Mittwoch den 5. Oktober

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Friedel halb-süß.

Spontan von Fedor von Zobeltitz.

(Fortsetzung.) * (Nachdruck verboten.)

Von dem Nachher wußte er freilich kaum noch etwas. Er entsann sich des fatalen Gesichts des Grafen Eldringen, der dem Gegner sekundiert hatte. Der Mann hatte gelächelt. Nein, das war eine Täuschung gewesen. Der Mann hatte eine g,u kurze Oberlippe: ein ewiges Lächeln spielte Um seinen Mund; er konnte nichts dafür. Er entsann sich auch der wenig liebevollen Worte des Doktors, wenigstens des Tons, in dem er gesprochen hatte. Dann hatte Feßler ihn eilfertig zum Wagen geschleppt. Oben war der tote Mann zurückgeblieben: Eldringen bei ihm und der Doktor und der kleine Franck als Unparteiischer.

Franck war der jiingste Leutnant im Regiment. Fritz fragte sich: warum blieb auch der zurück? Warum hat er dir kein Wort gesagt? Warum nicht einmal die Hand ge­drückt? War er des Glaubens, daß du den Gegner töten wolltest? !

Und da Fritz sich diese Frage stellte, fühlte er, wie ein seltsames Flattern durch sein Herz ging, ein Furcht­empfinden, ein innerer Schrei der Angst. Er atmete schwer; ein bleierner Druck legte sich auf seine Brust. Er riß sich den Paletot auf.

Ruhe, lieber Freund," sagte Feßler und faßte wieder nach seiner Hand.Es ist schwer, ich verstehe es. Aber du lieber Gott, es war ungewollt, es war ein verfluchter Zufall. ... Es hätte auch ihm passieren können. O ja­wohl! Sie sahen nicht, wie er visierte. Ich sah es aber. Er zielte gut. Eine Handbreit llnks und Sie hätten sein Blei zwischen den Rippen gehabt."

Es wäre vielleicht besser gewesen."

Ah bah nicht verzweifeln! In jedem Zweikampf geht es um Leben und Tod."

So sollte es nicht sein bei mir nicht! Was irri­tierte mich? War es der Nebel? Nein es war ja licht zwischen den Bäumen. Auch meine Hand zitterte nicht. Und ich wußte tzenau, was ich tun wollte. Ich fehle sonst Nie. Eine einzige Möglichkeit liegt vor. Veränderte er im Moment, da der Schuß fiel, seine Stellung?"

Ich weiß es nicht, lieber Herr Friedel. Was nützte es auch, wenn wir es wüßten! Wenn mir ein Stein vom Dache auf den Kopf fällt und mich totschlägt, wer fragt noch, ob ich dem tückischen Zufall entgangen wäre, falls ich den Kopf nach rechts statt nach links gewendet hätte! ( Lieber Freund, ich beklage Sie tief. Aber ich llage nicht nutzlos. Das Unglück ist geschehen. Sie werden sich verantworten müssen und werden es mit gutem Gewissen tun. Man wird Ihrer Versicherung, daß keine böse Absicht vorlag, ohne weiteres Glauben schenken und es bei einigen Monaten Festung als Sühne belassen. .Selbstverständlich:

ich weiß sehr wohl, daß die Strafe mit Ihrem Empfindest nichts zu tun hat. Aber Sie dürfen sich auch nicht ist schwarze Gedanken versenken. ich sage offen: Sie dürfest nicht weichherzig sein. Spannuth war Ihr Gegner, persönlicher und der Ihres Hauses und er provoKiertS das Duett. Er hat auch meinen Bermittelungsversuch schlankweg zurückgewiesen. Vergessen Sie das nicht."

Ich vergesse das alles nicht, Feßler. Es ist wahr! er wollte den Zweikampf. Aber das bringt mich, Mcht über die grausige Tatsache hinaus, daß einer Lappalie erst Menschenleben geopfert worden ist." ,

Einer Lappalie im letzten Grunde gewrß! Nur war es keine für ihn. Ihm hat der alte Haß die Waffe geführt. Sie selbst haben mir die Aufklärung gegeben. Sein Haß datierte Mit zurück. Zu dem Neid über das Aufblühen des Nachbarhauses kam der Aerger wegen des versagten Ofsizierspatents. Und zu guterletzt der Grrmrst über Ihr abweisendes Verhalten gegen Diane Helldorf. Das war dieLappalie", die seinen geheimen Haß an dre Oberfläche trieb. Mer ich will schweigen, Herr Friedel. Sie werden in Ruhe kommen und sich selber wieder finden. Da liegt Rüdesheim! Wollen Sie in die Garnison zurück?"

Fritz schüttelte den Kopf.Zunächst nach Schrattsteitt. Ich muß den Eltern berichten, ehe die Fama ihnen m dest Ohren liegt. Haben Sie die Güte und melden Sie der Staatsanwaltschaft den Verlauf des Duells. Am Nach­mittag bin ich wieder in der Garnison und stelle Mich meinem Gericht. . . ."

Feßler nickte stumm. Der Wagen durchkreuzte das so­genannte Hinterhaus, die Rebenterrassen hinter dem Städte chen, und bog in den Weg zum Bahnhof ein.

Der Himmel hatte sich inKtvischen mählich gelichtet. De« Dunst war verflogen, nur noch ein leichtes, durchsichtiges! Gewölk strich durch das sonnenerfüllte Blau. Der Rhein strömte in seiner vollen Glorie durch das Tal, breite und schwere Wellen durch sein Bette rollend, glasig grün mit smaragdenem Schaumschmuck. Dampfer furchten silberne Linien in sein stolzes Gewässer; langsam zog eine Schleppe von Kähnen seewärts, und an ihr vorüber flogen in rasen­der Geschwindigkeit die kleinen Boote eines Ruderklubs.

Es war ein köstlicher Tag geworden. Die Häuserreihen von Bingen am jenseitigen Ufer lagen in hellem Lichtch darüber die Burg und das Maigrün des Rochusberges. Rechtsherab konnte man bis zur Biegung des Flusses sehest und bei Bingerbrück im Spiegel des Wassers ganz deutlich den Strom der Nahe untersch eiden links herab bis zst den Hängen von Geisenheim und dein Roteberg.

Der Zug war erst in einer Viertelstunde zu erwarten. Fritz hatte die Billetts gelöst und schritt nun mit Feßler die Straße hinab bis zur Brömserburg, hinter deren Ge­mäuer die neue Zinnenkrönung der Oberburg dunkle Zacken in das Blau der Luft schnitt. Während über den Wein­bergen noch immer ein rostiger Don lag, war der ganze Niederwald in ein Glauzgefilde verwandelt. Die Sonne