auf einem' Briefbogen mit' t>em Titelkopf irgend eines vornehmen Hotels und meldete seinen Besuch an. Tann erschien er selbst und bot der jungen 'Dame den Posten seiner Favoritin ein, der im Hinblick auf die verlockenden Gegenleistungen alsbald akzeptiert wurde. Tiefe bestanden zumeist in einer luxuriös eingerichteten Wohnung, die Thomas in den strahlendsten Farben beschrieb, und namhaften Geldbezügen, auf die er einen Vorschuß rn Form eines natürlich völlig ungedeckten Schecks auf den Tisch des Hauses niederlegte. Schließlich entwarf er eine Liste von Schmuckgegen­ständen, die er seiner Auserkorenen zu verehren gedenke, und bat sich als Fingermaß für die in Aussicht genommenen Brillant­ringe irgend einen Ring aus, den er binnen zwei Stunden durch 'einen Tienstmann zurücksenden werde. Mit diesem Ring verschwand er bann auf Nimmerwiedersehen. Als eine der Beschwindelten vorsichtig genug war, dem geheimnisvollen Nabob nachzugehen, ertappte sie ihn bei dem Versuch, ihren Ring in einer Pfand­leihe zu versetzen, und ließ ihn daraufhin verhaften. Ter mit der Untersuchung der Sache betraute Kriminalkommissar ermit­telte, daß Thomas' Süiidenregister bis ins Jahr 1877 zurück­reicht, und daß die ähnlichen Fälle, wegen deren Adolf Beck mehr als fünf. Jahre im Zuchthaus gesessen, nnb die, wegen bereit er jetzt seiner abermaligen Verurteilung entgegensah, höchstwahr­scheinlich ebenfalls William Thomas zur Last fielen. Beck und Thomas wurden einander im Polizeigericht ge^enübergestellt, und die sechs Zeuginnen, die noch ganz kürzlich einstimmig Beck bezichtigt hatten, erkannten sofort, daß nicht er, sondern Thomas der richtige sei. Beide sind einander auffallend ähnlich, selbst ihre Handschriften gleichen einander beinahe. Ter Minister des Innern war hiernach überzeugt, daß Beck einem romanhaften Personalirrtum zum Opfer gefallen war, und Noch am selben Tage wurden durch königliches Patent beide Verurteilungen für null und nichtig erklärt, später dem Vielgeprüften auch eine hohe Entschädigungssumme ausgezahlt.

Tiefe Fälle, bereit sich noch eine ganze Reihe ähnlicher auf- zählen ließ, mahnen alle, welche berufen sind, über das Schicksal seines Angeklagten zu entscheiden, sei es als Richter, Schöffe ober Geschworene, sowie alle diejenigen welche den Urteilenden als Zeugen oder Sachverständige die nötigen Unterlagen verschaffen sollen, aufs eindringlichste, mit peinlichster Gewissenhaftigkeit, sich die Frage vorzulegen, ob der Angeklagte in der Tat mit dem Verbrecher identisch ist, ober ob nur eine auffallende Aehnlichkeit vorhanden ist. Wenngleich auch bei sorgfältigster Prüfung der­artige Verwechselungen und daraus entspringende Justizirrtümer gelegentlich doch einmal mit unterlaufen können, so lassen sie sich doch auf ein Minimum reduzieren.

Anders wäre es allerdings, wenn es auch' Doppelgänger im Sinne des Spiritismus gäbe. Was der Spirilismus darunter versteht, mag man aus folgender Geschichte entnehmen, die wir aus der bekanntenGeschichte des Spiritismus" öoit_ Caesar Bondi, Ritter von Vesme, entlehnen, ohne die Angabe auf ihre Richtigkeit hin prüfen zu können. 'Danach soll im Jahre 1896 in den Zei­tungen der Vereinigten Staaten folgendes höchst sonderbare Er­eignis gestanden haben.

Vor eilten Richter zu Newhork wurde ein gewisser! Macdonald geführt, der angeklagt war, in einem Hause eingebrochen und ge­stohlen zu haben, wofür mehrere glaubwürdige Zeugenaussagen Vorlagen. Allein zu derselben Stunde, wo jener Einbruch ge­schah, befand sich Macdonald in einer Art von hypnotischem' Schlaf in entern Saale, wo Professor Wein einen Vortrag hielt und jenes interessante Subjekt einer zahlreichen Hörerschaft vor- ftihrte, wobei er die bei diesem Männe vorkommenden telepathi­schen Erscheinungen erwähnte. 'Da der Richter somit den Alibi- beweis als erbracht ansehen mußte, andererseits aber durchaus glaubwürdige Zeugenaussagen das Gegenteil zu beweisen schienen, holte er dös Gutachten einiger Psychologen und Psychiater ein. Professor Wein gab seine Meinung dahin kund, daß er keineswegs zweifele, daß die beiden Macdonald, sowohl der Einbrecher als auch der im hypnotischen Schlafe liegende ein und dasselbe Wesen seien, das sich für kurze Zeit in zwei Persönlichkeiten getrennt hatte.

Im Interesse einer geordneten Rechtspflege wird es hoffent­lich richtig sein, daß es solche Doppelgänger nicht gibt, und daß sich die obigen Zeugenaussagen einfach durch frappante Aehn­lichkeit des Diebes mit Macdonald erklären lassen.

VeVnMebtes.

* Hinter den Kulissen d esKie.nto pps". Die kinematographische Vorführung des vielbesprochenen Ringkampses zwischen Johnson und Jeffries hat nach der Entscheidung neue Erregungen hervorgerufen und zu mannigfachen Unruhen Anlaß, gegeben, die sich sogar bis nach Europa fortsetzten. Erst jüngst war ganz Dublin in zwei Parteien geteilt, von denen die eine die Vorstellung mit allen Mitteln zu verhindern suchte, während die andere begierig nach diesem fensationellen Schauspiel ver­langte. Die kinematographischen Aufnahmen dieses Triumphes der schwarzen Boxkunst wurden mit besonderer Sorgfalt vorge­nommen. Zehn Apparate waren rund um dje Arena ausgestellt.

so lange der Kampf dauerte. Während der 15 Runden waren geübte! Photographen beständig tätig und sicherten sich 30 000 Fuß Films für die Darstellung der lebenden Bilder. Die erste Vorführung fand wenige Tage nachher in Newhork statt, bei richtigen Theater­preisen, der Sitz zu 12 Dollar. Gewaltige Anerbietungen! wären von verschiedenen Jmpresarii gemacht worden, um sich das Recht der Aufführung in den einzelnen Staaten zu sichern. So soll Oskar Hammerstein für die erste Darbietung der Films in Newhork die Summe von 20 000 Dollar geboten haben: in manchen Staaten waren für das Privileg der Aufführung Gebote bis zu 50 000 Dollar gemacht worden. Doch nicht immer steht den Kinematographentheatern eine solche Sensation zur Verfügung, fondern die aufregenden und spaitnenden Bilder, mit denen dev Kientopp sein Publikum unterhält, müssen mit vielen Kopf­zerbrechen ausgedacht und mit großer Sorgfalt vorbereitet werden. Einige große Firmen, die kinematographische Bilder verfertigen.^ haben zu diesem Zweck besondere Theater erbaut und eine ganze Armee von Schauspielern und Schauspielerinnen engagiert, um für die Aufnahmen möglichst großartige und naturgetreue Szene­rien und Handlungen zu arrangieren. Für eine gute Idee oder einen neuartigen Plan werden hohe Summen gezahlt; alle nur interessierenden' Themen sucht man in das Bereich der Darstellung . zu ziehen. So werden ganz gewaltige Aufwendungen hinter den Kulissen der Kinematographentheater für die Vorbereitung! der Bilder gemacht. Eine Firma ließ vor kurzer Zeit eine Mihe Von Aufnahmen machen, die die Geschichte Neros darstelltest., Die Photographien wurden dazu an den historischen Stattest selbst, in Rom und Italien auf genommen; es dauerte 6 Monate, bis alle Szenen gehörig vorbereitet und gestellt waren, lieber 400 Personen waren für den schauspielerischen Teil dieser Bilder­serie engagiert und mußten die einzelnen Rollen darstellen. Für die Szene des brennenden Roms waren Häuser im Stil Hers römischen Kaiserzeit als Kulissen aufgebäut und wurden in Brand gesteckt. So kostete die Herstellung des vollständigen Films gegen 20 000 Mark. Eine andere Firma kaufte ein zum Abbruch be­stimmtes Haus zum Preise des Baumaterials an und benutzte es zur Darstellung einer Feuersbrunst, wobei richtige Feuer­wehrmänner eifrig an der Arbeit waren und von der Firma Engagierte Akrobaten die halsbrecherischsten Rettungsversuche ist den einzelnen Stockwerken ausführten. Ein ander Mäl wurde der Schienenstrang einer bestimmten Eisenbahnstrecke gepachtet, um darauf naturgetreu einen Zusammenstoß zweier Züge und ein großes Eisenbahnunglück zu arrangieren. Die - Ausnahme der ein­zelnen Bilder erfordert nur wenige Minuten; aber das Arran­gieren, das Vorbereiten und Proben der verschiedenen Szenen dauert sehr lange, bevor sie zur Aufnahme reif sind und dem verwöhnten Geschmack des Kinematographenpiiblikums entsprechen.

* Die Not der 3ig arrenftumine 1 f ainm[ er. Ans Paris wird berichtet: Die ehrenwerte Zunft der Zigarreiistnminel- fammier ist in Not, und sie ist wütend über die neuen Tabaksteuern, nach deren Einführung dasRohmaterial" ihres Gewerbes immer spärlicher wird. An den beliebtesten Stätten ihrer Wirksamkeit, so klagte ein hervorragendes Mitglied der Zunft, am Cafe Napolitain, am CasS American:, auf den Boulevards, finden sie höchst selten noch ein paar Zigarettenenden, die Zigarrenstummel haben noch ganze 5 Millimeter Länge, und was das Schlimmste ist, es ist so böses Kraut, daß nichts mehr damit anzusangen ist. Es sieht daher trübe aus mit der Zukunft dieses alten, ehemals so blühenden Pariser Berufes.

* Mit allem ei nb er ft an öen. Herr:Gnädiges Fräulein müssen mich doch kennen?" Fräulein:Entschul­digen Sie Sie kommen mir allerdings bekannt vor weiß nur nicht, wo ich Sie hin tun soll." Herr:O bitte, meist Fräulein, bei Ihnen ist mir jedes Plätzchen recht!"

Silbenrätsel.

a, au, bon, ch, cot, d, der, ge, ler, nar, ne, neun, o, o, o, on, ra, rt, ten, ter, vir, w.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines bekannten Malers ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Einen Raubvogel.

2. Wohlschmeckenden Fisch.

3. Erzeugnisse des Kunstgewerbes.

4. Deutschen Strom.

5. Stadt in Frankreich.

6. Berühmten Anatomen.

7. Ein Sternbild.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1. D d 5 - d 1. L h 1 g 2.

2. K e 1 d 2. Beliebig.

3. D gibt Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,