahren und hier aus dem Wagen gesprungen. Auch gleich liegen geblieben. Ein Weichensteller hat in schnarchend gefunden."
„Ekelhaft."
„Er hätte sich Arme und Beine brechen Und den Schädel zerschmettern können. Nichts von alledem. Wer als Man ihn in seine Villa transportieren wollte, hat er einem der Träger eine Backpfeife versetzt, und da wäre es beinah zu einer großartigen Keilerei gekommen. Nun klagt der Männ. Ich bitte 'Sie — ich kenne den Helldorf jetzt seit zwölf Jahren — aber seit der unglückseligen Heirat — — na. . . Haben Sie keinen Wagen hier?"
„Ich geh die paar Schritt ZN Fuß."
„Ganz gehorsamst, Herr Leutnant." Der Beamte strhr wieder mit der Hand an die Mütze.
Fritz grüßte zurück. Säbel und Sporen .klirrten über den Makadam. Dicht hinter dem Bahnhof des Städtchens erhoben sich die Fabrikgebäude der Firma Friedel: zwischen lange Schuppen, unter denen die Kellereien sich ausdehnten, schob sich ein alter Villenbau in Schweizerstil. Aber die Villa wurde nicht mehr bewohnt; unten beherbergte sie die Orangerie, oben war ein selten benutzter Probiersaal eingerichtet worden; das kleine Domestikenhaus daneben diente jetzt als Garage für die Automobile.
(Fortsetzung solgt.)
Kapitän Croker.
Ein Detektivabenteuer von Conan Dohle.
(Fortsetzung.)
IN Abbey Grange war man über unsere Rückkehr sehr überrascht. Aber Holmes nahm, als er sah, daß Hopkins ins Haupt- polizeiamt gegangen war, um Bericht zu erstatten, einfach von dem Eßzimmer Besitz, schloß die Tür von innen ab und verbrachte gegen zwei Stunden mit einer jener genauen und anstrengenden' Untersuchungen, welche die seste Basis bildeten, worauf er feine glänzenden Beweisführungen gründete. Ich saß in einer Ecke und verfolgte wie ein aufmerksamer Student jeden Schritt dieser merkwürdigen Prüfung. Das Fenster, die Vorhänge, der Teppich, der Stuhl, der Strick — jedes Ding wurde wiederholt peinlich! üntcrsucht und alles genau erwogen. Tie Leiche des unglücklichen Barons war fortgeschasst, aber sonst lag und stand noch alles, wie wir's am Vormittag vorgefunden hatten. Tann kletterte Holnies zu meiner Ueberraschung auf das Kaminsims. Hoch über seinem Kopf hing das nur wenige Zoll lange rote Strickende. Er blickte lange Zeit hinauf, endlich stützte er sich, um näher daran zu kommen, mit dem Knie auf einen Querbalken an der Wand. Dadurch konnte er bis auf ein paar Zoll an das übrig- (lehliebene Stück Schnur mit der Hand hinanreichen, aber dieses elbst schien seine Aufmerksamkeit weniger zu fesseln als der' Querbalken selbst. Endlich sprang er mit einem Ausruf der Befriedigung herunter.
„Es ist schon recht, Watson," sagte er. „Wir haben unseren Fall schon aufgeklärt — es ist einer der eigenartigste in unserer Sammlung. Aber, wahrhaftig, wie wenig gewitzigt bin ich doch vorhin gewesen, und wie leicht hätte ich nicht den gröbsten Schnitzer gemacht in meinem ganzen Leben! Nun denke ich, daß meine Kette, abgesehen von wenigen fehlenden Gliedern, beinahe vollständig ist."
„Du weißt, wer die Mörder sind?"
„Der Mörder, Watson, der Mörder. Es ist nur einer, aber ein fürchterlicher Kerl. Stark lvie ein Löwe — das bezeugt der Schlag, der den Ofenhaken krumm gebogen hat; sechs Fuß drei Zoll hoch, gewandt wie ein Eichhörnchen, von großer Fingerfertigkeit und auch nicht auf den Kopf gefallen, denn diese ganze Geschichte hat er ersonnen. Jawohl, Watson, wir sind der Arbeit eines ganz besonderen Verbrechers auf die Spur gekommen. Und doch hat er uns in diesem Klingelzug eine Fährte hinterlassen,- die uns über alle Zweifel hätte erheben müssest."
„Worin besteht diese Fährte?"
„Wenn du eine solche Schnur abreißen wolltest, Watson, W würdest hu erwarten, daß sie abreiße? Entschieden au den
Stelle, wo sie M- der Leitung befestigt ist. Warum sollte sie drei Zoll darunter abreißen, wie es hier geschehen ist?"
„Weil sie dort abgescheuert unti dünner ist."
„Sehr richtig. Das Ende, welches' wir nachsehen können, rst abgerreben. Das hat er schlauerweise mit dem Messer gemacht. Aber das entsprechende andere ist nicht abgenutzt. Du konntsst es von hier aus nicht fehlen', wenn du aber aus dem Kaminj- sims ständest, würdest du 6enterten, daß es glatt mit dem Messer abgeschnitten ist. Daraus ergibt sich folgendes. Der ManU brauchte den Strick. Er wollte ihn nicht abreißen, aus Furcht, daß das Klingeln zu starken Lärm machen würde. Was tat er n Er sprang auf das Ofensims, konnte aber nicht ganz hinauf- reichen, er stemmte sein Knie an den Querbalken — der Eindruck ist noch im Staub zu sehen — nahm das Messer heraus und schnitt das Seil durch. Ich konnte nur -bis auf drei Zoll daran gep langen, woraus ich entnehme, daß er wenigstens drei Zoll größer ist als ich. Schau' den Flecken auf dem Stuhl da! Was ifl das?"
„Blut."
„Zweifellos ist's Blut. Das allein macht die Aussage Set Baronin unglaubhaft. Wenn sie, als das Verbrechen begangen wurde, auf dem Stuhl gesessen hätte, wie könnte denn dieser Blutflecken drauf sein? Nein, nein; sie wurde erst draufgebunden'/ als ihr Mann schon ermordet war. Ich möchte wetten, daß das schwarze Kleid einen entsprechenden Flecken aufweist. Ich' würde jetzt gern ein paar Worte mit dieser Theresa sprechen.. Wir müssen aber vorsichtig zu Werke gehen, um die nötige Information zn bekommen."
Sie war eine interessante Person, diese kalte australische Amme, schweigsam, argwöhnisch, unfreundlich. Es dauerte längere Zeit, ehe sie meines Freundes Liebenswürdigkeit und Freimütigkeit erwiderte. Sie versuchte ihren Haß gegen ihren ermordeten Herrn in keiner Weise zu verbergen.
„Ja, mein Herr, es ist wahr, daß er den Leuchter nach mir geworfen hat. Ich hörte, wie er meiner Herrin, ein Schimpfwort zurief, und ich sagte ihm, daß er in Gegenwart ihres BruderH nicht so zu sprechen wagen würde. Darauf schleuderte er mir den Leuchter an den Kopf. Mir hätte er ja ein Dutzend ins Gesicht werfen können, Wenn er nur mein gutes Kind in Ruhe gelassen hätte. Er hat sie immer schlecht behandelt, und sie war zu stolz, um zu klagen. Sie will mir noch nicht 'mal alles sagen, was er ihr für Leid angetan hat. Tie Flecken, die Sie heute morgen' bemerkten, kannte ich nicht, aber ich weiß sehr wohl, daß sie von einer Hutnadel sind. Ter elende Kerl — Gott verzeih' mir's, daß ich nach seinem Tode so von ihm spreche, aber er war einer der schlechtesten Kerle, die's je gegeben hat. Er zerfloß vor Süßigkeit, als wir ihn vor achtzehn Monaten zum erstenmal kennen lernten, aber sie kommen uns jetzt wie achtzehn Fahre vor. Sie war gerade in London angekommen — vorher war sie Nie von Hanse weg gewesen. Er gewann sie durch feinen Titel und sein Geld und durch seine Falschheit. Wenn sie eine Schuld dabei trifft, so hat sie die so schwer gesühnt wie nur je eistes Frau. In welchem Monat trafen wir ihn? Richtig, ich erwähnte ja bereits, daß es gleich nach unserer Ankunft in London war. Wir kamen im Juni an, es war also int Juli. Im Januars vorigen Jahres war die Hochzeit. Jawohl, sie ist unten in ihrem Zimmer und ich glaube sicher, daß sie Sie empfangen wird, aber Siiö dürfen sie nicht zuviel fragen, denn sie hat Tinge erlebt, die einem das Herz im Leibe erschüttern."
Tie Baronin Brackenstall lag noch ebenso da wie am! Morgen'/ nur ihre Angen waren wieder heller und lebhafter. Tie Dienerin war mit uns eingetreten und begann wieder, die Wunde an ihrer Herrin Stirn zu kühlen..
„Ich hoffe," sagte sie, „daß Sie nicht gekommen sind, ein) zweites Verhör mit mir anzustellen."
„Nein," antwortete Holmes sehr sanft, „ich will Sie durch- aus Nicht unnötig belästigen, gnädige Frau, ich will Sie im Gegenteil beruhigett, denn ich weiß, daß Sie viel durchgemacht; haben. Wenn Sie mich als Freund behandeln und mir Vertrauen schenken wollen, werden Sie sehen, daß Sir sich in mir nicht getäuscht haben."
„Was wünschen Sie, daß ich tun' soll?"
„Mir die Wahrheit sagen."
„Herr Holmes!"
„Gnädige Frau! Es hilft Ihnen nichts. Sie haben vielleicht von meinem kleinen Ruf gehört. Ich setze ihn ganz zum Pfand,' daß Ihre ganze Geschichte eitel Mache ist."
Herrin und- Dienerin ftarrten Holmes starr und erschrocken an.:
„Sie unverschämter Mensch!" schrie Theresa. „Meinen Sie damit, daß meine Herrin Lügen erzählt hat?"
Holmes stand von seinem Stuhl aus.
„Haben Sie mir weiter nichts mitzuteilen?"
„Ich habe Ihnen alles gesagt."
„Ueberlegen Sie sich's noch 'mal, gnädige Fran. Sollte es nicht besser fein, wenn Sie offen wären?"
Sie besann sich einen Moment und zögerte, dann verzog sie eigensinnig ihr schönes Gesicht und sagte:
„Ich habe Ihnen alles mitgeteilt, was ich weiß."
Holmes nahm den Hut und zuckte die Schultern. „Es tut mir leid," sagte er, und ohne ein weiteres Wort verließen Wir


