7

1322 finden wir einen Hermann Le sch von Mühlheim !alsRitter" in Glerberg.

Der bederttendste der Lesche tvar Marx Le sch von Mühlheim. Er war 1538 Vogt in Wetzlar, auch hessischer Oberst und später Amtmann in Königsberg. Vermutlich war dieser Marx Lesch derselbe, der vom Grafen Philipp III. von Nassau den ehrenvollen Auftrag erhielt, zur Tagung am 7. Februar 1537 nach Schmalkalden zu reisen, um dort vor dem Landgrafen Philipp von Hessen wegen des Beitritts des nassauischen Grafen zum Schmalkäldischen Bund zu verhandeln. Bei der Berufung des Magister Kaspar Golt- wurm int Jahre 1546 als evangelischen Hofprediger nach Weilburg hat Marx Lesch gleichfalls mitgewirkt. Lesch hatte den Magister schätzen gelernt, da er Hofmeister seiner Söhne in Marburg war. Der Vertrag, demzufolge der zu berufende Hofprediger jährlich 50 Gulden als Besoldung, die Kost am gräflichen Hofe und vom Hofschneider zwei Sommer- und Winterkleider erhalten sollte, wurde in Gegenwart des Marx Lesch in der Wetterau abgeschlossen. Auch der erste evan­gelische Geistliche, der 1546 nach Krofdorf kam, Justus Brrieüus (Bruel) wurde auf diese Stelle von Marx Lesch präsentiert.

Die Lesche von Mühlheim bekleideten angesehene Stel­lungen im Militärdienst und im nassauischen Hofdienst. So finden wir das Testament des Fürsten Karl von Nassau-Weil­burg vom Jahre 1779 neben anderen auch von einem Zeugen Georg Lesch von Mühlheim unterzeichnet. Bei einem Kodizill von 1787 war Zeuge Karl Christian von L e s ch.

Wie die Kalsuiuitter Burgmanuen überhaupt, so waren auch die Lesche bestrebt, Grundeigentum zu erwerben. Da­neben erhielten sie von ihren Landesherren Lehnsgüter und den Zehnten in mehreren Dörfern des Kreises Wetzlar. Die Lesche waren ansässig in Rodhetmauf der Schmitte" (jetzt Besitztum der Herren van der Hoop), in Königs­berg, in Vetzberg, Gleiberg, und besonders in Krofdorf. Sie gehörten zu den Gawerben bmt Vetz- berg (Voitzberg), die 1456 nicht weniger als 27 Mitglieder zählten. Jin Laufe der Zeit gingen viele ganerbschaftliche Familien ab oder starben aus, so daß 1765 nur noch vier übrig waren, nämlich: die von Lesch zu Mühlheim, von Sch wal bach, von Schenk zu S ch w eins b er g und von Nord eck. Diese traten ihre Rechte gegen eine Summe von 2000 fl. an ihren Landesherren, den Fürsten von Nassau-Weilburg ab.

Wann die Lesche zuerst nach Krofdorf gekommen sind, bleibt ungewiß. Krofdorf ist ein sehr alter Ort und hatte schon im Mittelalter zwei adelige Höfe imBangert" und in der Kadenbach". Um 1550 waren die Lesche jedenfalls schon in Krofdorf ansässig, wie schott aus dem vorher er­wähnten ausgeübten Prasentatiottsrecht des Marx Lesch her- vorgehett dürfte. In einer Hofreite tn Krofdorf, am Ende des Dorfes an der Kittzenbacher Straße, heute nochder Lescheu Hof" genannt, befindet sich an einem alten Neben­gebäude, angeblich an einem früherenBrennhaus" eine kleine Tafel mit der Jahreszahl 1569. Die Tafel enthält außerdem die Aufschrift: Malum. M. L. C. B. D., darunter das Leschische Wappen: je 2 Kleeblätter auf jeder Seite. Eine Deutung der Aufschrift ist nicht möglich; vielleicht soll sie auf den Zweck des Gebäudes (Apselmichle?) Hinweisen.

Nach den Tauf-, Konfirmanden-, Trauungs-und Sterbe- registern des alten Krofdorfer Kirchenbuchs von 1629 konn­ten, allerdings unter Schwierigkeiten, da. oft die Vornamen nicht angegeben sind, emzelne Glieder der Le sch i sch. en Familie in nächster Umgebung von Gießen festgestellt werden. Wertvoll sind in diesen Registern die Angabe der Pateit, die uns von einer Reihe adeliger, jetzt nicht mehr vorhandener, Familien aus unserer Gegend Kenntnis gibt. Unter denDefundis" (Verstorbenen) zu Krofdorf wird auf­geführt 16 29: Junker Bulzer Leschist begraben in der Croftroffer Kirch vorm Stuhl der n. (nobilium, Adeligen). 1631:Junker Iohattn Moritz Lesch in der Kirch gen Croftrof begraben worden." In der alten 1513 erbauten Krofdorfer Kirche befanden sich die Erbbegräbnisse und Epi- taphiett der ehemaligen Ganerben von Vetzberg, einiger Beamten von Gleiberg und de/ Ortsgeistlichen. Bei den Baptisatis" (Getauften) in Krofdorf wird 16 30 und 1631 als Taufpate erwähnt:Junter Philippst Lesch". Dieser Philipp Lesch muß in RvdHeimauf der Schmitte" gewohnt haben; denn bei bett Getauften in Kinzenbach wird als Patin 1630Philippst Lesch uxor zu Mdheim" erwähnt.

Philipp Lesch war 1633 verstorben, denn 1633 wird als Patin beirad Leipen" Töchterlein in KrofdorfJunker Philippst Leichen s. Witwe" aufgeführt. Unter den Katechu­menen von Krofdorf des Jahres 1642 befindet sich Felicitas Agnes,Junker Philippst Leschen auf der schmitten nach- gelassette Tochter". 1640 ist Patin in Gleiberg bei einem! Töchterchen eines Einwohnersvon der Biber",alß die Rodheimer wegen der Kriegsvölker hier gelegen", Junker H e r m a n n L e s ch e n Hausfrau zu Rodheim.

1645 und 1646 wird als Taufpate erwähnt: Job. Balzer Lesch, Sohn des 1629 verstorbenen Balzer Lesch. Diesem Joh. Balzer Lesche der eilteWolfskelin" von Vetz­berg zur Frau hatte, wurde 1659 ein Sohn geboren. 16 61 ist als Taufpatin verzeichnet Frau Margarete L e s ch i n zu Königsberg. Diesem Joh. B. Lesch wird 1661 ein Sohn geboren, bei dessen Taufe Patin war eine Frau Ur­sula Lesch. 1685 tritt Augustus Lesch, Junker Lescheu zu Krofdorf, auf. A. Lesch wird 16 93 zu Gleiberg getraut mit einem Fräulein v o n Dörfel d. Dieser A. Lesch wird auch auf Gleiberg gewohnt haben, wo die Familie Lesch gleichfalls begütert war. 1695 wird im Gleiberger Taus­register erwähnt:Junker Leschen" ein Töchterlein getauft, vermutlich ein Kind des A. Lesch. Taufpaten waren die gnädige Frau Gräfin Marie Polixena von Nassau-Weilburg, Herr Joh. Friedrich Lesch, die Fräulein von der Schmitt Loysa! Dorothea. 1657 war Taufpate: Christoph Losch, Keller (Renntmeister) zu Gießen.

1694 wird Gottfried Lesch: getraut mit einem! Fräulein v. Habel von Litzelweg. Gottfried Lesch stirbt 1730, seine Frau 1731, 69 Fahre alt.

1711 tritt Friedrich Lesch als Taufpate auf. Gr wird weiter erwähnt 1716, 1729. 1735, 1739, 1745 kommt Philipp Wilhelm Lesch von Mühlheim vor. Er stirbt 1766. 1 7 4 3 ist Taufpate ein Georg Lud - wig Lesch, Page am Nassauer Hof. 1 736 und 1738 läßt Fähndrrch Lesch von Gießen einen Sohn, bezw. eine Tochter, taufen. 17 47 wird Fähndrich Adolf von Lesch erwähnt.

1 7 46 wird August Ernst! Lesch, Leutnant,unter den Holländern" in Langen, wo feine Frau auf der Reise nach Krofdorf nieberEam, ein Sohn getauft. A. E. Lesch trat in holländische Militärdienste, da das Haus Nassau- Weilburg mit Nassau-Oranien iu Holland verwandtschaft­liche Beziehungen hatte. Fürst Karl von Nassau-Weilburg bot selbst seine Dienste beit Generalstaateu an und erhielt am 29. Oktober 1756 das Patent eines Generalmajors der holländischen Infanterie. A. E. Lesch wohnte mit feiner Familie meistens in Krofdorf, da der militärische Dienst in Holland ihn nur vorübergehend in Anspruch nahm. 17 5 2 läßt er als holländischer .Hauptmann in Krofdorf eine Tochter taufen. Er starb 1761, 54 Jahre alt, und wurde in der Familiengruft in der Krofdorfer Kirche beigesetzt.

1736 wird Fr i edrichv. Les ch von Mühlheim, Fähn­rich in Gießen, erwähnt; vielleicht ist es derselbe, der 1749 als Kapitän und 1752 als Waldeckischer Hauptmann aufgeführt wird. Auch zwischen Nassau-Weilburg und Wal­deck bestanden nähere Beziehungen. Friedrich v. Lesch nahm später seinen dauernden Wohnsitz in Krofdorf. Man muß ihn als Majoratsherrn der Familie betrachten. Fried­rich v. Lesch starb 1763.

Es würde zu weit führen, alle in den Registern aufge­führte Namen der Leschischen Familie zu erwähnen; so wären mindestens noch 50 männliche und weibliche Glieder zu nennen.

Die Familie von Lesch stand in freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu mehreren anderen ehe­mals in unserer Gegend ansässigen, zum Teil jetzt nicht mehr bestehenden adeligen Familien, zu denen von Wrede, W o l f s k e l von Vetzberg, von D e r n b a ch zu Rod­heim, von Der sch zu Salzböden, von Bus eck, von Nord eck zu Rab e n au, v o n W eit er s h au s en, von Hill zu Bad enb ur g, von C r zu St au f en b e r g, von C o r f f z u W i e s e ck, von S ch e n k z u Schweins- berg zu Gießen, von Schwalbach zu Gießen, von Spiegel zu Gießen, von Reitz en st ein auf der Wißmar er bach".

Die Adelsfamilie v. Wrede stammte aus Westfalen. Wir finden Glieder derselben in Württemberg, Bayern, Hessen und Nassau Sie bekleideten meist höhere Stellen im Mili­tärdienst. Gin v. Wrede war es, der mit 30 000 Mann Bayern nach der Schlacht bei Leipzig Napoleon bei Hanau den Rück-